# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 04 27_S135 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Verbot der Könige und der Staaten, theils wegen des Sinkens des römiſchen Reiches, da unſer ganzer Welttheil von den Kriegen, Plünderungen und Verwüſtungen der Gothen, Vandalen, Hun⸗ nen, Longobarden, ſowie auswärtiger Völker heimgeſucht wurde, und da das Wachsthum des türkiſchen Reiches alle Kräfte und Gedanken Europa's in Anſpruch nahm. Es iſt daher wahrſcheinlich, daß die apoſtoliſche Verkündigung des Evangeliums ſchon vor Zeiten in jene Orte gedrungen ſei, da Paulus Col. 1, 23., Röm. 10, 18. bezeugt: das Evangelium ſei gepredigt unter aller Creatur, die unter dem Himmel iſt, und da zu den erſten Zeiten der chriſtlichen Kirche kein Volk bekannt war, zu welchem nicht der Schall der evangeliſchen Predigt gelangte. Juſtinus ſchreibt in Dial. cum Pryph., pag. 270: „daß es auf Erden kein Volk gäbe, welchem nicht zu der Zeit der Name Chriſti bekannt geworden ſei“. Tertullianus erwähnt adv. Jud., c. 3.: „An Chriſtum glaubten verſchiedene Stämme der Ge⸗ tuler, viele Länder der Mauren, die den Römern noch unzugänglichen Gebiete der Britannier, der Sarmaten, der Dacier, der Germanen, der Scy⸗ then, vieler entfernter Völker, Provinzen und vie⸗ ler uns unbekannten Inſeln, die man nicht alle zählen könne.“ Hieronymus in cap. 24. Matth.: „Ich glaube nicht, daß ein Volk geblieben ſei, welches Chriſti Namen nicht kenne.“ Ambroſius in c. 10. Rom.: „Die Predigt des chriſtlichen Namens iſt überall gehört und an jeden Ort ge⸗ drungen.“ Denn wo „die Gegenwart des Pre⸗ digers fehlt, dahin dringt doch der Schall und das Gerücht“. Dasſelbe bezeugen Irenäus, Chryſoſtomus, Auguſtinus, weßhalb die Spanier auch in jenem neuen Welttheile einige dunkele Spuren des vor Zeiten eingeführten Chriſten⸗ thums gefunden haben. Der Geſchichtsſchreiber Petrus Martyr berichtet: „man habe geſehen, daß einige amerikaniſche Prieſter im Reiche Mexiko, oberhalb Dario, einjährige Knaben und Mädchen in den Tempeln mit Waſſer tauften, welches mit einem Krüglein auf ein Kreuz geſetzt ſei“. Mit der Taufe verbinden ſie die Beſchneidung, welches ein Beweis iſt, daß die chriſtliche Religion einſt von den Aethiopiern nach Amerika gebracht wurde, da auch jene dieſe jüdiſche Ceremonie mit dem Sacramente der Taufe verbinden. Johannes Lerius erwähnt von den Braſilianern, daß ſie der Unſterblichkeit der Seelen beipflichten. Er be⸗ richtet auch, er habe zu ihnen einmal geredet von der wahren Verehrung Gottes, von der Schö⸗ pfung der Welt, vom Fall und Verderben des menſchlichen Geſchlechtes und von andern Haupt⸗ ſtücken der chriſilichen Religion, und nachdem ſie dieſem länger als zwei Stunden mit großer Auf⸗ merkſamkeit und Verwunderung zugehört hätten, ſo habe endlich einer von den Greiſen geantwortet: „er wiſſe aus dem Berichte der Vorfahren, daß ſchon in uralten Zeiten und vor ſehr vielen Jahren ein Menſch, nach unſerer Sitte bekleidet und den Bart tragend, in ihr Land gekommen ſei, welcher mit einer ähnlichen Rede ſie zum Gehorſam gegen Gott zu bewegen geſucht habe: da aber ihre Vor⸗ fahren demſelben keinen Glauben geſchenkt hätten, 134 ſo ſei bald darauf ein anderer gefolgt, welcher ihnen ein Schwert als Zeichen des Fluches über⸗ geben, ſeit der Zeit hätten beſtändig Krieg und Uneinigkeit unter ihnen geherrſcht“. Von den Peruanern ſchreibt Hieronymus Lenzo lib. 3. e. 20., daß auch ſie eine Unſterblichkeit der Seele glaubten, und fügt aus ſpaniſchen Schriftſiellern hinzu: „daß die Peruaner glauben, in alten Zei⸗ ten habe eine ungeheure Ueberſchwemmung der Erde ſtattgefunden, in der alle Menſchen unter⸗ gegangen ſeien, mit Ausnahme Weniger, die ſich in den Höhlen der höchſten Berge verborgen hät⸗ ten und ſo dem allgemeinen Schickſale entgangen wären. Ferner glauben ſie, daß die Welt einſt vergehen würde durch ungeheure Dürre und Ver⸗ brennung der Luft, wodurch ſelbſt die Sonne und