Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 17 › Seite 135

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-04-27, Seite 135

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht

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Verbot der Könige und der Staaten, theils wegen
des Sinkens des römiſchen Reiches, da unſer
ganzer Welttheil von den Kriegen, Plünderungen
und Verwüſtungen der Gothen, Vandalen, Hun⸗
nen, Longobarden, ſowie auswärtiger Völker
heimgeſucht wurde, und da das Wachsthum des
türkiſchen Reiches alle Kräfte und Gedanken
Europa's in Anſpruch nahm. Es iſt daher
wahrſcheinlich, daß die apoſtoliſche Verkündigung
des Evangeliums ſchon vor Zeiten in jene Orte
gedrungen ſei, da Paulus Col. 1, 23., Röm. 10,
18. bezeugt: das Evangelium ſei gepredigt unter
aller Creatur, die unter dem Himmel iſt, und da
zu den erſten Zeiten der chriſtlichen Kirche kein
Volk bekannt war, zu welchem nicht der Schall
der evangeliſchen Predigt gelangte. Juſtinus
ſchreibt in Dial. cum Pryph., pag. 270: „daß
es auf Erden kein Volk gäbe, welchem nicht zu
der Zeit der Name Chriſti bekannt geworden ſei“.
Tertullianus erwähnt adv. Jud., c. 3.: „An
Chriſtum glaubten verſchiedene Stämme der Ge⸗
tuler, viele Länder der Mauren, die den Römern
noch unzugänglichen Gebiete der Britannier, der
Sarmaten, der Dacier, der Germanen, der Scy⸗
then, vieler entfernter Völker, Provinzen und vie⸗
ler uns unbekannten Inſeln, die man nicht alle
zählen könne.“ Hieronymus in cap. 24. Matth.:
„Ich glaube nicht, daß ein Volk geblieben ſei,
welches Chriſti Namen nicht kenne.“ Ambroſius
in c. 10. Rom.: „Die Predigt des chriſtlichen
Namens iſt überall gehört und an jeden Ort ge⸗
drungen.“ Denn wo „die Gegenwart des Pre⸗
digers fehlt, dahin dringt doch der Schall und
das Gerücht“. Dasſelbe bezeugen Irenäus,
Chryſoſtomus, Auguſtinus, weßhalb die Spanier
auch in jenem neuen Welttheile einige dunkele
Spuren des vor Zeiten eingeführten Chriſten⸗
thums gefunden haben. Der Geſchichtsſchreiber
Petrus Martyr berichtet: „man habe geſehen, daß
einige amerikaniſche Prieſter im Reiche Mexiko,
oberhalb Dario, einjährige Knaben und Mädchen
in den Tempeln mit Waſſer tauften, welches mit
einem Krüglein auf ein Kreuz geſetzt ſei“. Mit
der Taufe verbinden ſie die Beſchneidung, welches
ein Beweis iſt, daß die chriſtliche Religion einſt
von den Aethiopiern nach Amerika gebracht wurde,
da auch jene dieſe jüdiſche Ceremonie mit dem
Sacramente der Taufe verbinden. Johannes
Lerius erwähnt von den Braſilianern, daß ſie der
Unſterblichkeit der Seelen beipflichten. Er be⸗
richtet auch, er habe zu ihnen einmal geredet von
der wahren Verehrung Gottes, von der Schö⸗
pfung der Welt, vom Fall und Verderben des
menſchlichen Geſchlechtes und von andern Haupt⸗
ſtücken der chriſilichen Religion, und nachdem ſie
dieſem länger als zwei Stunden mit großer Auf⸗
merkſamkeit und Verwunderung zugehört hätten,
ſo habe endlich einer von den Greiſen geantwortet:
„er wiſſe aus dem Berichte der Vorfahren, daß
ſchon in uralten Zeiten und vor ſehr vielen Jahren
ein Menſch, nach unſerer Sitte bekleidet und den
Bart tragend, in ihr Land gekommen ſei, welcher
mit einer ähnlichen Rede ſie zum Gehorſam gegen
Gott zu bewegen geſucht habe: da aber ihre Vor⸗
fahren demſelben keinen Glauben geſchenkt hätten,

