Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 13 › Seite 102

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-02-17, Seite 102

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Anhang

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aufgetragenen Ausarbeitung einer Bekenntniß⸗
ſchrift gegen die Verunglimpfungen, die unſere
Eynode von Herrn Paſtor Grabau erfahren
hat, beſchäftigt, beabſichtigte, einige Tage ſpäter
alzureiſen und dann mit Paſtor Wyneken in
Rew.Nork wieder zuſammenzutreffen. Es gefiel
ioch Gott, mich in dieſer Zeit auf ein ſchweres
Hrantentager zu werfen und ſo zuvor in ſeine
kebe heilige Kreuzesſchule zu führen. Während
ich mich jedoch gänzlich des Lebens erwegte, das
ic auch gar gern in die Hände meines lieben
kimmliſchen Vaters zurückgegeben hätte, flehte
neine theure Gemeinde um die Erhaltung mei⸗
nes armen Lebens zu Gott, und Gott erhörte
ihr Gebet und richtete mich nach einigen Wochen
vicder gnädig auf, ſo daß ich, obwohl noch ziem⸗
lich ſchwach, doch im Stande war, bereits am
Kkend des 15. Auguſts von hier abzureiſen.
Eine ſchnelle und glückliche Fahrt (auf dem Miſ⸗
ſſtpvi und Illinoisfluß nach Laſalle in Illinois,
ven da auf dem Canal nach Chicago, wo ich
tine Stunden mit den Brͤldern Selle, Hoff⸗
nann und Küchle zuſammen ſein konnte, hier⸗
af über den Michigan-⸗See nach New⸗Buffalo,
ven da auf der Eiſenbahn nach Detroit, von
bier über den Erie⸗See nach Buffalo, und von
da über Albany) brachte mich in einer Zeit von
fünf Tagen und einigen Stunden nach New⸗
Riz, wo Paſtor Wyneken bereits ſehnſüchtig
keiner wartete. Da es der ausdrückliche Wille
der Synode war, daß wir um Zeiterſparniß wil⸗
ken nicht mit einem Segelſchiffe reiſen, ſondern
die Dampfſchifffahrtsgelegenheit benutzen ſollten,
o wurden wir genöthigt, noch einige Tage in
Rews gork in dem Hauſe unſeres theuren
Bruders Brohm zu verweilen. Wir bekamen
ſo Gelegenheit, die zu unſerer Synode gehörende
Gemeinde desſelben etwas näher kennen zu ler⸗
nen und freaten uns von Herzen, mit einer
ganzen Schaar rechtſchaffener eifriger Chriſten
in derſelben bekannt zu werden, die eine, wenn
auch nicht beſonders zahlreiche, doch deſto ticfer
gegründete Gemeinſchaft in der großen Welt⸗
faadt bilden.

Mit dem zunächſt nach Europa abgehenden
Dampfſchiff gingen wir zur Ser. Es geſchah
ties am 27. Auguſt mit dem engliſchen nach
Liverpool in England ſegelnden Königl. Poſt⸗
dampfſchiff Afrika. Hier fanden wir, obgleich
in der zweiten Cajüte, alles, was zur Beguem⸗
lichkeit auf einer Seereiſe dienen kann. Von
faſt ſtets heiterem Wetter und ruhiger See be⸗
günſtigt, liefen wir nach einer wenig mehr als
jebntägigen glücklichen Fahrt (durch den Nord⸗
kanal zwiſchen Irland und Schottland an der
Inſel Man vorbei) Sonnabends den 6. Sep⸗
tember Abends in der zehnten Stunde in dem
Hafen von Liverpool ein. Wir mußten mitten
im Fluß (Merſey) Halt machen, und nachdem
binnen vier Stunden die Zollbeamten ihr Amt
an den circa 80 Paſſagiren, beſonders ſtreng
nach Briefen und Cigarren inquirirend, gethan
hatten, wurden wir durch ein kleineres Dampfboot
ans Land gebracht. Unterdeß war der Sonntag
angebrochen, und da an dieſem Tage in Eng⸗
land nicht gereiſt wird und die Eiſenbahnfahrt

