Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 26 › Seite 204

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-09-14, Seite 204

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch. 9197⁷ 351 · Geſang

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Hie kann ich nicht fehlen: denn GOttes Gebot
kann nicht trügen. Er hat aber niemand von
meinem Glauben etwas geſagt, geboten, noch
befohlen.

78. Wahr iſts, daß man gläuben ſoll
zur Taufe: aber auf den Glauben ſoll
man ſich nicht täufen laſſen. Es iſt gar
viel ein ander Ding, den Glauben haben, und
ſich auf den Glauben verlaſſen, und alſo ſich
darauf täufen laſſen. Wer ſich auf den Glauben
täufen läſſet, der iſt nicht allein ungewiß, ſondern
auch ein abgöttiſcher verleugneter Chriſt: denn er
trauet und bauet auf das Seine, nemlich auf eine
Gabe, die ihm GOtt gegeben hat, und nicht auf
GOttes Wort alleine; gleichwie ein andrer bauet
und trauet auf ſeine Stärke, Reichthum, Gewalt,
Weisheit, Heiligkeit, welches doch auch Gaben
ſind, von GOtt ihm gegeben.

79. Welcher aber getauft wird auf GOttes
Wort und Gebot, wenn da gleich kein Glaube
wäre, dennoch wäre die Taufe recht und gewiß:
denn ſie geſchieht, wie ſie Gott geboten hat. Nü tze
iſt ſie wohl nicht dem ungläubigen
Täuflinge, um ſeines Unglaubens
willen; aber darum iſt ſie nicht un⸗
recht, ungewiß, oder nichts. Wenn das
alles ſollte unrecht oder nichts ſein, was den Un⸗
gläubigen nicht nütze iſt, ſo würde nichts recht
noch gut bleiben. Denn das Evangelium iſt
auch aller Welt zu predigen geboten: der Un⸗
gläubige hörets und iſt ihm nichts nütze; ſollts
darum auch nicht ein Evangelium, oder unrecht
Evangelium ſein? GoOtt ſelbſt iſt dem Gott⸗
loſen kein nütze; ſollte er darum nicht GOtt
ſein?

80. Wenn nun gleich ein alter Menſch ſollte
getauft werden, und ſprechen: Herr, ich will mich
täufen laſſen. So fragſt du: Gläubeſt du
denn auch? wie Philippus den Kämmerer,
Apoſtg. 8, 37., und wir täglich die Täuflinge fra⸗
gen; ſo wird er mir nicht ſo herfahren und ſagen:
Ja, ich will wohl Berge verſetzen durch meinen
Glauben; ſondern alſo: Ja, Herr, ich gläube,
aber auf ſolchen Glauben baue ich nicht, er möchte
mir zu ſchwach oder ungewiß ſein: ich will ge⸗
tauft ſein auf GOttes Gebot, der es haben will
von mir, auf ſolch Gebot wage ichs; mit der Zeit
mag mein Glaube werden, wie er kann. Wenn
ich auf ſein Gebot getauft bin, ſo weiß ich, daß
ich getauft bin. Wenn ich auf meinen Glauben
getauft würde, ſollte ich morgen wohl ungetauft
funden werden, wenn mir der Glaube entfiele, oder
ich angefochten würde, als hätte ich geſtern nicht
recht gegläubt. Mir nicht! Er fechte GOtt und
ſein Gebot an, darauf ich getauft bin, das iſt mir
gewiß genug. Mein Glaube und ich ſtehen un⸗
ter Ebentheur. Gläube ich, ſo iſt mir die Taufe
nütze; gläube ich nicht, ſo iſt ſie mir nicht nütze.
Aber die Taufe iſt darum nicht unrecht oder unge⸗
wiß, ſtehet auch nicht auf euenturo, das iſt, auf
Ebentheur, ſondern auf dem gewiſſen GOttes
Wort und Gebot. ö

