Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 23 › Seite 184
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-08-03, Seite 184
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geben 12
gehe gleichwohl gern in die Kirche und verſäume
keine Predigt; kann ich den Prediger nicht ver⸗
ſtehen, ſo bete ich bei mir ſelber das Vaterunſer,
ein paar Pſalmen und gute Sprüche, die ich ge⸗
lernt habe.“ So ſollen andere in dergleichen
Fall auch thun.
Daß 3. die Nachmittagspredigten einiger Or⸗
ten ſo geſchwind nach der Mahlzeit angeordnet
ſind, will von verſchiedenen Theologen nicht für
erbaulich gehalten werden, denn freilich hierdurch
die Andacht der Zuhörer, zumal an heißen Sonn⸗
tagen, nicht geſtärkt wird. Dem ſei aber, wie
ihm wolle, ſo kann dieſe Entſchuldigung den Kir—
chenſchläfern auch nichts helfen. Man ſollte bei
der Mahlzeit deſto mäßiger leben, nicht ſo viel
Speiſe und Getränke zu ſich nehmen, damit man
auch geſchickt ſei, dem Gottesdienſt mit munterer
Andacht beizuwohnen.
Es iſt ſonſt natürlich, wenn der Leib mit Speiſ'
und Trank angefüllt iſt und hernach bald darauf
ruhet, daß der Menſch in Schlaf ſinkt und träge
wird.
Dieſem kann nur durch Mäßigkeit begegnet
werden. Sonſt iſt hierbei nicht zu vergeſſen, daß
diejenigen Herren und Frauen hierin übel thun,
die des Sonnabends, welcher doch eine Vorberei⸗
tung zum heiligen Sabbath ſein ſoll, ihr Geſinde
mit Arbeit manchmal bis zur Mitternacht be—
legen und ſich ermüden laſſen; denn hierdurch
geſchieht, daß ſolches Geſinde, weil es in voriger
Nacht keine, oder doch ſehr wenig Ruhe gehabt
hatte, wenn es zur Kirche kommt, die ganze Pre—
digt durch ſchläft und ſchnarcht und, wie es hin—
ein gegangen, alſo wieder herausgeht.
Es hat ja Alles ſeine Zeit, auch Arbeiten und
Ruhen.
Das fünfte Capitel.
Durch was für Mittel der Kirchen⸗
ſchlaf zu vermeiden ſei.
Weil denn, wie angehört, der Kirchenſchlaf
ſündlich, ärgerlich und ſchädlich iſt, ſo laſſet uns
mit Wenigem berühren, wie doch derſelbe abge—
wehrt und die Kirchenſchläfer zur Anhörung des
gepredigten göttlichen Worts aufgemuntert wer—
den können. Wenn denn von Einigen zu ver—
meinter Entſchuldigung vorgebracht werden will,
man könne ſich des Schlafs in der Kirche nicht
woht erwehren, ſo iſt hierauf die Antwort, daß es
gar wohl geſchehen könne, wenn man nur wolle.
1. Soll man mit der feſten Abſicht zur Kirche
gehen, daß man Gottes Wort mit Andacht an—
hören, beten, ſingen und ſich im Chriſtenthum
erbauen wolle.
2. Soll man feſtiglich glauben, daß unter
der Predigt und im Gottesdienſte ſchlafen eine
Sünde ſei.
3. Soll man gedenken, daß die Herrlichkeit
Gottes in der Kirche zugegen ſei und ſehe auf
jeglichen Zuhörer, ob er ſchlafe oder wache, ob er
Seinem Worte, das aus Seines Dieners Munde
geht, zuhöre oder nicht.
4. Soll man, wenn die Predigt angeht, zu
Gott ſeufzen, daß er mit ſeinem Geiſt das Herz
öffnen, den Verſtand erleuchten und Luſt und
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Begierde, das gepredigte Wort anzunehmen, er⸗
wecken wolle.
