Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 26 › Seite 203
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-09-14, Seite 203
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch. 9197⁷ · Geſangbuch · Geſang · Taufe · Taufe 58
das Sacrament empfangen hatten, ſo war es
alles geſchehen und das Werk vollbracht.
65. Alſo hie auch treiben dieſe Wiedertäufer
auf das Werk, daß die Leute darauf trauen:
wenn ſie alſo getauft werden, ſo ſei es recht und
wohlgethan; nach dem Glauben fragen ſie in der
Wahrheit nichts, ohne daß ſie ihn rühmen allein
zum Schein. Denn wie droben geſagt, wo ſie
ſollten des Glaubens zuvor gewiß ſein, müßten
ſie nimmermehr keinen Menſchen täufen. Und
wo ſie nicht auf's Werk traueten, oder den Glau⸗
ben mit Ernſt ſuchten, dürften ſie ſich nicht wieder
täufen; ſintemal in der erſten Taufe das ſelbige
Wort GOttes, einmal geſprochen, noch immer
bleibt und ſtehet, daß ſie daran können hernach
gläuben, wenn ſie wollen, und das Waſſer über
ſie gegoſſen, daß ſie es auch hernach im Glauben
faſſen mögen, wenn ſie wollen. Denn ob ſie
gleich hundertmal die Worte wieder ſprächen, ſo
ſind es doch dieſelbigen Worte, ſo in der erſten
Taufe geſprochen ſind, und nicht ihre Kraft daher
haben, daß ſie vielmals oder aufs neue geſprochen
werden, ſondern daß ſie befohlen ſind zu ſprechen
einmal.
66. Denn das iſt des Teufels rechter Meiſter⸗
ſtück eines, daß er die Chriſten von der Gerechtig⸗
keit des Glaubens auf die Gerechtigkeit der Werke
nöthiget; wie er die Galater und Corinther,
welche (als St. Paulus ſchreibet Gal. 5, 7.) ſo
gar fein gläubten und recht liefen in Chriſto, auch
alſo auf die Werke trieb. Alſo jetzt, da er ſahe,
daß die Deutſchen durchs Evangelium Chriſtum
fein erkannten und recht gläubten, dadurch ſie
denn auch gerecht vor Gott waren, fähret er zu,
und reißet ſie von ſolcher Gerechtigkeit, als ſei ſie
nichts, und führet ſie in das Wiedertäufen, als
in eine beſſere Gerechtigkeit; macht damit, daß ſie
die vorige Gerechtigkeit verleugnen, als die un⸗
tüchtige, und auf eine falſche Gerechtigkeit fallen.
67. Was ſoll ich ſagen? Wir Deutſchen
ſind rechte Galater, und bleiben Ga—
later. Denn wer ſich wiedertäufen läßt, der
widerruft mit der That ſeinen vorigen Glauben
und Gerechtigkeit, und macht ſie zu Sünden und
verdammlich: welches iſt greulich, allerding wie
St. Paulus ſagt, daß die Galater von Chriſto
abgefallen ſind, ja Chriſtum zum Sündendiener
machten, „wo ſie ſich beſchnitten“, Gal.
5, 2.
68. Es thut aber der Satan ſolches alles um
unſertwillen, auf daß er unſere Lehre verdächtig
mache, als die wir nicht rechtſchaffen Geiſt noch
Lehre haben mögen, weil wir nicht recht getauft
ſind. Aber an den Früchten kann man
den Baum kennen, Matth. 7, 17. 18. Denn
wir noch nicht, weder im Pabſtthum noch in allen
Roilen, ſehen ſolche Männer, die ſo gewaltiglich
die Schrift handeln und auslegen, als auf
unſer Seiten ſind, von Goties Gnaden; welches
nicht der geringſten Gaben des Geiſtes eine
iſt,‚ 1 Cor. 12, 10.