81. Alſo wird er auch ſagen von ſeiner Kinder⸗
taufe: Ich danke GOTT und bin fröhlich, daß

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than, was GOtt geboten hat: Ich habe nun ge⸗
gläubt oder nicht, ſo bin ich dennoch auf GOttes
Gebot getauft. Die Taufe iſt recht und gewiß,
GOtt gebe, mein Glaube ſei noch heutiges
Tages gewiß oder ungewiß; ich mag denken, daß
ich noch gläube und gewiß werde. An der
Taufe fehlet nichts; am Glauben fehlets immer⸗
dar, denn wir haben an dem Glauben genug zu
lernen unſer Lebenlang, und er kann fallen, daß
man ſagt: Siehe, da iſt Glaube geweſen, und
iſt nicht mehr da. Aber von der Taufe kann man
nicht ſagen: Siehe, da iſt die Taufe geweſen, und
iſt nun nicht mehr Taufe. Nein, ſie ſtehet noch:
denn GOttes Gebot ſtehet noch; und was nach
ſeinem Gebot gethan iſt, ſtehet auch und wird
auch bleiben.

82. Bisher haben wir, meines Dünkens, ſtark
genug beweiſet, daß die Wiedertäufer unrecht
thun, daß ſie die erſte Taufe vernichtigen, wenn ſie
gleich gewiß wären, daß die Kinder ohne Glau⸗
ben getauft würden; deß ſie doch auch nicht ge⸗
wiß ſein können. Wiederum, daß die Kinder
gläuben, das können wir auch mit keinem Spruch
beweiſen, der ſo hell und klar heraus ſage mit
ſolchen oder dergleichen Worten: Ihr ſollt die
Kinder täufen, denn ſie gläuben auch. Wer uns
auf ſolche Buchſtaben zu beweiſen dringet, dem
müſſen wir weichen und gewonnen geben, wir
finden ſie nirgend beſchrieben. Aber fromme ver⸗
nünftige Chriſten begehren ſolches nicht; die
zänkiſche, halsſtarrige Rotten thuns, auf daß ſie
klug geſehen werden. Wiederum, werden ſie auch
keinen Buchſtaben bringen, der da ſage: Ihr ſollt
alte Leute täufen, und kein Kind. Doch, daß
Kinder täufen recht ſei, und ſie auch gläuben,
bereden wir uns aus vielen ſtarken Urſachen.

83. Erſtlich, weil ſolch Kindertäufen
von den Apoſteln herkommt, und ſint der Apoſtel
Zeiten gewähret hat, ſo können wirs nicht weh⸗
ren, müſſens ſo laſſen bleiben, weil niemand bis⸗
her hat mögen beweiſen, daß die Kinder in
der Taufe nicht gläuben, oder ſolch Täufen
umecht ſei. Denn ob ich gleich ungewiß wäre,
daß ſie gläubten, ſo müßte ich doch meines Ge⸗
wiſſens halben ſie täufen laſſen; ſintemal es viel
beſſer iſt, daß die Taufe über die Kinder gehe,
denn daß ich ſie abthät. Denn wo die Taufe
recht und nütze wäre, und ſeligete die Kinder (wie
wir gläuben), und ich thäte ſie abe, ſo wäre ich ſchul⸗
dig an allen Kindern, ſo ohne Taufe verloren
würden: das wäre grauſam und erſchrecklich. Wäre
ſie aber unrecht, das iſt, unnütze, und hülfe die
Kinder nichts, ſo wäre damit nichts anders ge⸗
ſündiget, denn daß GOttes Wort wäre vergeblich
geſprochen, und ſein Zeichen vergeblich gegeben;
ich wäre aber damit keiner verlornen Seelen ſchul⸗
dig, ſondern des vergeblichen Brauchs an GOttes
Wort und Zeichen.

