# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 09 14_S204 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Hie kann ich nicht fehlen: denn GOttes Gebot kann nicht trügen. Er hat aber niemand von meinem Glauben etwas geſagt, geboten, noch befohlen. 78. Wahr iſts, daß man gläuben ſoll zur Taufe: aber auf den Glauben ſoll man ſich nicht täufen laſſen. Es iſt gar viel ein ander Ding, den Glauben haben, und ſich auf den Glauben verlaſſen, und alſo ſich darauf täufen laſſen. Wer ſich auf den Glauben täufen läſſet, der iſt nicht allein ungewiß, ſondern auch ein abgöttiſcher verleugneter Chriſt: denn er trauet und bauet auf das Seine, nemlich auf eine Gabe, die ihm GOtt gegeben hat, und nicht auf GOttes Wort alleine; gleichwie ein andrer bauet und trauet auf ſeine Stärke, Reichthum, Gewalt, Weisheit, Heiligkeit, welches doch auch Gaben ſind, von GOtt ihm gegeben. 79. Welcher aber getauft wird auf GOttes Wort und Gebot, wenn da gleich kein Glaube wäre, dennoch wäre die Taufe recht und gewiß: denn ſie geſchieht, wie ſie Gott geboten hat. Nü tze iſt ſie wohl nicht dem ungläubigen Täuflinge, um ſeines Unglaubens willen; aber darum iſt ſie nicht un⸗ recht, ungewiß, oder nichts. Wenn das alles ſollte unrecht oder nichts ſein, was den Un⸗ gläubigen nicht nütze iſt, ſo würde nichts recht noch gut bleiben. Denn das Evangelium iſt auch aller Welt zu predigen geboten: der Un⸗ gläubige hörets und iſt ihm nichts nütze; ſollts darum auch nicht ein Evangelium, oder unrecht Evangelium ſein? GoOtt ſelbſt iſt dem Gott⸗ loſen kein nütze; ſollte er darum nicht GOtt ſein? 80. Wenn nun gleich ein alter Menſch ſollte getauft werden, und ſprechen: Herr, ich will mich täufen laſſen. So fragſt du: Gläubeſt du denn auch? wie Philippus den Kämmerer, Apoſtg. 8, 37., und wir täglich die Täuflinge fra⸗ gen; ſo wird er mir nicht ſo herfahren und ſagen: Ja, ich will wohl Berge verſetzen durch meinen Glauben; ſondern alſo: Ja, Herr, ich gläube, aber auf ſolchen Glauben baue ich nicht, er möchte mir zu ſchwach oder ungewiß ſein: ich will ge⸗ tauft ſein auf GOttes Gebot, der es haben will von mir, auf ſolch Gebot wage ichs; mit der Zeit mag mein Glaube werden, wie er kann. Wenn ich auf ſein Gebot getauft bin, ſo weiß ich, daß ich getauft bin. Wenn ich auf meinen Glauben getauft würde, ſollte ich morgen wohl ungetauft funden werden, wenn mir der Glaube entfiele, oder ich angefochten würde, als hätte ich geſtern nicht recht gegläubt. Mir nicht! Er fechte GOtt und ſein Gebot an, darauf ich getauft bin, das iſt mir gewiß genug. Mein Glaube und ich ſtehen un⸗ ter Ebentheur. Gläube ich, ſo iſt mir die Taufe nütze; gläube ich nicht, ſo iſt ſie mir nicht nütze. Aber die Taufe iſt darum nicht unrecht oder unge⸗ wiß, ſtehet auch nicht auf euenturo, das iſt, auf Ebentheur, ſondern auf dem gewiſſen GOttes Wort und Gebot. ö 81. Alſo wird er auch ſagen von ſeiner Kinder⸗ taufe: Ich danke GOTT und bin fröhlich, daß 203 than, was GOtt geboten hat: Ich habe nun ge⸗ gläubt oder nicht, ſo bin ich dennoch auf GOttes Gebot getauft. Die Taufe iſt recht und gewiß, GOtt gebe, mein Glaube ſei noch heutiges Tages gewiß oder ungewiß; ich mag denken, daß ich noch gläube und gewiß werde. An der Taufe fehlet nichts; am Glauben fehlets immer⸗ dar, denn wir haben an dem Glauben genug zu lernen unſer Lebenlang, und er kann fallen, daß man ſagt: Siehe, da iſt Glaube geweſen, und iſt nicht mehr da. Aber von der Taufe kann man nicht ſagen: Siehe, da iſt die Taufe geweſen, und iſt nun nicht mehr Taufe. Nein, ſie ſtehet noch: denn GOttes Gebot ſtehet noch; und was nach ſeinem Gebot gethan iſt, ſtehet auch und wird auch bleiben. 82. Bisher haben wir, meines Dünkens, ſtark genug beweiſet, daß die Wiedertäufer unrecht thun, daß ſie die erſte Taufe vernichtigen, wenn ſie gleich gewiß wären, daß die Kinder ohne Glau⸗ ben getauft würden; deß ſie doch auch nicht ge⸗ wiß ſein können. Wiederum, daß die Kinder gläuben, das können wir auch mit keinem Spruch beweiſen, der ſo hell und klar heraus ſage mit ſolchen oder dergleichen Worten: Ihr ſollt die Kinder täufen, denn ſie gläuben auch. Wer uns auf ſolche Buchſtaben zu beweiſen dringet, dem müſſen wir weichen und gewonnen geben, wir finden ſie nirgend beſchrieben. Aber fromme ver⸗ nünftige Chriſten begehren ſolches nicht; die zänkiſche, halsſtarrige Rotten thuns, auf daß ſie klug geſehen werden. Wiederum, werden ſie auch keinen Buchſtaben bringen, der da ſage: Ihr ſollt alte Leute täufen, und kein Kind. Doch, daß Kinder täufen recht ſei, und ſie auch gläuben, bereden wir uns aus vielen ſtarken Urſachen. 