# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 06 18_S82 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 82 gen des heil. Abendmahls beigelegt werden möchte. In dieser Absicht lud der Landgraf von Hessen, Philipp, der Anfänger aller solcher Unionsversuche, Dr. Luthern und andere Theologen zu einem Religionsgespräch nach Marburg ein. Luther antwortete, er wolle zwar erscheinen, um zu zeigen, daß er zum Frieden geneigt sei, allein er verspreche sich keinen guten Ausgang der Sache; denn er glaube, die Zwinglianer wollten dabei irgend eine List gebrauchen. Das Gespräch selbst währte mehrere Tage, und obgleich die Schweizer, oder reformirten Theologen den lutherischen in allen streitigen Artikeln wichen und schriftlich widerriefen, so geschahe dies doch nicht im Artikel von dem heil. Abendmahle, weshalb die weitere Besprechung darüber bis auf eine spätere Zeit ausgesetzt wurde. Luther bewies sich freundlich gegen die reformirten Theologen und reichte ihnen die Hand, aber ihrem Begehren, sie für Glaubensbrüder anzuerkennen, konnte und wollte er deshalb nicht willfahren, damit niemand denken könne, als billige er und die Seinigen jene falsche Lehre. Wie wenig sie des christlichen Brudernamens werth waren und wie richtig Luther ihre List, Heuchelei und Betrug durchschaut hatte, davon gibt die handgreifliche Lüge Zeugniß, welche sie öffentlich aussprengten, daß sie nehmlich Luthern zu Marburg überwunden hätten. Wie nun auf solche Weise der Satan durch Lügen die Lehre Luthers zu dämpfen suchte, so versuchte er's auch durch offenbare Gewalt; denn die Verfechter des Pabstthums beschlossen auf dem Reichstage zu Speier im Jahre 1529, daß an allen Orten, an welchen bis jetzt die lutherische Lehre noch nicht eingeführt worden sei, dies auch in Zukunft nicht geschehen dürfe, und daß da, wo man sich bereits zu dieser Lehre bekannt habe, dennoch die öffentl. Feier des h. Abendmahls nicht zu gestatten sei. Gegen diese gottlose Unterdrückung der Lehre Luther's protestirten der Churfürst von Sachsen nebst andern Fürsten und Städten, worunter auch einige reformirt gesinnte sich befanden, und erhielten davon den Namen Protestanten. Das feindselige Benehmen des Kaisers gegen ihre Abgesandten veranlaßte eine weitere Berathschlagung über die Frage, ob sie in dem Fall, daß ein Religionskrieg entstünde, auch ihrerseits unter sich ein Bündniß schließen und zu den Waffen greifen sollten? Luther aber widerrieth es den Fürsten mit allem Nachdruck in der Schrift, „die Gegenwehr belangend.“ Hieraus sieht man, welch empörende Ungerechtigkeit es sei, Luthern zum Stifter des später ausbrechenden Religionskriegs zu machen. Um diese Zeit klagte Dr. Luther, daß auf der einen Seite die Papisten mit Feuer, Schwert und aller Macht des Teufels gegen das Evangelium wütheten, auf der andern Seite die überdrüssigen Rottengeister und lüsternen leichtfertigen Herzen mit aller List des Teufels dawider klügelten und dichteten, und setzt dazu: „Ohne was noch ist die Undankbarkeit und Verachtung bei den Unsern unter uns selbst.“ (L. W. XIV, 184). Darüber entbrannte Luther in solchem Eifer, daß er zu Anfang des Jahres 1530 seinen Wittenbergern eine gewaltige Bußpredigt hielt, und öffentlich erklärte, er werde forthin ihnen nicht mehr predigen; was er auch wirklich eine Zeitlang that. Ueberhaupt werden von da an seine Klagen darüber immer häufiger und stärker, daß an den meisten Orten bei so reicher Aussaat des reinen göttlichen Worts sich doch so wenig Frucht zeige. Luc. 8. Aber er sagt auch: „Ist es Christo, dem Sohne Gottes, dem heiligsten Prediger widerfahren, was Wunder ist's, daß es Johanni dem Täufer, den Aposteln und uns heutiges Tages auch widerfährt!“ (L. W. XVIII, 488.) Wenn man demnach sieht, daß auch da, wo das Wort Gottes lauter gelehrt wird, Viele nicht als die Kinder Gottes darnach leben, so soll man sich ja vor der Lästerung hüten, Gott und seinem Wort, oder der rechten Lehre die Schuld beizumessen, da es doch allein die Schuld der Menschen ist, wenn das Wort Gottes ohne Frucht bleibt, also daß sie nicht glauben und selig werden. — (Fortsetzung folgt.) Antwort auf die neueste Vertheidigung der Union. (Fortsetzung.) Wenn Herr Nollau die Summa dessen, was er an unserer Lehre tadelt, angeben will, so spricht er: „Unsere Ueberzeugung, daß unsere Gegner noch im Irrthum sind, hat sich noch nicht geändert, — sei es auch nur in der Lehre von der Kirche.