84. Aber ſolches würde mir GOtt leichtlich ver⸗
geben, weil ichs unwiſſend thät, und dazu aus
Furcht thun müßte, als der ichs nicht erdichtet,

ſondern alſo von Anfang auf mich kommen wäre,
und mit keiner Schrift beweiſen könnte, daß un⸗

würde: und wäre zwar ſchier gleich, als wenn ich

GOttes Wort, das ich aus ſeinem Befehl muß
predigen, unter die Ungläubigen vergeblich pre⸗
digte; oder, wie er ſagt Matth. 7, 6. „die Per⸗
len vor die Säu, und das Heiligthum
vor die Hunde würfe“; was könnte ich dazu?
Hie wollte ich auch lieber daher ſündigen, daß ich
vergeblich predigete, denn dorthin, daß ich gar
nichts wollte predigen: denn mit vergeblicher
Predigt werde ich keiner Seelen ſchuldig; aber mit
nicht predigen möchte ich vieler Seelen ſchuldig
werden; ja, es wäre allzuviel an einer.

85. Dies ſage ich, wenns gleich ſo wäre, daß
der Kinder Glaube ungewiß wäre, auf daß man
die gewiſſe Taufe um ungewiſſen Glaubens
willen nicht nachlaſſe, weil wirs nicht erfunden,
ſondern alſo von der Apoſtel Zeit her empfangen
haben: denn man ſoll nichts umſtoßen oder än⸗
dern, was man nicht mit heller Schrift kann
umſtoßen oder ändern. GOTT iſt wunder⸗
lich in ſeinen Werken; was er nicht
haben will, davon zeuget er genugſam
in der heiligen Schrift. Was er da⸗
ſelbſt nicht zeuget, das laß man gehen
als ſein Werk. Wir ſind entſchuldiget:
Er wird uns nicht verführen. Das
wäre wohl ein böſes Stücke, wenn wirs wüßten
oder glaubten, daß der Kinder Taufe untüchtig
wäre, und täuften ſie gleichwohl, wie die Val⸗
denſer thun: denn damit ſpottete man GOtt und
ſein Wort.

(Schluß folgt.)

*
2—

(Eingeſandt von A. Sch.)
Etwas über die beiden Lieder: „Wachet auf,
ruft uns die Stimme“ ꝛc. und: „Wie ſchn
leuchtet der Morgenſtern“ ꝛc.

Der Verfaſſer dieſer beiden unvergleichlichen
Lieder, deren Jubelton immer wieder das Herz
mit heiliger Begeiſterung erfüllt, ſo oft man ſie
auch leſen oder ſingen hören mag, iſt Dr. Phil.
Nicolai, geboren am 10. Auguſt 1556 zu
Mengeringhauſen in der Grafſchaft Waldeck.
Er war zuerſt Paſtor zu Unna in der Mark und
ſtarb als Paſtor zu St. Catharinen in Hamburg.
Die beiden Lieder nebſt ihren Melodien befinden
ſich als Anhang eines von ihm im Jahre 1599
herausgegebenen Buches, welches den Titel führt:
„Freudenſpiegel des ewigen Lebens.“ Auch wenn
wir über die Entſtehung dieſer Lieder nichts Ge⸗
naueres wüßten, ſo müßte uns ſchon die wunder⸗
bare Kraft derſelben darauf hinleiten, daß ſie
unter ganz beſonderen Einflüſſen der göttlichen
Gnade und des lebendigen Troſtes Gottes, aus
ganz beſonderem Anregen des Heiligen Geiſtes
geſchrieben ſein müſſen. Und ſo iſt es auch. Es
ſind Freudenlieder, und ſind doch gedichtet zur
Zeit des allergrößten Jammers und Leides, unter
den ſchwerſten Heimſuchungen Gottes. In einer
Zeit, wo alles weinte, nahm der fromme Sänger
ſeine Harfe und ſchlug die Freudentöne des ewi⸗

gen Lebens an, um ſein und anderer Herzen über
den Kummer der Erde in die himmliſche Freude
recht ſei, und ungerne thät, wo ichs überweiſet
ich ein Kind getauft bin; denn da habe ich ge⸗

emporzuheben. Im Jahre 1598 nemlich wü⸗
thete die Peſt zu Unna, wo eben damals Nicolai

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