Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 22 › Seite 88

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-06-28, Seite 88

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gewißheit 1 · Kirche 24

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so sollen sie doch uns eine helle Leuchte bleiben in dieser letzten, finstern und greulichen Zeit. Was sollen wir nun aber endlich davon sagen, wie Hr. N. nach Hrn. Saxer die Kirche vor und nach der Reformation beschreibt? Darüber vor den Ohren eines Protestanten ein Wort zu verlieren, scheint durchaus überflüssig. Die Beschreibung ist so abscheulich, daß es uns ekelt, sie zu wiederholen. Den Dank dafür hole sich Hr. N. bei Sr. Heiligkeit, dem Pabst zu Rom, denn fürwahr! wenn ein Protestant sich dadurch nicht wenigstens einen Cardinalshut verdient, so wissen wir nicht, wie ein Protestant zu solcher Ehre gelangen könne. Wie es Hr. N. über sich gewinnen konnte, seinen Gewährsmann, Herrn Saxer, einen ehrlichen Lutheraner zu nennen, und den Lesern das Kauderwälsch seiner kirchengeschichtlichen Entwickelungen als Beleg seines ehrlichen Lutherthums aufzutischen, das begreifen wir nicht. So viel ist uns klar, daß in dem Kopfe des Hrn. Saxer und aller, die seine Auffassung billigen, durchaus grobe, fleischliche, papistische Begriffe von der wahren Gestalt der Kirche spuken, daß sie sich darunter einen wohlorganisirten Kirchenstaat vorstellen; daher die unerhörte Behauptung, „daß es zur Zeit der Reformation (der Neugestaltung der Kirche) mit der Kirche zu Ende gegangen sei!“ S. 9. Glaubt man doch, wenn man dergleichen in Hrn. N.'s Buch liest, den Cincinnatier „Wahrheitsfreund“ in den Händen zu haben. Pfui Schande, daß Hr. Nollau noch wagt, uns Lutheranern eine bedenkliche Hinneigung zu Rom vorzuwerfen, während er selbst an der protestantischen Kirche gegen die Römische zum Verräther wird, und den Römisch-katholischen die Waffen gegen uns in die Hände gibt; indem er bekennt, daß mit der Reformation die wahre Gestalt der Kirche untergegangen sei und daß die Römische „vor den andern kirchlichen Parteien den Charakter der Kirche fortwährend behaupte!“ S. 10. Pfui Schande, daß ein Protestant den Segen der Reformation so schmähen und lästern, und so blind sein kann, nicht zu wissen, daß die öffentliche Predigt des reinen Wortes, sei es auch auf dem Scheiterhaufen oder in der dunklen Inquisitionskammer, der Kirche die wahre Gestalt gibt und sie, dieses Kreuzreich, zu einer Stadt macht auf einem hohen Berge; zu einem Leuchtthum, der den irrenden Schiffen den rechten Hafen zeigt! Pfui Schande, daß ein Protestant um die äußerlich anständige Gestalt, in welcher die Römische Kirche vor der Welt ihre Erscheinung machen kann, noch so buhlen und nach der irdischen Macht, Pracht, Herrlichkeit und militärischen Ordnung der Pabstkirche scheel sehen kann! Hr. N. sieht offenbar nicht einmal so viel ein, daß der durch äußere Mittel erzwungene falsche Zusammenhalt des Pabstreiches, oder, wie er es nennt, dessen äußerlicher Organismus die totalste Mißgestaltung der christlichen Kirche ist. Dergleichen Vorstellungen von der wahren Gestalt der Kirche, wie sie in Hrn. N.'s Herzen leben und von ihm in seinen Lesern erweckt werden sollen, geben den Schlüssel dazu, warum so

