Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 7, Nummer 11 › Seite 82

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1851-01-21, Seite 82

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Das Wahlcollegium beſteht gegenwärtig aus
den Herren: P. Woöneken, als Präſes der So⸗
node, Dr. u. Prof. Sihler, P. u. Prof. Walther,
P. Schieferdecker, Apotheker Tſchirpe, P. Brohm.
P. Fürbringer, P. Sievers, P. Röbbelen,
Hoyer.

Die Aufſichtsbehörde beſteht gegenwärtig aus
den Herren: P. Wyneken, als Präſes der Syno⸗
de, Dr. u. Prof. Sihler, P. Schieferdecker, Apo⸗
theker Tſchirpe.

Die Lehrer am theologiſchen Se⸗
minar ſind:

C. F. W. Walther, Profeſſor der Theologie
und Direktor.

Adolph Biewend, Profeſſor der Philoſophie.

Die Lehrer am Gymnaſium:
a. ordentliche:

P. Walther, Direktor, welcher den Unterricht

in folgenden Gegenſtänden hat:
Religion. Rhetorik.

J. J. Gönner, Rektor, welcher den Unterricht
in den alten Sprachen, in der Geographie und
in der Geſchichte hat;

A. Biewend, Conrektor, welcher den Unter⸗
richt in den neueren Sprachen, Mathematik, Na⸗
turwiſſenſchaften und den philoſophiſchen Disci⸗
plinen hat. ö

b. außerordentliche:

P. Wonetien für Geſchichte,

Dr. Dacheux für franzöſiſche Sprache;
c. Hilfslehrer: ö

C. Metz für alte Sprachen,

H. H. Eisfeldt für Muſik,

M. Stephan für Zeichnen.

übrige Funetionäre der Anſtalt:
F. W. Barthel, Caſſirer.
F. Große, Okonomieinſpector.

Seminar. Um ins theologiſche Seminar
aufgenommen werden zu können, muß ein junger
Mann außer den übrigen Erforderniſſen den
Gymnaſial-Curſus beendigt und im Abgangs⸗
Eramen wenigſtens No. 3. erhalten haben. Der
Unterricht wird den Zöglingen unentgeldlich er⸗
theilt. Auswärtige, die daran Theil zu nehmen
wünſchen, haben ebenfalls mit Zuſtimmung der
Lehrer unentgeldlich Zutritt.)

Gymnaſium. Dieſe Anſtalt iſt in zwei
Abtheilungen getheilt, insbeſondere den Zög⸗
lingen zu Gefallen, die ſich keine gelehrte Bildung
verſchaffen, ſondern nur für einen praktiſchen Be⸗
ruf mehr Kenntniſſe, als wozu in Gemein⸗Schu⸗
len Gelegenheit gegeben wird, erwerben wollen.
Jene Abtheilungen ſind das Ober- und Un⸗
tergymnaſium. Erſteres umfaßt Ober⸗ u.
Unterprima, Ober- und Unterſecunda; letzteres:
Tertia, Quarta, Ouinta.

Die Unterrichts-Gegenſtände nach den ver⸗
ſchiedenen Claſſen ſind folgende:

Hebräiſch:
Prima: Grammatik, Erercitien, Leſebuch.
Griechiſch:
Prima: a) Leſen eines Geſchichtsſchreibers,
Redners, Philoſophen (Staatsmannes) und

*) Ausführlicheres über das theologiſche Seminar ſoll
ſpäter milgethellt werden.

—.—82—

Dichters (Thucydides, Demoſthenes, Xenophon
[Memorabilien], Plato, Sophokles); wovon ein
Schriftſteller lat. zu interpretiren. b) griech.
Aufſätze; e) Geſchichte der Literatur mit Bei⸗

P.] ſpielen.

Secunda: a! Griech. Gram. und Exereitien;
b) Leſen eines Geſchichtsſchreibers und eines
Dichters, (Xenophon [Anabaſis], Herodot, Plu⸗
tarch und Homer), c) Aus wendiglernen eines
Wörterbuchs.

Tertia und Quarta: Gramm. (leichte Exer⸗
citien) und Chreſtomathie.
Latein:

Prima: a) Leſen eines Geſchichtsſchreibers und
Dichters (Tacitus und Horaz), wovon ein Schrift⸗
ſteller lat. zu interpretiren. b) lat. Abhandlungen
und Disputationen, o) Geſchichte der Literatur
(mit Beiſpielen).

Secunda: a) Gramm. und latein. Aufſätze.
b) Leſen eines Geſchichtsſchreibers, Redners,
Philoſophen (Staatsmannes) und Dichters (Li⸗
vius, Cäſar, Cicero, Virgil, Ovid) c) Aus⸗
wendiglernen eines Wörterbuchs.

Tertia: a) Gramm. und Exercitia, b) Le⸗
ſen eines Geſchichtsſchreibers und eines Dichters
(Cäſar, Ovid).

Quarta: Gramm. und Erercitien; (Nepos
und Phädrus).

Quinta: Gramm. und Chreſtomathie.

Deutſch:

Prima: Literaturgeſchichte; Abhandlungen.

Secunda: Gramm. (wiſſenſchaftliche: Eiſe⸗
lein), Rhetorik, kürzere und längere Aufſätze, De⸗
clamiren.

