Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 18 › Seite 141

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-05-11, Seite 141

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Taufe 20

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loßgeſtellt, auch glaube ich nicht, daß irgend je⸗
nand, der des Namens eines Lutheraners wür⸗
'ig iſt, mich mit Verdacht oder Mißfallen an⸗
ehen wird, wenn ich ſage, daß das Reſultat mei⸗
ier Forſchungen mich zu einer freudigen und ent⸗
chiedenen Annahme der Lehren der Kirche geführt
dat, wie dieſelben deutlich ausgeſprochen ſind in
'er Augsburgiſchen Confeſſion und dem Kleinen
Ratechismus (Luthers), welche ich für treue Aus⸗
egungen des wahren Sinnes des Wortes Got⸗
es halte, was die darin vorgelegten Glaubens⸗
ind Pflichtenlehren betrifft. Das iſt ohne Zwei⸗
el „„Altes Lutherthum““, denn das iſt der
Hlaube der Kirche geweſen, nicht allein ſeit drei,
ondern ſeit neunzehn Jahrhunderten. Und ich
offe, man wird mich bei dem Bekenntniß dieſes
Blaubens dulden, nicht allein um ſeines ehrwür⸗
igen Alterthums willen, ſondern auch und noch
iel mehr, weil es die einzige authentiſche (d. i.
echtsgültige und echte) Darſtellung der Lehren
er lutheriſchen Kirche iſt, welche ich bis jetzt keu⸗
ien gelernt habe.

„Was „„die Baſis oder Grundlage
er Generalſynode““ anlangt, ſo kann ich
ur ſagen, daß ich Nichts von einer ſolchen Baſis
Heiß, als inſofern ſie in ihrer Conſtitution darge—
gt iſt. — Aber dieſe Conſtitution legt kein Sy⸗
em der Lehre nieder, legt kein Bekenntniß des
hlaubens vor. Im Gegentheil bekennt ſie ſelbſt,
aß ſie „‚Inur für Zwecke des Regi⸗
rents und der Disciplin entworfen
ei““, und ſpricht ausdrücklich „„irgend einer
heneralſynode das Recht ab, Aenderungen in
achen des Glaubens zu machen, die auf irgend
ine Weiſe die Gewiſſen der Brüder beſchweren
zöchten““! Während ſie für lutheriſche Sy⸗
oden ſich erklären, hat ein Theil der durch dieſe
onſtitution verbundenen Synodalglieder die
lugsburgiſche Confeſſion angenommen und will
in anderer Theil von gar keinem Bekenntniſſe
was wiſſen. Aber weder in dem einen noch in
em andern Fall hat die Generalſynode Macht,
gend etwas als „„Lehrgrund““ aufzuſtellen,
„wenn das Gewiſſen der Brüder Einwen⸗
ung dagegen macht““! — Was alſo den „„Lehr⸗
rund““ betrifft, den S. S. S. der General⸗
znode fälſchlich zuſchreibt, indem dieſer Körper
ie ein ſolches Lehrſyſtem aufgeſtellt hat und
asſelbe nur eine Carricatur und eine Schinä—
ung des Lutherthums iſt, (inſofern dasſelbe da⸗
urch dargeſtellt wird, als hege es Meinungen
nd Lehren, die es nie hatte, und verwerfe andere,
ie es feierlich glaubt und bekennt,) ſo verwerfe
h „„ſolchen Lehrgrund““ unzweideutig, und
zürde alles Zutrauen zu der Generalſynode ver⸗
ieren, wenn ſie ſich auf eine ſo unſichere, und
erjenigen Kirche, von der ſie doch ein Theil ſein
vill, ſo entgegengeſetzte Baſis ſtellen wollte.