*) Hr. N. wird uns vielleicht Hrn. Oertel als einen aus einem Altlutheraner zum Pabstthum Bekehrten nennen zu können meinen; aber dann irrt er sich. Hr. Oertel war ebensowenig in die wahre Lehre der lutherischen Kirche eingedrungen, wie wir vormaligen Stephanisten alle. Nicht allzustrenges Festhalten an der lutherischen Lehre hat uns zu Stephanisten gemacht, sondern völliges, obwohl unbewußtes Abgehen davon. Es hilft daher Hrn. N. und seinen methodistischen Glaubensbrüdern gar nichts, wenn sie, um das alte Lutherthum zu bekämpfen, immer von nichts zu reden wissen, als von unserer Abirrung im Stephanismus.

viele Neugläubige jetzt zur Römischen Secte übertreten, während man nichts dergleichen von sogenannten Altlutheranern hört.*) Der Geist der falschen Union führt nothwendig dahin. In der sogenannten evangelischen Kirche sucht man die Leute aus offenbarer Eifersucht gegen den großen organischen stattlichen Körper des Pabstthums auch so zusammenzubringen, indem man nehmlich nicht darnach fragt, ob die Leute auch Einen Glauben im Herzen tragen und daher Eine Lehre bekennen, sondern sich daran genügen läßt, wenn sich die Leute nur gefallen lassen, zu der neuen breiten und weiten Kirche zu gehören, in welcher Raum genug ist für Leute verschiedenen Glaubens. Was ist die gepriesene und beneidete Einheit der Römischen Kirche anders? Sie besteht im Grunde in nichts weiter, als daß sich der Bischof unter den Pabst, der Priester unter den Bischof, und der Laie unter den Priester duckt, und daß alle aus vollem Halse schreien: Wir gehören zur katholischen Kirche und glauben, was sie zu glauben gebietet! — während kaum auf zwei Kanzeln dieselbe Lehre gehört wird.

In nächster Nummer gedenken wir zu zeigen, was für eine Lehre und Vorstellung von der Kirche, insonderheit von der lutherischen, Hr. N. uns fälschlich unterschiebt, wie er aber dabei offenbart hat, daß er, wie wir hoffen, nicht fähig war, unsere klar dargelegte Lehre in ihrem Zusammenhange aufzufassen, indem wir außerdem fürchten müßten, daß derselbe unsere Lehre wider besser Wissen und Gewissen entstellte.

(Fortsetzung folgt.)

Der Glaube ein Wunder.

Der Glaube ist ein recht Mirakel, der macht in einem Menschen, der sonst eine arme schwache Creatur ist, einen solchen großen Muth, daß er dadurch also stolz wird, daß er sagen kann: So alle Teufel auf mich fielen, ja, alle Könige, Kaiser, Himmel und Erden wider mich wären, dennoch glaube ich und weiß, daß ich werde erhalten werden. Luther über 2 Mos. 14.

Nicht die Menge die Kirche.

Als unter der Regierung des Kaisers Constantius fast alle Lehrer der Kirche von der arianischen Ketzerei angesteckt waren, rief der Kaiser, der auch arianisch gesinnt war, dem römischen Bischof Liberius zu: „Der wievielste Theil des Erdkreises bist du, der du es allein

mit dem gottlosen Menschen (dem Athanasius) hältst und den Frieden der ganzen Welt störest?“ Hierauf erwiederte der Bischof: „Daß ich allein stehe, das benimmt dem Worte des Glaubens nichts. Denn auch einstmals fanden sich nur drei, die sich dem (königlichen) Befehle widersetzten.“ (Daniel K. 3.)

Auch Laien müssen der Lehre gewiß sein.

Ein jeglicher muß sich selbst vorsehen, daß er der rechtschaffenen Lehre gewiß und sicher sei, und stelle es nicht auf anderer Leute Erörtern und Schließen: wo nicht, soll dich der heil. Geist bald eine Schlappen lassen sehen. Sollst du selig werden, so mußt du des Worts der Gnaden so gewiß für dich selbst sein, daß, wenn alle Menschen anders sprächen, ja, alle Engel nein sagten, du dennoch könnest allein stehen und sagen: Noch weiß ich, daß dies Wort recht ist. — Wie Christus sagt, Joh. 10, 3.5.: „Meine Schafe hören meine Stimme, und kennen mich; der Fremden Stimme kennen und hören sie nicht.“ Das Schaf muß der Stimme gewiß sein, Augen und Ohren zuthun, und nichts hören wollen, wie große, viele, weise, fromme Leute es sein (die anders lehren). Thut es doch selbige nicht, lässet die Sicherheit fahren, und will erst hören, was endlich geschlossen wird, so ist es schon verführt (abgeführt) von dem Hirten. (Luther über Apostelg. K. 15. 16.)

