# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 09 14_S203 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) das Sacrament empfangen hatten, ſo war es alles geſchehen und das Werk vollbracht. 65. Alſo hie auch treiben dieſe Wiedertäufer auf das Werk, daß die Leute darauf trauen: wenn ſie alſo getauft werden, ſo ſei es recht und wohlgethan; nach dem Glauben fragen ſie in der Wahrheit nichts, ohne daß ſie ihn rühmen allein zum Schein. Denn wie droben geſagt, wo ſie ſollten des Glaubens zuvor gewiß ſein, müßten ſie nimmermehr keinen Menſchen täufen. Und wo ſie nicht auf's Werk traueten, oder den Glau⸗ ben mit Ernſt ſuchten, dürften ſie ſich nicht wieder täufen; ſintemal in der erſten Taufe das ſelbige Wort GOttes, einmal geſprochen, noch immer bleibt und ſtehet, daß ſie daran können hernach gläuben, wenn ſie wollen, und das Waſſer über ſie gegoſſen, daß ſie es auch hernach im Glauben faſſen mögen, wenn ſie wollen. Denn ob ſie gleich hundertmal die Worte wieder ſprächen, ſo ſind es doch dieſelbigen Worte, ſo in der erſten Taufe geſprochen ſind, und nicht ihre Kraft daher haben, daß ſie vielmals oder aufs neue geſprochen werden, ſondern daß ſie befohlen ſind zu ſprechen einmal. 66. Denn das iſt des Teufels rechter Meiſter⸗ ſtück eines, daß er die Chriſten von der Gerechtig⸗ keit des Glaubens auf die Gerechtigkeit der Werke nöthiget; wie er die Galater und Corinther, welche (als St. Paulus ſchreibet Gal. 5, 7.) ſo gar fein gläubten und recht liefen in Chriſto, auch alſo auf die Werke trieb. Alſo jetzt, da er ſahe, daß die Deutſchen durchs Evangelium Chriſtum fein erkannten und recht gläubten, dadurch ſie denn auch gerecht vor Gott waren, fähret er zu, und reißet ſie von ſolcher Gerechtigkeit, als ſei ſie nichts, und führet ſie in das Wiedertäufen, als in eine beſſere Gerechtigkeit; macht damit, daß ſie die vorige Gerechtigkeit verleugnen, als die un⸗ tüchtige, und auf eine falſche Gerechtigkeit fallen. 67. Was ſoll ich ſagen? Wir Deutſchen ſind rechte Galater, und bleiben Ga— later. Denn wer ſich wiedertäufen läßt, der widerruft mit der That ſeinen vorigen Glauben und Gerechtigkeit, und macht ſie zu Sünden und verdammlich: welches iſt greulich, allerding wie St. Paulus ſagt, daß die Galater von Chriſto abgefallen ſind, ja Chriſtum zum Sündendiener machten, „wo ſie ſich beſchnitten“, Gal. 5, 2. 68. Es thut aber der Satan ſolches alles um unſertwillen, auf daß er unſere Lehre verdächtig mache, als die wir nicht rechtſchaffen Geiſt noch Lehre haben mögen, weil wir nicht recht getauft ſind. Aber an den Früchten kann man den Baum kennen, Matth. 7, 17. 18. Denn wir noch nicht, weder im Pabſtthum noch in allen Roilen, ſehen ſolche Männer, die ſo gewaltiglich die Schrift handeln und auslegen, als auf unſer Seiten ſind, von Goties Gnaden; welches nicht der geringſten Gaben des Geiſtes eine iſt,‚ 1 Cor. 12, 10. 69. So ſehen wir wohl bei ihnen rechte Früchte des Teufels, nemlich, daß etliche um der Wieder⸗ taufe willen von Weib und Kind, von Haus und Hofe laufen, keine Obrigkeit haben wollen, und 202 ſo fortan; ſo doch St. Paulus lehret: „Wer die Seinen nicht verſorget, hat den Glauben verleugnet, und iſt ärger denn ein Heide“, 1 Tim. 5, 8., und 1 Cor. 7, 13. will er auch nicht, daß ein „gläubig Gemahl ſich vom ungläubigen ſcheide“. Und Chriſtus auch die Ehe ungeſcheiden haben will, ohn wo Hurerei Urſach gibt, Matth. 19, 9. Unſer Geiſt läßt, ja er heißt allerlei Stände bleiben und in Ehren halten, und im Friede den Glauben durch die Liebe üben, dar⸗ aus kein Aufruhr noch billige Klage über unſere Lehre kommen kann: wiewohl die Papiſten mit ihrem Lügen alles Unglück uns Schuld geben. Aber das hat ſeinen Richter, auch ihr eigen Ge— wiſſen hie und dort. 70. Hiemit iſt auch verlegt, das ſie daneben fürgeben, die Taufe ſei nichts, weil die Prieſter oder Täufer nicht gegläubt haben. Denn obgleich St. Peter jemand täufet, dennoch könnte niemand wiſſen, ob St. Peter zu derſelbigen Stunde gläubet oder zweifelt; denn es kann ja niemand ſein Herz ſehen. Summa, ſolch Stück hat vorzeiten die Donatiſten auch bewegt, daß ſie ſich abſonderten und wieder täuften, da ſie ſahen, wie etliche Prediger und Täufer unheilig waren, und fingen an, die Taufe zu gründen auf Menſchen Heiligkeit, welche doch Chriſtus auf ſein Wort und Gebot gründet. 