Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 26 › Seite 207
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-09-14, Seite 207
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dice anweiſen, wie ſie etwa geſchickt werden möch—
ten, denen Ungläubigen das Evangelium zu pre—
digen. Hätten die im Mittel Deutſchlands ſich
findenden großen Herren keine Gelegenheit, durch
Schifffahrten ihre Landeskinder in ſolche Länder zu
ſenden, ſo könnten ſie doch dieſelben denen Staa—
ten überlaſſen, die dahin Handels wegen etwa
ihre Schiffe abſchicken. Ob das nun wohl ſon⸗
derlich zu dieſen Zeiten ein bloßer fronnmer Wunſch
bleiben wird, ſo können wir Evangeliſchen insge⸗
ſammt dennoch auch zur Heidenbekehrung etwas
beitragen, wenn wir nemlich „fleißig“ aus unſerer
Litaney beten: Alle Irrige und Verführte
wieder bringen; den Satan unter unſre
Füße treten; Deinen Geiſt und Kraft
zum Worte geben. Erhör' uns, lieber
HErre Gott! Solches Gebet wird Gott nicht
vergeblich ſein laſſen, ſondern nach Weisheit gute
Leute erwecken, die mit ihren Unternehmen die
Heidenbekehrung ſich könnten angelegen ſein laſ—
ſen, und denen Reichen willige Herzen machen,
von ihrem guten Vermögen darzu zu ſteuern, ja
auch ſich noch andre Mittel zuwege bringen, die
uns zur Zeit noch verborgen, um Sein Reich auch
unter den Heiden weiter auszubreiten, und Seine
Ehre zu verherrlichen.
Hieraus erkennen wir, wie billig und wohlge—
than es ſei, dahin zu trachten, daß Gottes Reich
immer mehr und mehr ausgebreitet, und auch auf
die befördert werden möge, welche bisher daran
keinen Antheil gehabt. Das erfordert nicht allein
die Dankbarkeit, die wir Gott ſchuldig ſein, vor
die Wohlthat ſeiner offenbarten Erkenntniß, ſon⸗
dern auch die Liebe gegen unſere Mitmenſchen.
Dort ſagt unſer lieber Heiland von den Phari⸗
ſäern: Sie umziehen Land und Waſſer,
daß ſie einen Jüdengenoſſen machen,
und wenn ers worden, machen ſie aus
ihm ein Kind der Höllen zweifältig
mehr, als ſie ſelber ſind, Matth. 23, 15.
Ach! das erfähret man noch heute zu Tage!
Viele ſuchen wohl mit ihrem böſen Leben und
Exempel Heiden zu machen, aber daß ſie vor
der Heiden und andrer ihrer Seligkeit ſollten
ſorgen, das bleibet. Um Geld und Gut zu ge⸗
winnen, Länder an ſich zu bringen, laſſen ſichs
die meiſten wohl ſauer genug werden: aber eine
Seele zu gewinnen, will faſt niemand ſor⸗
gen. Aber wie denkt man dies zu verantworten?
Ach! ein Jeglicher erwäge, wie er Gott keinen
angenehmeren Gefallen thun könne, als wenn er
ihm andre zuführet. Finden wir ja auch nicht
Gelegenheit, aus den Heiden etliche zu holen, ſo
laſſet uns aufs wenigſte trachten, daß wir die
Heiden, die unter uns ſind, bekehren, das iſt, die
beim Chriſtenthum ſich als Heiden aufführen.
„Es ſtelle ſich ein Jeder unter uns alſo, daß er
ſeinem Nächſten gefalle zum Guten, zur Beſſe⸗
rung“, Röm. 15, 2. Darzu ſind „nicht nur Leh⸗
rer und Prediger, ſondern auch alle Menſchen“
verbunden. Denn gleichwie alle ſchuldig, nie⸗
mand ein Aergerniß zu geben, alſo kömmt auch
Allen zu, auf Andrer Beſſerung bedacht zu ſein.
Darzu iſt nöthig, daß wir einander nicht nur
„reitzen und ermahnen zur Liebe und zu guten
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Werken, ſo lange es heute heißet“, Ebr. 10,
24. 25., ſondern auch, daß wir mit guten Exem⸗
peln andern darzu fürgehen, und des HErrn
IEſu Befehl nachkommen: „Laſſet euer Licht
leuchten vor den Leuten, daß ſie eure gute Werke
ſehen, und euern Vater im Himmel preiſen“,
Matth. 5, 16. „Allenthalben ſtelle dich ſelbſt
zum Vorbilde guter Werke“, vermahnet Paulus,
Tit. 2, 7. Das Zeugniß des Lebens iſt viel
kräftiger, als das Zeugniß der Zungen. Wo
wir ſolches bei uns finden laſſen, werden wir
Gott uns gefällig machen. Denn iſts vor Gott
und Seinen heiligen Engeln eine große Freude,
wenn ſich ein Sünder bekehret, Luc. 15, 10.:
wie ſollten ſie denn nicht „viel mehr erfreuet wer—
den, wenn wir nicht allein uns ſelbſten, ſondern
auch viel Andere bekehren“. Ein alter Lehrer,
Cäſarius, ſagt, „das ſei eine von Gott geſeg⸗
nete ſelige Seele, deren Demuth eines Andern
Hoffahrt niedrige, deren Geduld eines Andern
Zorn ſänftige, deren Gehorſam eines Andern
Faulheit ſtrafe, und deren Eifer eines Andern
Hinläſſigkeit aufmuntre. Wie herrlich wird es
klingen, wenn wir einmal vor Chriſti Richterſtuhl
werden auftreten und ſagen können: „„HErr,
hier bin ich, und die Kinder, die Du mir gegeben
haſt““. Jeſ. 8, 18.
