Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 13 › Seite 103
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-02-17, Seite 103
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land begonnenen Studien zur Vorbereitung auf
das heilige Amt vollenden wollten. Wir ſahen
in dieſen Sendboten allerdings neue Pfänder
der alten treuen Geſinnung Herrn Pfarrer
Löhe's gegen unſere Synode und redende Zeu⸗
gen der bereits ſchwindenden Bedenken desſelben
über letztere.
Tags darauf, am 13. g. M., eilten wir nach
Verden. Zwar weckte die rührende Scene des
Wiederſehens von Mutter und Sohn nach lang⸗
jähriger Trennung, davon ich jetzt hier Zeuge
war, in mir eine tiefe Wehmuth, da es Gott
gefallen hatte, dieſe auch von mir gehoffte Freude
mir plötzlich und unerwartet durch Heimrufung
meiner noch vor wenig Monaten in Deutſchland
lebenden betagten Mutter zu entziehen, allein,
nicht wie ein Fremdling, ſondern wie ein zweiter
Sohn und Bruder aufgenommen, fühlte ich mich
in dem alten Pfarrwittwenhüttlein bald ſo hei⸗
miſch, daß ich an der Freude meines theuren
Freundes Woneken theiknehmen konnte, als ob
auch ich wieder an die geliebte Stätte meiner
Kindheit mit ihren lieblichen Erinnerungen ge⸗
kommen wäre.
Da der nächſte Tag ein Sonntag (Dom. 13.
nach Trin.) war, ſo machten wir uns alsbald
am Morgen desſelben nach Arbergen auf,
einem in der Nähe Bremens liegenden Dörflein,
in welchem der Bruder meines lieben Reiſege⸗
fährten, Carl Wyneken, Prediger iſt. Aus
ſeinem Munde hörten wir hier das erſte Mal
wieder in Deutſchland das Wort Gottes in öf⸗
fentlicher Predigt und freuten uns der Einigkeit
des Glaubens, durch die wir uns mit ihm bald
verbunden erkannten und fühlten. Von dem⸗
ſelben nach Verden wieder zurückbegleitet, waren
wir am Abend noch mit einem der Verden'ſchen
Paſtoren, mit Namen Böhn, zuſammen und
lernten auch an dieſem einen rechtſchaffenen Die—
ner unſerer evangeliſch⸗lutheriſchen Kirche ken—
nen. Überhaupt hatten wir ſchon während der
noch ſehr kurzen Strecke uuſerer Reiſe auf deut⸗
ſchem Boden deutlich geſehen, daß in Deutſch⸗
land ſeit unſerer Abweſenheit von da eine große
Veränderung, und zwar offenbar zum Beſſeren.
Von immer mehr Orten, wo früher der elendeſte
Rationalismus gehauſ't hatte, hörten wir, daß
da jetzt gläubige Prediger wirken und daß auch
unter dieſen gläubigen Predigern immer mehr
zu der Ueberzeugung kommen, wie nothwendig
ein treues und entſchiedenes Feſthalten an dem
kirchlichen Bekenntniß und eine dem entſprech⸗
ende Fernhaltung von kirchlicher Getieiuſchaft
mit Falſchgläubigen ſei. Von vielen vormal.