Eine gute Antwort.

Ein Protestant und ein Katholik saßen im Wirthshause bei einander, tranken Branntwein und plauderten über Religion. Der Protestant behauptete, seine Religion sei die wahre und bessere; der Katholik dagegen wollte für die Seinige den Vorzug haben. Während sie so plauderten, stritten und zankten, leerten sie ein Glas Branntwein nach dem andern, bis sie gänzlich betrunken waren. In diesem Zustande wendete sich der Protestant an den inzwischen eingetretenen frommen Pfarrer Neff mit den Worten: „Nicht wahr, Herr Pfarrer, unsere Religion ist die beste?“ Neff antwortete: „Ihr lieben Leute habt wohl Unrecht, so in Zank zu gerathen, denn ihr scheint Eine und dieselbe Religion zu haben: Ihr seid beide Branntweinsäufer.“

Der „Lutheraner“ ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber), ferner bei Hrn. Quast (Olive-Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber.

Gedruckt bei Weber und Olshausen.

English translation AI translation

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they shall nevertheless remain a bright light for us in this last, dark, and dreadful age. But what, finally, are we to say of how Mr. N., following Mr. Saxer, describes the Church before and after the Reformation? To waste a word on this in the hearing of a Protestant seems altogether superfluous. The description is so abominable that it disgusts us to repeat it. Let Mr. N. seek his reward for it from His Holiness the Pope at Rome; for truly, if a Protestant does not earn at least a cardinal's hat by this, we do not know how a Protestant could ever attain to such an honor. How Mr. N. could bring himself to call his authority, Mr. Saxer, an honest Lutheran, and to serve up to his readers the gibberish of his church-historical developments as evidence of his honest Lutheranism, is something we cannot comprehend. This much is clear to us: that in the head of Mr. Saxer, and of all who approve his view, there haunt thoroughly crude, carnal, papistic notions of the true form of the Church — that they picture by it a well-organized church-state; hence the outrageous assertion "that at the time of the Reformation (the reshaping of the Church) the Church came to an end!" (p. 9.) Indeed, reading such things in Mr. N.'s book, one might think one had the Cincinnati "Wahrheitsfreund" in one's hands. Shame, shame, that Mr. Nollau still dares to reproach us Lutherans with a questionable leaning toward Rome, while he himself becomes a traitor to the Protestant Church in favor of the Roman, and hands the Roman Catholics weapons against us — confessing, as he does, that with the Reformation the true form of the Church perished, and that the Roman Church "continually maintains the character of the Church above the other ecclesiastical parties"! (p. 10.) Shame, shame, that a Protestant can so revile and blaspheme the blessing of the Reformation, and can be so blind as not to know that the public preaching of the pure Word — be it even at the stake or in the dark chamber of the Inquisition — gives the Church its true form, and makes it, this kingdom of the cross, into a city set on a high hill; into a lighthouse that shows storm-tossed ships the way to the true harbor! Shame, shame, that a Protestant can still so court the outwardly respectable form in which the Roman Church can make its appearance before the world, and can look with envy upon the earthly power, pomp, splendor, and military order of the papal church! Mr. N. evidently does not even understand this much: that the false cohesion of the papal realm, extorted by external means — or, as he calls it, its external organism — is the most total misshaping of the Christian Church. Such notions of the true form of the Church as live in Mr. N.'s heart, and as he seeks to awaken in his readers, give us the key to why so

