# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 09 14_S207 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) dice anweiſen, wie ſie etwa geſchickt werden möch— ten, denen Ungläubigen das Evangelium zu pre— digen. Hätten die im Mittel Deutſchlands ſich findenden großen Herren keine Gelegenheit, durch Schifffahrten ihre Landeskinder in ſolche Länder zu ſenden, ſo könnten ſie doch dieſelben denen Staa— ten überlaſſen, die dahin Handels wegen etwa ihre Schiffe abſchicken. Ob das nun wohl ſon⸗ derlich zu dieſen Zeiten ein bloßer fronnmer Wunſch bleiben wird, ſo können wir Evangeliſchen insge⸗ ſammt dennoch auch zur Heidenbekehrung etwas beitragen, wenn wir nemlich „fleißig“ aus unſerer Litaney beten: Alle Irrige und Verführte wieder bringen; den Satan unter unſre Füße treten; Deinen Geiſt und Kraft zum Worte geben. Erhör' uns, lieber HErre Gott! Solches Gebet wird Gott nicht vergeblich ſein laſſen, ſondern nach Weisheit gute Leute erwecken, die mit ihren Unternehmen die Heidenbekehrung ſich könnten angelegen ſein laſ— ſen, und denen Reichen willige Herzen machen, von ihrem guten Vermögen darzu zu ſteuern, ja auch ſich noch andre Mittel zuwege bringen, die uns zur Zeit noch verborgen, um Sein Reich auch unter den Heiden weiter auszubreiten, und Seine Ehre zu verherrlichen. Hieraus erkennen wir, wie billig und wohlge— than es ſei, dahin zu trachten, daß Gottes Reich immer mehr und mehr ausgebreitet, und auch auf die befördert werden möge, welche bisher daran keinen Antheil gehabt. Das erfordert nicht allein die Dankbarkeit, die wir Gott ſchuldig ſein, vor die Wohlthat ſeiner offenbarten Erkenntniß, ſon⸗ dern auch die Liebe gegen unſere Mitmenſchen. Dort ſagt unſer lieber Heiland von den Phari⸗ ſäern: Sie umziehen Land und Waſſer, daß ſie einen Jüdengenoſſen machen, und wenn ers worden, machen ſie aus ihm ein Kind der Höllen zweifältig mehr, als ſie ſelber ſind, Matth. 23, 15. Ach! das erfähret man noch heute zu Tage! Viele ſuchen wohl mit ihrem böſen Leben und Exempel Heiden zu machen, aber daß ſie vor der Heiden und andrer ihrer Seligkeit ſollten ſorgen, das bleibet. Um Geld und Gut zu ge⸗ winnen, Länder an ſich zu bringen, laſſen ſichs die meiſten wohl ſauer genug werden: aber eine Seele zu gewinnen, will faſt niemand ſor⸗ gen. Aber wie denkt man dies zu verantworten? Ach! ein Jeglicher erwäge, wie er Gott keinen angenehmeren Gefallen thun könne, als wenn er ihm andre zuführet. Finden wir ja auch nicht Gelegenheit, aus den Heiden etliche zu holen, ſo laſſet uns aufs wenigſte trachten, daß wir die Heiden, die unter uns ſind, bekehren, das iſt, die beim Chriſtenthum ſich als Heiden aufführen. „Es ſtelle ſich ein Jeder unter uns alſo, daß er ſeinem Nächſten gefalle zum Guten, zur Beſſe⸗ rung“, Röm. 15, 2. Darzu ſind „nicht nur Leh⸗ rer und Prediger, ſondern auch alle Menſchen“ verbunden. Denn gleichwie alle ſchuldig, nie⸗ mand ein Aergerniß zu geben, alſo kömmt auch Allen zu, auf Andrer Beſſerung bedacht zu ſein. Darzu iſt nöthig, daß wir einander nicht nur „reitzen und ermahnen zur Liebe und zu guten — 206 — Werken, ſo lange es heute heißet“, Ebr. 10, 24. 25., ſondern auch, daß wir mit guten Exem⸗ peln andern darzu fürgehen, und des HErrn IEſu Befehl nachkommen: „Laſſet euer Licht leuchten vor den Leuten, daß ſie eure gute Werke ſehen, und euern Vater im Himmel preiſen“, Matth. 5, 16. „Allenthalben ſtelle dich ſelbſt zum Vorbilde guter Werke“, vermahnet Paulus, Tit. 2, 7. Das Zeugniß des Lebens iſt viel kräftiger, als das Zeugniß der Zungen. Wo wir ſolches bei uns finden laſſen, werden wir Gott uns gefällig machen. Denn iſts vor Gott und Seinen heiligen Engeln eine große Freude, wenn ſich ein Sünder bekehret, Luc. 15, 10.: wie ſollten ſie denn nicht „viel mehr erfreuet wer— den, wenn wir nicht allein uns ſelbſten, ſondern auch viel Andere bekehren“. Ein alter Lehrer, Cäſarius, ſagt, „das ſei eine von Gott geſeg⸗ nete ſelige Seele, deren Demuth eines Andern Hoffahrt niedrige, deren Geduld eines Andern Zorn ſänftige, deren Gehorſam eines Andern Faulheit