Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 18 › Seite 144

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-05-11, Seite 144

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in welcher zwar nicht um alle die zehn von uns
begehrten Punkte gebeten, aber doch die zwei
Hauptpunkte: 1) Verpflichtung aller Ordinanden
auf die ſymboliſchen Bücher mit quia und 2) Ex⸗
communication der Lichtfreunde, hervorgehoben
werden ſollten. Löhe erklärte ſich damit um ſo mehr
zufrieden, als es ganz und gar den Anſchein hatte,
als ob in der That die Erlanger Facultät von gan⸗
zem Herzen unſere Parthei ergriffen habe, ſinte⸗
mal auch Prof. Höfling, der ſich bei der General⸗
ſynode mehr als zweideutig benommen hatte, er⸗
klärte, er ſehe ein, wie unrecht er damit gethan
habe, und wolle dieſe Erklärung auch öffentlich in
der Erlanger Zeitſchrift abgeben. Das Alles be⸗
richtete uns Löhe in unſerer zweiten Zuſammen⸗
kunft voll Hoffnung, daß es nun wohl ohne Aus⸗
tritt noch gut werden könnte — und ſo beſchloß
man denu, in der Landeskirche noch zu verbleiben.
Aber — — —35). Ob nun das Conſiſtorium auf
die ziemlich laue Eingabe der Facultät hin etwas
thut, ſteht dahin; bisher iſt nur ſehr wenig in
Bezug auf die deutſch⸗katholiſchen Gemeinden und
freien Gemeinden geſchehen. Was mit uns wird,
kann ich darum auch noch nicht ſagen; zu einem
Austritt wird es aber ſchwerlich kommen, da eines
Theils die preußiſchen Lutheraner ſehr abrathen,
und andern Theils die Revolution in Deutſchland
noch lange nicht beendigt iſt, und deshalb gar
leicht von irgend einer Seite her, z. B. vom Land⸗
tage, die Sache der Kirche eine neue Wendung
erhalten kann. — —

(Schluß folgt.)

(Eingeſandt.)
Die Taufe iſt das Bad der Wiedergeburt.

In Nro. 7. des „Apologeten“ werden dem
Doctor Luther folgende Worte gegen die Prediger
der evangeliſch-lutheriſchen Kirche in den Mund
gelegt: „Ihr bauet auf die Taufe, als wäre ſie
die wahre Wiedergeburt und Bürgſchaft eurer
Seligkeit. So habe ich in meinem Leben nicht
davon gelehrt, wie meine Schriften zeugen.“

Dies iſt eine durchaus falſche Beſchuldigung.
Wir ſagen nicht: die Taufe iſt die wahre Wieder⸗
geburt, ſondern wir bekennen nach dem Worte
Gottes, daß die Taufe das Bad der wahren
Wiedergeburt ſei, das Mittel, wodurch der Hei⸗
lige Geiſt in allen, welche ihm nicht muthwillig
widerſtreben, die wahre Wiedergeburt wirkt. Dies
lehrt Luther in allen ſeinen Schriften. So ſagt
er in einer Predigt von der Taufe: „ſie iſt dazu
geordnet, daß ſie uns diene und gebe, nicht etwas
Leibliches und Vergängliches, ſondern ewige
Gnade, Reinigkeit oder Heiligkeit, und ewiges
Leben. Daß es billig heißt „ein Bad der neuen
Geburt, und das rechte Jüngelbad, daß, wer
darinnen badet, wird jung um neu geboren:
nicht, wie zuvor, aus Mutterleibe, welches iſt die
alte Geburt; ſondern aus der Sünden zur Ge⸗
iechtigkeit, aus der Schuld und Verdammniß zur

k. Dieſes „aber“ kann nicht ausgeführt werden, weil es

ausdrücklicher Wunſch des Correſpondenten iſt, keinen öffent⸗
lichen Gebrauch von demſelben zu machen. Der ganze Sinn
deſſen, was noch zu dem „aber“ gehört, iſt kurz dieſer: Ver⸗
laß dich nicht auf Menſchen.