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ſtill ſteht, ſo waren wir genöthigt, ein Gaſthaus
aufzuſuchen und hier bis zum nächſten Tag zu
warten. Nicht wiſſend, daß es hier eine aus
den zu Tauſenden in Liverpool lebenden Deut⸗
ſchen geſammelte nicht unbedeutende proteſtan⸗
tiſche Gemeinde gebe, die hier eine hübſche Kir che
beſitzt, was wir erſt ſpäter erfuhren, warteten
wir den Gottesdienſt in zwei engliſchen Kirchen
ab. Beide waren Verſammluigshäuſer der
engliſchen Hoch-(Epiſcopal-) Kirche. Es war
für uns höchſt intereſſant, gerade in denſelben
die beiden jetzt in dieſer Kirche einander gegen⸗
über ſtehenden Partheien vertreten zu ſehen. In
der einen hörten wir nehmlich einen Puſepiten
einen trocknen Catheder⸗Vortrag darüber halten,
daß die engliſche Kirche die wahre Kirche JEſu
Chriſti auf Erden ſei (was derſelbe hauptſächlich
aus ihrer Verfaſſung und inſonderheit der darin
bewahrten biſchöflichen Succeſſion (Amtsfolge)
zu erweiſen ſuchte); worauf die Verwaltung
des heil. Abendmahls in der unheimlichen mum—
melnden Weiſe der römiſchen Kirche und mit der
Anwendung des jetzt in England ſo viel Streit
erregenden Offertoriums *) folgte. Zur Gegen⸗
parthei ſchien der Prediger zu ſein, den wir am
Abend desſelben Sonntags hörten. Seine Pre⸗
digt, von dem Kommen des HErrn zum Gericht
handelnd, war lebendig und kräftig und mit
Zeugniſſen der heil. Schrift Alten und N. Teſta⸗
ments durchwebt; leider fehlte ihr aber, dem
Charakter der meiſten engliſchen Predigten ge⸗
mäß, die klare Auseinanderſetzung, wie ein ar⸗
mes, aufgewachtes Gewiſſen ſeines Heils gewiß
werden könne auf Grund der troſtreichen Lehre
von der Rechtfertigung eines armen Sünders vor
Gott durch den Glauben allein. Doch ſreuten
wir uns der Hoffnung, daß, da in der auf—
weckenden Predigt dieſer Troſt doch nicht ganz

verſchwiegen war, die zahlreichen, höchſt auf⸗

merkſamen Zuhörer gewiß zu einem großen Theil
nicht aus der Kirche gingen, ohne daß ein Sa⸗
menkorn der göttlichen wiedergebärenden Wahr⸗
heit in ihre Herzen gefallen wäre.

Am Tage darauf Mittags fuhren wir nun
mit dem erſten Eiſenbahnzug von Liverpool über
Mancheſter und Selby nach Hull, um von die⸗
ſer Hafenſtadt der engliſchen Oſtküſte aus mit der
erſten Gelegenbeit nach Deutſchland abzugehen.
Leider fand ſich auch hier eine ſolche Gelegenheit
nicht ſogleich; wir muß ten daher an dieſem alle
Widerlichkeiten der Seeſtädte in beſonders rei⸗
chem Maaße bieten den Orte, wo uns faſt nichts,
als der Anblick des allerdings unvergleichlich
herrlichen und mächtigen Domes anzog, bis
Mittwoch früh (den 10. September) aushalten,
wo wir uns auf das engliſche Dampfſchiff
„Hamburg“ begaben, mit welchem wir nach
einer zweitägigen unruhigen Fahrt unter Sturm
und Regen am 12. desſ. M. am Vormittag glück⸗
lich ankamen.

Das Erſte, was wir hier zu thun hatten,
war, uns bei einigen, Paſtor Wyneken bereits
bekannten, Lutheranern zu erkundigen, ob und
wann dieſes Jahr die von Zeit zu Zeit in Bres⸗

lau ſich verſammelnde Synode der preu 5 i⸗

) Einſammlung des ſogenannten Opfergeldes.