ſtrafe, und deren Eifer eines Andern Hinläſſigkeit aufmuntre. Wie herrlich wird es klingen, wenn wir einmal vor Chriſti Richterſtuhl werden auftreten und ſagen können: „„HErr, hier bin ich, und die Kinder, die Du mir gegeben haſt““. Jeſ. 8, 18. Unberufene Redner. Zu Marburg ſtarb einmal ein Ritter vom deutſchen Orden, Herr Bernhard Schwarz. Als er begraben wurde, trat ein hoffärtiger Geſelle auf, welcher ſich ſchon öfters mit ſeinen unge— waſchenen Neden hatte hören laſſen, und demnach große Anſprüche machte, für einen deutſchen oder wenigſtens marburgiſchen Cicero gehalten zu werden, hatte nach damaliger Sitte einen Stab mit Boy umzogen in der Hand, ſtellte ſich in Po⸗ ſitur, wie ein königlicher Marſchall, fing endlich“ an und ſagte: Was ſoll ich ſagen? Hochwür⸗ dige, Edelgeborne, Geſtrenge und Mannfeſte, auch Wohlehrwürdige, Hochgelehrte und ſo weiter, was ſoll ich ſagen? Was ſoll ich ſagen? Da— mit aber war für dasmal ſeine Kunſt am Ende und er ſchwieg ſtille. Der alte ehrliche Ober— forſtmeiſter Joſt Burchard Rau von Holzhauſen rief ihm alsbald mit ernſthaftem Geſichte zu: „Sage, die Welt iſt voll Narren und ich bin der erſte.“ Darauf fing der Landkommenthur und das ganze hochwürdige Ordenscapitel an laut zu lachen, und die Leichenrede hatte ein Ende. Niemals begehrte dieſer große Redner wieder, ſich hören zu laſſen. Bekannt iſt auch Doctor Luthers Zuruf an einen unberufenen Prediger, welcher ſeine Predigt zwar alſo anfing: „Ich bin ein guter Hirte — ich bin ein guter Hirte — ich bin ein guter Hirte —“ aber nicht weiter foriſetzen konnte. „Ihr ſeid kein guter Hirte, ſondern ein alber Schaf“, rief ihm der Reformator zu, „geht herab von der Kanzel.“ Manchem thäte ein ähnlicher Zuruf Noth, auch wenn ſie nicht ſtecken bleiben. (Eingeſandt.) Aus dem Lied der Lieder. 3. O! wie bin ich geſtaltet! Wie hat mich die Sonne verbrannt! Dein Haar, ſo ungefaltet, Iſt trauernd Dir abgewandt. Schwarz bin ich, wie Moabs Gezelte, Wie Kedars Hütten gebräunt. Der Kedar liegt ſtets zu Felde, Vom Thau des Himmels beweint. So lieg ich immer im Streite, In unabläſſigem Weh. Die blinkenden Waffen zur Seile Ich allezeit Dir ſeh. Wie bin ich doch anzuſchauen! Wo wich meine Schöne hin! Du biſt die ſchwärz'ſte der Frauen, Unſchöne iſt Dein Gewinn. Und doch! wie Salomo's Hallen, Von innen mit Gold geziert, — Biſt Du die Schönſte von Allen, Die irgend geſchauet wird! G. Schaller. Synode. Die große Mehrzahl der Glieder unſerer Sy⸗ node hat ihre Stimmen dafür abgegeben, daß unſere diesjährige verſchobene Verſammlung vom 2. October an bis zum 12. desſelben in St. Louis, Miſſouri, abgehalten werden möge; indem ich dieſes Reſultat bekannt mache, benachrichtige ich zugleich die Brüder, daß die Cholera als Epide⸗ mie hier zu graſſiren ſchon längere Zeit aufgehört hat, daß daher der Haltung unſerer Sitzungen an dem nun anberaumten Termine nichts entge⸗ gen ſteht. Die Ankommenden wollen die betref⸗ fenden Wohnungen der Paſtoren hieſiger Ge⸗ meinde erfragen in der Porzellanwaarenhandlung des Herrn L. Pechmann, Main St. No. 35. C. F. W. Walther, d. z. Präſ. Empfangen für den Bau des deutſch evangeliſch⸗lutheriſchen College in St. Louis: Von der St. Johannis-Gemeinde ungeänderter Augsb. Confeſſion zu Neudettelsau, Union Co., O., §33.50. Von der St. Jakobs⸗Gemeinde zu Wittenberg, Franklin Co, Ohio, S10.00. Von nachbenannten Gliedern der Gemeinde des Herrn Paſtor Sauer in Jackſon Co., Ind., nemlich: — Heinrich Schöppmann....... . I. 00 Friedrich Siefert...... 1.00 Wilhelm Duwe.— 1.00 Heinrich Schneider . 1.00 Gerhard Rölker. . 0.60 Heinrich Bühner 0.50 Heinrich Maſcher. 0.50 Heinrich Aufdemberg 0.50 Ungenannter.. . 0.90 87.00 Von den Gliedern der St. Paulus-Gemeinde zu Chicago, nemlich: Sophie Michel....81.00 Johannt Döſchel.... 1.00 Carl Koch...—..—..— 1.0⁰ Heinrich Niemann.. 1.00 Heinrich Battermann.......... ì— n 1.00 Chriſtoph Kölling......... 1.00 Chriſtian Steinmann ....... 4 1.00 Willib. Brockſchmidt.... ... 2.00 Friederike Pape.... 1.00 Heinrich Bieſterfeld ... 1. H. M. Siegmann... 1