# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 05 11_S141 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) loßgeſtellt, auch glaube ich nicht, daß irgend je⸗ nand, der des Namens eines Lutheraners wür⸗ 'ig iſt, mich mit Verdacht oder Mißfallen an⸗ ehen wird, wenn ich ſage, daß das Reſultat mei⸗ ier Forſchungen mich zu einer freudigen und ent⸗ chiedenen Annahme der Lehren der Kirche geführt dat, wie dieſelben deutlich ausgeſprochen ſind in 'er Augsburgiſchen Confeſſion und dem Kleinen Ratechismus (Luthers), welche ich für treue Aus⸗ egungen des wahren Sinnes des Wortes Got⸗ es halte, was die darin vorgelegten Glaubens⸗ ind Pflichtenlehren betrifft. Das iſt ohne Zwei⸗ el „„Altes Lutherthum““, denn das iſt der Hlaube der Kirche geweſen, nicht allein ſeit drei, ondern ſeit neunzehn Jahrhunderten. Und ich offe, man wird mich bei dem Bekenntniß dieſes Blaubens dulden, nicht allein um ſeines ehrwür⸗ igen Alterthums willen, ſondern auch und noch iel mehr, weil es die einzige authentiſche (d. i. echtsgültige und echte) Darſtellung der Lehren er lutheriſchen Kirche iſt, welche ich bis jetzt keu⸗ ien gelernt habe. „Was „„die Baſis oder Grundlage er Generalſynode““ anlangt, ſo kann ich ur ſagen, daß ich Nichts von einer ſolchen Baſis Heiß, als inſofern ſie in ihrer Conſtitution darge— gt iſt. — Aber dieſe Conſtitution legt kein Sy⸗ em der Lehre nieder, legt kein Bekenntniß des hlaubens vor. Im Gegentheil bekennt ſie ſelbſt, aß ſie „‚Inur für Zwecke des Regi⸗ rents und der Disciplin entworfen ei““, und ſpricht ausdrücklich „„irgend einer heneralſynode das Recht ab, Aenderungen in achen des Glaubens zu machen, die auf irgend ine Weiſe die Gewiſſen der Brüder beſchweren zöchten““! Während ſie für lutheriſche Sy⸗ oden ſich erklären, hat ein Theil der durch dieſe onſtitution verbundenen Synodalglieder die lugsburgiſche Confeſſion angenommen und will in anderer Theil von gar keinem Bekenntniſſe was wiſſen. Aber weder in dem einen noch in em andern Fall hat die Generalſynode Macht, gend etwas als „„Lehrgrund““ aufzuſtellen, „wenn das Gewiſſen der Brüder Einwen⸗ ung dagegen macht““! — Was alſo den „„Lehr⸗ rund““ betrifft, den S. S. S. der General⸗ znode fälſchlich zuſchreibt, indem dieſer Körper ie ein ſolches Lehrſyſtem aufgeſtellt hat und asſelbe nur eine Carricatur und eine Schinä— ung des Lutherthums iſt, (inſofern dasſelbe da⸗ urch dargeſtellt wird, als hege es Meinungen nd Lehren, die es nie hatte, und verwerfe andere, ie es feierlich glaubt und bekennt,) ſo verwerfe h „„ſolchen Lehrgrund““ unzweideutig, und zürde alles Zutrauen zu der Generalſynode ver⸗ ieren, wenn ſie ſich auf eine ſo unſichere, und erjenigen Kirche, von der ſie doch ein Theil ſein vill, ſo entgegengeſetzte Baſis ſtellen wollte. „Der Hauptzweck des zweiten Artikels der „Vertheidigung““ ſcheint ein Verſuch zu ſein, u zeigen oder zu entſcheiden, wie viel man von dem lutheriſchen Syſtem verwer⸗ en und ſich doch einen Lutheraner tennen könne, oder: wie viel man der Vahrheit abbrechen, ſie ſchwächen und doch für 1⁴⁰ geſunde Lehre verkaufen könne. Nun, es wäre nutzlos, gegen Einen, der, wie S. S. S., die Augsburgiſche Confeſſion ſelbſt verwirft, die übri⸗ gen ſymboliſchen Bücher zu vertheidigen. Wir haben es nie in Zweifel gezogen, daß Leute, die ſich Lutheraner nennen, vom Glauben abgefallen ſind und die ſchrecklichſten, gefährlichſten Irrthü⸗ mer gehegt und vertheidigt haben, welche ihrer Natur nach nicht nur das Lutherthum, ſondern das Chriſtenthum zerſtören. Das iſt geſchehen und geſchieht noch in Deuiſchland, Schweden und Dänemark, und geſchieht auch in dieſem Lande. Aber dieſes ändert nicht die Wahrheit und das Weſen der lutheriſchen Lehre, eben ſo wenig als der Bibel und des Chriſtenthums, mit welcher man auch geſpielt und Muthwillen getrieben hat, trüglich und hinterliſtig umgegangen iſt, und zuletzt ſie offen verworfen hat, während ſolche Leute ſich dabei immer Gläubige und Chri⸗ ſten nannten. Indeſſen wird kein verſtändiger Menſch behaupten, daß ein Menſch, der die Bibel verwirft, ein Chriſt ſei. Hat denn aber Einer mehr Recht und Anſpruch auf den Namen eines Lutheraners, der die Documente verwirft, in wel⸗ chen der Kern und die Summa der Lehre der lu⸗ theriſchen Kirche niedergelegt iſt, nemlich unſere Glaubensbekenntniſſe? Kann er eins derſelben verwerfen, warum nicht alle? Kann er einen Ar⸗ tikel der Augsburgiſchen Confeſſion verwerfen, mit demſelben Recht verwirft er das ganze Be⸗ kenntniß. Darum wenn es auch wahr wäre, was doch nicht iſt, daß die verſchiedenen Länder, auf die er ſich beruft, die Bekenntniſſe unſerer Kirche verworfen hätten, ſo würde dieſes blos das beweiſen, daß ſie aufgehört hätten, Lutheraner zu ſein, nichts weiter, und anſtatt darüber zu glorii⸗ ren und zu jubeln, ſollte er, wenn er ein treuer Lutheraner ſein wollte, die Wehklage des Prophe⸗ ten zu der ſeinen machen: „„Wie iſt das Gold ſo gar verdunkelt? Wie iſt das feine Gold ſo häßlich worden?““ Was aber die Länder an⸗ langt, welche er als ſolche anführt, die das eine oder das andere der ſymboliſchen Bücher verwor⸗ fen hätten, müſſen wir Folgendes bemerken: erſtlich, daß er unter den Ländern, die dieſes ge— than haben ſollen, ſolche anführt, die gerade das Gegentheil gethan haben, wie z. B. Pommern; zweitens, daß er ſelbſt zeigt, daß dies in Däne⸗ mark geſchehen ſei (im Angeſicht königlicher Ty⸗ rannei); und endlich, daß er nicht nachgewieſen hat, daß eins von dieſen Ländern irgend eine von den Lehren der lutheriſchen Kirche verworfen hat, welche er in Verdacht und in Verachtung zu bringen ſo eifrig befliſſen iſt. So theilt, was Schweden anlangt, gerade Schubert, auf den er ſich beruft, den Ordinationseid mit, in welchem die Ordinanden ſich zur Augsburgiſchen Confeſ⸗ ſion und den übrigen ſymboliſchen Büchern verpflichten (insgeſammt Concordienbuch ge⸗ nannt). „No. 3 der Vertheidigung iſt ein Verſuch, zu beweiſen, daß die Väter der lutheriſchen Kirche (in dieſem Lande) bald larere Anſichten hegten über die Verpflichtung zu den ſymboliſchen Bü⸗ chern u. ſ. w. Ein Beweis davon ſoll dieſes ſein, daß „„die ſymboliſchen