71. Ja, es ficht auch unſere Schwärmer an, die Sacramentsfeinde. Denn wiewohl ſie für⸗ geben, die Wahrheit und Schrift zwinge ſie, ſo lügen ſie doch: ſondern das ſtößt ſie (wie ſie denn auch an etlichen Orten herausfahren): Ob ein jeglicher Bube möge Chriſtum ins Brod bringen; gerade als wäre die ganze Welt gewiß und ſicher, daß ſie ſelbſt gläubig und eitel Heiligthum, und nicht ja ſo große Buben wären vor Gott, als die ſind, die ſie ſo frevel richten und Buben ſchelten, und vergeſſen „des Balken in ihrem Auge“, Matth. 7, 3. 72. Wir haltens aber dafür, daß, ſo St. Jo⸗ hannes ſich nicht ſchämet, von Caiphas GOttes Wort zu hören, und rühmets dazu für eine Weiſſagung, Joh. 11, 49., und ſo Moſes ſamt dem Volk Iſrael des gottloſen Bileams Weiſſagung annehmen und für GOttes Wort halten, 4 Moſ. 24, 17., item, St. Paulus die heidniſchen Poeten Aratum und Epimeni⸗ den annimmt, und ihre Sprüche (als GOttes Wort) preiſet, Ap. Geſch. 17, 28., Tit. 1, 12., und Chriſtus die gottloſen Phariſäer auf Moſes Stuhl will gehöret habell, als die gott⸗ loſen Lehrer, Matth. 23, 2., ſo ſollen wir uns vielweniger Ekel machen, ſondern GOtt richten laſſen ihr böſes Leben, und uns ihr göttlich Wort dennoch gefallen laſſen. Denn ſind ſie böſe, ſo ſind ſie ihnen ſelbſt böſe. Lehren ſie aber recht, ſo lehren ſie uns recht. 73. Alſo thäten die frommen Magi auch, Matth. 2, 4. 5. 9., ſie höreten GOttes Wort aus der Schrift Michä, durch den Mund He⸗ rodis, des greulichen Königs, welcher es förder aus den gottloſen Hohenprieſtern und Schriftgelehrten hörete. Noch zogen ſie auf ſolch Wort hin gen Bethlehem, und funden Chriſtum, und hinderte ſie nichts überall, daß ſie GOttes Wort nicht, denn allein durch Hero⸗ dem, den Mörder Chriſti, höreten. 74. Mü ſſen wir doch bekennen, daß die Schwärmer die Schrift und GOttes Wort haben in andern Artikeln, und wer es von ihnen höret und gläubt, der wird ſelig, wiewohl ſie unheilige Ketzer und Läſterer Chriſti ſind. Es iſt nicht eine geringe Gnade, daß GOTT ſein Wort auch durch böſe Bu⸗ ben und Gottloſe gibt; ja, es iſt etli— chermaßen gefährlicher, wenn ers durch heilige Leute gibt, denn ſo ers durch unheilige gibt, darum, daß die Unver⸗ ſtändigen darauf fallen, und hangen mehr an der Menſchen Heiligkeit, denn am Wort GOttes. Dadurch geſchieht denn größer Ehre den Menſchen, denn GoOtt und ſeinem Wort. Welche Ge— fahr nicht iſt, wo Judas, Caiphas und Herodes predigen. Wiewohl da— mit niemand entſchuldigt iſt in ſeinem böſen Leben, ob GoOtt desſelbigen wohl brauchen kann. 75. Kann nun ein Gottloſer das rechte GOt⸗ tes Wort haben und lehren, ſo kann er auch viel mehr recht täufen und Saerament geben: ſinte⸗ mal es größer iſt, GOttes Wort lehren, denn täufen, wie St. Paulus rühmet 1 Cor. 1, 17. Und wie geſagt iſt, wer nicht ehe will von der Taufe halten, er wiſſe denn, daß der Täufer gläube, der muß nimmermehr von keiner Taufe halten. Denn ſo ich frage: Biſt du wieder ge⸗ tauft? Ja. Wie weißt du, daß du nun recht getauft biſt? Willt du hie antworten, daß dein Täufer ſei gläubig geweſt? ſo frage ich: Wie weißt du es? haſt du ſein Herz geſehen? So ſteheſt du denn, wie Butter an der Sonnen. 76. So iſt nun unſrer Taufe Grund der aller⸗ ſtärkeſte und ſicherſte, daß GOtt hat einen Bund gemacht mit aller Welt, zu ſein der Heiden GOtt in aller Welt; wie das Evangelium ſagt, daß Chriſtus hat befohlen „in alle Welt das Evangelium zu predigen“: als auch die Propheten manchfaltiglich haben verkündiget. Und zum Zeichen dieſes Bundes hat er die Taufe ein⸗ geſetzt, geboten und befohlen unter allen Hei⸗ den, wie Matth. 28, 19. ſtehet: „Gehet hin in alle Welt, und lehret alle Heiden, und täufet ſie im Namen des Vaters“ u. ſ. w. Gleichwie er mit Abraham und ſeinem Samen einen Bund machete, ihr GOtt zu ſein, und zum Zeichen des Bundes die Beſchneidung gab, 1 Moſ. 17, 7. 11. 77. Hie ſtehet unſer gewiſſer Grund und Veſte, nemlich, daß wir uns täufen laſſen: nicht darum, daß ich des Glaubens gewiß ſei; ſondern daß GOtt geboten hat und haben will. Denn ob ich gleich keines Glaubens nimmermehr ge⸗ wiß würde, ſo bin ich dennoch des Gebots ge⸗ wiß, daß GOdT die Taufe gebeut, weil ers öffentlich hat laſſen ausgehen vor aller Welt.