Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 2 › Seite 18

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-09-15, Seite 18

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nig darauf an, wer in dieſen und anderen (ſo⸗
genannten) Nebenlehren recht habe, wenn man
nur in den Hauptlehren einig ſei: da kann na⸗
türlich ü'berhaupt weder Luſt noch Kraft zu dem
Kampfe um Gottes Wort und das reine Bekennt⸗
niß ſein; da kann freilich dieſer höchſte und
teelſee Kampf des Glaubens nicht gekämpft und
das wahre Heiligthum Gottes wider die gewalt⸗
ſamen und liſtigen Anläufe des Satans und
der Seinen nicht erhalten werden; da bleibt es

tinzelne Sünden und Gebrechen des Lebens und
bei einem pietiſtiſchen Eifer um einzelue Tu-—
genden und Trefflichkeiten.

Ach! möchten doch die armen Unionsleute
und zumal die ehemaligen Lutheraner durch den
Ernſt dieſer Zeit und die Größe des bereits an⸗
gebrochenen Kampfes, da Niemand auf die
Länge ſich neutral halten kann, heilſam erweckt
berden, den Taumel- und Schwindelgeiſt der
falſchen Union von ſich ſtoßen, durch den Nebel
hindurchbrechen, wach und nüchtern ſich um—
ſhauen, und reumüthig zu ihrer Kirche zurück⸗
hrend, um ihr gutes und ſtarkes, den Pforten
der Hölle Trotz bietendes Bekenntniß mit allen
nruen Lutheranern und wahren Glaubensbrü⸗
dem ſich zuſammenſchaaren und den großen und
tlen Kampf des Glaubens um das höchſte
Gut mitkämpfen; renn es wird Niemand ge⸗
kinet, er kämpfe denn recht; und nur wer
alſo in der kämpfenden Kirche geſtritten, kann
Ir! triumphirenden hindurch dringen. —

Eo ſie aber den ernſten Zuruf und die Mah⸗
lung Gottes zu bußfertiger Wiederkehr in die
Zeichen dieſer Zeit verachten, ſo kann es dahin
kmmen, daß ſie iminer mehr ermatten und ein⸗
ſhlafen, nachdem ſie in feiger Flucht ſich dem gro⸗
In Kampfe entzogen und auf eine Weile ein neu⸗
mles Gebiet zu behaupten verſuchten, endlich

üiden vermögen, ganz vom Glauben fallen und
ni dem Weltgeiſte ſich uniren. Das verhüte
Hoit in Gnaden!

— —— —

lnweihung der ev. luth. Kirche auf der
ö Horſe Prairie, Randolph Co., Il.

I „„— —

Da ich weiß, daß die theuren Leſer des „Lu⸗
Araners“ herzlichen Antheil an den Angelegen⸗
Rittn des Reiches Gottes nehmen, und ſich
nifteuen über jeden Sieg, den das Reich des
uhtes über das Reich der Finſterniß ſich erficht,
ſglaube ich vorausſetzen zu dürfen, daß ihnen
Racrichten von der Erbauung und Einweihung
Auer Gotteshäuſer nicht unlieb ſein werden.
chtann desbalb nicht umhin, Einiges über eine
hudendolle Kirchweih auf der Horſe-Prairie,
krich jüngſt beigewohnt habe, hier zu herichten.
on der Gemeinde und ihrem Paſtor Herrn

hichſteus bei einer pietiſtiſchen Plänkelei gegen

dch dem Andrange des Feindes nicht zu wider⸗

— 15—

wackliges Gewiſſen darüber vorhanden iſt, wie A. Brandt von der Indianopolis-Synode zur
3 B. in der Lehre von den heil. Sakramenten Feier dieſes fröblichen Feſtes eingeladen, ritt ich
Gottes Wort zu verſtehen ſei, ob die Lutheraner Sonnabend vor dem XI. p. I. nach der Horſe
ootr Reformirten Recht haben, oder wo ſie in Prairie und fand bei meiner Ankunft, daß Paſtor
ſträflicher Gleichgültigkeit und mangelnder Ebr⸗ ö Birkmann bereits vor mir eingetroffen war.
furcht vor Gottes Wort wähnen, es komme we⸗ Von ihm und Herrn Paſtor Brandt herzlich em⸗

