Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 22 › Seite 87
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-06-28, Seite 87
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirche 8 · Kirche 30
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sind in Lehre, Zucht und Leben; — darum sollen wir, heißt es weiter, „keine Gemeinschaft, die noch Theil hat am apostolischen Glaubensbekenntniß, gänzlich verwerfen.“ Von dieser „heil. christlichen Kirche“ unterscheidet nun im Folgenden Hr. N. mit Hrn. Stier „die Gemeine der Heiligen,“ welche er „die eigentliche rechte Kirche des HErrn“ nennt. — Einen tiefen Blick in die Ansichten Hrn. N's. von der Kirche gibt ein langes Citat aus der Schrift eines gewissen Hrn. Saxer, womit Hr. N. die seinige sogleich im Anfange schmückt. Saxer sagt da u. a. selbst, das letzte Ergebniß seiner Untersuchungen über die Entwicklung der Kirche sei dieses: „daß es zur Zeit der Reformation mit der Kirche zu Ende gegangen sei,“ (S. 9) während „sie sich bis zur Zeit der Reformation immer glänzender entwickelt habe.“ S. 8. Von dem Reformationszeitalter sagt Hr. N. mit Hrn. Sarer ferner: „Der ganze Zustand war doch eben nur ein verfassungsloser; die Kirche aber ist ein (äußerlich?) wohlgeordneter Organismus, in welchem alle Glieder in einander greifen. Die unsichtbare Kirche war also auf eine solche Weise sichtbar geworden, daß sie dennoch keine wahre Kirche zu bilden im Stande war.“ S. 11. Nicht undeutlich wird zugleich die Ansicht der reformirten Kirche daselbst gebilligt, daß die verschiedenen Secten nur „verschiedene Erscheinungsformen“ der wahren Kirche seien. Daselbst.
Wir müssen bekennen, mühen wir uns auch noch so sehr ab, uns nach solchen Aeußerungen von Hrn. N's. Gedanken über die Kirche ein klares Bild zu machen, so wird uns nichts vollkommen klar, als Hrn. N's. Unklarheit, worüber derselbe mit ungemeinem Muthe hier eine schriftliche Urkunde ausgestellt hat. Hr. N. wird sich freilich damit entschuldigen, daß er ja das, was die Hauptsache betreffe, nicht selbst geschrieben, sondern darüber Auszüge aus den Schriften berühmter Männer unserer Zeit gegeben habe. Getraute sich aber Hr. N. nicht, das, was er beweisen wollte und worauf es eigentlich in seiner Schrift ankam, mit eignen Worten darzustellen, so sollte er doch mindestens das Fremde erst einigermaßen geprüft haben, ob es auch mit dem von ihm erst festgestellten Grundsatze übereinstimme. Das hat aber Hr. N. nicht gethan. So lautet denn nach den oben angeführten Aeußerungen sein Bekenntniß von der Kirche u. a. folgendermaßen:
„Ich glaube nach dem dritten Artikel zwei Kirchen, eine sichtbare und eine unsichtbare, nehmlich 1. die heil. christliche Kirche, und 2. die Gemeine der Heiligen, denn diese dürfen nicht verschmolzen werden. S. 6. Die unsichtbare Kirche ist die Menge der Gläubigen in der ganzen Welt, die allein die Verheißung hat, die unverfälschte Lehre Christi zu behalten. S. 27. Die sichtbare Kirche ist die Gesammtheit aller, die sich äußerlich zur Lehre Christi bekennen, obgleich sie davon sehr abgehen. Diese sichtbare Kirche hatte zwar vor der Reformation die wahre Gestalt der Kirche Christi,