69. So ſehen wir wohl bei ihnen rechte Früchte
des Teufels, nemlich, daß etliche um der Wieder⸗
taufe willen von Weib und Kind, von Haus und
Hofe laufen, keine Obrigkeit haben wollen, und
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ſo fortan; ſo doch St. Paulus lehret: „Wer
die Seinen nicht verſorget, hat den
Glauben verleugnet, und iſt ärger denn
ein Heide“, 1 Tim. 5, 8., und 1 Cor. 7, 13.
will er auch nicht, daß ein „gläubig Gemahl
ſich vom ungläubigen ſcheide“. Und
Chriſtus auch die Ehe ungeſcheiden haben
will, ohn wo Hurerei Urſach gibt, Matth.
19, 9. Unſer Geiſt läßt, ja er heißt allerlei
Stände bleiben und in Ehren halten, und im
Friede den Glauben durch die Liebe üben, dar⸗
aus kein Aufruhr noch billige Klage über unſere
Lehre kommen kann: wiewohl die Papiſten mit
ihrem Lügen alles Unglück uns Schuld geben.
Aber das hat ſeinen Richter, auch ihr eigen Ge—
wiſſen hie und dort.
70. Hiemit iſt auch verlegt, das ſie daneben
fürgeben, die Taufe ſei nichts, weil die
Prieſter oder Täufer nicht gegläubt
haben. Denn obgleich St. Peter jemand
täufet, dennoch könnte niemand wiſſen, ob St.
Peter zu derſelbigen Stunde gläubet oder zweifelt;
denn es kann ja niemand ſein Herz ſehen.
Summa, ſolch Stück hat vorzeiten die Donatiſten
auch bewegt, daß ſie ſich abſonderten und wieder
täuften, da ſie ſahen, wie etliche Prediger und
Täufer unheilig waren, und fingen an, die Taufe
zu gründen auf Menſchen Heiligkeit, welche doch
Chriſtus auf ſein Wort und Gebot gründet.
71. Ja, es ficht auch unſere Schwärmer an,
die Sacramentsfeinde. Denn wiewohl ſie für⸗
geben, die Wahrheit und Schrift zwinge ſie, ſo
lügen ſie doch: ſondern das ſtößt ſie (wie ſie denn
auch an etlichen Orten herausfahren): Ob ein
jeglicher Bube möge Chriſtum ins Brod bringen;
gerade als wäre die ganze Welt gewiß und ſicher,
daß ſie ſelbſt gläubig und eitel Heiligthum, und
nicht ja ſo große Buben wären vor Gott, als die
ſind, die ſie ſo frevel richten und Buben ſchelten,
und vergeſſen „des Balken in ihrem
Auge“, Matth. 7, 3.
72. Wir haltens aber dafür, daß, ſo St. Jo⸗
hannes ſich nicht ſchämet, von Caiphas
GOttes Wort zu hören, und rühmets dazu für
eine Weiſſagung, Joh. 11, 49., und ſo Moſes
ſamt dem Volk Iſrael des gottloſen Bileams
Weiſſagung annehmen und für GOttes Wort
halten, 4 Moſ. 24, 17., item, St. Paulus die
heidniſchen Poeten Aratum und Epimeni⸗
den annimmt, und ihre Sprüche (als GOttes
Wort) preiſet, Ap. Geſch. 17, 28., Tit. 1, 12.,
und Chriſtus die gottloſen Phariſäer auf
Moſes Stuhl will gehöret habell, als die gott⸗
loſen Lehrer, Matth. 23, 2., ſo ſollen wir uns
vielweniger Ekel machen, ſondern GOtt richten
laſſen ihr böſes Leben, und uns ihr göttlich Wort
dennoch gefallen laſſen. Denn ſind ſie böſe, ſo
ſind ſie ihnen ſelbſt böſe. Lehren ſie aber recht,
ſo lehren ſie uns recht.
