Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 21 › Seite 82
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-06-18, Seite 82
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirche · Kirche. r 8 · Luther 1
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gen des heil. Abendmahls beigelegt werden möchte. In dieser Absicht lud der Landgraf von Hessen, Philipp, der Anfänger aller solcher Unionsversuche, Dr. Luthern und andere Theologen zu einem Religionsgespräch nach Marburg ein. Luther antwortete, er wolle zwar erscheinen, um zu zeigen, daß er zum Frieden geneigt sei, allein er verspreche sich keinen guten Ausgang der Sache; denn er glaube, die Zwinglianer wollten dabei irgend eine List gebrauchen. Das Gespräch selbst währte mehrere Tage, und obgleich die Schweizer, oder reformirten Theologen den lutherischen in allen streitigen Artikeln wichen und schriftlich widerriefen, so geschahe dies doch nicht im Artikel von dem heil. Abendmahle, weshalb die weitere Besprechung darüber bis auf eine spätere Zeit ausgesetzt wurde. Luther bewies sich freundlich gegen die reformirten Theologen und reichte ihnen die Hand, aber ihrem Begehren, sie für Glaubensbrüder anzuerkennen, konnte und wollte er deshalb nicht willfahren, damit niemand denken könne, als billige er und die Seinigen jene falsche Lehre. Wie wenig sie des christlichen Brudernamens werth waren und wie richtig Luther ihre List, Heuchelei und Betrug durchschaut hatte, davon gibt die handgreifliche Lüge Zeugniß, welche sie öffentlich aussprengten, daß sie nehmlich Luthern zu Marburg überwunden hätten. Wie nun auf solche Weise der Satan durch Lügen die Lehre Luthers zu dämpfen suchte, so versuchte er's auch durch offenbare Gewalt; denn die Verfechter des Pabstthums beschlossen auf dem Reichstage zu Speier im Jahre 1529, daß an allen Orten, an welchen bis jetzt die lutherische Lehre noch nicht eingeführt worden sei, dies auch in Zukunft nicht geschehen dürfe, und daß da, wo man sich bereits zu dieser Lehre bekannt habe, dennoch die öffentl. Feier des h. Abendmahls nicht zu gestatten sei. Gegen diese gottlose Unterdrückung der Lehre Luther's protestirten der Churfürst von Sachsen nebst andern Fürsten und Städten, worunter auch einige reformirt gesinnte sich befanden, und erhielten davon den Namen Protestanten. Das feindselige Benehmen des Kaisers gegen ihre Abgesandten veranlaßte eine weitere Berathschlagung über die Frage, ob sie in dem Fall, daß ein Religionskrieg entstünde, auch ihrerseits unter sich ein Bündniß schließen und zu den Waffen greifen sollten? Luther aber widerrieth es den Fürsten mit allem Nachdruck in der Schrift, „die Gegenwehr belangend.“ Hieraus sieht man, welch empörende Ungerechtigkeit es sei, Luthern zum Stifter des später ausbrechenden Religionskriegs zu machen.
Um diese Zeit klagte Dr. Luther, daß auf der einen Seite die Papisten mit Feuer, Schwert und aller Macht des Teufels gegen das Evangelium wütheten, auf der andern Seite die überdrüssigen Rottengeister und lüsternen leichtfertigen Herzen mit aller List des Teufels dawider klügelten und dichteten, und setzt dazu: „Ohne was noch ist die Undankbarkeit und Verachtung bei den Unsern unter uns selbst.“ (L. W. XIV, 184). Darüber entbrannte Luther in solchem Eifer, daß er zu Anfang des Jahres 1530 seinen Wittenbergern eine gewaltige Bußpredigt hielt, und öffentlich erklärte, er werde forthin ihnen nicht mehr predigen; was er auch wirklich eine Zeitlang that. Ueberhaupt werden von da an seine Klagen darüber immer häufiger und stärker, daß an den meisten Orten bei so reicher Aussaat des reinen göttlichen Worts sich doch so wenig Frucht zeige. Luc. 8. Aber er sagt auch: „Ist es Christo, dem Sohne Gottes, dem heiligsten Prediger widerfahren, was Wunder ist's, daß es Johanni dem Täufer, den Aposteln und uns heutiges Tages auch widerfährt!“ (L. W. XVIII, 488.) Wenn man demnach sieht, daß auch da, wo das Wort Gottes lauter gelehrt wird, Viele nicht als die Kinder Gottes darnach leben, so soll man sich ja vor der Lästerung hüten, Gott und seinem Wort, oder der rechten Lehre die Schuld beizumessen, da es doch allein die Schuld der Menschen ist, wenn das Wort Gottes ohne Frucht bleibt, also daß sie nicht glauben und selig werden. —
(Fortsetzung folgt.)
