Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 2 › Seite 17

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-09-15, Seite 17

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Lehre und Erkenntniß bin reich gemacht wor⸗

worden, wie denn die Predigt von Chriſto in mir

kräftig worden iſt, alſo, daß ich nunmehr keinen
Mangel habe an irgend einer Gabe nud warte
nur auf die Offenbarung unſers Herrn Jeſu
Chriſti, welcher auch mich wird feſt behalten bis
ans Ende, daß ich unſträflich ſei auf den Tag
unſers Herrn Jeſu Chriſti. Denn Gott iſt's,
durch welchen ich berufen bin zu der Gemein⸗
ſchaft ſeines Sohnes Jeſu Chriſti unſers Herrn,
welchem ſei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!
Amen.
Ich rufe dich an, grundgütiger Gott und Vater
im Himmel und bitte dich von Herzen, du wolleſt
mich auf dem wahren Wege in der Wahrheit des
Wortes, in der göttlichen Lehre des Heils und
des unverfälſchten Evangeliums bis an mein
Ende gnädiglich erhalten, damit ich von derſel⸗
ben nicht weiche, noch wanke, ſondern bei ihr
verharre, auf daß ich dem ſchrecklichen Urtheil
Gottes ſicher entgehe, welches er üͤber die wird
ergehen laſſen, die muthwillig die erzeigte Wohl⸗
that und Gnade in den Wind ſchlagen und mit
Füßen treten, die erkannte und bekannte Wahr⸗
heit des hellleuchtenden Evangekiums verwerfen,
Chriſtum verläugnen, von demſelben abfallen,
abtrunnig werden und der Abgötterei und Aber⸗
glauben anhangen.

Darnm verlaſſe mich nicht, o Herr, ſondern
ſtehe mir Schwachen bei, ſtärke in mir den Glau⸗
ben und das Vertrauen auf dich, damit ich alles
Zeitliche willig vergeſſe, es ſtandhaft in den
Wind ſchlage, und nicht, wie Loths Weib, nach
dem, was dahinten verlaſſen iſt, zurückſehe;
ſondern bei dir, um deiner heiligen Erkenntniß
und deines heiligen Evangeliums willen in mei⸗
nem heimlichen Kreuz und Leiden verharre.
Verleihe Gnade, daß ich alle Noth und Gefahr,
ja ſelbſt den Tod, in Geduld um Chriſti willen
ertrage, denn du biſt meines Herzens Troſt und
mein Theil.

Bin ich nun verlaſſen, ſo halte du doch
unaufhoͤrlich bei mir; bin ich von allen den
Meinigen verflucht, verdammt, verachtet, von
Haus, Hof, Hab und Gut vertrieben und ent⸗
erbt, ſo daß ich im Eril mein Leben zubringen
und enden mußz ſo haſt du doch einen Ort in der
Welt für mich auserſehen, wo du mir, als dei⸗
nem gläubigen Nachfolger eine Wohnung ver⸗
ſchaffen kannſt. Bin ich an Leib und Seele arm
und nothdurftig, ſo haſt du doch viele reiche Gu⸗
ter; habe ich keine Nahrung, ſo biſt du doch der
alte, reiche, vorſichtige Haushalter, der die Sei⸗
nigen, und alſo auch mich, am beſten zu verſor⸗
gen weiß. Weiß ich weder aus, noch ein, ſo
haſt du doch von aller Ewigkeit fur mich ge ſorgt.

Ach, mein Herr Jeſu, laß ſolche Thorheit in
mein Herz, Sinn und Gedanken nicht ſteigen,
daß ich entweder aus Verluſt ze itlicher Güter,
oder Schwachheit der menſchlichen Natur, oder
aus Anfechtung des Teufels und der Welt dein
Wort und die Wahrheit deines heil. Evangeliums
verlängue, ſondern hilf, daß ich bei derſelben ge⸗
ſtärket und befeſtiget werde, und daß mich von
derſelben nichts ſcheiden möge, weder in Himmel
noch anf Erden.