83. Erſtlich, weil ſolch Kindertäufen von den Apoſteln herkommt, und ſint der Apoſtel Zeiten gewähret hat, ſo können wirs nicht weh⸗ ren, müſſens ſo laſſen bleiben, weil niemand bis⸗ her hat mögen beweiſen, daß die Kinder in der Taufe nicht gläuben, oder ſolch Täufen umecht ſei. Denn ob ich gleich ungewiß wäre, daß ſie gläubten, ſo müßte ich doch meines Ge⸗ wiſſens halben ſie täufen laſſen; ſintemal es viel beſſer iſt, daß die Taufe über die Kinder gehe, denn daß ich ſie abthät. Denn wo die Taufe recht und nütze wäre, und ſeligete die Kinder (wie wir gläuben), und ich thäte ſie abe, ſo wäre ich ſchul⸗ dig an allen Kindern, ſo ohne Taufe verloren würden: das wäre grauſam und erſchrecklich. Wäre ſie aber unrecht, das iſt, unnütze, und hülfe die Kinder nichts, ſo wäre damit nichts anders ge⸗ ſündiget, denn daß GOttes Wort wäre vergeblich geſprochen, und ſein Zeichen vergeblich gegeben; ich wäre aber damit keiner verlornen Seelen ſchul⸗ dig, ſondern des vergeblichen Brauchs an GOttes Wort und Zeichen. 84. Aber ſolches würde mir GOtt leichtlich ver⸗ geben, weil ichs unwiſſend thät, und dazu aus Furcht thun müßte, als der ichs nicht erdichtet, ſondern alſo von Anfang auf mich kommen wäre, und mit keiner Schrift beweiſen könnte, daß un⸗ würde: und wäre zwar ſchier gleich, als wenn ich GOttes Wort, das ich aus ſeinem Befehl muß predigen, unter die Ungläubigen vergeblich pre⸗ digte; oder, wie er ſagt Matth. 7, 6. „die Per⸗ len vor die Säu, und das Heiligthum vor die Hunde würfe“; was könnte ich dazu? Hie wollte ich auch lieber daher ſündigen, daß ich vergeblich predigete, denn dorthin, daß ich gar nichts wollte predigen: denn mit vergeblicher Predigt werde ich keiner Seelen ſchuldig; aber mit nicht predigen möchte ich vieler Seelen ſchuldig werden; ja, es wäre allzuviel an einer. 85. Dies ſage ich, wenns gleich ſo wäre, daß der Kinder Glaube ungewiß wäre, auf daß man die gewiſſe Taufe um ungewiſſen Glaubens willen nicht nachlaſſe, weil wirs nicht erfunden, ſondern alſo von der Apoſtel Zeit her empfangen haben: denn man ſoll nichts umſtoßen oder än⸗ dern, was man nicht mit heller Schrift kann umſtoßen oder ändern. GOTT iſt wunder⸗ lich in ſeinen Werken; was er nicht haben will, davon zeuget er genugſam in der heiligen Schrift. Was er da⸗ ſelbſt nicht zeuget, das laß man gehen als ſein Werk. Wir ſind entſchuldiget: Er wird uns nicht verführen. Das wäre wohl ein böſes Stücke, wenn wirs wüßten oder glaubten, daß der Kinder Taufe untüchtig wäre, und täuften ſie gleichwohl, wie die Val⸗ denſer thun: denn damit ſpottete man GOtt und ſein Wort. (Schluß folgt.) * 2— (Eingeſandt von A. Sch.) Etwas über die beiden Lieder: „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ ꝛc. und: „Wie ſchn leuchtet der Morgenſtern“ ꝛc. Der Verfaſſer dieſer beiden unvergleichlichen Lieder, deren Jubelton immer wieder das Herz mit heiliger Begeiſterung erfüllt, ſo oft man ſie auch leſen oder ſingen hören mag, iſt Dr. Phil. Nicolai, geboren am 10. Auguſt 1556 zu Mengeringhauſen in der Grafſchaft Waldeck. Er war zuerſt Paſtor zu Unna in der Mark und ſtarb als Paſtor zu St. Catharinen in Hamburg. Die beiden Lieder nebſt ihren Melodien befinden ſich als Anhang eines von ihm im Jahre 1599 herausgegebenen Buches, welches den Titel führt: „Freudenſpiegel des ewigen Lebens.“ Auch wenn wir über die Entſtehung dieſer Lieder nichts Ge⸗ naueres wüßten, ſo müßte uns ſchon die wunder⸗ bare Kraft derſelben darauf hinleiten, daß ſie unter ganz beſonderen Einflüſſen der göttlichen Gnade und des lebendigen Troſtes Gottes, aus ganz beſonderem Anregen des Heiligen Geiſtes geſchrieben ſein müſſen. Und ſo iſt es auch. Es ſind Freudenlieder, und ſind doch gedichtet zur Zeit des allergrößten Jammers und Leides, unter den ſchwerſten Heimſuchungen Gottes. In einer Zeit, wo alles weinte, nahm der fromme Sänger ſeine Harfe und ſchlug die Freudentöne des ewi⸗ gen Lebens an, um ſein und anderer Herzen über den Kummer der Erde in die himmliſche Freude recht ſei, und ungerne thät, wo ichs überweiſet ich ein Kind getauft bin; denn da habe ich ge⸗ emporzuheben. Im Jahre 1598 nemlich wü⸗ thete die Peſt zu Unna, wo eben damals Nicolai