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many new believers now go over to the Roman sect, while nothing of the kind is heard of so-called Old Lutherans.* The spirit of the false union necessarily leads there. In the so-called Evangelical Church, out of manifest jealousy of the great, imposing organic body of the papacy, people likewise seek to gather people together in such a way that they do not ask whether people carry one faith in their hearts and therefore confess one doctrine, but are content if people merely consent to belong to the new, broad, and wide church, in which there is room enough for people of different faiths. What else is the vaunted and envied unity of the Roman Church? At bottom it consists in nothing more than that the bishop cowers under the Pope, the priest under the bishop, and the layman under the priest, and that all cry out at the top of their lungs: We belong to the Catholic Church and believe what it commands us to believe! — while scarcely from two pulpits is the same doctrine heard.

In the next number we intend to show what sort of doctrine and conception of the Church, especially of the Lutheran Church, Mr. N. falsely foists upon us, and how he has thereby revealed that he was, as we hope, simply not able to grasp our clearly presented doctrine in its context — since otherwise we should have to fear that he had distorted our doctrine against his better knowledge and conscience.
(To be continued.)

* Mr. N. will perhaps think he can point us to Mr. Oertel as an example of an Old Lutheran converted to the papacy; but there he is mistaken. Mr. Oertel had penetrated no more into the true doctrine of the Lutheran Church than all of us former Stephanites had. It was not too strict an adherence to Lutheran doctrine that made us Stephanites, but a complete, though unconscious, departure from it. It therefore does not help Mr. N. and his Methodist brethren in the faith in the least, when, in order to combat the old Lutheranism, they can always speak of nothing but our straying into Stephanism.

Faith Is a Miracle.

Faith is truly a miracle: in a man who is otherwise a poor, weak creature, it produces such great courage that he becomes so bold as to be able to say: Though all devils fell upon me — yes, though all kings, emperors, heaven, and earth were against me — still I believe and know that I shall be preserved. — Luther on Exodus 14.

It Is Not the Multitude That Makes the Church.

When, under the reign of the Emperor Constantius, almost all the teachers of the Church had been infected by the Arian heresy, the emperor — who was himself of Arian mind — called out to the Roman bishop Liberius: "What fraction of the whole earth are you, that you alone hold with this godless man (Athanasius) and disturb the peace of the whole world?" To this the bishop replied: "That I stand alone takes nothing away from the word of faith. For once, too, there were found only three who resisted the (royal) command." (Daniel ch. 3.)

Laymen, Too, Must Be Certain of the Doctrine.

Every man must see to it for himself that he is certain and sure of sound doctrine, and must not rely on other people's debating and reasoning; if he does not, the Holy Spirit will soon let him see a fall. If you are to be saved, you must be as certain, for yourself, of the Word of grace, that even if all men spoke otherwise — yes, if all the angels said no — you could nevertheless stand alone and say: Still I know that this word is right. — As Christ says, John 10:3, 5: "My sheep hear my voice, and know me; a stranger's voice they do not know and will not hear." The sheep must be certain of the voice, must close its eyes and ears, and refuse to listen no matter how many, how great, how wise, how pious the people may be who teach otherwise. If it fails to do this, lets go of its certainty, and wants first to hear how the matter will finally be decided, it has already been led astray — carried off — from the Shepherd. (Luther on Acts, ch. 15–16.)

A Good Answer.

A Protestant and a Catholic sat together in a tavern, drinking brandy and chatting about religion. The Protestant maintained that his religion was the true and better one; the Catholic, on the other hand, wanted the preference given to his own. While they thus chatted, argued, and quarreled, they emptied one glass of brandy after another, until they were completely drunk. In this condition the Protestant turned to the pious Pastor Neff, who had meanwhile come in, with the words: "Isn't that so, Pastor — our religion is the best?" Neff answered: "You good people are certainly wrong to fall into such a quarrel, for you seem to have one and the same religion: you are both brandy-drinkers."

Der Lutheraner may always be obtained at the residence of the paper's carrier, Mr. Gräber (South Fifth Street, opposite the oil mill), likewise from Mr. Quast (Olive Street, between Second and Third, below the theater), and from the editor.

Printed by Weber and Olshausen.