Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 18 › Seite 140

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-05-11, Seite 140

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Bekenntnisſchriften 4 · Bekenntnisſchriften 13 · Lutheriſche Kirche 11

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die Wahrheit geſagt haben, weil es nicht kann

widerſprochen werden, daß ſie mit ſolchen ihren

Läſterungen unverſchämt gelogen haben, wider

ihr eigen Gewiſſen, und noch nicht büßen, ja ſich

in ihrer Bosheit rühmen.

Wohlan, es ſoll und kann niemand von den
Chriſten für die Schwärmer beten, noch ſich ihrer
annehmen. Sie ſind dahin gegeben und ſündigen
zum Tode (wie St. Johannes ſagte). Von den
Meiſtern rede ich; dem armen Volk, ſo unter ihnen
iſt, helfe der liebe HErr Chriſtus von ſolchen
Seelmördern. Sie ſind (ſage ich) hoch und oft
genug vermahnet, ſie wollen mein nicht; ſo will
ich ihr auch nicht: ſie haben nichts von mir (rüh⸗
men ſie), deß danke ich GOtt; ſo habe ich viel
weniger von ihnen, deß ſei GOtt gelobt. Laß
immer binfahren, was nicht bleiben will, es wird
ſich finden, hat ſich's nicht bereits allzu ſehr ge⸗

funden.

Erſtlich wurden ſie gewarnet, flugs im Aufang
von dem Heiligen Geiſt, da ſie wohl in ſieben
Geiſter ſich theileten, über dem Text, immer einer
anders, denn der andere.

Der erſte, Carlſtad, machte den Text alſo:
„das iſt mein Leib“, ſollte ſo viel heißen, hie ſitzt
mein Leib. Und der Text ſollte alſo ſtehen: „er
nahm das Brod, dankte und brach's, und gab's
ſeinen Jüngern und ſprach: hie ſitzt mein Leib,
der für euch gegeben wird.“ O, dieß war ſo ge⸗
wiß, daß nicht allein der Heilige Geiſt, ſondern der
himmliſche Vater ſelbſt hatte es ihm offenbaret;
davon ich wider die himmliſchen Propheten habe
genug geſchrieben.

Der andere, Zwingel, ſagte, ſolches wäre
nicht recht gemacht, unangeſehen daß der himmli⸗
ſche Vater ſelbſt hatte offenbaret. Und machte
den Text durch ſeinen andern Heiligen Geiſt alſo:
„Nehmet, eſſet“, das bedeutet meinen Leib, der für
euch gegeben wird. I ſt, mußte hie bedeutet
heißen.

Der dritte, Oecolampad, brachte den dritten
Heiligen Geiſt herfür, der machte den Text aber⸗
mal anders, nemlich alſo: „Nehmet, eſſet, das
iſt meines Leibes Zeichen.“

Der vierte, Stenkfeld, ließ ſich dünken, ſein
Stank wäre Theſem in aller Welt, brachte aus
dem vierten Heiligen Geiſt dieſe Regel: Man
muß dieſe Worte (das iſt mein Leib) aus den
Augen thun; denn ſie hindern den geiſtlichen
Verſtand. Dieſe Regel mußt du wohl merken,
willſt du ein Theologus werden, nemlich, wo die
hellen Wort GOttes deinen Verſtand hindern,
daß du einen andern ſucheſt, der dir gefalle, und
denn ſageſt, es ſei der Heilige Geiſt; darnach die
Worte ordneſt und deuteſt, wie dichs gut dünkt.
Als, hie mußt du zuerſt den hohen geiſtlichen
Verſtand faſſen, daß Brod Brod ſei, Wein Wein
ſei, welches kein Papiſt noch Luther jemals ver⸗
ſtanden hat, auch kein Bäcker noch Kretzmaier.
Und demnach den Text alſo machen, das hinterſte

„zu vörderſt ſetzen, nemlich: „nehmet hin, und
eſſet, mein Leib, der für euch gegeben wird, iſt
das“ (vernimm, eine geiſtliche Speiſe). Da haſt

du's, gehe nun hin und ſage, daß Stenkefeld nicht
den Heiligen Geiſt habe, weit über die drei oE-

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ligen Geiſter Carlſtad's, Zwingel's und Oeco⸗
lompad's.