besonders als sie im vierten Jahrhundert der Kaiser Constantin und später der Pabst in ein großes organisches Ganze vereinigte, unter welchen günstigen Verhältnissen sie sich immer glänzender entwickelte und die Eine große weltgeschichtliche Erscheinung blieb, in welcher Christus sich und seine Herrlichkeit der Welt offenbarte.“ S. 8. Leider! aber wurde die Kirche zur Zeit der Reformation „all ihrer Herrlichkeit und Schöne von Gott aus gerechtem Gerichte beraubt und ihre hohe majestätische Gestalt zerschlagen. Die Kirche ist nicht mehr! Sie ist ausgerottet von der Erde wie einst Christus ausgerottet wurde.“ (Daselbst.) Die Schuld war — „der verfassungslose Zustand;“ davon „war das Ergebniß dieses: die alte Kirche wurde zerschlagen und theilte sich in Secten.“ S. 11. Unter allen diesen Secten hat die römische Kirche „vor andern kirchlichen Parteien den Charakter der Kirche behauptet.“ S. 10. Die andern Secten weichen zwar mehr oder minder von Gottes Wort ab, doch wäre es unrecht, sie (wie die pharisäischen starren Lutheraner wollen) nicht alle mit dem Titel rechtgläubiger Kirchen zu beehren, weil sie alle Anstalten Gottes zur Seligkeit, auf Christum und das Evangelium gegründet und nur verschiedene Erscheinungsformen der wahren Kirche sind, die zwar nicht völlig gleich zu achten sind, aber ebensowohl wie die luth. Kirche den Glauben rein und rund bekennen, denn zum rechten Bekenntniß gehört nicht, daß man die reine Lehre des Evangeliums, sondern daß man bloß Christum bekenne. S. 32. Die beste unter allen Kirchen, die ich mir, da ich eine so große Auswahl habe, ausgesucht, ist endlich die neue Evangelische, „die das Evangelium wieder am reinsten gelehrt hat,“ doch müssen leider diejenigen, welche dazu gehören, „den ersten rechten Grund der apostolischen Kirche immer völliger wieder zu finden trachten.“ S. 26. —
Das ist das Glaubensbekenntniß Hrn. N's. von der Kirche. Der Leser schlage das Buch selbst auf, und er wird finden, daß wir nichts entstellt, sondern das in Hrn. N's. Schrift hie und da Gesagte nur so zusammengestellt haben, daß das von ihm entworfene Bild doch einigermaßen anschaulich und übersichtlich werde. Der Leser ersieht hieraus, erstlich, daß Hr. N. wider Gottes Wort zwei Kirchen macht, indem er die unsichtbare Kirche von der sichtbaren scheidet, während es nach Gottes Wort nur Eine wahre Kirche gibt, die Einen Geist, Einen Glauben, Eine Taufe ꝛc. hat und durch nichts anderes als durch Gottes Wort oder das Bekenntniß der Wahrheit sichtbar oder offenbar wird. Wohl sind nun zwar nach der h. Schrift die Ketzer und Secten auch äußerlich mitten in der wahren Kirche, in welcher nach St. Paulo selbst der Antichrist sitzt, aber, wir wiederholen es, darum sind nicht, wie Hr. N. schließt, die Secten die Kirche, darum gehören sie nicht etwa zu ihr und sind nicht derselben ein Theil! Denn Christi Reich ist ein Reich des Lichts und der Wahrheit, nicht der Finsterniß und des Irrthums.
Der Leser ersieht zweitens, daß durch jene
falsche Scheidung der sichtbaren und unsichtbaren Kirche bei Herrn N. der Irrthum entstanden ist, es gebe entweder gar keine rechtgläubige Kirche auf Erden, oder man müsse den Ruhm, eine solche zu sein, allen Parteien in der Christenheit lassen; daher denn auch Hr. N. das Letztere thut und jede Secte für einen Theil der wahren christlichen Kirche anerkannt wissen will. Durch dieses öffentliche Bekenntniß hat Hr. N. unsere Beschuldigung, daß die Evangelischen dem Indifferentismus (Religionsgleichgültigkeit) von ganzem Herzen huldigen, nehmlich auf den Unterschied zwischen reiner und falscher Lehre nichts geben, vollkommen selbst gerechtfertigt. Es fehlt nur noch, daß Hr. N. hinzusetze, daß auch zwischen Christen, Heiden, Juden und Türken kein Unterschied sei, wenn sie nur „der Heiligung nachjagen und nicht nachschleichen“ (S. 56), so ist die Grundlage zu dem großen über die ganze Welt gebauten Unionstempel fertig, zu dessen Aufbau gegenwärtig bereits die „Evangelisch-Protestantischen“ (das heißt jetzt auf deutsch: solche Menschen, die wider das Evangelium protestiren) die Vorarbeiten liefern.