1⁴3

Unſchuld und Gnade, aus dem Tod ins ewige
Leben.“ Erl. A., Bd. 16, S. 67.

Auch wir glauben mit Luther, daß wir in der
heiligen Taufe den Heiligen Geiſt empfangen
(Ap. Geſch. 2, 38.), welcher uns von Neuem ge⸗
biert (Tit. 3, 5.), unſere Seelen zum Glauben er⸗
weckt, wodurch wir Chriſtum anziehen (Gal. 3,
27.), und uns alles aneignen, was Chriſtus durch
ſein Leben, Leiden und Auferſtehen uns erworben
hat, nemlich Vergebung der Sünden, Leben und
Seligkeit. Mit Recht ſagt daher Luther von der
Herrlichkeit der Taufe, ſie ſei „ſo voll Troſtes
und Gnade, daß es Himmel und Erde nicht be⸗
greifen kann“. Mit Recht bezeugt er: „Darum
müſſen wir wacker und gerüſtet ſein, und uns von
dem Wort nicht weiſen noch wenden laſſen, daß
wir die Taufe nicht ein bloßes lediges Zeichen
ſein laſſen, wie die Schwärmer träumen.“ (Gro⸗
ßer Kat.) Eben ſo ſagt er Joh. 3, 5.: „Wo ſind
denn nun die läſterlichen Rotten und Schwärmer,
die nicht mehr können, denn vom Geiſt ſchreien
und rühmen? Aber es iſt der böſe Geiſt, der
Teufel ſelbſt, der ſie leibhaftig beſeſſen hat, weil
ſie Taufe, Sacrament, Wort, die uns Chriſtus
ſelbſt theuer erworben hat, als unnöthige, unnütz⸗
liche Dinge zur Seligkeit, verworfen haben.
Gott ſtrafe den Läſtergeiſt. Alſo lehret aber Chri⸗
ſtus hie nicht, ſondern weiſet uns auf die heilige
Taufe und Sauſen, d. i., aufs Wort; und war⸗
net, wo wir uns am Waſſer und Sauſen nicht
werden genügen laſſen, ſo werden wir gar nichts
vom Heiligen Geiſt behalten und nimmermehr
zur neuen Geburt kommen. Derohalb laßt uns
unſere Taufe und das Wort, als unſern höchſten
Schatz, befohlen ſein, da wir gewiß wiſſen, wenn
wir dabei bleiben, daß wir zum Reiche Gottes
wiedergeboren ſind.“ (Erl. A. Bd. 4, — .

Kirchliche Nachricht.

Allen Freunden unſeres Zions allhier diene
hierdurch zur frohen Nachricht, daß unſer theurer
Wyneken endlich am 16. d. M. mit den lieben
Seinigen durch Gottes Hilfe glücklich in St. Louis
angekommen iſt. So aufrichtig der Schmerz ge⸗
weſen iſt, mit welchem ihn ſeine Gemeinde in
Baltimore entlaſſen hat, dazu allein bewogen
durch deutliche Fingerzeige, daß es der HErr der
Kirche ſo wolle, ſo groß war unſere Freude, die
Freude der hieſigen deutſchen lutheriſchen Ge⸗
meinde mil ihren Paſtoren, unſeren lang erſehn⸗
ten neuen Seelſorger endlich in unſere Mitte tre⸗
ten zu ſehen. Zwar wurde Herr Paſtor Wyne⸗
ken durch körperliches Unwohlſein abgehalten, ſo⸗
gleich am nächſifolgenden Sonntag ſeine Antritts⸗
predigt zu halten, allein Gott ſtärkte ihn bald
wieder, ſo daß er am letztverfloſſenen Sonntag
Cantate ſo wohl früh in der Dreieinigkeitskirche
(welches die ſeines Paſtoraldiſtrictes iſt) als auch
Nachmittags in der Immanuelskirche das erſte
Mal zu uns, der ſeiner Seelſorge nun anver⸗
trauten Gemeinde, das Wort, das da ſelig macht,
reden konnte.