Der fünfte Heiliger Geiſt, etliche ſeines Ge⸗
ſchmeißes und Unziefers, machen's alſo: Neh⸗
met, eſſet, was für euch gegeben wird, das iſt
mein Leib.“

Der ſechste Heiliger Geiſt machts alſo: „Neh⸗
met hin, eſſet, das iſt mein Leib, zum Gedächtniß.“
Sollte ſo viel ſein: „nehmet, eſſet, das iſt meines
Leibes Gedächtniß, (nominatiuum corpus, per
genitiuum corporis exponendo), der für euch
gegeben“ ꝛc.

Der ſiebente Heiliger Geiſt, Johann Cam⸗
panus, machts alfo: „Nehmet hin, eſſet, das iſt
mein Leib“, corpus scilicet panem. Sollt ſo
viel heißen: „Das Brod, ſo ich euch gebe, iſt
ein Leib oder Körper für ſich ſelbſt“, nicht mein
lebendiger, natürlicher Leib, ſondern ein todter,
lebloſer Leib, wie Stein und Holz ein Leib iſt.
Aber weil es meine Creatur iſt, ſo iſt's auch mein
Leib, den ich geſchaffen habe. Dies iſt der aller⸗
höheſte Heiliger Geiſt, wider und über die andern
alle, ohne daß er dem Bäcker die Ehre nimmt, der
dennoch auch etwas am Brode gemacht hat, und
GoOtt nicht das Brod, ſondern das Korn zum
Brod ſchafft.

Ueber dieſe ſchweifte umher noch ein übriger
Heiliger Geiſt (denn der Teufel iſt heilig und
ein großer Geiſt), der ſagt alſo: Es ſeie hie kein
Artikel des Glaubens, darum ſollte man nicht
darum zanken, ein jeder möchte hie glauben, was
er wollte. Dieſer Heiliger Geiſt dünkt mich ein
junger Heiliger Geiſt ſein, welchen der alte Hei⸗
lige Geiſt, Stenkefeld, geheckt und ausgebrütet
hat. Denn er hält fein die Regel Stenkefeld's,
und thut den Tert nicht allein aus den Augen,
ſondern wirft ihn hinter ſich weg, mit Glauben
und mit allem, wie eine taube Nuß, macht nichts
anders draus.

Dieſe Heilige Geiſter alleſammt, wie hart ſie
über dem Text uneins ſind, ſtimmen ſie doch zu⸗
ſammen in dem hohen geiſtlichen Sinn, daß Brod
— Brod, Wein — Wein ſei. Und wer ſolchen
hohen Verſtand nicht hat, der ſollte wohl irre
werden und glauben, daß Brod nicht Brod, ſon⸗
dern Holz oder Stein wäre, das wäre fährlich
Ding.

Alſo iſt das Abendmahl bei ihnen nichts an⸗
ders, denn ſonſt eine tägliche gemeine Mahlzeit,
da man Brod und Wein braucht: denn bei dem⸗
ſelben kann man von Chriſto reden, leſen, loben,
danken, und alſo geiſtlich eſſen, eben ſo wohl, als
im Abendmahl Chriſti. Und Chriſtus (nach der
Schwärmer Lehre) überaus ein großer Narr iſt,
da er ein ſonder Abendmahl ſtiftet, welches die
Welt zuvor voll, voll iſt, und täglich geſchieht.
Wäre gar genug geweſen, wo er alſo hätte ge⸗
ſagt: Wenn und wo ihr Brod eſſet und Wein
trinkt, ſo thuts zu meinem Gedächtniß; das wäre
ein völlig Abendmahl Chriſti, wie es die Schwär⸗
mer haben wollen. Gleichwie St. Paulus von
dem ganzen Leben ſpricht: „Was ihr thut, ſo
thut's im Namen des HErrn IEſu Chriſti, und
danket GOtt dem Vater durch ihn“, Coloſſ. 3,
17. Was iſt das anders, denn in allem unſerm

Thun ein geiſtlich Eſſen halten, das iſt, des
HErrn gedenken, und den Glauben ſtärken.
Alſo möchte mit der Zeit ein fein Geſellenzechen,
wie die Corinther anfingen, aus dem Abendmahl
werden.

