Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 8, Nummer 2 › Seite 16
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-09-15, Seite 16
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
ähr Gemeinden, nihmet euch dieſer Söhne an,
bringet freiwillige Gaben zuſammen und laſſet
ſie ſtuviren! —
Der HErr Jeſus, der einſt im Tempel dem
Gotteskaſten gegenüber ſaß und zufah, wie viel
ein jeder einlegte, ſitzt auch Dir jetzt gegenüber
und ſieht auf dein Herz und deine Hand, ob du
deinen Sohn herführeſt und was du giebſt; —
ſo ſei denn um der Ehre Gottes und um des Be⸗
dürfniſſes deiner Brüder willen, ein fröhlicher
Geber! —
B.
der Austritt Johannes von Winkler's aus
dem Papſtthum zur Evangeliſchen Kirche.
(Schluß.)
Der funfte Grund
neines Abtretens von der papiſtiſchen zu der wah⸗
ten evangeliſchen Lehre iſt geweſen, daß ich durch
die Gnade Gottes und Erleuchtung des heiligen
Geiſtes erkannt habe: Quod sint inimici crucis
Gristi, d. h., daß die Papiſten rechte
ſeinde des Kreuzes Chriſti ſind,
ſwelche nach dem Worte Pauli (Phil.
3.) zu Schanden werden, und deren
Ende die Verdammniß iſt.
Daß viele Papiſten rechte Feinde des Kreuzes
Chriſti ſind, erkennet man daraus: 1. daß ſie
techte Bauchdiener ſind, die nur um Wolluſt
des Fleiſches und um fauler, müſſiger Tage
vilen ſich in das Papſtthum begeben. Und
virwohl viele Pfaffen, Mönche, Nonnen und
Igemeine Laien die Wahrheit des Evangeliums
erkennen, das Papſtthum auch gern fahren ließen
und das Evangelium willig annähmen, ſo beſor⸗
gen ſie doch, ſie möchten deßhalb mit dem lieben
Keuze beladen werden, großer Herren Gunſt,
goßes Einkommen, Würden, Ehren, die fetten
Cuppen und egyptiſchen Fleiſchtöpfe verlieren,
und in die äußerſte Armuth und Noth gerathen.
Eolches Krenz aber zu vermeiden, bleiben ſie
ſe um des Bauchs willen mit einem böſen, un⸗
mhigen Gewiſſen lieber im Papſtthum; 2. daß
ſie Feinde der Predigt von Chriſto und von der
Kaft des Kreuzes und Leidens Chriſti ſind, und
woar ſolche Feinde, daß ſie Diejenigen, ſo da
en, glauben und bekennen, daß allein ſein
Kreuz, Leiden, Tod und Blut von Sünden er⸗
lhe, mit Gott verſöhne und das ewige Leben
gebe, und daß uns ſolche Wohlthat allein durch
un Glauben, und nicht um der Werke wilten,
derfahre, aufs Argſte läſtern, als Ketzer ver⸗
pogen, ja ſelbſt martern und tödten. So ſind
iſo die Papiſten des Herrn Chriſti nicht werth,
id weil ſie nicht mit ihm Jeiden
vollen, ſollen ſie auch nicht mit
ihn zur Herrlichkeit erhaben wer⸗
den.
Der ſechste Grnud
iues Abtretens von der papiſtiſchen zu der wah⸗
tn evangeliſchen Lehre iſt geweſen, daß ich durch
* Gnade Gottes und Erleuchtung des heiligen
Heiſtes erkanut habe: Contradictionem Dei et
Ipruus sancti, d. h., daß ſie ſichwiſſent⸗
lich und vor ſätzlich Gott und dem
Niligen Geiſte widerſetzen, den hel⸗
klaren Zeugniſſen der Prophetea, Evangeli⸗
um HErrn dar, der HErr ⸗bedarf ieer; und
—13—
Nen und Apoſtel, die der hril. Geiſt regieret, zu
erleuchten der Menſchen Herzen und zu erken⸗
nen den Sohn Gottes, widerſprechen, ja die
Dieuer Chriſti, als der Propheten und Apoſtel
Nachfolger, läſtern, verfolgen und verdammen;
dieſe aber ſind Gottes Augapfel, wer nun dieſe
antaſtet, der taſtet Gott ſelbſt an. Daher das
ernſte Verbot Gottes (1. Chron. 17; Pſ. 105, 15):
„Taſtet meinen Geſalbten nicht an, und thut
meinen Propheten kein Leid.“ Dies thun nun
aber die Papiſten, indem ſie die Diener Chriſti
verfolgen, und dadurch den Chriſten die Mittel
zur Seligkeit zu rauben ſuchen.