hartnäckigen Verfechtern der Union erfuhren wir,
daß ſie jetzt die Bodeuloſigkeit u. Ungöttlichkeit
dieſes Werkes immer lebendiger erkennen u. daß
ſich daher immer mehr früher nach unioniſtiſchen
Grundſätzen gegründete Vereine theils gänzlich
aufgelöſt, theils mehr und mehr auf kirchliche
Baſis geſtellt haben. Als einer der kräftigſten
und geſegnetſten Zeugen für lutheriſche Wahr—
beit in der Umgegend von Verden wurde uns
hier ein vormaliger Gymnaſiallehrer, jetzt Pa⸗
ſtor in Oiſte, K. Münkel, gerühmt. Des
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anderen Tages ſtatteten wir daher demſelben
einen Beſuch ab; und in der That, wir konnten
uns der Bekanntſchaft mit dieſem theuren Manne
bald recht herzlich freuen. Die Sprache deſſelben
verrieth uns bald, daß derſelbe bei Luther in
die Schule gegangen ſein, nehmlich die Schriften
dieſes hocherleuchteten Mannes Gottes wohl
mehr, als, leider! viele andere, die doch auf
echtes Lutherthum die größten Anſprüche ma⸗
chen, ſtudirt haben müſſe. In dieſer guten
Schule hatte er natürlich auch wohl gelernt,
daß zu einem guten Hirten nicht nur das treu⸗
liche Lehren und Weiden, ſondern auch das
ernſte Wehren und Streiten gehöre. Wir fan—
den ihn daher nicht nur ſehr bekümmert, wie er
ſeine früher geiſtlich verwahrloſete Gemeinde recht
unterrichten, aufwecken und zu Chriſto führen,
ſondern anch, wie er die Einflüſſe der ſie vor
einiger Zeit umſchwärmenden methodiſtiſchen
und wiedertäuferiſchen Sekte von ihr fern halten
möge. Um das letztere zu erreichen und um
überhaupt das arme unwiſſende Volk in den
Hannoveriſch. Landen vor dem Gift der Schwär—
merei zu warnen und zu bewahren, das die ge⸗
nannten Sekten dort auszuſtreuen ſuchen, arbei⸗
tete Münkel mit an einem in Osnabrück her⸗
auskommenden, immer entſchiedener auftretenden
Volksblatt, und er hat auch zu dieſem Zwecke
einige recht körnige Traktate in anziehender,
volksthümlicher Sprache geſchrieben. Um nnr
einige derſelben namhaft zu machen, ſo trägt das
eine den Titel: „Was iſt von den Methodiſten
zu halten?“ Ein anderes: „Kurzer Unterricht
über Taufe und Lehre der ſogenannten Wieder⸗
täufer.“ Ein drittes: „Pfeiler und Grundveſte
der Wahrheit.“) Der Segen, den Münkel hier⸗
durch geſtiftet hat, iſt ſichtbar und groß. Vielen,
die vorher den ſüßen Verſicherungen der Herren
Methodiſten Glauben geſchenkt haben und die
daher denſelben mit großem Zutrauen entgegen
gekommen ſind, ſind nächſt dem immer deutlicher
felbſtredenden Verfahren der Methodiſten ſelbſt
durch Münkel's Schriſten die Augen über dieſel⸗
ben geöffnet worden. Aus der Umgegend von
Oiſte, wo ſich Methodiſten und Baptiſten bereits
ziemlich eingeniſtet hatten, ſind ſie gegenwärtig
faſt gänzlich wieder verſchwunden, und die Chri—
ſten in und um Oiſte, welche durch Verführung
derſelben ihrem treuen Seelſorger u. zum groß en
Theil geiſtlichen Vater beinahe völlig entwendet
und entfremdet worden waren, haben durch Got⸗
tes Gnade erkannt, daß. ſie ſich von dem Winde
eines falſchen Geiſtes hatten bewegen laſſen,
auf gefährlichen, geiſtlichen Höhen ihre Weide
zu ſuchen, und ſind auf die verlaſſenen grünen
Auen des alten Edangeliums wieder zurückge⸗
kehrt, wie es unſere theure evangeliſch-luthe—
riſche Kirche in den Schriften ihrer gottſeligen
Lehrer und von den Kanzeln ihrer noch lebenden.
*) In einer anderen Nummer gedenke ich aus dieſen Trar⸗
taten dem Leſer Mehreres mitzutheilen, nicht nur, damit
man den Kampf keunen lerne, den unſere Kirche in Deut ſch⸗
land gegen die auch hier graſſirenden Sekten kämpft, ſon⸗
dern damit wir auch an dem Segen deſſelben mit Theil
nehmen.