„Der Hauptzweck des zweiten Artikels der
„Vertheidigung““ ſcheint ein Verſuch zu ſein,
u zeigen oder zu entſcheiden, wie viel man
von dem lutheriſchen Syſtem verwer⸗
en und ſich doch einen Lutheraner
tennen könne, oder: wie viel man der
Vahrheit abbrechen, ſie ſchwächen und doch für

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geſunde Lehre verkaufen könne. Nun, es wäre
nutzlos, gegen Einen, der, wie S. S. S., die
Augsburgiſche Confeſſion ſelbſt verwirft, die übri⸗
gen ſymboliſchen Bücher zu vertheidigen. Wir
haben es nie in Zweifel gezogen, daß Leute, die
ſich Lutheraner nennen, vom Glauben abgefallen
ſind und die ſchrecklichſten, gefährlichſten Irrthü⸗
mer gehegt und vertheidigt haben, welche ihrer
Natur nach nicht nur das Lutherthum, ſondern
das Chriſtenthum zerſtören. Das iſt geſchehen
und geſchieht noch in Deuiſchland, Schweden und
Dänemark, und geſchieht auch in dieſem Lande.
Aber dieſes ändert nicht die Wahrheit und das
Weſen der lutheriſchen Lehre, eben ſo wenig als
der Bibel und des Chriſtenthums, mit welcher
man auch geſpielt und Muthwillen getrieben
hat, trüglich und hinterliſtig umgegangen iſt,
und zuletzt ſie offen verworfen hat, während
ſolche Leute ſich dabei immer Gläubige und Chri⸗
ſten nannten. Indeſſen wird kein verſtändiger
Menſch behaupten, daß ein Menſch, der die Bibel
verwirft, ein Chriſt ſei. Hat denn aber Einer
mehr Recht und Anſpruch auf den Namen eines
Lutheraners, der die Documente verwirft, in wel⸗
chen der Kern und die Summa der Lehre der lu⸗
theriſchen Kirche niedergelegt iſt, nemlich unſere
Glaubensbekenntniſſe? Kann er eins derſelben
verwerfen, warum nicht alle? Kann er einen Ar⸗
tikel der Augsburgiſchen Confeſſion verwerfen,
mit demſelben Recht verwirft er das ganze Be⸗
kenntniß. Darum wenn es auch wahr wäre,
was doch nicht iſt, daß die verſchiedenen Länder,
auf die er ſich beruft, die Bekenntniſſe unſerer
Kirche verworfen hätten, ſo würde dieſes blos das
beweiſen, daß ſie aufgehört hätten, Lutheraner zu
ſein, nichts weiter, und anſtatt darüber zu glorii⸗
ren und zu jubeln, ſollte er, wenn er ein treuer
Lutheraner ſein wollte, die Wehklage des Prophe⸗
ten zu der ſeinen machen: „„Wie iſt das Gold
ſo gar verdunkelt? Wie iſt das feine Gold ſo
häßlich worden?““ Was aber die Länder an⸗
langt, welche er als ſolche anführt, die das eine
oder das andere der ſymboliſchen Bücher verwor⸗
fen hätten, müſſen wir Folgendes bemerken:
erſtlich, daß er unter den Ländern, die dieſes ge—
than haben ſollen, ſolche anführt, die gerade das
Gegentheil gethan haben, wie z. B. Pommern;
zweitens, daß er ſelbſt zeigt, daß dies in Däne⸗
mark geſchehen ſei (im Angeſicht königlicher Ty⸗
rannei); und endlich, daß er nicht nachgewieſen
hat, daß eins von dieſen Ländern irgend eine von
den Lehren der lutheriſchen Kirche verworfen
hat, welche er in Verdacht und in Verachtung zu
bringen ſo eifrig befliſſen iſt. So theilt, was
Schweden anlangt, gerade Schubert, auf den er
ſich beruft, den Ordinationseid mit, in welchem
die Ordinanden ſich zur Augsburgiſchen Confeſ⸗
ſion und den übrigen ſymboliſchen Büchern
verpflichten (insgeſammt Concordienbuch ge⸗
nannt).