Bücher nicht einmal genannt ſeien in ihrer Synodalconſtitution““ u. ſ. w. Aber wir haben in unſern „„Memo⸗ randen““ (Denkwürdigkeiten) gezeigt, daß ſie wiederholt und ſtets ſie gebrauchten bei Ertheilung der Candidatur (Erlaubniß zu predigen, Licenſi⸗ rung) und Ordination der Kirchendiener, und ich habe mich jetzt überzeugt, daß ihre urſprüngliche Synodal⸗ und Miniſterialconſtitution auch Un⸗ terſchrift und Verpflichtung auf dieſelbigen erfor⸗ derte; ferner, daß ſie bei Entwurf und Anord⸗ nung der Disciplin und Verfaſſung, welche der große Körper der „„vereinigten evangeliſch-luihe⸗ riſchen Kirchen““ annahm, vorausgeſetzt und zu Grunde gelegt waren, woraus alsdann die jetzt beſtehende Organiſation unſerer Kirchen in dieſem Lande hervorgegangen iſt. In den Halliſchen Nachrichten finden ſich zwei Stellen, welche ich in meiner früheren Nachſuchung dieſes Werkes über⸗ ſehen hatte, welche dieſes auf's bündigſte beweiſen; es heißt nemlich daſelbſt: „„Er (Hr. Kurtz bei ſeiner Prüfung und Ordination) legte uns (der erſten lutheriſchen Synode) eine ſchriftliche Eiklä⸗ rung (Revers, Verſprechen) vor, daß er bei der reinen Lehre unſerer evangeliſch-lutheriſchen Kirche nach dem Wort Gottes und unſern Glau⸗ bensbekenntniſſen verharren, und nicht davon ab⸗ weichen wolle. Dies geſchah am 13. Auguſt 1748, den folgenden Tag (Trinitatisſonntag) wurde die St. Michaelskirche (in Philadelphia) eingeweiht. Bei dieſer Feierlichkeit ſprach ſich Mühlenberg in ſeiner Rede an die Verſammlung alſo aus: Der Grundſtein dieſer Kirche iſt in der Abſicht gelegt worden, daß in derſelben die evan⸗ geliſch-lutheriſche Lehre auf Grund der Apoſiel und Propheten, nach der ungeänderten Augsbur⸗ giſchen Confeſſion und allen den übrigen ſymboliſchen Büchern gelehrt werden ſollte.“ Mag nun irgend eins von dieſen ſym⸗ boliſchen Büchern verworfen haben, wer da will, ſo viel iſt gewiß, daß Mühlenberg keiner von den⸗ ſelben war, weder damals, noch in irgend einer andern Periode ſeines Lebens. Dies iſt erwie⸗ ſen und außer allen Bereich des Zweifels geſetzt durch die Conſtitution, welche er (faſt dreißig Jahre nachher) im Jahre 1774 entwarf für die Kirchen in Ebenezer in Georgia. Hier machte ein Verſuch, das Kircheneigenthum an die Epis⸗ copalkirche zu bringen, es nothwendig, den Cha⸗ rakter der Kirche mit der größten Sorgfalt und Genauigkeit zu beſtimmen. Dies thut er in Capitel 5, 8 1, welcher alſo lautet: „„Die Lehrer und Paſtoren ſind verpflichtet, in ihren Gemein⸗ den öffentlich und privatim die Lehren unſerer evangeliſch⸗proteſtantiſchen Religion, wie auch die heiligen Sacramente der Taufe und des Nacht“ mahls des HErrn rein und unverfälſcht zu lehren, und zwar nach dem Grund der Apoſtel und Pro⸗ pheten, wie ſie enthalten ſind in den heiligen Schriften Alten und Neuen Teſtaments (in wel⸗ chem IEſus Chriſtus der Eckſtein iſt) gemäß der ungeänderten Augsburgiſchen Confeſſion und den übrigen ſymboliſchen Büchern.““ Dieſe Conſti⸗ tution iſt offenbar nach dem Muſter der von Müh⸗ lenberg für die „„Vereinigten Evangeliſchen Ge⸗