Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 23 › Seite 180

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-08-03, Seite 180

178 179 180 181 182 183 184 185

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengehen · Kirchengehen 6

⤓ Download .txt · copy text

rrrrre

anlaſſung des erſten Heidenboten für
Oſtindien, Bartholomäus Ziegenbalg,
welcher 1683 in Pulsnitz geboren, 1705 die erſte
Miſſion in Tranquebar gründete, wo er auch
1719 als Probſt ſtarb. Die Malabariſche
Sprache trieb dieſer ehrwürdige Mann mit ſo
viel Eifer, daß er ſie beſſer ſchreiben konnte, als
die Braminen ſelbſt.“ — So erzählt K. A. En⸗
gelhardt in ſeiner: Vaterlandskunde von Sach⸗
ſen 1835.

(Eingeſandt.)
Entfernteren Freunden zur Nachricht.
Einweihung

des deutſchen ev.⸗luth. Concordia⸗Collegiums
bei St. Louis, Mo.

Am Dienstag, den 11. v. M., ſollte das Feſt
der Weihe ſtattfinden. Trotz der ſtechenden
Strahlen der Sonne und der Wolken von Staub
ſahen wir am genannten Tage des Mittags zahl⸗
reiche Haufen der Carondelet-Straße entlang dem
Schauplatze der Feſtlichkeit zueilen. Wir ſchloſ⸗
ſen uns den fröhlich Dahinziehenden an und
achteten nicht des Schweißes und Staubes, den
wir ſchon den ganzen Morgen auf der Landſtraße
in reichlichem Maße genoſſen hatten; denn es
war ja hier den Kindern der Kirche eine beſondere
Freude bereitet, es galt einen neuen Brunnen zu
ſchauen, der, im Jammerthale gegraben, den Gar⸗
ten der Kirche Gottes wäſſern ſoll mit den fri⸗
ſchen Waſſern von jenen Bergen, von welchen
uns Hilfe kommt. Wir waren überraſcht, als
wir näher kamen und das Gebäude, obwohl es
nur ein Flügel des zukünftigen Ganzen iſt, ſtatt⸗
lich und reichbekränzt, mit der goldenen Inſchrift:
„Con cordia“ (Eintracht) auf der Stirn, wohl⸗
thuend und freundlich uns gegenüberſtand. Die
reinere Luft, die freie Ausſicht, die ſchönen rings⸗
umher im Grünen zerſtreut liegenden Landhäuſer,
die zwiſchen den vor dem Hauſe aufgepflanzten
Bäumchen und Strauchwerk und Bänken auf⸗
und abwogenden Schaaren der Gäſte, alles ver⸗
einte ſich, dem Innern ein: „Glücklich iſt der,
welcher der Stadt entfloh“, abzunöthigen. Fröh⸗
lich begrüßt von trauten Brüdern und Bekennern
Eines Glaubens, die ſchon aus der Umgegend
ſich eingefunden hatten, beſahen wir die zweck⸗
mäßige Einrichtung des Hauſes und erquickten
uns an dem herzlichen Willkommen und der im⸗
mer friſchen Liebe der uns befreundeten Jüng⸗
linge, die hier zum Dienſt am Heiligthume ſich
heiligen. Heiliger Gott, wie ſüß verbindet die
Herzen die wahre Eintracht des Glaubens in
Einer Liebe, die Keiner erkennt, der dieſe Ein⸗
tracht nicht hat, die da wächſt mit ihr, abnimmt
mit ihr! —

Um 3 Uhr ordneten ſich die Gruppen, die Feſt⸗
redner traten auf die Stufen des Eingangs und
das Geräuſch verlor ſich. Vornan hatten ſich
ein Muſikchor, zwei Sängerchöre und eine Art
Kreuzritter aufgeſtellt, die das rothe Kreuz — eine
rothſeidene Maſche — jedoch nicht auf der rech⸗

179

ten Schulter, ſondern in der Nähe des Herzens
trugen. Es war eine Anzahl Jünglinge, die ſich
den edlen und ſchönen Zweck geſetzt haben, nicht
das heilige Land von den Türken, ſondern arme
lutheriſche Studenten von Hunger und Kummer
zu befreien. Die Feier eröffnete eine hübſche
Symphonie, vom Muſikchore aufgeführt, und die
Sänger ſtimmten dann einen volltönenden Lob⸗
pſalm an. Als der Geſang verſtummt war, trat
Herr Paſtor Wyneken auf und legte die neu