5. Soll man wohl bedenken, daß Niemand
wiſſe, zu welcher Zeit oder Stunde, durch welchen
Spruch oder Predigt Gott ſein Herz rühren und
erleuchten wolle, und daß es wohl zu der Stunde
und in der Predigt, welche er verſchlafen oder
verſäumet habe, geſchehen könne.
Wenn nun unter der Predigt oder beim An⸗
fang derſelben der Zuhörer ſchläfrig werden
wollte, ſo ſoll er alsbald ſich deſſen, was jetzt ge⸗
ſagt, erinnern und bald anfangs, ehe er noch vom
Schlafe gänzlich überfallen wird, dem Schlafe
wehren, ſodann mit Herzensgebet und Seufzern
dawider ſtreiten und um beſtändige Andacht zu
Gott bitten.
2. So kann man ſich auch des Schlafs deſto
leichter enthalten, wenn man, wie von einigen
geſchieht, die Predigt nicht ſitzend, ſondern ſtehend
anhört.
3. Wenn man, wie oben berühret, im Eſſen
und Trinken gebührende Maaße hält und den
Leib damit nicht allzuſehr beſchweret.
4. Wenn man von ſeinem nebenſitzenden Mit⸗
chriſten aufgemuntert und zur Wachſamkeit er⸗
mahnt wird. Es iſt an verſchiedenen Orten der
löbliche Gebrauch eingeführt, daß gewiſſe Per⸗
ſonen beſtellt ſind, die unter der Predigt herum⸗
gehen und die Kirchenſchläfer durch etwas An-⸗
rühren aufwecken müſſen. Ebenſo ſollte ein
Jeder ſeinen Nachbarn in der Kirche, wenn der⸗
ſelbe ſchläft, in beſcheidenlicher Maaße aufwecken.
5. Wird der Kirchenſchlaf gewehrt, wenn die
Prediger, wie öfters geſchieht, dawider eifern, die
Kirchenſchläfer, die nur nach Gewohnheit die
ganze Predigt durchſchlafen, beſchämen, damit
andere, hierdurch aufgemuntert, des Schlafens
und Schnarchens ſich enthalten.
Hilf Gott! daß wir alleſammt munter und
wacker ſeien, Gottes Wort zu Hauſe und in der
Kirche mit brünſtiger Andacht und Eifer zu hören,
zu leſen, und zu betrachten, und unſer Chriſten⸗
thum, Leben und Wandel darnach anſtellen
mögen. Amen.
Alles zur Ehre Gottes und Erbauung
des Nächſten.
Herzliche Bitte an alle fröhliche Geber um
Unterſtützung unſerer Heidenmiſſion.
Ihr gedenket an das Wort des HErrn IEſu,
welches er geſagt hat: „Geben iſt ſeliger, denn
nehmen“, Ap. Geſch. 20, 35.; und habt die
Wahrheit dieſes Wortes aus eigner Erfahrung
erkannt. Darum freuet Ihr Euch, ſo oft Euch
Gott eine neue Gelegenheit ſchenkt, von Euren
zeitlichen Gütern zu Gottes Ehren und des Näch—
ſten Heil zu geben und mitzutheilen. Ihr freuet
Euch über die Nachricht, daß unſere Miſſionskaſſe
leer, ja, noch mit Schulden behaftet iſt, denn Ihr
könnet nun wieder Eurem brünſtigen Liebes⸗
drange, mitzutheilen, genug thun, und auf's Neue
die Seligkeit des Gebens empfinden. Nur um
eins möchte ich bitten: Gebet nicht auf einmal
zu viel, damit Ihr nicht Euch ſelbſt und die Euri—
—
gen der nöthigen Nahrung und Kleidung berau⸗
bet. Denn es heißt: So einer willig iſt, ſo iſt
er angenehm, nach dem er hat, nicht nach dem er
nicht hat, 2 Cor. 8, 12. Wenn Ihr auch über
Vermögen willig ſeid, es iſt genug, wenn Ihr
nach Eurem Vermögen gebt.