Antwort auf die neueste Vertheidigung der Union.
(Fortsetzung.)
Wenn Herr Nollau die Summa dessen, was er an unserer Lehre tadelt, angeben will, so spricht er: „Unsere Ueberzeugung, daß unsere Gegner noch im Irrthum sind, hat sich noch nicht geändert, — sei es auch nur in der Lehre von der Kirche.“ Seite 67. Diese wichtige Lehre ist es daher, deren genauere Auseinandersetzung wir nun vor allen wieder werden aufnehmen müssen.
Wir gestehen, daß wir uns deß am wenigsten versehen hatten, da wir in unserem Blättlein gerade die Lehre von der Kirche am deutlichsten und vollständigsten dargelegt haben. Wir haben aber bei Durchsehung der Schrift des Hrn. N. wahrgenommen, daß derselbe leider! unsere Darlegung der Lehre von der Kirche nicht gefaßt hat, und noch weniger selbst zum Bewußtsein der christlichen Kirche erwacht ist. Daher ist es denn, wie wir ahnen, gekommen, daß Herr N. nicht nur eine überaus seltsame, wir möchten fast sagen, monströse (ungeheure) Vorstellung von der Kirche, als die seinige, seinen Lesern mittheilt, sondern denselben auch ein ebenso sonderbares Bild, wie er es sich selbst geschaffen hat, als das unsrige, zum Besten gibt, und gegen welches er, als gegen einen wirklich vorhandenen Feind, allen Ernstes zu Felde zieht. Es ist freilich wahr, daß die einfache Lehre von der Kirche dadurch eine der schwierigsten geworden ist, daß man so verschiedenartig darüber geschrieben hat, indem eine jede Partei die Lehre von der Kirche so zu modeln (abzuformen) suchte, daß die eigene Partei immer noch für einen echten Abdruck des gegebenen Modells (Musterbildes) der Kirche passiren konnte. So schwierig und verwickelt aber darum der Artikel von der Kirche für viele geworden ist, so ist es jedoch gewiß nicht unbillig, an den, welcher davon öffentlich schreiben will, die Aufforderung zu machen, daß Er wenigstens seines Gegenstandes mächtig und über denselben zur Klarheit gekommen sein sollte. Auch ist es ohne Zweifel eine der ersten Obliegenheiten eines Schriftstellers, daß er sich alle Mühe gebe, von vorgefaßten Meinungen ungetrübt, die wahre Meinung seines Gegners richtig aufzufassen und treu wiederzugeben, damit er nicht Zeit und Kräfte in der Bekämpfung eines eignen Traumgebildes verschwende.