„No. 3 der Vertheidigung iſt ein Verſuch, zu
beweiſen, daß die Väter der lutheriſchen Kirche
(in dieſem Lande) bald larere Anſichten hegten
über die Verpflichtung zu den ſymboliſchen Bü⸗
chern u. ſ. w. Ein Beweis davon ſoll dieſes

ſein, daß „„die ſymboliſchen Bücher nicht einmal
genannt ſeien in ihrer Synodalconſtitution““
u. ſ. w. Aber wir haben in unſern „„Memo⸗
randen““ (Denkwürdigkeiten) gezeigt, daß ſie
wiederholt und ſtets ſie gebrauchten bei Ertheilung
der Candidatur (Erlaubniß zu predigen, Licenſi⸗
rung) und Ordination der Kirchendiener, und ich
habe mich jetzt überzeugt, daß ihre urſprüngliche
Synodal⸗ und Miniſterialconſtitution auch Un⸗
terſchrift und Verpflichtung auf dieſelbigen erfor⸗
derte; ferner, daß ſie bei Entwurf und Anord⸗
nung der Disciplin und Verfaſſung, welche der
große Körper der „„vereinigten evangeliſch-luihe⸗
riſchen Kirchen““ annahm, vorausgeſetzt und zu
Grunde gelegt waren, woraus alsdann die jetzt
beſtehende Organiſation unſerer Kirchen in dieſem
Lande hervorgegangen iſt. In den Halliſchen
Nachrichten finden ſich zwei Stellen, welche ich in
meiner früheren Nachſuchung dieſes Werkes über⸗
ſehen hatte, welche dieſes auf's bündigſte beweiſen;
es heißt nemlich daſelbſt: „„Er (Hr. Kurtz bei
ſeiner Prüfung und Ordination) legte uns (der
erſten lutheriſchen Synode) eine ſchriftliche Eiklä⸗
rung (Revers, Verſprechen) vor, daß er bei der
reinen Lehre unſerer evangeliſch-lutheriſchen
Kirche nach dem Wort Gottes und unſern Glau⸗
bensbekenntniſſen verharren, und nicht davon ab⸗
weichen wolle. Dies geſchah am 13. Auguſt
1748, den folgenden Tag (Trinitatisſonntag)
wurde die St. Michaelskirche (in Philadelphia)
eingeweiht. Bei dieſer Feierlichkeit ſprach ſich
Mühlenberg in ſeiner Rede an die Verſammlung
alſo aus: Der Grundſtein dieſer Kirche iſt in der
Abſicht gelegt worden, daß in derſelben die evan⸗
geliſch-lutheriſche Lehre auf Grund der Apoſiel
und Propheten, nach der ungeänderten Augsbur⸗
giſchen Confeſſion und allen den übrigen
ſymboliſchen Büchern gelehrt werden
ſollte.“ Mag nun irgend eins von dieſen ſym⸗
boliſchen Büchern verworfen haben, wer da will,
ſo viel iſt gewiß, daß Mühlenberg keiner von den⸗
ſelben war, weder damals, noch in irgend einer
andern Periode ſeines Lebens. Dies iſt erwie⸗
ſen und außer allen Bereich des Zweifels geſetzt
durch die Conſtitution, welche er (faſt dreißig
Jahre nachher) im Jahre 1774 entwarf für die
Kirchen in Ebenezer in Georgia. Hier machte
ein Verſuch, das Kircheneigenthum an die Epis⸗
copalkirche zu bringen, es nothwendig, den Cha⸗
rakter der Kirche mit der größten Sorgfalt und
Genauigkeit zu beſtimmen. Dies thut er in
Capitel 5, 8 1, welcher alſo lautet: „„Die Lehrer
und Paſtoren ſind verpflichtet, in ihren Gemein⸗
den öffentlich und privatim die Lehren unſerer
evangeliſch⸗proteſtantiſchen Religion, wie auch die
heiligen Sacramente der Taufe und des Nacht“
mahls des HErrn rein und unverfälſcht zu lehren,
und zwar nach dem Grund der Apoſtel und Pro⸗
pheten, wie ſie enthalten ſind in den heiligen
Schriften Alten und Neuen Teſtaments (in wel⸗
chem IEſus Chriſtus der Eckſtein iſt) gemäß der
ungeänderten Augsburgiſchen Confeſſion und den
übrigen ſymboliſchen Büchern.““ Dieſe Conſti⸗
tution iſt offenbar nach dem Muſter der von Müh⸗
lenberg für die „„Vereinigten Evangeliſchen Ge⸗

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