Wenn der heil. Geiſt ſeine Diener in alle
Wahrheit leitet, daß durch die h. Taufe (Eph. 5)
durch das Verdienſt Chriſti (1. Cor. 1), und
durch den Glauben (Röm. 3) die Gerechtigkeit
und Seligkeit zu erlangen ſei, ſo wollen die Pa⸗
piſten viel klüger ſein, als der heil. Geiſt, und
ſetzen hinzu der Menſchen Satzungen, das Weih⸗
waſſer, die Wachskerzen und andere heilige
Fratzen mehr, davon weder Gott, noch ſein Wort
wei ß. Sie lehren, bei ihnen ſei der rechte Geiſt
Gottes, und der Papſt könne nicht irren, da ihrer
doch ſo viele Zauber⸗ und Teufels⸗Diener gewe⸗
ſen ſind, ja, Päpſtin Johanna ein Kind auf
päpſtlichem Throne bekommen hat. Weiter, ſo
halten ſie ihre Kirche viel höher, als das Wort
Gottes, das durch den Mund der Propheten,
Evangeliſten und Apoſtel geht. Denn ſie ver⸗
kaufen um Geld die Vergebung der Sunden, da
Chriſtus allen Menſchen durch ſein heiliges Blut⸗
vergießen die Erlöſung erworben hat. Sie glau⸗
ben und halten, was weder die Propheten, noch
die Evangeliſten, noch die Apoſtel, noch Chriſtus
ſelbſt befohlen hat, als da iſt Fegfeuer, Glocken⸗
Taufe, Wallfahrt, Bilderdienſt, Anrufung der
Heiligen, die Canones der Meſſen, Seelen⸗Meſ⸗
ſen, Vigilien, Ablaßkram, Primat des Papftes,
Eheverbot der Prieſter, Beraubung des Kelchs
im hochwürdigen Abendmahl, Mrönchs⸗Stricke,
„Kappen“, Platten und was dergleichen lächer⸗
liche päpſtiſche Narrenpoſſen mehr ſein mögen.
Es iſt ferner hell und klar am Tage, daß die
Papiſten die Lehre der Propheten und Apoſtel in
öffentlichen Concilien, Schriften, Predigten und
Collegien läſtern und verdammen und ſind deren
Viele, 4. Gan wider ihr Gewiſſen thun; da
wir doch, Gott Lob! „ein feſtes prophetiſches
Wort haben, das uns ſcheinet, als ein Licht au
einem dunkeln Ort, bis der Tag anubreche“
(2. Petri 1), und thun wohl Diejenigen, die
darauf achten.
Der fiebente Grund
meines Abtretens von der päpſtiſchen zu der wah⸗
reu evangeliſchen Lehre iſt geweſen, daß ich durch
die Gnade Gottes und Erleuchtung des heiligen
Geiſtes erkaunt habe: Peccatorum suorum co-
lorationem, d. h., daß ſie im Papſtthum
ihre Sünde als recht und gut ver⸗
theidigen, und darinnen wider Gottes Ge⸗
bot, ohne wahre Buße und Bekehrung verhar⸗
ren; und ob ſie gleich aus Gottes Wort erinnert
werden, ſo bleiben ſie doch hartnäckig und thun
nicht Buße. Ja, man fordert feldſt wegen be⸗
gangener, ſchändlicher Sünden keine Buße, ſon⸗
dern Geld, Geld! iſt die Loſung im Papſtthum —
„So bald das Geld im Kaſten klingt, der Sünder
aus dem Fegefener ſpringt.“ Überdies verthei⸗
digen ſie noch Solcher Sunden, als wären ſie
recht gethan, und als haͤtten Solche nichte zu
—* — *
F
befürchten; da doch wiederum leine Sunde Gott
mehr beleidigt, als die, daß man öffentlich be⸗
kannte Bosheit läugnet, ſchmuckt und verthei⸗
digt, wie Cain und Saul thaten. Allein Gott
drohet dieſen ein ſchreckliches Urtheil, wenn er
Ezech. 3. ſpricht: „Der Gottloſe wird um ſeiner
Sünde willen ſterben“, und Röm. 3: „So ihr
nach dem Fleiſche lebet, ſo werdet ihr ſterben
muſſen“; und 1. Cor. 6: „Laſſet euch nicht ver⸗
führen, weder die Hurer, noch die Abgöttiſchen,
noch die Ehebrecher, noch die Weichlinge, noch
die Knabenſchänder, noch die Diebe, noch die
Geizigen, noch die Trunkenbolde, noch die Läſte⸗
rer, noch die Räuber werden das Reich Gottes
ererben.“
Dieſe eben erzählten und viele andere Gründe
mehr, die ich jetzt mit Stillſchweigen ubergehe,
ſind die vornehmſten Motive und Urſachen gewe⸗
ſen, die mich von dem verfinſterten Papſtthum
zu der wahren evangeliſchen Lehre gebracht
haben.