Und gefallt es dir, o Gott, alſo, daß du mich
gleich dem beſtaͤndigen Joſeph, oder gleich dem
geduldigen Hiob auf die Probe ſetzen nud in der
Kreuzſchule üben willſt, ſo halte über mich deine
ſtarke Hand, daß ich nicht wanke, noch zaghaft

Gnade Gottes nicht vorziehe.
und gib Gnade, o Jeſu, mein Jeſu; Amen!

14——

werde, ſondern um deines Namens Ehre willen

Alles herzlich gerne dulde und leide. ö
Gib Gnade, daß ich lieber Spott und Hohn,
Trübſal und Elend ausſtehe, als mich den grim⸗

migen und gottloſen Feinden deines heil. Wortes
accomodire; daß ich das Zeitliche nicht dem Ewi⸗

gen, das Leibliche nicht dem Geiſtlichen, das
Irdiſche nicht dem Himmliſchen, der betruglichen
Menſchen unbeſtändige Gunſt der wahrhaften
Dazu hilf mir,

Amen!
Der Friedensbote und die „Freie

Blätter.“ ö
Seltſam und doch wieder ſehr begreiflich iſt
es, daß der Friedensbote, bekanntlich die Zeit⸗
ſchrift des hieſigen evangeliſchen Kirchenvereins,

noch kein rundes und entſchiedenes Zeugniß wi⸗

der die „Freien Blätter“ abgelegt hat, die nicht
nur die Grunplehren des Chriſtenthums, als
3. B. die Dreieinigkeit Gottes, die Gottheit des
HErrn Chriſti, die Rechtfertigung aus dem
Glauben verhöhnen und verſpotten, ſondern
auch der Gottes⸗Erkenutniß baar und ledig
ſind, die aus dem natürlichen Lichte der Ver⸗
nunft ſelbſt die Heiden haben.

Seltſam einerſeits, ſagen wir, iſt dieſes
Schweigen des Friedensboten, da die evange⸗
liſchen Herrn Prediger doch ſo viel vom Glauben
an Chriſtum reden und den Streit um die eine,
d. h. reine Lehre mit vornehmer Geringſchätz—
ung betrachten, indem ſie eben nicht wiſſen oder
wiſſen wollen, daß weſentlich und im Allgemci⸗
nen der rechte Glaube an den HErrn Chriſtum
nur da könne entſtehen und beſtehen, wo die
reine Lehre im Schwange geht, wie geſchrieben
ſteht: „Der Glaube kommt aus der Predigt.“

Wenn nun wirklich dieſer Glaube eine Le⸗
benskraft in ihnen wäre, ſo könnte unmöglich
das Bekenntniß fehlen auch wider die Feinde
des HErrn und ſeines Geſalbten, die da ſprechen:
„Laſſet uns zerreißen ihre Bande und von uns
werfen ihre Seile!“ Denn ſo unmöglich das
Leuchten und Wärmen vom Feuer, eben ſo un⸗
möglich fann das Bekenniniß vom Glauben ge—
ſchuͤcrrnwerden. „Ich glaube, darum rede ich“;
dieſes bleibt eine unumſtößliche, allezeit gültige
Wahrheit nicht blos im Bekennen des HErrn
Chriſti als Gottes und Mariens Sohn und
als des alleinigen Gerecht- und Seligmachers
der ungerechten und unſeligen Adamskinder ge⸗
gen heilsbegierige und glaubwillige Seelen, ſon⸗
dern zugleich auch als des allmächtigen Königs
und dereinſtigen Richters der Lebendigen und
der Todten wider das abgöttiſche und ehebreche—
riſche Geſchlecht unſrer Tage, das da ſpricht:
„wir wollen nicht, daß dieſer über uns herrſche.“