Was sagt nun aber Herr N. zu folgenden Ermahnungen: „Ich ermahne aber euch, liebe Brüder, daß ihr aufsehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten, neben der Lehre, die ihr gelernt habt, und weichet von denselbigen“? Röm. 16, 17. „Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied werden unter euch kommen greuliche Wölfe, die der Heerde nicht verschonen werden. Auch aus euch selbst werden aufstehen Männer, die da verkehrte Lehre reden, die Jünger an sich zu ziehen. Darum seid wacker“? Apg. 20, 29. 30. Oder wenn der HErr spricht: „Es werden sich viele falsche Propheten erheben, und werden viele verführen. So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus, oder da; so sollt ihr es nicht glauben. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen, und große Zeichen und Wunder thun, daß verführt werden in den Irrthum, wo es möglich wäre, auch die Auserwählten“? Matth. 24, 11. 23. 24. Warum antwortet Hr. N. auf solche und ähnliche Stellen, die von der falschen Kirche handeln, und die wir angeführt hatten, nichts? Warum geht er an ihnen wie der Fuchs vor dem Platze vorbei, wo er eine Falle wittert? Ei, ei! es ist ein gar böses Zeichen, daß Hr. N. darüber auch nicht ein Wort verliert und sich in seiner Schrift nicht anders geberdet, als stünden jene Warnungen vor falscher Lehre und den dadurch gestifteten Secten für die Herrn Evangelischen so gut wie nicht in der Bibel! Eben das war ja der Punct, wo Hr. N. seine Kunst beweisen, und zeigen sollte, daß es entweder gar keine falsche Kirche oder Secte geben könne, oder daß doch wenigstens die Evangelischen nicht dazu gehörten. Mögen dieselben aber die Warnungen vor falschen Propheten und ihrer Gemeinschaft, die so häufig in der Bibel vorkommen, aus leicht begreiflichen Gründen mit Stillschweigen übergehen und ihren Lesern so viel möglich aus den Augen zu rücken suchen,
English translation AI translation
— in doctrine, discipline, and life; — therefore we ought, as it goes on to say, "utterly to reject no communion that still has a share in the apostolic confession of faith." From this "holy Christian Church," Mr. N., following Mr. Stier, then in what follows distinguishes "the congregation of the saints," which he calls "the proper, true Church of the Lord." —
A deep glimpse into Mr. N.'s views of the Church is given by a long citation from a writing of a certain Mr. Saxer, with which Mr. N. adorns his own work from the very outset. Saxer there himself says, among other things, that the final conclusion of his investigations into the development of the Church is this: "that at the time of the Reformation the Church came to an end" (p. 9), whereas "up to the time of the Reformation it had developed ever more gloriously." (p. 8.) Of the age of the Reformation, Mr. N., following Mr. Saxer, further says: "The whole condition was, after all, simply one without constitution; but the Church is a (outwardly?) well-ordered organism, in which all the members interlock with one another. The invisible Church had thus become visible in such a way that it was nevertheless unable to constitute a true Church." (p. 11.) At the same place, the view of the Reformed Church is not obscurely endorsed, namely that the various sects are merely "different forms of appearance" of the true Church. (Ibid.)
We must confess that, however hard we labor to form for ourselves, from such statements, a clear picture of Mr. N.'s thoughts about the Church, nothing becomes entirely clear to us except Mr. N.'s own lack of clarity — concerning which he has here, with uncommon boldness, drawn up a written record. Mr. N. will, of course, excuse himself by saying that, as to the main point, he did not write it himself, but only gave excerpts from the writings of famous men of our time on the subject. But if Mr. N. did not trust himself to present, in his own words, what he wished to prove and what actually mattered in his book, he ought at least to have first examined to some extent whether the borrowed material agreed with the very principle he himself had laid down. This, however, Mr. N. did not do. Thus, according to the statements cited above, his confession concerning the Church reads, among other things, as follows:
"I believe, according to the Third Article, in two churches, a visible and an invisible one, namely: 1. the holy Christian Church, and 2. the congregation of the saints, for these must not be merged together. (p. 6.) The invisible Church is the multitude of believers in the whole world, which alone has the promise of retaining the unadulterated doctrine of Christ. (p. 27.) The visible Church is the totality of all who outwardly profess the doctrine of Christ, although they depart from it very greatly. This visible Church did indeed possess, before the Reformation, the true form of the Church of Christ,