73. Alſo thäten die frommen Magi auch,
Matth. 2, 4. 5. 9., ſie höreten GOttes Wort
aus der Schrift Michä, durch den Mund He⸗
rodis, des greulichen Königs, welcher es
förder aus den gottloſen Hohenprieſtern und
Schriftgelehrten hörete. Noch zogen ſie auf
ſolch Wort hin gen Bethlehem, und funden
Chriſtum, und hinderte ſie nichts überall, daß ſie
GOttes Wort nicht, denn allein durch Hero⸗
dem, den Mörder Chriſti, höreten.
74. Mü ſſen wir doch bekennen, daß
die Schwärmer die Schrift und GOttes
Wort haben in andern Artikeln, und
wer es von ihnen höret und gläubt,
der wird ſelig, wiewohl ſie unheilige
Ketzer und Läſterer Chriſti ſind. Es
iſt nicht eine geringe Gnade, daß
GOTT ſein Wort auch durch böſe Bu⸗
ben und Gottloſe gibt; ja, es iſt etli—
chermaßen gefährlicher, wenn ers durch
heilige Leute gibt, denn ſo ers durch
unheilige gibt, darum, daß die Unver⸗
ſtändigen darauf fallen, und hangen
mehr an der Menſchen Heiligkeit, denn
am Wort GOttes. Dadurch geſchieht
denn größer Ehre den Menſchen, denn
GoOtt und ſeinem Wort. Welche Ge—
fahr nicht iſt, wo Judas, Caiphas
und Herodes predigen. Wiewohl da—
mit niemand entſchuldigt iſt in ſeinem
böſen Leben, ob GoOtt desſelbigen
wohl brauchen kann.
75. Kann nun ein Gottloſer das rechte GOt⸗
tes Wort haben und lehren, ſo kann er auch viel
mehr recht täufen und Saerament geben: ſinte⸗
mal es größer iſt, GOttes Wort lehren, denn
täufen, wie St. Paulus rühmet 1 Cor. 1, 17.
Und wie geſagt iſt, wer nicht ehe will von der
Taufe halten, er wiſſe denn, daß der Täufer
gläube, der muß nimmermehr von keiner Taufe
halten. Denn ſo ich frage: Biſt du wieder ge⸗
tauft? Ja. Wie weißt du, daß du nun recht
getauft biſt? Willt du hie antworten, daß dein
Täufer ſei gläubig geweſt? ſo frage ich: Wie
weißt du es? haſt du ſein Herz geſehen? So
ſteheſt du denn, wie Butter an der Sonnen.
76. So iſt nun unſrer Taufe Grund der aller⸗
ſtärkeſte und ſicherſte, daß GOtt hat einen Bund
gemacht mit aller Welt, zu ſein der Heiden GOtt
in aller Welt; wie das Evangelium ſagt, daß
Chriſtus hat befohlen „in alle Welt das
Evangelium zu predigen“: als auch die
Propheten manchfaltiglich haben verkündiget. Und
zum Zeichen dieſes Bundes hat er die Taufe ein⸗
geſetzt, geboten und befohlen unter allen Hei⸗
den, wie Matth. 28, 19. ſtehet: „Gehet hin
in alle Welt, und lehret alle Heiden,
und täufet ſie im Namen des Vaters“
u. ſ. w. Gleichwie er mit Abraham und
ſeinem Samen einen Bund machete,
ihr GOtt zu ſein, und zum Zeichen des
Bundes die Beſchneidung gab, 1 Moſ.
17, 7. 11.
77. Hie ſtehet unſer gewiſſer Grund und
Veſte, nemlich, daß wir uns täufen laſſen: nicht
darum, daß ich des Glaubens gewiß ſei; ſondern
daß GOtt geboten hat und haben will. Denn
ob ich gleich keines Glaubens nimmermehr ge⸗
wiß würde, ſo bin ich dennoch des Gebots ge⸗
wiß, daß GOdT die Taufe gebeut, weil ers
öffentlich hat laſſen ausgehen vor aller Welt.
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