pfangen, gingen wir, nach einer kurzen Erho⸗

lung, miteinander in die Kirche, wo der Paſtor
ver Gemeinde mit den Communicanten, nach

voraufgegangener Beichtanmeldung, Beichte
hielt. Den Nachmittag über bis ſelbſt in die
ſpäte Nacht hinein waren viele Hände eifrig be—
ſchäftigt um die Kirche feſtlich zu ſchmücken.
Der Feſtmorgen brach an; majeſtätiſch und
ſchön ſtieg die Sonne am blauen Himmelsge⸗
wölbe herauf und lud, indem ſie einen ſchönen
heitern Tag verhieß, Alles weit und breit zur
Feſttheilnahme ein. Es war kaum 8 Uhr als
man von allen Seiten große Schaaren von Feſt⸗
genoſſen zu Wagen und zu Pferd herbeieilen
ſah. Die Frage: wohin die Leute eilen ſo früh'
Morgens? konnte auch der Fremde erſparen,
denn daß es die Feier eines Freudenfeſtes gelte,
war deutlich in Aller Angeſicht zu leſen. Die
Kirche, deren Einweihung es heute galt, iſt ein
ſchönes Främgebäude von etlichen 40 Fuß Länge
und 30 Fuß Breite mit einem hübſchen, über die
Ebene weithinragenden Thurme. Um 10 Uhr
ſollte der Gottesdienſt erſt beginnen, aber ſchon
eine geraume Zeit vorher war die geräumige
Kirche mit Feſtgäſten, Klein und Groß, ange⸗
füllt, ſo daß ſelbſt der Eingang in dieſelbe beſetzt
wurde, und Viele mußten draußen ſtehen blei⸗
ben und durch die geöffneten Fenſter und Thüre
zuhören. Es hatten ſich neben den Deutſchen
auch viele Engliſche eingefunden, weil ihnen bei
dieſer Gelegenheit eine engliſche Predigt verſpro⸗

chen war. Wie die Feſtfeiernden, ſo war auch
Draußen vor der

die Kirche feſtlich geſchmückt.
Kirchthür ſtanden zwei ſchlanke, ſchöngewachſene
Birken; unter einem großen, aus Laub gewun⸗
denen Bogen trat man in die Kirche ein. Die
Wände, Kanzel und Altar waren mit Laubge⸗
winden und von allerlei ſchönen Blumen ge—
wundenen Guirlanden behangen. Die Kanzel
befindet ſich über dem Altar und gewähren beide
einen wohlthuenden Anblick. Die ſchwarze Al—
tardecke bietet dem Eintretenden die Worte zu
leſen dar: „Halte, was du haſt, daß Niemand
deine Krone nehme,“ Offb. 3, 11., und von der
Kanzeldecke funkeln ihm die Worte Jeſu entge—
gen: „Thut Buße, und glaubet an das Evange⸗
lium,“ Marc. 1, 15. +
So verſammelt, hob der Feſtgottesdienſt an
mit Singen einiger Verſe aus dem Liede: „O
heiliger Geiſt kehr' bei uns ein,“ darauf verrich⸗
tete Paſtor Brandt den Altargottesdienſt und
dann ſang die Gemeinde das Kirchweihlied:
„Dreifaltig heilig großer Gott!“ Paſtor Birk—-
mann beſtieg, nachdem der Geſang verklungen
war, die Kanzel, und hielt über das Evangelium
Luc- 19, 1—10, die Feſtpredigt.
Thema die Frage auf: Wie kann dieſes Gottes⸗
haus eine ſolche Stätte werden, darinnen⸗ den
Seelen Heil wiederfährt? und antwortete darauf

1. wenn die reine Lehre hier verkündiget und be⸗

dem Leben aus Goͤtt.