Unberufene Redner.
Zu Marburg ſtarb einmal ein Ritter vom
deutſchen Orden, Herr Bernhard Schwarz. Als
er begraben wurde, trat ein hoffärtiger Geſelle
auf, welcher ſich ſchon öfters mit ſeinen unge—
waſchenen Neden hatte hören laſſen, und demnach
große Anſprüche machte, für einen deutſchen oder
wenigſtens marburgiſchen Cicero gehalten zu
werden, hatte nach damaliger Sitte einen Stab
mit Boy umzogen in der Hand, ſtellte ſich in Po⸗
ſitur, wie ein königlicher Marſchall, fing endlich“
an und ſagte: Was ſoll ich ſagen? Hochwür⸗
dige, Edelgeborne, Geſtrenge und Mannfeſte,
auch Wohlehrwürdige, Hochgelehrte und ſo weiter,
was ſoll ich ſagen? Was ſoll ich ſagen? Da—
mit aber war für dasmal ſeine Kunſt am Ende
und er ſchwieg ſtille. Der alte ehrliche Ober—
forſtmeiſter Joſt Burchard Rau von Holzhauſen
rief ihm alsbald mit ernſthaftem Geſichte zu:
„Sage, die Welt iſt voll Narren und ich bin der
erſte.“ Darauf fing der Landkommenthur und
das ganze hochwürdige Ordenscapitel an laut
zu lachen, und die Leichenrede hatte ein Ende.
Niemals begehrte dieſer große Redner wieder, ſich
hören zu laſſen.
Bekannt iſt auch Doctor Luthers Zuruf an
einen unberufenen Prediger, welcher ſeine Predigt
zwar alſo anfing: „Ich bin ein guter Hirte —
ich bin ein guter Hirte — ich bin ein guter
Hirte —“ aber nicht weiter foriſetzen konnte. „Ihr
ſeid kein guter Hirte, ſondern ein alber Schaf“,
rief ihm der Reformator zu, „geht herab von der
Kanzel.“
Manchem thäte ein ähnlicher Zuruf Noth, auch
wenn ſie nicht ſtecken bleiben.
(Eingeſandt.)
Aus dem Lied der Lieder.
3.
O! wie bin ich geſtaltet!
Wie hat mich die Sonne verbrannt!
Dein Haar, ſo ungefaltet,
Iſt trauernd Dir abgewandt.
Schwarz bin ich, wie Moabs Gezelte,
Wie Kedars Hütten gebräunt.
Der Kedar liegt ſtets zu Felde,
Vom Thau des Himmels beweint.
So lieg ich immer im Streite,
In unabläſſigem Weh.
Die blinkenden Waffen zur Seile
Ich allezeit Dir ſeh.
Wie bin ich doch anzuſchauen!
Wo wich meine Schöne hin!
Du biſt die ſchwärz'ſte der Frauen,
Unſchöne iſt Dein Gewinn.
Und doch! wie Salomo's Hallen,
Von innen mit Gold geziert, —
Biſt Du die Schönſte von Allen,
Die irgend geſchauet wird!
G. Schaller.
Synode.
Die große Mehrzahl der Glieder unſerer Sy⸗
node hat ihre Stimmen dafür abgegeben, daß
unſere diesjährige verſchobene Verſammlung vom
2. October an bis zum 12. desſelben in St. Louis,
Miſſouri, abgehalten werden möge; indem ich
dieſes Reſultat bekannt mache, benachrichtige ich
zugleich die Brüder, daß die Cholera als Epide⸗
mie hier zu graſſiren ſchon längere Zeit aufgehört
hat, daß daher der Haltung unſerer Sitzungen
an dem nun anberaumten Termine nichts entge⸗
gen ſteht. Die Ankommenden wollen die betref⸗
fenden Wohnungen der Paſtoren hieſiger Ge⸗
meinde erfragen in der Porzellanwaarenhandlung
des Herrn L. Pechmann, Main St. No. 35.
C. F. W. Walther,
d. z. Präſ.
Empfangen
für den Bau des deutſch evangeliſch⸗lutheriſchen College in
St. Louis:
Von der St. Johannis-Gemeinde ungeänderter Augsb.
Confeſſion zu Neudettelsau, Union Co., O., §33.50. Von
der St. Jakobs⸗Gemeinde zu Wittenberg, Franklin Co,
Ohio, S10.00.
Von nachbenannten Gliedern der Gemeinde des Herrn
Paſtor Sauer in Jackſon Co., Ind., nemlich:
—
Heinrich Schöppmann....... . I. 00
Friedrich Siefert...... 1.00
Wilhelm Duwe.— 1.00
Heinrich Schneider . 1.00
Gerhard Rölker. . 0.60
Heinrich Bühner 0.50
Heinrich Maſcher. 0.50
Heinrich Aufdemberg 0.50
Ungenannter.. . 0.90
87.00
Von den Gliedern der St. Paulus-Gemeinde zu
Chicago, nemlich:
Sophie Michel....81.00
Johannt Döſchel.... 1.00
Carl Koch...—..—..— 1.0⁰
Heinrich Niemann.. 1.00
Heinrich Battermann.......... ì— n 1.00
Chriſtoph Kölling......... 1.00
Chriſtian Steinmann ....... 4 1.00
Willib. Brockſchmidt.... ... 2.00
Friederike Pape.... 1.00
Heinrich Bieſterfeld ... 1.
H. M. Siegmann... 1
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