# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 08 03_S184 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) gehe gleichwohl gern in die Kirche und verſäume keine Predigt; kann ich den Prediger nicht ver⸗ ſtehen, ſo bete ich bei mir ſelber das Vaterunſer, ein paar Pſalmen und gute Sprüche, die ich ge⸗ lernt habe.“ So ſollen andere in dergleichen Fall auch thun. Daß 3. die Nachmittagspredigten einiger Or⸗ ten ſo geſchwind nach der Mahlzeit angeordnet ſind, will von verſchiedenen Theologen nicht für erbaulich gehalten werden, denn freilich hierdurch die Andacht der Zuhörer, zumal an heißen Sonn⸗ tagen, nicht geſtärkt wird. Dem ſei aber, wie ihm wolle, ſo kann dieſe Entſchuldigung den Kir— chenſchläfern auch nichts helfen. Man ſollte bei der Mahlzeit deſto mäßiger leben, nicht ſo viel Speiſe und Getränke zu ſich nehmen, damit man auch geſchickt ſei, dem Gottesdienſt mit munterer Andacht beizuwohnen. Es iſt ſonſt natürlich, wenn der Leib mit Speiſ' und Trank angefüllt iſt und hernach bald darauf ruhet, daß der Menſch in Schlaf ſinkt und träge wird. Dieſem kann nur durch Mäßigkeit begegnet werden. Sonſt iſt hierbei nicht zu vergeſſen, daß diejenigen Herren und Frauen hierin übel thun, die des Sonnabends, welcher doch eine Vorberei⸗ tung zum heiligen Sabbath ſein ſoll, ihr Geſinde mit Arbeit manchmal bis zur Mitternacht be— legen und ſich ermüden laſſen; denn hierdurch geſchieht, daß ſolches Geſinde, weil es in voriger Nacht keine, oder doch ſehr wenig Ruhe gehabt hatte, wenn es zur Kirche kommt, die ganze Pre— digt durch ſchläft und ſchnarcht und, wie es hin— ein gegangen, alſo wieder herausgeht. Es hat ja Alles ſeine Zeit, auch Arbeiten und Ruhen. Das fünfte Capitel. Durch was für Mittel der Kirchen⸗ ſchlaf zu vermeiden ſei. Weil denn, wie angehört, der Kirchenſchlaf ſündlich, ärgerlich und ſchädlich iſt, ſo laſſet uns mit Wenigem berühren, wie doch derſelbe abge— wehrt und die Kirchenſchläfer zur Anhörung des gepredigten göttlichen Worts aufgemuntert wer— den können. Wenn denn von Einigen zu ver— meinter Entſchuldigung vorgebracht werden will, man könne ſich des Schlafs in der Kirche nicht woht erwehren, ſo iſt hierauf die Antwort, daß es gar wohl geſchehen könne, wenn man nur wolle. 1. Soll man mit der feſten Abſicht zur Kirche gehen, daß man Gottes Wort mit Andacht an— hören, beten, ſingen und ſich im Chriſtenthum erbauen wolle. 2. Soll man feſtiglich glauben, daß unter der Predigt und im Gottesdienſte ſchlafen eine Sünde ſei. 3. Soll man gedenken, daß die Herrlichkeit Gottes in der Kirche zugegen ſei und ſehe auf jeglichen Zuhörer, ob er ſchlafe oder wache, ob er Seinem Worte, das aus Seines Dieners Munde geht, zuhöre oder nicht. 4. Soll man, wenn die Predigt angeht, zu Gott ſeufzen, daß er mit ſeinem Geiſt das Herz öffnen, den Verſtand erleuchten und Luſt und 183 Begierde, das gepredigte Wort anzunehmen, er⸗ wecken wolle. 5. Soll man wohl bedenken, daß Niemand wiſſe, zu welcher Zeit oder Stunde, durch welchen Spruch oder Predigt Gott ſein Herz rühren und erleuchten wolle, und daß es wohl zu der Stunde und in der Predigt, welche er verſchlafen oder verſäumet habe, geſchehen könne. Wenn nun unter der Predigt oder beim An⸗ fang derſelben der Zuhörer ſchläfrig werden wollte, ſo ſoll er alsbald ſich deſſen, was jetzt ge⸗ ſagt, erinnern und bald anfangs, ehe er noch vom Schlafe gänzlich überfallen wird, dem Schlafe wehren, ſodann mit Herzensgebet und Seufzern dawider ſtreiten und um beſtändige Andacht zu Gott bitten. 2. So kann man ſich auch des Schlafs deſto leichter enthalten, wenn man, wie von einigen geſchieht, die Predigt nicht ſitzend, ſondern ſtehend anhört. 3. Wenn man, wie oben berühret, im Eſſen und Trinken gebührende Maaße hält und den Leib damit nicht allzuſehr beſchweret. 4. Wenn man von ſeinem nebenſitzenden Mit⸗ chriſten aufgemuntert und zur Wachſamkeit er⸗ mahnt wird. Es iſt an verſchiedenen Orten der löbliche Gebrauch eingeführt, daß gewiſſe Per⸗ ſonen beſtellt ſind, die unter der Predigt herum⸗ gehen und die Kirchenſchläfer durch etwas An-⸗ rühren aufwecken müſſen. Ebenſo ſollte ein Jeder ſeinen Nachbarn in der Kirche, wenn der⸗ ſelbe ſchläft, in beſcheidenlicher Maaße aufwecken. 