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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-06-28, Seite 85

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Luther 1

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Der Lutheraner.

„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“

Herausgegeben von C. F. W. Walther.

Jahrgang 1.

St. Louis, Mo., den 28. Juni 1845.

No. 22.

Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft.

(Eingesandt von Pastor Keyl.)
Lebensgeschichte Dr. Luthers.
(Fortsetzung.)

Auf dem bevorstehenden Reichstage zu Augsburg sollte abermals ein Versuch gemacht werden, die mit den Papisten entstandenen Religionsstreitigkeiten zu schlichten. Der Churfürst von Sachsen begab sich auch dahin in Begleitung Melanchthons und Dr. Jonas; Dr. Luthern ließ er aber aus wichtigen Gründen auf seinem Schlosse zu Coburg zurück. Melanchthon verfaßte auf Erfordern die berühmte Augsburgische Confession, welche aus 28 Artikeln besteht und die nöthigsten Stücke der christlichen Lehre namentlich im Gegensatz gegen die Papisten enthält. Bei dieser Gelegenheit legte Melanchthon nicht nur 17 von Luther verfaßte Artikel zum Grunde, sondern sie wurde auch auf ausdrücklichen Befehl des Churfürsten Dr. Luthern zur Begutachtung übersandt, der seine völlige Zustimmung bezeugte und nur beiläufig bemerkte, daß er so sanft und leise, wie Melanchthon, nicht treten könne, aber auch hinzufügte: „Christus, unser HErr, helfe, daß sie viel und große Frucht schaffe, wie wir hoffen und bitten. Amen!“ Und dies geschah auch; denn als diese Confession am 25. Juni 1530 in öffentlicher Reichsversammlung aller Stände des röm. Reichs im Namen der lutherischen Fürsten und Stände dem Kaiser überreicht, mit dessen Genehmigung vorgelesen und dann in Abschriften und im Druck in viele Länder verbreitet wurde, so bekamen dadurch Viele erst rechten Aufschluß über die lutherische Lehre, erkannten die Uebereinstimmung derselben mit der heiligen Schrift und der Lehre der alten Kirche, und bekannten sich mit Freuden dazu. Daher sagt auch Matthesius sehr treffend: „Größer und höher Werk und herrlicheres Bekenntniß ist nicht geschehen von den Aposteln an, als dieses zu Augsburg vor dem ganzen Römischen Reich.“ Diese Confession nebst deren später von Melanchthon verfaßter Apologie oder Vertheidigung und weiterer Erklärung hat ebenfalls die lutherische Kirche seit dieser Zeit bis jetzt für eine ihrer öffentlichen Bekenntnißschriften erklärt und erkennt Niemanden als zu ihr gehörig an, der sich nicht ohne alle Ausnahme zu allen Artikeln dieser unveränderten Augsb. Confession und deren Apologie bekennen will.

Als auch die reformirt Gesinnten ebenso wie die Lutheraner diese Confession heuchlerisch unterschreiben wollten, so gaben dies die letztern deßhalb nicht zu, weil jene ihr falsches Bekenntniß vom heil. Abendmahl noch nicht widerrufen hatten. Daher richteten sie eine besondere Confession ein und bezeugten durch die darin niedergelegte in verschiedenen Artikeln falsche Lehre auch bei dieser entscheidenden Gelegenheit öffentlich ihre Trennung von der lutherischen Kirche.

Während dies alles in Augsburg vorging, war Luther in seiner Wüste, wie er das Coburger Schloß nannte, nicht müßig, sondern nahm an allem thätigen Antheil; er ertheilte christlichen guten Rath, reichen Trost und kräftige Ermunterungen. Er betete damals an jedem Tage drei Stunden und sang täglich sein Heldenlied: Ein' feste Burg ist unser Gott ꝛc., das er um diese Zeit nach Anleitung des 46. Psalmes nebst der Melodie gefertiget; er empfing auch oft die Absolution und das heilige Abendmahl. So behielt Luther immer einen getrosten Muth, obgleich er sich fortwährend in nicht geringer Gefahr von Seiten seiner Feinde befand und auch bei mancherlei leiblichen und geistlichen Versuchungen die Faustschläge des Satans wie neun Jahre früher auf der Wartburg empfinden mußte. Er arbeitete auch unter diesen Umständen mehrere wichtige Schriften aus, namentlich übersetzte er den Propheten Ezechiel ins Deutsche und schrieb eine treffliche Auslegung über den 118. Psalm, den er sein Confitemini, und seinen Lieblingspsalm nannte, weil er sich um ihn in manchen Nöthen schon hoch verdient gemacht habe. Den 17. Vers dieses Psalms: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, und des HErrn Werk verkündigen,“ schrieb er zu seinem Trost an alle Wände, um ihn immer vor Augen zu haben.