Untergomn: Übungen im Leſen, Orthogra⸗
phie, prakt. Gramm. (Ollendorf, Wurſt), Styl⸗
übungen, Geſchäftsaufſätze, Declamiren.

Engliſch:

Prima: Literaturgeſchichte, Abhandlungen.

Secunda: Gramm. (höhere: Murrays 8vo
Gramm. Rhetorik, kürzere und längere Auffätze,
Derlamiren.

Untergymn. Übungen im Leſen, Orthogra⸗
phie, Gramm. (pract: Smith's Gram.) Styl⸗
übungen, Geſchäftsaufſätze, Declamiren, Ueber⸗
ſetzen aus dem Deutſchen in's Engliſche und
umgekehrt, Auswendiglernen eines Wörterbuchs.

Religion:

Prima: Syſtematiſche Darſtellung der chriſt⸗
lichen Lehre, (Abriß der Kirchengeſchichte), Leſen
des Neuen Teſtamentes in der Urſprache.

Secunda: Wie Prima.

Untergymn. Bibl. Geſchichte, (verbunden mit
Bibelleſen), Katechismus (verbunden mit Aus⸗
wendiglernen von Sprüchen und Liederverſen).

Tertia: Reformationsgeſch., Abriß der Sym⸗
bolik.

Philoſophie:

Prima: Logik, Metaphy ſik, Politik und Ge⸗
ſchichte der Philoſophie.

Secunda: Geologie, Aſtronomie, Chemie,
Phyſiologie und Pſychologie.

Untergymn. Zoologie, Botanik, Mineralogie
und Phyſik.

Mathematik:

Prima. Oberprima: Trigonometrie und Kegel⸗

ſchnitie; Unterprim. Planimetrie uud Stereome⸗
trie.

Secunda, Oberſecund. Arithmetik, von den
Logarithmen bis zu Ende (nach Fries) Unterſec:
von Anfang bis zu den Logarithmen (nach dem⸗
ſelben.)

Untergymn. Rechnen in ſeinem ganzen Um⸗
fange (Buchführung).

Geſchichte:

Prima: Von Zeit zu Zeit Wiederholungen
der politiſchen Geſchichte nach Tabellen in Ver⸗
bindung mii Culturgeſchichte (Kohlrauſch),
Abriß jüdiſcher und chriſtlicher Alterthümer, all⸗
gemeine Bücherkunde.

Secunda: Alte Geſchichte. Griechiſche und
römiſche Alterthümer, Mythologie.

Untergymn.: Allgemeine und ſpezielle derVer⸗
einigten Staaten, Englands und Deutſchlands.
Auswendiglernen von Tabellen. (Allgem. Bü⸗
cherkunde. .

Geographie:
Secunda: alte und mathematiſche.
Untergymn. allgemeine und ſpezielle der E.
Vereinigten Staaten und Deutſchlands, bibliſche
und mathematiſche.
Schönſchreiben:

Untergymn.: Engliſch und Deutſch.

In neueren Sprachen. namentlich im I.
Franzöſiſchen, Spaniſchen und Italieniſchen, in
Zeichnen (architektoniſches inbegriffen) undi
der Muſik wird Privatunterricht ertheilt.

Im Bezug auf die im Unterrichtsplan aüf E.
geführten Gegenſtände iſt es wohl nicht über⸗
flüſſig zu bemerken, ſollte einerſeits etwa die Man⸗
nigfaltigkeit derſelben auffallen, daß es keines⸗
wegs im Plan der Anſtalt liegt, die Geiſteskraft
der Zöglinge zu überbürden, und daß in man⸗
chen Fällen es zu einer vollſtändigen Bildung hin⸗F
reicht, von einer Wiſſenſchaft nur die vornehmſten
Grundſätze und die wichtigſtenReſultate zu kennen.
wozu weder übermäßig viel Zeit noch Anſtren⸗
gung erfordert wird; und ſollte anderſeits etwa
ein Gegenſtand vermißt werden, daß es ebenſo ſeh
im Plane der Anſtalt liegt, eine umfaſſende Bil
dung zu geben, und daß ein ſolcher, falls es wik
lich weſentlich erſcheint, in Verbindung mit an;
dern ausdrücklich genannten Wiſſenſchaften Baf
rückſichtigung findet. 4

Es iſt unſere Abſicht, der neuſten und beſtenſ
Unterrichtsbücher, die auf den Gymnaſien
Deutſchlands in Gebrauch ſind, uns ebenfalhf
zu bedienen, und durch einen mit der Synode ſi
Verbindung ſtehenden Buchhändler in Neuf
Nork werden dieſelben in möglichſt kurzer Zeilf
und zu möglichſt billigen Preiſen bezogen, unſ.
ſind dort ſowohl als hier in der Anſtalt zu habe
Ein Verzeichniß derſelben nebſt beigefügten yun
ſen ſoll nachgeliefert werden.

Anderweitige Hülfsmittel der Anſtalt bei
Unterricht ſind gegenwärtig noch gering, dohſ,
beſitzt ſie eine Bibliothek, die fortwährend verg
mehrt wird, und hat den Gebrauch einer geolaſf;
giſchen, Mineralien⸗, Pflanzen⸗und Conchilieuſf
Sammlung. Der übrige nöthige Apparatuiſß

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