(Fortſetzung folgt.)

Auszüge aus Profeſſor Reynold's in No. 865
des „Lutheran Observer“ enthalienem
Bekenntniß.

Herr Profeſſor S. S. Schmucker hatte in einer
Reihe von Aufſätzen im „Lutheran Observer“
Herrn Profeſſor Reynolds wegen ſeines angeb⸗
lichen Abfalls von dem wahren amerikaniſchen
Lutherthum hart angegriffen und zu zeigen ge⸗
ſucht, daß die amerikaniſch⸗lutheriſche Kirche nie
einen andern Standpunkt in der Lehre eingenom⸗
men habe, als auf welchem er (Schmucker) mit
der Generalſynode ſtehe, und daß, da die hieſigen
Lutheraner ſchan ſeit langen Zeiten, ja, von vorn⸗
herein die Unterſcheidungslehren der Intheriſchen
Kirche aufgegeben und ſich doch Lutheraner ge⸗
nannt hätten, er daher ſeines Abgehens vom ſym⸗
boliſch-lutheriſchen Lehrbegriff ungeachtet mit
vollkommenem Rechte ſich einen treuen Lutheraner
nennen könne. Hierauf gibt Herr Prof. Reynolds
in der oben bezeichneten Nummer des „Observer“
vom 5. April d. J. eine Erwiderung, wovon wir
unſern Leſern Einiges mittheilen, theils um den⸗
ſelben ein Zeugniß von dem Glauben Herrn
Prof. Reynolds' in die Hände zu geben, theils
um des wichtigen hiſtoriſchen Nachweiſes willen,
welchen derſelbe dafür gibt, daß die urſprüngliche
amerikaniſch⸗lutheriſche Kirche allerdings auf
Grund der ſämmtlichen ſymboliſchen Bücher
unſerer Kirche ſich einſt conſtituirt hat, daß daher
die Generalſynode und ihre Gönner mit Unrecht
ihren Abfall von der reinen Lehre aus der Zeit
jener ehrwürdigen Männer datiren, welche ſie
mit Recht als die Grundleger der amerikaniſch⸗
lutheriſchen Kirche verehren, wie eines Mühlen⸗
berg ꝛc. Herr Profeſſor Reynolds ſchreibt nach
einer von unſerem lieben Collegen, Herrn Rector
Gönner, für den „Lutheraner“ beſorgten Ueber⸗
ſetzung in der angezogenen Erwiderung u. a. Fol⸗
gendes:

„Ich glaube aufgefordert zu ſein, mich über
meine Stellung zu erklären:

„Ich werde nemlich beſchuldigt, meine Anſich⸗
ten geändert, und mich einer Richtung hingegeben
zu haben, welche man mit dem Namen „„Alt⸗
lutherthum““ zu brandmarken ſucht; und werde
gefragt, ob ich Willens ſei, auf dem „„Lehr⸗
grunde““ (doctrinal basis) der Generalſynode
ſtehen zu bleiben. Nun, ich bekenne unumwun⸗
den und freue mich ſagen zu können, daß ich
innerhalb der letzten zwei Jahre in Beziehung
auf mehrere ſehr wichtige Punkte meine Anſichten
geändert habe. Aber dieſe Veränderung hat mich
aus der lutheriſchen Kirche nicht herausgeworfen,
ſondern vielmehr in dieſelbe hineingeführt. Ich
habe nicht einen neuen Glauben angenommen,
ſondern den, den die Kirche ſtets bekannt hat; und
darum fühle ich mich dadurch nicht im Mindeſten

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