Nach Beendigung des Reichstags holte der Churfürst Luthern von Coburg wieder ab und kam mit ihm nach Wittenberg. Da es sich nun abermals darum handelte, ob in dem Fall der Noth die lutherischen Fürsten und Stände ein Religionsbündniß schließen sollten, so rieth Luther nicht dazu, weil man dabei gewöhnlich seinen Trost auf Menschen setze, weshalb auch die Propheten des alten Testaments so sehr wider solche Bündnisse geeifert hätten.

Im Jahre 1531 erließ Luther eine Warnung an seine lieben Deutschen, daß sie die reine Lehre des Evangelii nicht möchten bekämpfen und dämpfen helfen; welche Schrift auch bei dem Kaiser selbst einen solchen Eindruck machte, daß im Jahre 1532 ein allgemeiner Landfriede geschlossen wurde, wozu namentlich der fromme Churfürst Johann Vieles beitrug. Dessen bald darauf folgender Tod versetzte aufs neue die lutherische Kirche in tiefe Trauer. Er entschlief im Beisein Luthers in dem Bekenntniß Christi, welches er zwei Jahre zuvor in Augsburg abgelegt hatte. Davon, so wie von vielen andern seiner Tugenden legte Luther in den ihm gehaltenen zwei Leichenpredigten manche merkwürdige Zeugnisse ab.

Luther fuhr unverändert fort, das Wort des HErrn zu treiben, und ließ auch in diesem Jahre manche schöne Schriften ausgehen. Mit andern schrieb er seine so nutzbaren Summarien über die Psalmen, und zwar mit unglaublicher Schnelligkeit, indem er im Ganzen dazu nicht mehr als 16 Stunden brauchte. Was er für ein guter Streiter Christi gewesen sei, zeigt seine Predigt über Eph. 6. „vom Harnisch und Waffen der Christen;“ und wie er auch die Vortrefflichkeit der Liebe mit großer Beredtsamkeit pries, davon gibt seine Schrift über 1 Joh. 4. Zeugniß.

Da Luther vernommen hatte, daß die Prediger zu Frankfurt am Main auf zwinglische Weise vom Sacrament lehrten (mit dem Vorgeben, als sei zwischen dieser und der Lehre Luthers kein Unterschied) und daß sie auch die Beichte verwarfen; so schrieb er im J. 1533 die gewaltige und überzeugende „Warnungsschrift an die Frankfurter, daß sie sich vor Zwingel und zwingelscher Lehre hüten sollten,“ und sagt am Schlusse derselben, wo er einen Unterricht über die Beichte ertheilt, Folgendes: „Wenn tausend und aber tausend Welten mein wären, so wollte ich alles lieber verlieren, denn ich wollte dieser Beicht der geringsten Stücklein eines aus der Kirchen kommen lassen.“

Den um diese Zeit vom Herzog Georg hart bedrängten und vertriebenen Lutheranern sendete Dr. Luther mehrere kräftige Trostschriften zu, und da er von diesem Fürsten als ein Meineidiger und Aufruhrstifter gescholten wurde, so verantwortete er sich heftig und mit einem gerechten Eliaseifer.

Im Jahre 1534 vollendete Dr. Luther unter Gottes besonderem Beistand das große Werk der Uebersetzung der ganzen Bibel

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Der Lutheraner.

"God's Word and Luther's teaching shall never pass away, now or forevermore."

Edited by C. F. W. Walther.

Volume 1.

St. Louis, Mo., June 28, 1845.

No. 22.

Terms: Der Lutheraner appears once every two weeks, at a subscription price of one dollar and twenty-five cents for subscribers living out of town, who must pay half of this in advance and bear the postage themselves. — In St. Louis, each single issue is sold for 6¼ cents.

(Submitted by Pastor Keyl.)

The Life of Dr. Luther.
(Continued.)