Alle Correſpondenten des Genannten wollen
daher von nun an ihre ſchriftlichen Mittheilun⸗
gen hieher nach St. Louis adreſſiren.

Urtheil Karl von Raumers über Luther.

Wen ſollte es nicht freuen, ſchreibt Raumer in
ſeiner Geſchichte der Pädagogik, den großen Mann
auch als Reformator des deutſchen Erziehungs⸗
weſens kennen zu lernen? Seine Ermahnungen
gingen unzähligen Deutſchen zu Herzen, weckten
ſchlafende Gewiſſen und ſtärkten müde Hände;
ſeine Urtheile galten bei Fürſten und Völkern wie
Gottes Stimme. Verdiente er doch ſolchen Glau⸗
ben im vollſten Maße, weil ihm ſelbſt im vollſten
Maße der Glaube verliehen war, welcher in
Liebe thätig iſt. Was vermochte nicht eine ſolche
gottesgewaltige, unermüdliche Liebe bei ſo großen
Gaben: bei einem ſo klaren Blick, ſo geſundem
Menſchenverſtande, ſo feinem Sinn für Sprache,
ſolcher ſchöpferiſchen Spraͤchkraft, ſolcher Macht
der Dichtkunſt, ſo tiefſinniger Speculation? Wer
unter ſeinen Zeitgenoſſen konnte ſich mit Luther
an echter, umfaſſender Bildung meſſen? Nur
meſſe man Bildung nicht mit dem Maßſtabe
eines lateiniſchen Schulpedanten, auch nicht mit
dem eines mephiſtopheliſchen Pſeudogenius; es
iſt von großen Geiſtesgaben die Rede, welche
einem, durch den Sohn freigemachten, geheilig⸗
ten, entſchloſſenen Herrſcherwillen dienen, einem
Willen, der ſich beherrſcht, weil er nur Gott und
um Gottes willen dienen will.

Lebendige Erkenntniß Chriſti macht' rifrig, auch
andere zu dieſer Gnade zu bringen.

Wenn ein Chriſt anfähet Chriſtum zu kennen
als ſeinen HErrn und Heiland, durch welchen er
iſt erlöſet aus dem Tode und in ſeine Herrſchaft
und Erbe gebracht, ſo wird ſein Herz gar durch⸗
göttert, daß er gerne Jedermann wollte auch dazu
helfen. Denn er hat keine höhere Freude, denn
an dieſem Schatz, daß er Chriſtum erkennet.
Darum fähret er heraus, lehret und vermahnet
die andern, rühmet und bekennet dasſelbige vor
Jedermann, bittet und ſeufzet, daß ſie auch möch⸗
ten zu ſolcher Gnade kommen. Das iſt ein un⸗
ruhiger Geiſt in der höchſten Ruhe, das iſt, in
Gottes Gnade und Friede, daß er nicht kann
ſtille noch müßig ſein, ſondern immerdar darnach
ringet und ſtrebet mit allen Kräften, als der all⸗
ein darum lebt, daß er Gottes Ehre und Lob
weiter unter die Leute bringe, daß andere ſolchen
Geiſt der Gnade auch empfahen.

Luther über Joh. 14, 13.

Wenn meine Sünd' mich kränken.

Im Jahre 1785 ſtarb in Berlin ein Jüngling
von ſechszehn Jahren. Er war ein wilder Rebe,
und hatte ſich ſchon von ſeinem 6. Jahre in der
Schule durch böſe Kinder zu manchen Sünden
verleiten laſſen. Alle väterliche und mütterliche
Ermahnungen, Warnungen, Belohnungen und
Beſtrafungen waren an ihm fruchtlos geblieben.
Bei zunehmenden Jahren nahmen auch die Sün⸗
den desſelben zu. Lügen und Ungerechtigkeiten
ſtürzten ihn in ſeinem vierzehnten Jahre in noch
größere Sünden. Er hatte die größte Widrigkeit
gegen das göttliche Wort; und ungeachtet der
guten Beiſpiele, die er im väterlichem Hauſe ſah

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