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ſo ſei bald darauf ein anderer gefolgt, welcher
ihnen ein Schwert als Zeichen des Fluches über⸗
geben, ſeit der Zeit hätten beſtändig Krieg und
Uneinigkeit unter ihnen geherrſcht“. Von den
Peruanern ſchreibt Hieronymus Lenzo lib. 3. e.
20., daß auch ſie eine Unſterblichkeit der Seele
glaubten, und fügt aus ſpaniſchen Schriftſiellern
hinzu: „daß die Peruaner glauben, in alten Zei⸗
ten habe eine ungeheure Ueberſchwemmung der
Erde ſtattgefunden, in der alle Menſchen unter⸗
gegangen ſeien, mit Ausnahme Weniger, die ſich
in den Höhlen der höchſten Berge verborgen hät⸗
ten und ſo dem allgemeinen Schickſale entgangen
wären. Ferner glauben ſie, daß die Welt einſt
vergehen würde durch ungeheure Dürre und Ver⸗
brennung der Luft, wodurch ſelbſt die Sonne und
der Mond verſchlungen würde: ſie glauben eine
Auferſtehung der Todten“. Joh. Gerhard. Loc.
theol. tom. 5. pag. 971 sqq.

—
*

Profeſſor Wm. M. Reynolds, das Columbus⸗
Seminar und das „Evangelical Review“.

Aus dem „Lutheran Standard“ erſehen wir,
daß dem theologiſchen Seminar zu Columbus,
Ohio, eine völlige Umgeſtaltung bevorſteht. Die
demſelben bisher zugehörigen Grundſtücke ſind
verkauft und beſſer gelegene angekauft worden.
Die Vorbereitungsanſtalt ſoll von dem Seminar
getrennt und in eine allgemeine literariſche An⸗
ſtalt oder Gelehrtenſchule verwandelt werden, in
welcher die Zöglinge die Vorbildung zu jeder Fa⸗
cultätswiſſenſchaft erhalten können; und endlich
ſoll die theologiſche Anſtalt mit denen zum Stu⸗
dium der allgemeinen Wiſſenſchaften, der Juris⸗
prudenz und Medizin zu einer Geſammt-Hoch⸗
ſchule (Univerſität) verbunden werden, doch ſo,
daß eine jede dieſer Facultäten in ihrem Departe⸗
ment völlig unabhängig daſteht. Die ſo ver⸗
einigten Anſtalten ſollen den Namen „Capital
University“ tragen. In einer am 7. vorigen
Monats gehaltenen Verſammlung der Directoren
des Seminars und der Truſtees der Univerſität
iſt der Ehrw. Wm. M. Neynolds, Profeſſor im
Pennſylvania College zu Gettysburg, einſtimmig
zum Präſidenten der Univerſität erwählt worden.
Dieſen Ruf hat Profeſſor Reynolds angenommen
und ſelbiger wird, ſo bald der gegenwärtige halb—
jährige Curſus in dem Gettysburger Inſtitut ge⸗
ſchloſſen iſt, das ihm übertragene Amt antreten.
Wir zweifeln nicht, daß alle Freunde der Wiſſen⸗
ſchaft überhaupt und unſerer Kirche insbeſondere
dieſe Nachricht mit groͤßer Freude vernehmen wer⸗
den. Herr Profeſſor Reynolds hat ſich nicht nur
als einen Mann von gediegener Gelehrſamkeit,
ſondern zugleich, inſonderheit in der letzten Zeit,
als einen mit unſerer Kirche und ihrem Bekennt⸗
niſſe es treu meinenden Lehrer erwieſen, ſo daß
wir die Erwählung dieſes theuren Mannes zur
Bekleidung eines ſo hohen und wichtigen Poſtens
als einen Sieg der guten Sache unſerer Kirche
hier von Herzen begrüßen. Zum Belege, daß wir
hierzu guten Grund haben, gedenken wir in näch⸗
ſter Nummer einen Auszug aus einer Entgeg⸗
nung zu geben, welche Herr Profeſſor Reynolds

gegen die Angriffe ſeines damaligen Collegen,
Profeſſor Dr. Schmucker's, auf die Bekennmiſſe
unſerer Kirche in den neueſten Nummern des
„Lutheran Observer“ veröffentlicht hat.