5. Wird der Kirchenſchlaf gewehrt, wenn die Prediger, wie öfters geſchieht, dawider eifern, die Kirchenſchläfer, die nur nach Gewohnheit die ganze Predigt durchſchlafen, beſchämen, damit andere, hierdurch aufgemuntert, des Schlafens und Schnarchens ſich enthalten. Hilf Gott! daß wir alleſammt munter und wacker ſeien, Gottes Wort zu Hauſe und in der Kirche mit brünſtiger Andacht und Eifer zu hören, zu leſen, und zu betrachten, und unſer Chriſten⸗ thum, Leben und Wandel darnach anſtellen mögen. Amen. Alles zur Ehre Gottes und Erbauung des Nächſten. Herzliche Bitte an alle fröhliche Geber um Unterſtützung unſerer Heidenmiſſion. Ihr gedenket an das Wort des HErrn IEſu, welches er geſagt hat: „Geben iſt ſeliger, denn nehmen“, Ap. Geſch. 20, 35.; und habt die Wahrheit dieſes Wortes aus eigner Erfahrung erkannt. Darum freuet Ihr Euch, ſo oft Euch Gott eine neue Gelegenheit ſchenkt, von Euren zeitlichen Gütern zu Gottes Ehren und des Näch— ſten Heil zu geben und mitzutheilen. Ihr freuet Euch über die Nachricht, daß unſere Miſſionskaſſe leer, ja, noch mit Schulden behaftet iſt, denn Ihr könnet nun wieder Eurem brünſtigen Liebes⸗ drange, mitzutheilen, genug thun, und auf's Neue die Seligkeit des Gebens empfinden. Nur um eins möchte ich bitten: Gebet nicht auf einmal zu viel, damit Ihr nicht Euch ſelbſt und die Euri— — gen der nöthigen Nahrung und Kleidung berau⸗ bet. Denn es heißt: So einer willig iſt, ſo iſt er angenehm, nach dem er hat, nicht nach dem er nicht hat, 2 Cor. 8, 12. Wenn Ihr auch über Vermögen willig ſeid, es iſt genug, wenn Ihr nach Eurem Vermögen gebt. Hiemit will ich keinesweges euren Liebeseifer dämpfen, vielmehr will ich einige Sprüche aus Gottes Wort anführen, welche Euch reizen, Eure Freigebigkeit auch ferner zu beweiſen. Dieſe Tu⸗ gend wird in der heiligen Schrift auch Barmher⸗ zigkeit, Gütigkeit, Lindigkeit genannt, iſt das Gegentheil vom Laſter des Geizes und entſpringt aus dem Glauben an IEſum. Denn wenn ein Menſch nun die Liebe ſeines Heilandes an ſeinem Herzen erfahren hat, der für ihn Alles gethan und gelitten, der ſein Blut für ihn am Kreuz vergoſſen und ihm damit Alles erworben hat; dann entbrennt ſein Herz von heiliger Gegenliebe und brünſtiger Dankbarkeit, daß er um Chriſti willen mit tauſend Freuden Alles, auch ſein Le⸗ ben dahin gibt. Sein Herz hängt an dem Irdi⸗ ſchen nicht mehr, durch Chriſtum wird er ein Herr des Mammons. Er findet ſeine Freude daran, ſein Geld für wohlthätige Zwecke zu verwenden, für die Armen, die Kirche, die Miſſion. Und das thut er aus einfältigem Gehorſam gegen Gottes Gebote. Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig iſt, Luc. 6, 36. Wohlzuthun und mitzutheilen vergeſſet nicht, denn ſolche Opfer ge⸗ fallen Gott wohl, Hebr. 13, 16. Eure Lindig⸗ keit laſſet kund ſein allen Menſchen, Phil. 4, 5. Er gibt reichlich, nicht um die Seligkeit ſich damit zu verdienen, denn die hat er ſchon aus Gnaden, ſondern gedrungen von der Liebe Chriſti. Er gibt reichlich, nicht wie ein Knecht, blos um des von Gott verheißenen Lohnes willen, ſondern wie ein Kind aus freiem Geiſte und herzlicher Luſt an Gott. ‚ Aber doch locket uns Gott auch damit zu Wer⸗ ken der Barmherzigkeit und Freigebigkeit, daß er verſpricht, dieſelben aus Gnaden ewig unaus-— ſprechlich reich zu belohnen. „Gebet, ſo wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und über— flüſſig Maaß wird man in euren Schooß geben“, Luc. 6, 38. Laſſet uns Gutes thun und nicht müde werden, denn zu ſeiner Zeit werden wir auch ern⸗ ten ohne Aufhören, Gal. 6, 9. Liebet eure Feinde; thut wohl und leihet, daß ihr nichts da⸗ für hoffet, ſo wird euer Lohn groß ſein, und werdet Kinder des Allerhöchſten ſein Luc., 6, 35. Selbſt die geringſte Gabe, welche wir für das Neich Gottes darbringen, ſoll uns treulich ver⸗ golten werden, wie Chriſtus verſichert: Wer die⸗ ſer Geringſten einen mit einem Becher kalten Waſſers tränket in eines Jüngers Namen, wahr⸗ lich, ich ſage euch, es wird ihm nicht unbelohnt bleiben, Matth. 10, 42. Chriſtus wird jede Gabe, welche wir in ſeinem Namen den Armen und Leidenden darreichen, in jenem Leben ſo ver— gelten, als hätten wir ſie ihm ſelbſt gegeben. Denn er ſpricht: Wahrlich, ich ſage euch: Was ihr gethan habt einem unter dieſen meinen ge⸗ ringſten Brüdern, das habt ihr mir gethan, Matth. 25, 40. Wer ſich des Armen erbarmet, der leihet