# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 05 11_S140 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) die Wahrheit geſagt haben, weil es nicht kann widerſprochen werden, daß ſie mit ſolchen ihren Läſterungen unverſchämt gelogen haben, wider ihr eigen Gewiſſen, und noch nicht büßen, ja ſich in ihrer Bosheit rühmen. Wohlan, es ſoll und kann niemand von den Chriſten für die Schwärmer beten, noch ſich ihrer annehmen. Sie ſind dahin gegeben und ſündigen zum Tode (wie St. Johannes ſagte). Von den Meiſtern rede ich; dem armen Volk, ſo unter ihnen iſt, helfe der liebe HErr Chriſtus von ſolchen Seelmördern. Sie ſind (ſage ich) hoch und oft genug vermahnet, ſie wollen mein nicht; ſo will ich ihr auch nicht: ſie haben nichts von mir (rüh⸗ men ſie), deß danke ich GOtt; ſo habe ich viel weniger von ihnen, deß ſei GOtt gelobt. Laß immer binfahren, was nicht bleiben will, es wird ſich finden, hat ſich's nicht bereits allzu ſehr ge⸗ funden. Erſtlich wurden ſie gewarnet, flugs im Aufang von dem Heiligen Geiſt, da ſie wohl in ſieben Geiſter ſich theileten, über dem Text, immer einer anders, denn der andere. Der erſte, Carlſtad, machte den Text alſo: „das iſt mein Leib“, ſollte ſo viel heißen, hie ſitzt mein Leib. Und der Text ſollte alſo ſtehen: „er nahm das Brod, dankte und brach's, und gab's ſeinen Jüngern und ſprach: hie ſitzt mein Leib, der für euch gegeben wird.“ O, dieß war ſo ge⸗ wiß, daß nicht allein der Heilige Geiſt, ſondern der himmliſche Vater ſelbſt hatte es ihm offenbaret; davon ich wider die himmliſchen Propheten habe genug geſchrieben. Der andere, Zwingel, ſagte, ſolches wäre nicht recht gemacht, unangeſehen daß der himmli⸗ ſche Vater ſelbſt hatte offenbaret. Und machte den Text durch ſeinen andern Heiligen Geiſt alſo: „Nehmet, eſſet“, das bedeutet meinen Leib, der für euch gegeben wird. I ſt, mußte hie bedeutet heißen. Der dritte, Oecolampad, brachte den dritten Heiligen Geiſt herfür, der machte den Text aber⸗ mal anders, nemlich alſo: „Nehmet, eſſet, das iſt meines Leibes Zeichen.“ Der vierte, Stenkfeld, ließ ſich dünken, ſein Stank wäre Theſem in aller Welt, brachte aus dem vierten Heiligen Geiſt dieſe Regel: Man muß dieſe Worte (das iſt mein Leib) aus den Augen thun; denn ſie hindern den geiſtlichen Verſtand. Dieſe Regel mußt du wohl merken, willſt du ein Theologus werden, nemlich, wo die hellen Wort GOttes deinen Verſtand hindern, daß du einen andern ſucheſt, der dir gefalle, und denn ſageſt, es ſei der Heilige Geiſt; darnach die Worte ordneſt und deuteſt, wie dichs gut dünkt. Als, hie mußt du zuerſt den hohen geiſtlichen Verſtand faſſen, daß Brod Brod ſei, Wein Wein ſei, welches kein Papiſt noch Luther jemals ver⸗ ſtanden hat, auch kein Bäcker noch Kretzmaier. Und demnach den Text alſo machen, das hinterſte „zu vörderſt ſetzen, nemlich: „nehmet hin, und eſſet, mein Leib, der für euch gegeben wird, iſt das“ (vernimm, eine geiſtliche Speiſe). Da haſt du's, gehe nun hin und ſage, daß Stenkefeld nicht den Heiligen Geiſt habe, weit über die drei oE- 139 ligen Geiſter Carlſtad's, Zwingel's und Oeco⸗ lompad's. Der fünfte Heiliger Geiſt, etliche ſeines Ge⸗ ſchmeißes und Unziefers, machen's alſo: Neh⸗ met, eſſet, was für euch gegeben wird, das iſt mein Leib.“ Der ſechste Heiliger Geiſt machts alſo: „Neh⸗ met hin, eſſet, das iſt mein Leib, zum Gedächtniß.“ Sollte ſo viel ſein: „nehmet, eſſet, das iſt meines Leibes Gedächtniß, (nominatiuum corpus, per genitiuum corporis exponendo), der für euch gegeben“ ꝛc. Der ſiebente Heiliger Geiſt, Johann Cam⸗ panus, machts alfo: „Nehmet hin, eſſet, das iſt mein Leib“, corpus scilicet panem. Sollt ſo viel heißen: „Das Brod, ſo ich euch gebe, iſt ein Leib oder Körper für ſich ſelbſt“, nicht mein lebendiger, natürlicher Leib, ſondern ein todter, lebloſer Leib, wie Stein und Holz ein Leib iſt. Aber weil es meine Creatur iſt, ſo iſt's auch mein Leib, den ich geſchaffen habe. Dies iſt der aller⸗ höheſte Heiliger Geiſt, wider und über die andern alle, ohne daß er dem Bäcker die Ehre nimmt, der dennoch auch etwas am Brode gemacht hat, und GoOtt nicht das Brod, ſondern das Korn zum Brod ſchafft. Ueber dieſe ſchweifte umher noch ein übriger Heiliger Geiſt (denn der Teufel iſt heilig und ein großer Geiſt), der ſagt alſo: Es ſeie hie kein Artikel des Glaubens, darum ſollte man nicht darum zanken, ein