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treuen Diener verkündigt.
in Luther's Schriſten heimiſch war und aus
dieſem Brunnen fleißig mit vollen Zügen ge⸗
trunken hatte, deſto mehr begegneten wir uns
auch in unſerer Glaubensüberzeugung, als wir
demſelben den Glauben darlegten, den wir hier
der Welt und den irrenden Brüdern gegenüber
bekennen; und ſo glaubensſtärkend unnes die
brüderliche Ausſprache des werthen Mannes
war, ſo hoffen auch wir, daß hinwiederum un⸗
ſer Zeugniß ihem nicht ohne Segen geweſen
ſein werde. Gott laſſe ihn noch ferner Licht u.
Salz in dem ihm von Gott angewieſenen Kreiſe
ſein, laſſe ſein Licht immer heller brennen und
ſein Salz immer kräftiger ſalzen.
Am 16. September Nachmittags verließen.
Unſer nächſtes Ziel ſollte Mag⸗
wir Verden.
deburg ſein, wo wir ein einflußreiches Glied
der lutheriſchen Kirche von Preußen kennen zu
lernen und vermittelſt deſſelben eine Verbindung.
mit den Preußiſchen Brüdern anknüpfen und
reſp. einleiten zu können hofften. Nach langen
vergeblichen Fragen in dieſer Stadt nach dem
hier fungirenden „altlutheriſchen“ Prediger —
ſelbſt auf dieſe Benennung hin wurden wir wie—
derholt zu unirten Predigern gewieſen! — er—
fuhren wir endlich, daß der hier zu den ſepa—
rirten preußiſchen Lutheranern gehörende Paſt.
Wolf —verreiſt ſei. Unverrichteter Sache muß⸗
ten wir daher Magdeburg verlaſſen. Von hier
fuhren wir nach Hal e, wo wir den 17. d.
M. Nachmittags ankamen. Die Gelegenheit,
Herrn Profeſſor Dr. Guericke dahier zu
ſprechen, konuten wir unmöglich unbenutzt laſ-
ſen. Wir ſuchten daher denſelben auf, und,
obgleich uns beiden der Herr Doktor ſchon als
ein überaus leutſeliger und echriſtlich demüthiger
Mann perſönlich bekannt war, ſo fanden wir
doch eine ſo ausnehmend wohlwollende und
herzliche Aufnahme, wie wir fie nicht erwartet
hatten. Nicht nur war uns ſo hier gar bald
das Herz aufgethan, es zutrauungsvoll und
ohneRückhalt auszuſchütten und über den Stand
unſerer Synode, in Lehre und Prayis, zu be⸗
richten; mit großer Freude virnahmen wir auch
aus dem Munde des verehrten Mannes, daß
er ſelbſt fort und fort die Entwickelung unierer
Kirche hier mit ſteigender Theilnahme verfolgt
habe und den Standpunkt, den unſerr Synode
eingenommen, als den rechten anerkenne. Als
einen Beweis ſeines auch öffentlich bezeugten
Einverſtänduiſſes theilte er uns hierauf mehre—
res mit, was er Eigenes und Fremdes in das
eben unter die Preſſe gegangene letzte Quartal⸗
heft der (Rudelbach-Guerickiſchen) Zeitſchrift
vom vorigem Jahre hatte einrücken laſſen. Un⸗
ter Anderem hieß es darin alſo: „In Amerika
ſind bereits beide Partheien, die ehemaligen
Schleſier, an ihrer Spitze Paſtor Grabau,
und die ſächſiſchen Paſtoren in Miſſouri, in
heftigem Kampfe. Mag immer hier auf beiden
Seiten viel Mißverſtändniß, Schroffheit und
Verirrung vorgekommen ſein, in dem eigentli⸗
lichen, für viele freilich noch nicht
recht erkennbaren Brennpunkte der Streit⸗
frage haben die Sachſen eutſchieden recht, die
Je mehr Münlel
PfPffffff
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