Hiemit will ich keinesweges euren Liebeseifer
dämpfen, vielmehr will ich einige Sprüche aus
Gottes Wort anführen, welche Euch reizen, Eure
Freigebigkeit auch ferner zu beweiſen. Dieſe Tu⸗
gend wird in der heiligen Schrift auch Barmher⸗
zigkeit, Gütigkeit, Lindigkeit genannt, iſt das
Gegentheil vom Laſter des Geizes und entſpringt
aus dem Glauben an IEſum. Denn wenn ein
Menſch nun die Liebe ſeines Heilandes an ſeinem
Herzen erfahren hat, der für ihn Alles gethan
und gelitten, der ſein Blut für ihn am Kreuz
vergoſſen und ihm damit Alles erworben hat;
dann entbrennt ſein Herz von heiliger Gegenliebe
und brünſtiger Dankbarkeit, daß er um Chriſti
willen mit tauſend Freuden Alles, auch ſein Le⸗
ben dahin gibt. Sein Herz hängt an dem Irdi⸗
ſchen nicht mehr, durch Chriſtum wird er ein Herr
des Mammons. Er findet ſeine Freude daran,
ſein Geld für wohlthätige Zwecke zu verwenden,
für die Armen, die Kirche, die Miſſion. Und das
thut er aus einfältigem Gehorſam gegen Gottes
Gebote. Seid barmherzig, wie auch euer Vater
barmherzig iſt, Luc. 6, 36. Wohlzuthun und
mitzutheilen vergeſſet nicht, denn ſolche Opfer ge⸗
fallen Gott wohl, Hebr. 13, 16. Eure Lindig⸗
keit laſſet kund ſein allen Menſchen, Phil. 4, 5.
Er gibt reichlich, nicht um die Seligkeit ſich damit
zu verdienen, denn die hat er ſchon aus Gnaden,
ſondern gedrungen von der Liebe Chriſti. Er
gibt reichlich, nicht wie ein Knecht, blos um des
von Gott verheißenen Lohnes willen, ſondern wie
ein Kind aus freiem Geiſte und herzlicher Luſt
an Gott. ‚
Aber doch locket uns Gott auch damit zu Wer⸗
ken der Barmherzigkeit und Freigebigkeit, daß er
verſpricht, dieſelben aus Gnaden ewig unaus-—
ſprechlich reich zu belohnen. „Gebet, ſo wird euch
gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und über—
flüſſig Maaß wird man in euren Schooß geben“,
Luc. 6, 38. Laſſet uns Gutes thun und nicht müde
werden, denn zu ſeiner Zeit werden wir auch ern⸗
ten ohne Aufhören, Gal. 6, 9. Liebet eure
Feinde; thut wohl und leihet, daß ihr nichts da⸗
für hoffet, ſo wird euer Lohn groß ſein, und
werdet Kinder des Allerhöchſten ſein Luc., 6, 35.
Selbſt die geringſte Gabe, welche wir für das
Neich Gottes darbringen, ſoll uns treulich ver⸗
golten werden, wie Chriſtus verſichert: Wer die⸗
ſer Geringſten einen mit einem Becher kalten
Waſſers tränket in eines Jüngers Namen, wahr⸗
lich, ich ſage euch, es wird ihm nicht unbelohnt
bleiben, Matth. 10, 42. Chriſtus wird jede
Gabe, welche wir in ſeinem Namen den Armen
und Leidenden darreichen, in jenem Leben ſo ver—
gelten, als hätten wir ſie ihm ſelbſt gegeben.
Denn er ſpricht: Wahrlich, ich ſage euch: Was
ihr gethan habt einem unter dieſen meinen ge⸗
ringſten Brüdern, das habt ihr mir gethan, Matth.
25, 40. Wer ſich des Armen erbarmet, der leihet
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