Hiernach möchten wir nun fast entmuthigt sein, fernerweit etwas über den berührten Gegenstand zu schreiben, wir wollen es aber doch noch einmal versuchen, die Lehre von der Kirche so einfach, klar und gründlich als möglich aus Gottes Wort darzulegen, und sodann Herrn N.'s Meinungen hierüber einer Prüfung unterwerfen. —
Erstlich, es gibt nach Gottes Wort nicht zwei Kirchen, eine sichtbare und unsichtbare, oder gar noch mehrere, sondern nur Eine. Der HErr redet stets nur von einer. Er spricht: „Es wird Eine Heerde und Ein Hirte werden.“ Joh. 10, 16. „Auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeine,“ nicht Gemeinen. Matth. 16, 18. Daher ermahnt der h. Apostel die Epheser: „Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist, durch das Band des Friedens. Ein Leib und Ein Geist, wie ihr auch berufen seid, auf einerlei Hoffnung eures Berufs. Ein HErr, Ein Glaube, Eine Taufe ꝛe.“ Epheser 4, 3—5. Und im Briefe an die Galater, K. 4, 26. spricht derselbe Apostel: „Das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie, die ist unser aller Mutter.“ (Hier wird die Kirche das Jerusalem, das droben ist, genannt, wie Christus sie oft als das Himmelreich auf Erden und der Ebräerbrief K. 12, 22. als das himmlische Jerusalem bezeichnet.) Deutlich wird auch die Kirche nothwendig als Eine bezeichnet, wenn sie als Christi Braut dargestellt wird. Allen diesen göttlichen Zeugnissen gemäß bekennt daher jeder Christ im apostolischen Symbolum: „Ich glaube Eine (unam) heilige, allgemeine oder christliche Kirche.“
Fragen wir nun ferner, wer oder was ist diese wahre Kirche Christi? so müssen wir nach Gottes Wort antworten: Es ist die Gesammtheit aller Gläubigen und durch den heil. Geist Geheiligten. Denn also spricht St. Paulus: „Christus hat geliebet die Gemeine, und hat sich selbst für sie gegeben, auf daß er sie heiligte, und hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, auf daß er sie ihm selbst darstellete eine Gemeine, die herrlich sei, die nicht habe einen Flecken, oder Runzel, oder deß etwas, sondern daß sie heilig sei und unsträflich.“ Epheser 5, 25 — 27. Gott hat Christum „gesetzt um Haupt der Gemeine über alles, welche da ist sein Leib, nämlich die Fülle deß, der alles in allem erfüllet.“ K. 1, 22. 23. Zu der Einen wahren Kirche gehört also kein Gottloser, kein Ungläubiger, kein Unwiedergeborener, denn „wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.“ Römer 8, 9. Daher ermahnt St. Petrus die Christen: „Auch ihr, als die lebendigen Steine, bauet euch zum geistlichen
English translation AI translation
the Holy Supper might be settled beforehand. With this intention the Landgrave of Hesse, Philip, the originator of all such attempts at union, invited Dr. Luther and other theologians to a religious colloquy at Marburg. Luther answered that he would indeed appear, in order to show that he was inclined toward peace, but that he did not promise himself a good outcome of the matter; for he believed the Zwinglians intended to use some trick in it. The colloquy itself lasted several days, and although the Swiss, or Reformed, theologians yielded to the Lutherans on all the disputed articles and recanted in writing, this nevertheless did not happen in the article concerning the Holy Supper, for which reason further discussion of it was postponed to a later time. Luther conducted himself in a friendly manner toward the Reformed theologians and extended his hand to them, but he could not and would not comply with their request to be acknowledged as brothers in the faith, so that no one might think that he and his followers approved of that false doctrine. How little worthy they were of the name of Christian brothers, and how correctly Luther had seen through their trickery, hypocrisy, and deceit, is shown by the palpable lie which they publicly spread abroad, namely, that they had defeated Luther at Marburg. Now just as Satan in this way sought through lies to suppress Luther's teaching, so he also attempted it through open violence; for the champions of the papacy resolved at the Diet of Speyer in the year 1529 that in all places where the Lutheran doctrine had not yet been introduced, this should not be permitted to happen in future either, and that where people had already professed this doctrine, the public celebration of the Holy Supper should nevertheless not be permitted. Against this godless suppression of Luther's doctrine the Elector of Saxony protested, together with other princes and cities, among whom some of Reformed persuasion were also found, and from this they received the name Protestants. The hostile conduct of the Emperor toward their envoys occasioned further deliberation on the question whether, in the event that a religious war should break out, they for their part should also form an alliance among themselves and take up arms. But Luther most emphatically advised the princes against this in his writing, "Concerning Self-Defense." From this one sees what an outrageous injustice it is to make Luther the originator of the religious war that later broke out.
About this time Dr. Luther complained that, on the one hand, the papists raged against the Gospel with fire, sword, and all the might of the devil, while on the other hand, the disaffected factious spirits and wanton, frivolous hearts schemed and contrived against it with all the cunning of the devil, and he adds: "Not to mention the ingratitude and contempt found among our own people, among ourselves." (L. W. XIV, 184.) Over this Luther was so inflamed with zeal that at the beginning of
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the year 1530 he delivered to his people in Wittenberg a mighty sermon of repentance, and publicly declared that he would henceforth preach to them no more; which he indeed did for a time. In general, from that point on his complaints grew ever more frequent and stronger, that in most places, despite so rich a sowing of the pure Word of God, so little fruit was to be seen. Luke 8. But he also says: "If this happened to Christ, the Son of God, the holiest of preachers, what wonder is it that it happens also to John the Baptist, to the apostles, and to us in these days!" (L. W. XVIII, 488.) When one accordingly sees that even where the Word of God is taught in its purity, many do not live accordingly as children of God, one should indeed guard against the blasphemy of laying the blame on God and his Word, or on right doctrine, since it is solely the fault of men when the Word of God remains without fruit, so that they do not believe and are not saved. — (To be continued.)