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especially when, in the fourth century, the Emperor Constantine, and later the Pope, united it into one great organic whole, under which most favorable circumstances it developed ever more gloriously and remained the one great phenomenon of world history in which Christ revealed himself and his glory to the world." (p. 8.) But alas! at the time of the Reformation the Church was, "by God's just judgment, stripped of all its glory and beauty, and its lofty, majestic form was shattered. The Church is no more! It has been rooted out from the earth, just as Christ himself was once rooted out." (Ibid.) The blame lay with "the condition without constitution"; the result of this was "this: the old Church was shattered and split into sects." (p. 11.) Among all these sects, the Roman Church has "maintained the character of the Church more than the other ecclesiastical parties." (p. 10.) The other sects do indeed depart more or less from God's Word, yet it would be wrong (as the Pharisaic, rigid Lutherans would have it) not to honor them all with the title of orthodox churches, because they are all institutions of God for salvation, founded on Christ and the Gospel, and are merely different forms of appearance of the true Church — which, though not all to be regarded as fully equal, nevertheless confess the faith purely and fully, just as much as the Lutheran Church does; for what belongs to a right confession is not that one hold the pure doctrine of the Gospel, but merely that one confess Christ. (p. 32.) The best among all the churches — which I have chosen for myself, since I have so great a selection — is finally the new Evangelical Church, "which has again taught the Gospel most purely," though unfortunately those who belong to it must still "strive ever more completely to rediscover the first true foundation of the apostolic Church." (p. 26.) —
That is Mr. N.'s confession of faith concerning the Church. Let the reader open the book himself, and he will find that we have distorted nothing, but have merely arranged what is said here and there in Mr. N.'s writing so that the picture he himself has drawn might become somewhat clear and easy to survey. From this the reader will see, first, that Mr. N., contrary to God's Word, makes two churches, by separating the invisible Church from the visible, whereas according to God's Word there is only one true Church, which has one Spirit, one faith, one baptism, etc., and which becomes visible or manifest through nothing else than God's Word, or the confession of the truth. It is indeed true, according to Holy Scripture, that heretics and sects also stand outwardly in the midst of the true Church, in which, according to St. Paul himself, the Antichrist sits; but, we repeat, this does not mean, as Mr. N. concludes, that the sects are the Church, that they therefore belong to it, and are a part of it! For the kingdom of Christ is a kingdom of light and truth, not of darkness and error.
The reader will see, secondly, that from this false separation of the visible and invisible Church there has arisen in Mr. N. the error that there is either no orthodox church at all on earth, or that one must concede to all parties in Christendom the honor of being one; and hence Mr. N. does the latter, wishing to have every sect acknowledged as a part of the true Christian Church. By this public confession, Mr. N. has entirely justified, by his own admission, our charge that the Evangelicals wholeheartedly pay homage to indifferentism (indifference toward religion) — that is, that they attach no importance whatsoever to the distinction between pure and false doctrine. All that remains is for Mr. N. to add that there is also no difference between Christians, heathens, Jews, and Turks, so long as they only "strive after" and do not merely "creep after" sanctification (p. 56) — and then the foundation is complete for the great temple of union built over the whole world, toward whose construction the "Evangelical Protestants" (which now means, in plain German: such people as protest against the Gospel) are already supplying the preliminary labor.
But what does Mr. N. now say to the following admonitions: "Now I beseech you, brethren, mark them which cause divisions and offenses contrary to the doctrine which ye have learned, and avoid them"? (Romans 16:17.) "For I know this, that after my departing shall grievous wolves enter in among you, not sparing the flock. Also of your own selves shall men arise, speaking perverse things, to draw away disciples after them. Therefore watch"? (Acts 20:29–30.) Or when the Lord says: "There shall arise false prophets, and shall deceive many. Wherefore if they shall say unto you, Behold, he is in the desert; go not forth: behold, he is in the secret chambers; believe it not. For there shall arise false Christs, and false prophets, and shall shew great signs and wonders; insomuch that, if it were possible, they shall deceive the very elect"? (Matthew 24:11, 23, 24.) Why does Mr. N. answer nothing to such passages, and others like them, which deal with the false church, and which we had cited? Why does he pass them by, as a fox passes by a spot where he scents a trap? Ah, ah! it is a very bad sign that Mr. N. loses not one word about this, and in his book conducts himself in no other way than as though those warnings against false doctrine and the sects thereby produced were, for the gentlemen Evangelicals, as good as absent from the Bible! Yet that was precisely the point at which Mr. N. should have proven his case, and shown either that there can be no false church or sect at all, or that at least the Evangelicals do not belong to one. But if they, for easily understandable reasons, pass over in silence the warnings against false prophets and their fellowship — warnings so frequent in the Bible — and try to keep them as much as possible out of their readers' sight,