“ Seite 67. Diese wichtige Lehre ist es daher, deren genauere Auseinandersetzung wir nun vor allen wieder werden aufnehmen müssen. Wir gestehen, daß wir uns deß am wenigsten versehen hatten, da wir in unserem Blättlein gerade die Lehre von der Kirche am deutlichsten und vollständigsten dargelegt haben. Wir haben aber bei Durchsehung der Schrift des Hrn. N. wahrgenommen, daß derselbe leider! unsere Darlegung der Lehre von der Kirche nicht gefaßt hat, und noch weniger selbst zum Bewußtsein der christlichen Kirche erwacht ist. Daher ist es denn, wie wir ahnen, gekommen, daß Herr N. nicht nur eine überaus seltsame, wir möchten fast sagen, monströse (ungeheure) Vorstellung von der Kirche, als die seinige, seinen Lesern mittheilt, sondern denselben auch ein ebenso sonderbares Bild, wie er es sich selbst geschaffen hat, als das unsrige, zum Besten gibt, und gegen welches er, als gegen einen wirklich vorhandenen Feind, allen Ernstes zu Felde zieht. Es ist freilich wahr, daß die einfache Lehre von der Kirche dadurch eine der schwierigsten geworden ist, daß man so verschiedenartig darüber geschrieben hat, indem eine jede Partei die Lehre von der Kirche so zu modeln (abzuformen) suchte, daß die eigene Partei immer noch für einen echten Abdruck des gegebenen Modells (Musterbildes) der Kirche passiren konnte. So schwierig und verwickelt aber darum der Artikel von der Kirche für viele geworden ist, so ist es jedoch gewiß nicht unbillig, an den, welcher davon öffentlich schreiben will, die Aufforderung zu machen, daß Er wenigstens seines Gegenstandes mächtig und über denselben zur Klarheit gekommen sein sollte. Auch ist es ohne Zweifel eine der ersten Obliegenheiten eines Schriftstellers, daß er sich alle Mühe gebe, von vorgefaßten Meinungen ungetrübt, die wahre Meinung seines Gegners richtig aufzufassen und treu wiederzugeben, damit er nicht Zeit und Kräfte in der Bekämpfung eines eignen Traumgebildes verschwende. Hiernach möchten wir nun fast entmuthigt sein, fernerweit etwas über den berührten Gegenstand zu schreiben, wir wollen es aber doch noch einmal versuchen, die Lehre von der Kirche so einfach, klar und gründlich als möglich aus Gottes Wort darzulegen, und sodann Herrn N.'s Meinungen hierüber einer Prüfung unterwerfen. — Erstlich, es gibt nach Gottes Wort nicht zwei Kirchen, eine sichtbare und unsichtbare, oder gar noch mehrere, sondern nur Eine. Der HErr redet stets nur von einer. Er spricht: „Es wird Eine Heerde und Ein Hirte werden.“ Joh. 10, 16. „Auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeine,“ nicht Gemeinen. Matth. 16, 18. Daher ermahnt der h. Apostel die Epheser: „Seid fleißig zu halten die Einigkeit im Geist, durch das Band des Friedens. Ein Leib und Ein Geist, wie ihr auch berufen seid, auf einerlei Hoffnung eures Berufs. Ein HErr, Ein Glaube, Eine Taufe ꝛe.“ Epheser 4, 3—5. Und im Briefe an die Galater, K. 4, 26. spricht derselbe Apostel: „Das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie, die ist unser aller Mutter.“ (Hier wird die Kirche das Jerusalem, das droben ist, genannt, wie Christus sie oft als das Himmelreich auf Erden und der Ebräerbrief K. 12, 22. als das himmlische Jerusalem bezeichnet.) Deutlich wird auch die Kirche nothwendig als Eine bezeichnet, wenn sie als Christi Braut dargestellt wird. Allen diesen göttlichen Zeugnissen gemäß bekennt daher jeder Christ im apostolischen Symbolum: „Ich glaube Eine (unam) heilige, allgemeine oder christliche Kirche.“ Fragen wir nun ferner, wer oder was ist diese wahre Kirche Christi? so müssen wir nach Gottes Wort antworten: Es ist die Gesammtheit aller Gläubigen und durch den heil. Geist Geheiligten. Denn also spricht St. Paulus: „Christus hat geliebet die Gemeine, und hat sich selbst für sie gegeben, auf daß er sie heiligte, und hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, auf daß er sie ihm selbst darstellete eine Gemeine, die herrlich sei, die nicht habe einen Flecken, oder Runzel, oder deß etwas, sondern daß sie heilig sei und unsträflich.“ Epheser 5, 25 — 27. Gott hat Christum „gesetzt um Haupt der Gemeine über alles, welche da ist sein Leib, nämlich die Fülle deß, der alles in allem erfüllet.“ K. 1, 22. 23. Zu der Einen wahren Kirche gehört also kein Gottloser, kein Ungläubiger, kein Unwiedergeborener, denn „wer Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.“ Römer 8, 9. Daher ermahnt St. Petrus die Christen: „Auch ihr, als die lebendigen Steine, bauet euch zum geistlichen