Answer to the Most Recent Defense of the Union.
(Continued.)
When Mr. Nollau wishes to state the sum of what he criticizes in our doctrine, he says: "Our conviction that our opponents are still in error has not yet changed — even if only in the doctrine of the Church." Page 67. It is this important doctrine, then, whose more precise exposition we must now above all take up again.
We confess that we least expected this, since in our little paper we had set forth the doctrine of the Church most clearly and most fully of all. But upon reviewing Mr. N.'s writing we have observed that he, unfortunately, has not grasped our exposition of the doctrine of the Church, and still less has he himself awakened to a consciousness of the Christian Church. Hence it has come about, as we suspect, that Mr. N. not only communicates to his readers an exceedingly strange, we might almost say monstrous (huge), conception of the Church as his own, but also presents to them, as ours, an equally peculiar picture which he has fashioned for himself, and against which, as against a really existing enemy, he marches into the field in all earnestness. It is indeed true that the simple doctrine of the Church has become one of the most difficult precisely because it has been written about in such varied ways, since every party has sought so to model (shape) the doctrine of the Church that its own party could still pass for a genuine imprint of the given model (pattern) of the Church. But however difficult and complicated the article of the Church has thereby become for many, it is nevertheless certainly not unreasonable to demand of one who wishes to write publicly about it that he should at least have mastered his subject and have arrived at clarity concerning it. It is also without doubt one of the first duties of a writer to take every pains, undisturbed by preconceived opinions, to grasp correctly and render faithfully the true meaning of his opponent, so that he does not waste time and strength in combating a phantom of his own imagining.
After this we might almost feel discouraged from writing anything further on the subject touched upon; nevertheless we wish to try once more to set forth the doctrine of the Church as simply, clearly, and thoroughly as possible from God's Word, and then to subject Mr. N.'s opinions on this to examination. —
First, according to God's Word there are not two churches, one visible and one invisible, or even several, but only One. The Lord always speaks only of one. He says: "There shall be one fold and one shepherd." John 10:16. "Upon this rock I will build my church," not churches. Matthew 16:18. Therefore the holy apostle exhorts the Ephesians: "Endeavoring to keep the unity of the Spirit in the bond of peace. There is one body and one Spirit, even as ye are called in one hope of your calling; one Lord, one faith, one baptism," etc. Ephesians 4:3–5. And in the letter to the Galatians, chapter 4:26, the same apostle says: "Jerusalem which is above is free, which is the mother of us all." (Here the Church is called the Jerusalem which is above, just as Christ often designates it as the kingdom of heaven on earth, and the Epistle to the Hebrews, chapter 12:22, as the heavenly Jerusalem.) The Church is also clearly and necessarily designated as One when she is represented as the bride of Christ. In accordance with all these divine testimonies, therefore, every Christian confesses in the Apostles' Creed: "I believe in one (unam) holy, universal, or Christian Church."
If we now ask further, who or what is this true Church of Christ, we must answer according to God's Word: it is the whole company of all believers who are sanctified through the Holy Spirit. For thus speaks St. Paul: "Christ also loved the church, and gave himself for it, that he might sanctify it, and cleanse it with the washing of water by the word, that he might present it to himself a glorious church, not having spot or wrinkle or any such thing, but that it should be holy and without blemish." Ephesians 5:25–27. God has set Christ "to be head over all things to the church, which is his body, the fullness of him that filleth all in all." Chapter 1:22–23. To the one true Church, therefore, no ungodly person belongs, no unbeliever, no one unregenerate, for "if any man have not the Spirit of Christ, he is none of his." Romans 8:9. Therefore St. Peter exhorts Christians: "Ye also, as living stones, are built up a spiritual