At the approaching Diet of Augsburg, another attempt was to be made to settle the religious disputes that had arisen with the papists. The Elector of Saxony likewise journeyed there, accompanied by Melanchthon and Dr. Jonas; but for important reasons he left Dr. Luther behind at his castle in Coburg. At the Elector's request, Melanchthon composed the famous Augsburg Confession, which consists of 28 articles and contains the most necessary points of the scriptural doctrine, especially in opposition to the papists. On this occasion Melanchthon based it not only on 17 articles drawn up by Luther, but by the Elector's express command it was also sent to Dr. Luther for his judgment; he declared his complete agreement with it and remarked only in passing that he himself could not tread as gently and softly as Melanchthon, but added: "Christ our Lord grant that it bear much and great fruit, as we hope and pray. Amen!" And so it came to pass; for when this Confession was presented to the Emperor on June 25, 1530, in a public assembly of all the estates of the Roman Empire, in the name of the Lutheran princes and estates, was read aloud with his permission, and was then spread through many lands in copies and in print, many thereby first gained a true understanding of the Lutheran doctrine, recognized its agreement with Holy Scripture and with the teaching of the ancient Church, and confessed it joyfully. Hence Mathesius says most fittingly: "No greater or higher work, no more glorious confession has occurred since the time of the apostles than this one at Augsburg, before the whole Roman Empire." This Confession, together with the Apology or defense and further explanation of it later composed by Melanchthon, the Lutheran Church has likewise, from that time to this, declared to be one of its public confessional writings, and it acknowledges no one as belonging to it who is not willing to confess, without any exception, all the articles of this unaltered Augsburg Confession and its Apology. When those of Reformed persuasion, like the Lutherans, wished to subscribe to this Confession as well, but hypocritically, the latter would not permit it, because the former had not yet recanted their false confession concerning the Holy Supper. They therefore drew up a separate confession of their own, and by the false doctrine set down therein in various articles they publicly testified, even on this decisive occasion, to their separation from the Lutheran Church.

While all this was taking place at Augsburg, Luther, in what he called his "wilderness" — the castle at Coburg — was not idle, but took an active part in everything; he gave good Christian counsel, rich comfort, and vigorous encouragement. At that time he prayed three hours every day and daily sang his heroic hymn, "A Mighty Fortress Is Our God," etc., which he had composed about this time following the guidance of the 46th Psalm, together with its melody; he also often received absolution and the Holy Supper. Thus Luther always kept a comforted spirit, although he remained continually in no small danger from his enemies, and also, amid various bodily and spiritual temptations, had to feel the blows of Satan's fist just as he had nine years earlier at the Wartburg. Even under these circumstances he composed several important writings; in particular he translated the prophet Ezekiel into German and wrote an excellent exposition of the 118th Psalm, which he called his Confitemini and his favorite psalm, because it had already done him great service in many times of trouble. The 17th verse of this psalm — "I shall not die, but live, and declare the works of the LORD" — he wrote, for his own comfort, on all his walls, so as always to have it before his eyes.

After the close of the Diet, the Elector fetched Luther back from Coburg and brought him to Wittenberg. Since the question again arose whether, in case of need, the Lutheran princes and estates should form a religious league, Luther did not advise it, because in such alliances one usually places one's trust in men — which was also why the prophets of the Old Testament had so earnestly inveighed against such leagues.

In the year 1531 Luther issued a warning to his dear Germans, that they should not help to fight against and suppress the pure doctrine of the Gospel; and this writing made such an impression even on the Emperor himself that in the year 1532 a general public peace was concluded, to which the pious Elector John in particular contributed a great deal. His death, which followed soon after, plunged the Lutheran Church anew into deep mourning. He fell asleep, in Luther's presence, in the confession of Christ which he had made two years before at Augsburg. Of this, as of many of his other virtues, Luther bore notable witness in the two funeral sermons he preached for him.

Luther continued unchanged in driving forward the Word of the Lord, and in this year too let a number of fine writings go forth. Among others, he wrote his so useful Summaries on the Psalms, and that with incredible speed, needing no more than sixteen hours in all for the task. What a good soldier of Christ he was is shown by his sermon on Ephesians 6, "on the armor and weapons of Christians"; and how eloquently he also praised the excellence of love is shown by his writing on 1 John 4.

Since Luther had learned that the preachers at Frankfurt am Main were teaching about the Sacrament in the Zwinglian manner (pretending that there was no difference between this and Luther's own teaching), and that they were also rejecting confession, he wrote in the year 1533 the powerful and convincing "Warning to the People of Frankfurt, that They Should Beware of Zwingli and Zwinglian Doctrine," and at the close of it, where he gives instruction concerning confession, says the following: "If a thousand and yet a thousand worlds were mine, I would rather lose them all than let even the least part of this confession be taken out of the Church."

To the Lutherans who at that time were being hard pressed and driven out by Duke George, Dr. Luther sent several powerful writings of comfort; and since this prince reviled him as a perjurer and instigator of rebellion, he defended himself vigorously, and with a righteous zeal like that of Elijah.

In the year 1534 Dr. Luther completed, with God's special assistance, the great work of translating the entire Bible