Matth. 10. ermunterte der Heiland ſeine
Jünger zum glaubensmuthigen Bekennen ſei⸗
nes Namens, indem er ſie ermahnt, ſich nicht
vor denen zu fürchten, die höchſtens den Leib,
aber nicht die Seele tödten können, ſondern ſich
vielmehr vor Gott zu fürchten, der, wenn ſie

verleugneten, Leib und Seele verderbe in di

—

Hoͤlle. Und nachvem er ſie, nach ſolcher ernſten
Warnung, mit der liebreichen väterlichen Für⸗
forge bei ſolchen Bekennen wieder getröſtet hau
daß ihre Haare auf dem Haupte alle gezählet
ſeien, daß kein Sperling ohne Gottes Willen
auf die Erre falle, ohne Gottes, ihres Vaters,
Willen, ſo hält er den treuen Bekennern eine
herrliche Verheißung vor, indem er ſpricht:
„Darum, wer mich bekennt vor den Menſchen;
den will ich bekennen vor meinem himmliſchen
Vater,“ nämlich als meinen Bruder und
Schweſter, die, wie ſie auf Erden meint
Schmach und mein Kreuz willig und freudig
getragen, und meinen gehaßten Namen fröh⸗
lich und muthig als den alleinſeligmachenden
auch gegen meine Widerwärtigen bekannt ha⸗
ben, ſo nun auch als Könige und Prieſter
Wonne und Freude ewiglich ſchmecken ſollen,
als meine Freude und Krone, als meine Aus⸗
erwäblten und Geliebten vor Gott und den heil.
Engeln von mir ſollen bekannt und als die Er⸗
ben meinrs Reiches dargeſtellt werden.

Der HErr Cbriſtus fügt aber ſodann auch die
ſchreckliche Warnung hinzu: „wer mich aber
verleugnet vor den Menſchen, den will ich auch
verleugnen vor meinem himmliſchen Vater“ d.
i. wer aus Menſchenfurcht und feiger Friedens⸗
liebe meine Feinde micht offen ins Angeſicht
ſtrafet und mich als den alleinigen Helfer und
Heiland aller Menſchen bekennet, den will und
kann ich auch nicht als den Meinen anerkennen
und in ſeiner Todesſtunde, wie am großen Tage
des Gerichts, mich nicht zu ihm bekennen, möge
er gleich vor meinen Freunden mich nicht ver⸗
leugnet, ja, dem Anſchein nach, um meineü
Naͤmen geeifert haben.

Welch ſchreckliches Loos aber hat der zu er⸗
warten, den der HErr Chriſtus, nach ſeiner Ge⸗
rechtigkeit, alſo verleugnen muß! Wird und
muß ihn nicht ewige Schmach und Schande
treffen, ob er zwar in fleiſchlicher Klugheit deß
zeitlichen entronnen iſt?

Wenn wir ferner oben ſagten, es ſei anderet“
ſeits doch wiedet ſehr begreiflich, daß der Frie⸗
densbote ſich auch gar friedlich gegen die „Frei-
en Blätter“ verhalte, ſo ſoll damit folgende trau“
rige Wahrheit bezeugt werden. ö

Wenn nämlich Lutheraner d. i. rechtgläubigt
Chriſten aus Menſchelei und falſcher Friedengz
liebe ſich mit Irrglänbigen kirchlich zuſammen⸗
tbun und dadurch die wahre Liebe zu Goties
reinem und klaren Worte und zu dem darauf.,
gegründeten Bekenntniſſe ihrer Kirche verleug⸗
nen: ſo muß nothwendig dadurch und daris
zugleich der friſche Glaubensmuth weſentlich ga
brochen, der fröhliche Bekenner⸗ und Zeugen⸗
geiſt abgeſtumpft, ja gelähmt werden; denn die⸗
ſer, gleichfern von Menſchenfurcht, wie von
fleiſchlichem Eifer, iſt nur da möglich, wo ein
Chriſten menſch deß göttlich gewiß iſt, daß Gottej
Wort, wie es lautet, ſein alleiniger Glaut
bensgrund und daß das Bekenntniß ſeiner da⸗
rauf gegründeten Kirche der Pfeiler und die
Grundveſte der Wahrheit zur Seligkeit ſei. „

Wo aber, wie es bei den Unionsleuten nicht
anders ſein kann, entweder ein unſicheres und

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