Nun weiß ich zwar wohl, daß die Papiſten,
wenn ſie dieſe Revokations⸗Schrift leſen werden,
wie ich daran nicht im Geringſten zweifle, ſon⸗
dern gewiß glaube, daß ſie ihnen unter die Augen
kommen wird, mich läſtern, fluchen und verdam⸗
men werden. Aber ich getröſte mich deſſen, daß
ein unrechter Fluch nicht treffe, und, daß
wo ein ſolcher Fluch ausgehe, er da
auch wieder eingehe. Ich achte dies Al⸗
les nicht, ſoudern rede die Wahrheit, welche ſie
nicht hören, noch dulden wollen, beſonders wenn
man ihnen ſagt, man habe die Leute auf verderb⸗
liche Irrwege gewieſen und ſie geheißen, neben
dem ewigen Gott, dem allein Ehre gebuhret, auch
die Engel und verſtorbenen Heiligen anzurufen,
von welchen doch geſchrieben ſteht: „Abraham
kennet uns nicht und Iſrael weiß von uns nidnr“
(Jeſ. 63), ja ſelbſt ſtumme Götzen und Bilder
60 verehren, welche nach Pſ. 115 und Jeſ. 44
„Augen haben, und nicht ſehen, Ohren haben,
und nicht hören, Hände haben, und nicht greifen,
Fuße haben und nicht gehen“, die nichts taugen,
als daß ſie „das Herz täuſchen, das ſich zu ihnen
neigt, und können keine Seele erretten.“ Wenn
man ferner ſaget, man habe geirrt, daß man
glaubte, der Menſchen unvollkommene Werke
haben die Kraft, die Vergebung der Sünden und
das ewige Leben zu erlangen, da doch die Werke
ſolches nicht vermögen, ſondern wenn wir Alles
gethan haben, was uns befohlen iſt, ſprechen
muſſen, „wir ſind unnütze Knechte“ (Luc. 17).
Greulich hat man geirrt, daß man mit Simeon
dem Zauberer geſchwärmt hat, die Vergebung der
Sünden, die Gabe Gottes, könne mit Geld bei
dem Papſte gekauft werden, da doch dieſelbe er⸗
kauft iſt nicht mit vergänglichem Gold oder Sil⸗
ber, ſondern mit dem theuren Blute Jeſu Chriſti:
(1. Petr. 1.)
Sollte ich nun nicht des heil. Apoſtels Worte
leihen und dieſelben zu euch Papiſten reden:
„O ihr unverſtaͤndigen Papiſten, wer hat euch
bezaubert, daß ihr der Wahrheit des Evange⸗
liums nicht glanben wollt, da doch Chriſtus euch
ſo deutlich vor die Augen gemalt iſt?“ (Gal. 3).
Ich danke meinem Gott, ſo oft ich daran den⸗
ke, und rufe ihn an zum Zeugen, daß ich mich
herzlich freue, Gott zu ſehen in meinem Glau⸗
ben. Und für dieſe Gnade Gottes, die mir ge⸗
geben iſt, in Ehriſto Zeſu, danke ich Gott alle
Zeit, daß ich durch ihn in allen Stücken, in alle⸗
—
English translation
Not yet translated.