ſchen ſeparirten Lutheraner abge⸗

halten werde; denn wenn dieſe, wie ein Gerücht

uns geſagt hatte, wirklich in den nächſten Tagen

gehalten werden ſollte, ſo wollten wir derſelben

erſt beiwohnen und dann erſt nach Süddeuiſch⸗

land, dem Hauptziele unſerer Reiſe, uns wen⸗

den. Zu unſerem Bedauern erfuhren wir, daß
dieſes Jahr keine Synodalverſammlung der Ge⸗
nannten Statt finde. Bei Einziehung dieſer Er⸗
kundigung wurde uns bekannt, daß jetzt ſeit
kurzem nach langjährigen vergeblichen Bemü⸗
hungen in Hamburg eine kleine lutheriſche
Gemeinde ſich geſammelt habe, welche ſich von
dem dortigen, zwar lutheriſch ſich nennenden,
aber falſchgläubigem Miniſterium der Stadt los⸗
geſagt und durch Vermittelung des Herrn Paſt.
Löhe einen rechtgläubigen Candidaten, mit Na⸗
men Meinel, zu ihrem Prediger erhalten hat,
zwar trotz aller Anſuchungen don dem Magi⸗
ſtrat ofüciell noch nicht anerkannt, aber doch nun,
ohne in ihrem Gottesdienſte beunruhigt zu wer⸗
den, geduldet wird. Die Glieder der Gemeinde,
mit denen wir näher bekannt wurden, ſammt
ihrem lieben eifrigen Seelſorger, erſchienen uns
als Lutheraner von der redlichſten Geſinnung,
mit denen wir uns bald brüderlich verbunden
fühlten. Der freundlichen dringenden Einla⸗
dung derſelben, einige Tage bei ihnen zu ver⸗
weilen, konnten wir, leider! nicht Folge leiſten.
Von ihnen mit dem ausgeſprochenen innigen
Wunſche, daß uns Gott zu völliger Einigung
mit ihrem geliebten Löhe Gnade geben wolle,
entlaſſen, machten wir uns nun auf den Weg,
über Harburg nach Verden, einer einige Mei⸗
len ſüdlich von Bremen liegenden hannöͤveri⸗
ſchen Stadt, zu reiſen, wo Paſtor Wyncken's
greiſe Mutter, eine Pfarrwittwe, noch lebt und
wo wir uns von den Anſtrengungen der Ser⸗
reiſe zu erholen und zur Arbeit zu ſtärken ge⸗
dachten, da inſonderheit Schreiber dieſes noch
immer etwas an den Nachwehen ſeiner letzten
ſchweren Krankheit zu leiden hatte. In Har—
burg übernachteten wir. Hier fanden wir
nehmlich die freundlichſte brüderliche Aufnahme
bei dem Herrn Hafenmeiſter Stürje, vorma⸗
ligem Schiffskapitain, der zu den wenigen jener
Gegend gehört, die ſich ſchon ſeit längerer Zeit
aus dem Unionsnetz durch Gottes Gnade losge⸗
wickelt haben und zu dem lebendigen Bewußtſein
gekommen ſind, was ſie an ihrer alten evange⸗
liſch⸗lutheriſchen Kirche haben. Hier fanden wir
zugleich den gleichgeſinnten Freund des Genann⸗
ten, Herrn Obriſtlieutnant von Platen und
Herrn Conſiſtorialrath Dr. von Hanffſtän⸗
gel aus Stade, welche beide das regſte Inte⸗
reſſe an unſerer amerikaniſch-lutheriſchen Kirche
nahmen, daher letzterer uns auch dringend ein⸗
lud, auf unſerer Rückreiſe Stade zu beſuchen.
Zu unſerer großen Freude begegneten wir hier
auch mehreren durch Vermittelung Herrn Paſtor
vöhe's aus Deutſchland unſerer Kirche wieder
zugeſendeten neuen Arbeitern, dem Miſſionar K.
Diehlmann und dem für Frankenhilf im
Staate Michigan beſtimmten Paſtor Deindör⸗
fer, nebſt zweien jungen Männern, die in dem
Seminar zu Fort⸗Wayne ihre bereits in Deutſch⸗

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