In Betreff des „Evangelical Review“ ha⸗
ben wir unſern Leſern zu berichten, daß zwar Hr.
Profeſſor Reynolds noch ferner daran arbeiten,

vom 1. Mai d. J. an aber das Geſchäft der Re⸗

daction dieſer Vierteljahrsſchrift in die Hände
Hrn. Dr. Krauths, Präſidenten des Pennſylvania

College, legen wird, daher alle das „Reviex“

betreffende ſchriftliche Mittheilungen von jenem
Tag an an letztgenannten (ebenfalls nach Get⸗
tysburg) zu richten ſind. Herr Profeſſor Rey⸗
nolde verſichert, daß durch dieſen Editorwechſel
die Zeitſchrift keine Aenderung in Plan und
Charakter erleiden werde, und meldet zugleich, daß
die zweite Auflage der erſten Nummer die Preſſe
verlaſſen hat.

(Eingeſandt.)
Piä tb ſt e.

Benno erzählt, daß fünf Päbſte ſich ganz dem
Satan übergeben hätten, um zum päbſtlichen
Stuhl zu gelangen, nemlich Sylveſter der Zweite,
Benedictus der Neunte, Johannes der Zwanzigſte,
Johannes der Einundzwanzigſte, Gregorius der
Siebente. Nauclerus und Platina bezeugen, alle
Päbſte von Sylveſter dem Zweiten bis zu Gie⸗
gorius dem Siebenten, dieſen miteingeſchloſſen, ſeien
Zauberer geweſen. Als Alexander der Sechste
aus Verſehen das Gift ausgetrunken hatte, wel⸗
ches auf ſeinen Befehl einigen Vornehmen hatte
vorgeſetzt werden ſollen, und er tödtlich erkrankt
einen Diener nach Modena in ſein Zimmer ſandte,
um ein vergoldetes Zauberbuch zu holen, damit
er den Teufel um das Ende ſeines Lebens be⸗
fragte: fand der Diener den Satan auf dem
päbſtlichen Stuhle ſitzend und mit der päbſtlichen
Kleidung angethan, und hörte ihn ſagen: „Ich
bin der Pabſt.“ In der That ein ausgezeichneter
Lenker des päbſtlichen Stuhles! Joh. Gerhard.
loc. th. tom. V. pag. 998.

Beſtrafte Treulofigkeit.

Der Pabſt Eugen ius und der Cardinal Julia⸗
nus bewogen den König Wladislaus von Ungarn,
daß er den mit dem Türkiſchen Könige Amurad II.
geſchloſſenen zehnjährigen Waffenſtillſtand aufhob,
indem er denſeiben mit Krieg überzog und ſo ſein
gegebenes Verſprechen brach. Als man von bei⸗
den Seiten handgemein geworden war und mit
furchtbarer Erbitterung gekämpft wurde, begann
die Türkiſche Schlachtlinie zu weichen und ſich zur
Flucht zu wenden. Indem Amurad, faſt außer
ſich vor Verzweiflung, dieſes erblickte, ſchrie er das
Bild des gekreuzigten IEſu im Heere der Chriſten
mit laͤuter Stimme an: „Gekreuzigter, wenn Du
Gott biſt, ſo räche die Treuloſigkeit Deines Volkes,
welches den in Deinem Namen geſchworenen Eid
ſo ſchändlich bricht.“ Bald darauf wandte ſich
das Glück, das Heer der Chriſten wurde nieder⸗
gehauen, der König ſelbſt in der Schlacht vom

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