gegründete Anſtalt in kräftiger und begeiſternder

Rede an die Herzen des deutſchen Volkes im All⸗
gemeinen und an die Herzen der Kinder der Kirche
inſonderheit. Der edlere Theil des engliſchen
Volkes, derjenige, von welchem die geprieſenen
Inſtitutionen, Pflege der Kunſt und Wiſſen⸗
ſchaft ausgingen und ausgehen, iſt deut⸗
ſchen Urſprungs, deutſcher Geiſt trägt dieſe
Früchte — und das deutſche Volk ſelbſt iſt hier
gleich den Gibeonitiſchen Holzhauern und Waſ⸗
ſerträgern im Iſraelitiſchen Lager! Woher der
ſchreiende Widerſpruch? Es gab keine deut⸗
ſchen wiſſenſchaftlichen Anſtalten; der edlere Geiſt
der Deutſchen mußte unter das Amerikaniſche
Volk flüchten, um der Verkümmerung zu ent⸗
gehen, und amerikaniſirt brachte er ſeine Blüthen
und Früchte zum Ruhme Jener, zur Schande
für uns! Deutſches Volk! Hier iſt ein Anfang
gemacht, das Samenkorn iſt gelegt, es liegt an
Dir, ob es heran wachſe Dir zur Zierve und den
Segen der Bildung in Fülle ſchütte über die
Deinigen dieſes Landes. Und ihr, Kinder der
Kirche! lange getäuſcht, um das Gut des aller⸗
heiligſten Glaubens betrogen, jämmerlich gelichtet
von den Schaaren der Schwärmer und Falſch⸗
gläubigen! Hier iſt eine Anſtalt gegründet, die
euch Hirten zuführen ſoll, wie ihr ſie bedürfet,
die das reine Gold eures Glaubens euch bieten
und, gerüſtet mit den nöthigen Kenntniſſen, es
ſiegreich vertheidigen werden, damit unſerer Kirche
eine ſchönere Zeit hier anbreche und die Aufrich⸗
tigen ihr zufallen. Lächelt nicht über den gerin⸗
gen Anfang! Es ſoll nichts weiter ſein, als ein
Anfang, und als ſolcher iſt er groß genug. Der
HErr iſt mit uns! Tragt dies Kindlein auf dem
Herzen, ſäuget's und ziehet's groß, der HErr
wird's euch lohnen! — Als der Redner, dem je⸗
des Wort aus einem vor Freude lachenden Her⸗
zen emporquoll — und wer unter denen, welche
die jüngſte Geſchichte der lutheriſchen Kirche Ame⸗
rika's kennen, wird ſolche Freude bei dem
Manne nicht natürlich finden! — als er geendet,
erklangen in vollem Chorus die unter die Zuhö⸗
rer vertheilten, zu dieſer Feier gedichteten Verſe
des Herrn Paſtor Fick:
Jauchzt dem HErrn, ihr Völker alle!
O Deutſche, preiſ't mit frohem Schalle
Den großen Gott im Himmelsthron!
Der mit Gnad' und Heil uns zieret,
Zur ſel'gen Freiheit uns geführet
Durch Luther, Deutſchland's beſten Sohn,
Deß reine GOTTES⸗Lehr
Vergehet nimmermehr.
Hallelujah!
Immanuel!
Dein Iſrael,
Es freut ſich Dein von ganzer Seel'.

Dankt dem HErrn für ſeine Treue,
Daß er uns Deutſchen jetzt auf's Neue
Geſchenkt ſein theuer werthes Wort.
Dir allein ſei Ruhm und Ehre,
HErr, daß zur Schule reiner Lehre
Wir heute weihen dieſen Ort.
Halt ihn in Deinem Schutz
Vor aller Feinde Trutz.
Laß gelingen,
Daß ſtark und ſchön
Von dieſen Höh'n
In alles Land die Wahrheit tön'.

HEIJLGER GéEqSæ, du woll'ſt hier rüſten
In großen Schaar'n Evangeliſten
Mit Weisheit, Freudigkeit und Kraft.
Segne hier der Lehrer Mühen,
Und laß durch ihren Fleiß erblühen
Ein Eden heil'ger Wiſſenſchaft,
Daß unſern Kindern auch
Dein Wort in rechtem Brauch
Werd erhalten.
Sei hier ſtets nah!
Concordia!
Gott ſegne Dich, ja, Amen, ja!

Hierauf erhob ſich der Profeſſor der Theologie,
Herr Pfarrer Walther, und eröffnete den an⸗
weſenden Literatis in lateiniſcher Rede ein⸗
gehender den Zweck und die Beſchaffenheit dieſes
Collegiums und des theologiſchen Seminars in⸗
ſonderheit, das dem Vertrauen auf Gott und der
feſten Zuverſicht auf Seine Hülfe erwachſen ſei.
In beſcheidener Würde: „Nos non sumus pro-
fessores, nos non sumus doctores, at vero
Dei gratia Ecelesiae filii“ führte er die größ⸗
ten Lichter am Kirchenhimmel als in den Lehr⸗
ſtühlen der Concordia ſitzend und die verſchiedenen
Disciplinen der theologiſchen Wiſſenſchaften und
Hilfswiſſenſchaften: Dogmatik, Eregeſe, Ethik,
Kirchengeſchichte, Hermeneutik, Iſagogik u. ſ. w.
docirend an uns vorüber. Angemeſſen und er⸗
greifend reſpondirte den gelehrten Worten voll
Gottvertrauens und Gottesfurcht in alten Rhyth⸗
men feurig abgeſungen das von Rector Fabricius
zu Frankfurt am Main zum Jubelfeſte 1630
überſetzte, glaubensmuthige: „Ein' feſte Burg iſt
unſer Gott“ ꝛc.:

Turris, Deus, fortissima,
Munimen et petendum;
Potens cavet pericula,
Malumque jam timendum.
Hostis invidus
Pugnat horridus:
Omnibus modis,
Bellique machinis:
Terris caret secundo.

Nequit gravem potentia
Vim nostra sustinere,
Exercet Horos praelia,
Promissa quem dedere.
Nosse percupis?
Christus est, polis
Quem colit chorus;
Nec alter est Deus,
Ex hostibus triumphat.

Refertus orbis duemnonum
Licet strepat furore,
Speramus attamen bonum
Finem, Dei favore.
Quamlibet fremat
Nos Satan premat,
Nil tamen potest,
Quod judicatus est,
Verbo fugit repressus.

English translation

Not yet translated.