wahrt wird, und 2. wenn heilsbegierige Seelen
ſich hier einfinden, die das angebotene Heil in
der Kraft des h. Geiſtes annehmen. Der Feſt⸗
redner ſprach recht herzlich zu der Verſammlung
und dieſe ſchien es auch zu ahnen und hoͤrte ihm
deshalb mit großer Begierde und Spannung zu.
Während jetzt ein Vers geſungen wurde, trat
am Ende deſſelben Schreiber dieſes auf die Kan⸗
zel und hielt eine kurze Predigt in engliſcher
Sprache über Mare. 13, 33—37. Am Schluſſe
derſelben fand die Feier des h. Abendmahls ſtatt.
Die Conſecration wurde vom Paſtor Brandt
vollzogen in dem er das „Vater unſer“ und die
Einſetzungsworte ſang, und darauf von ihm und
Paſtor Birkmann der Leib und das Blut des
Herrn Chriſti an die Communicanten ausgetheilt
wurden. Nach der Abendmahlshandlung ſprach
Paſtor Br., dem Altar zugekehrt, ein feierliches,
herzergreifendes Einweihungsgebet, worauf dann
die Gemeinde mit dem Segen des Herrn entlaſ⸗
ſen wurde. — Nachmittags verſammelte ſich die
Gemeinde wieder in großer Anzahl, und Schrei⸗
ber dieſes hielt über Joh. 14, 27 eine Predigt in

deutſcher Sprache, worin er den Frieden, den

Jeſus gibt, wie jedem Einzelnen, ſo der Gemein⸗
de in ihrer Geſannntheit, vorzumalen und an's
Herz zu legen ſuchte. Er glaubte, daß dieſes
Wort ein Wort zu ſeiner Zeit ſein dürfte, weil
in dieſer Gemeinde das Feuer des Haders und
der Zwietracht ſo überhand genommen haite, daß
ihr früherer Paſtor C. Straſen genöthigt war,
ſie zu verlaſſen. Durch Paſtor Br. Daz zwiſchen⸗
kunft ließ ſich jedoch die Gemeinde bewegen, ih⸗
ren früheren vertriebenen Paſtor kommen zu
laſſen, und that ihm Abbitte. Wenn dieſe Buße
rechter Art war, wie wir ſo gern wünſchen möch—
ten, ſo hat gewiß Paſtor Straſen und Gott ſelbſt
dieſer Gemeinde Alles vergeben, und wir wün⸗
ſchen ihr ſammt ihrem treumeinenden Paſtor
nochmals den Frieden Gottes, auf daß ſie, wie
ſie ſtark an Zahl iſt, auch immer ſtärker und
ſtärker werde am rechten kirchlichen Chriſtenthum,
M. Eirich.“
Cheſter den 5. Erbtir. 1851.

——— — — — ————

New⸗ Hork, den 26. Angiſt 1851.
Liebe Leſer!

Manche unter euch wird es wohl befremden,
aus dem Gegenwärtigen zu erſehen, daß wir,
die Unterzeichneten, uns dieſer Zeit in der oben
genannten Stadt befinden; und dieſes Befrem⸗
den wird vielleicht noch mehr geſteigert werden,
wenn ihr höret, daß wir zu keinem andern Zwecke
aus dem fernen Weſten unſeres neuen Vater⸗
landes in den äußerſten Oſten gewandert ſind,

als um noch weiter über den Ozean hinüber zu

ſchiffen in unſere alte Heimath. Vielleicht ſpre—
chen hierbei manche unter euch in ihrem Herzen:
Wie? Wollt etwa nun auch ihr Altlutheraner

nach Deutſchland, um dort die Leute zu bekeh⸗
Er ſtellte als

ren? Seid ihr denn auch Methodiſten geworden,
daß ihr meint, nirgends ſei die Kirche, als bei

euch, und ohne euch müſſen die armen Leute ver⸗

loren gehen? Oder wollt ihr etwa den Metho⸗
diſten und Albrechtsleuten, die jetzt unberufen

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