jeder möchte hie glauben, was er wollte. Dieſer Heiliger Geiſt dünkt mich ein junger Heiliger Geiſt ſein, welchen der alte Hei⸗ lige Geiſt, Stenkefeld, geheckt und ausgebrütet hat. Denn er hält fein die Regel Stenkefeld's, und thut den Tert nicht allein aus den Augen, ſondern wirft ihn hinter ſich weg, mit Glauben und mit allem, wie eine taube Nuß, macht nichts anders draus. Dieſe Heilige Geiſter alleſammt, wie hart ſie über dem Text uneins ſind, ſtimmen ſie doch zu⸗ ſammen in dem hohen geiſtlichen Sinn, daß Brod — Brod, Wein — Wein ſei. Und wer ſolchen hohen Verſtand nicht hat, der ſollte wohl irre werden und glauben, daß Brod nicht Brod, ſon⸗ dern Holz oder Stein wäre, das wäre fährlich Ding. Alſo iſt das Abendmahl bei ihnen nichts an⸗ ders, denn ſonſt eine tägliche gemeine Mahlzeit, da man Brod und Wein braucht: denn bei dem⸗ ſelben kann man von Chriſto reden, leſen, loben, danken, und alſo geiſtlich eſſen, eben ſo wohl, als im Abendmahl Chriſti. Und Chriſtus (nach der Schwärmer Lehre) überaus ein großer Narr iſt, da er ein ſonder Abendmahl ſtiftet, welches die Welt zuvor voll, voll iſt, und täglich geſchieht. Wäre gar genug geweſen, wo er alſo hätte ge⸗ ſagt: Wenn und wo ihr Brod eſſet und Wein trinkt, ſo thuts zu meinem Gedächtniß; das wäre ein völlig Abendmahl Chriſti, wie es die Schwär⸗ mer haben wollen. Gleichwie St. Paulus von dem ganzen Leben ſpricht: „Was ihr thut, ſo thut's im Namen des HErrn IEſu Chriſti, und danket GOtt dem Vater durch ihn“, Coloſſ. 3, 17. Was iſt das anders, denn in allem unſerm Thun ein geiſtlich Eſſen halten, das iſt, des HErrn gedenken, und den Glauben ſtärken. Alſo möchte mit der Zeit ein fein Geſellenzechen, wie die Corinther anfingen, aus dem Abendmahl werden. (Fortſetzung folgt.) Auszüge aus Profeſſor Reynold's in No. 865 des „Lutheran Observer“ enthalienem Bekenntniß. Herr Profeſſor S. S. Schmucker hatte in einer Reihe von Aufſätzen im „Lutheran Observer“ Herrn Profeſſor Reynolds wegen ſeines angeb⸗ lichen Abfalls von dem wahren amerikaniſchen Lutherthum hart angegriffen und zu zeigen ge⸗ ſucht, daß die amerikaniſch⸗lutheriſche Kirche nie einen andern Standpunkt in der Lehre eingenom⸗ men habe, als auf welchem er (Schmucker) mit der Generalſynode ſtehe, und daß, da die hieſigen Lutheraner ſchan ſeit langen Zeiten, ja, von vorn⸗ herein die Unterſcheidungslehren der Intheriſchen Kirche aufgegeben und ſich doch Lutheraner ge⸗ nannt hätten, er daher ſeines Abgehens vom ſym⸗ boliſch-lutheriſchen Lehrbegriff ungeachtet mit vollkommenem Rechte ſich einen treuen Lutheraner nennen könne. Hierauf gibt Herr Prof. Reynolds in der oben bezeichneten Nummer des „Observer“ vom 5. April d. J. eine Erwiderung, wovon wir unſern Leſern Einiges mittheilen, theils um den⸗ ſelben ein Zeugniß von dem Glauben Herrn Prof. Reynolds' in die Hände zu geben, theils um des wichtigen hiſtoriſchen Nachweiſes willen, welchen derſelbe dafür gibt, daß die urſprüngliche amerikaniſch⸗lutheriſche Kirche allerdings auf Grund der ſämmtlichen ſymboliſchen Bücher unſerer Kirche ſich einſt conſtituirt hat, daß daher die Generalſynode und ihre Gönner mit Unrecht ihren Abfall von der reinen Lehre aus der Zeit jener ehrwürdigen Männer datiren, welche ſie mit Recht als die Grundleger der amerikaniſch⸗ lutheriſchen Kirche verehren, wie eines Mühlen⸗ berg ꝛc. Herr Profeſſor Reynolds ſchreibt nach einer von unſerem lieben Collegen, Herrn Rector Gönner, für den „Lutheraner“ beſorgten Ueber⸗ ſetzung in der angezogenen Erwiderung u. a. Fol⸗ gendes: „Ich glaube aufgefordert zu ſein, mich über meine Stellung zu erklären: „Ich werde nemlich beſchuldigt, meine Anſich⸗ ten geändert, und mich einer Richtung hingegeben zu haben, welche man mit dem Namen „„Alt⸗ lutherthum““ zu brandmarken ſucht; und werde gefragt, ob ich Willens ſei, auf dem „„Lehr⸗ grunde““ (doctrinal basis) der Generalſynode ſtehen zu bleiben. Nun, ich bekenne unumwun⸗ den und freue mich ſagen zu können, daß ich innerhalb der letzten zwei Jahre in Beziehung auf mehrere ſehr wichtige Punkte meine Anſichten geändert habe. Aber dieſe Veränderung hat mich aus der lutheriſchen Kirche nicht herausgeworfen, ſondern vielmehr in dieſelbe hineingeführt. Ich habe nicht einen neuen Glauben angenommen, ſondern den, den die Kirche ſtets bekannt hat; und darum fühle ich mich dadurch nicht im Mindeſten