der Mond verſchlungen würde: ſie glauben eine Auferſtehung der Todten“. Joh. Gerhard. Loc. theol. tom. 5. pag. 971 sqq. — * Profeſſor Wm. M. Reynolds, das Columbus⸗ Seminar und das „Evangelical Review“. Aus dem „Lutheran Standard“ erſehen wir, daß dem theologiſchen Seminar zu Columbus, Ohio, eine völlige Umgeſtaltung bevorſteht. Die demſelben bisher zugehörigen Grundſtücke ſind verkauft und beſſer gelegene angekauft worden. Die Vorbereitungsanſtalt ſoll von dem Seminar getrennt und in eine allgemeine literariſche An⸗ ſtalt oder Gelehrtenſchule verwandelt werden, in welcher die Zöglinge die Vorbildung zu jeder Fa⸗ cultätswiſſenſchaft erhalten können; und endlich ſoll die theologiſche Anſtalt mit denen zum Stu⸗ dium der allgemeinen Wiſſenſchaften, der Juris⸗ prudenz und Medizin zu einer Geſammt-Hoch⸗ ſchule (Univerſität) verbunden werden, doch ſo, daß eine jede dieſer Facultäten in ihrem Departe⸗ ment völlig unabhängig daſteht. Die ſo ver⸗ einigten Anſtalten ſollen den Namen „Capital University“ tragen. In einer am 7. vorigen Monats gehaltenen Verſammlung der Directoren des Seminars und der Truſtees der Univerſität iſt der Ehrw. Wm. M. Neynolds, Profeſſor im Pennſylvania College zu Gettysburg, einſtimmig zum Präſidenten der Univerſität erwählt worden. Dieſen Ruf hat Profeſſor Reynolds angenommen und ſelbiger wird, ſo bald der gegenwärtige halb— jährige Curſus in dem Gettysburger Inſtitut ge⸗ ſchloſſen iſt, das ihm übertragene Amt antreten. Wir zweifeln nicht, daß alle Freunde der Wiſſen⸗ ſchaft überhaupt und unſerer Kirche insbeſondere dieſe Nachricht mit groͤßer Freude vernehmen wer⸗ den. Herr Profeſſor Reynolds hat ſich nicht nur als einen Mann von gediegener Gelehrſamkeit, ſondern zugleich, inſonderheit in der letzten Zeit, als einen mit unſerer Kirche und ihrem Bekennt⸗ niſſe es treu meinenden Lehrer erwieſen, ſo daß wir die Erwählung dieſes theuren Mannes zur Bekleidung eines ſo hohen und wichtigen Poſtens als einen Sieg der guten Sache unſerer Kirche hier von Herzen begrüßen. Zum Belege, daß wir hierzu guten Grund haben, gedenken wir in näch⸗ ſter Nummer einen Auszug aus einer Entgeg⸗ nung zu geben, welche Herr Profeſſor Reynolds gegen die Angriffe ſeines damaligen Collegen, Profeſſor Dr. Schmucker's, auf die Bekennmiſſe unſerer Kirche in den neueſten Nummern des „Lutheran Observer“ veröffentlicht hat. In Betreff des „Evangelical Review“ ha⸗ ben wir unſern Leſern zu berichten, daß zwar Hr. Profeſſor Reynolds noch ferner daran arbeiten, vom 1. Mai d. J. an aber das Geſchäft der Re⸗ daction dieſer Vierteljahrsſchrift in die Hände Hrn. Dr. Krauths, Präſidenten des Pennſylvania College, legen wird, daher alle das „Reviex“ betreffende ſchriftliche Mittheilungen von jenem Tag an an letztgenannten (ebenfalls nach Get⸗ tysburg) zu richten ſind. Herr Profeſſor Rey⸗ nolde verſichert, daß durch dieſen Editorwechſel die Zeitſchrift keine Aenderung in Plan und Charakter erleiden werde, und meldet zugleich, daß die zweite Auflage der erſten Nummer die Preſſe verlaſſen hat. (Eingeſandt.) Piä tb ſt e. Benno erzählt, daß fünf Päbſte ſich ganz dem Satan übergeben hätten, um zum päbſtlichen Stuhl zu gelangen, nemlich Sylveſter der Zweite, Benedictus der Neunte, Johannes der Zwanzigſte, Johannes der Einundzwanzigſte, Gregorius der Siebente. Nauclerus und Platina bezeugen, alle Päbſte von Sylveſter dem Zweiten bis zu Gie⸗ gorius dem Siebenten, dieſen miteingeſchloſſen, ſeien Zauberer geweſen. Als Alexander der Sechste aus Verſehen das Gift ausgetrunken hatte, wel⸗ ches auf ſeinen Befehl einigen Vornehmen hatte vorgeſetzt werden ſollen, und er tödtlich erkrankt einen Diener nach Modena in ſein Zimmer ſandte, um ein vergoldetes Zauberbuch zu holen, damit er den Teufel um das Ende ſeines Lebens be⸗ fragte: fand der Diener den Satan auf dem päbſtlichen Stuhle ſitzend und mit der päbſtlichen Kleidung angethan, und hörte ihn ſagen: „Ich bin der Pabſt.“ In der That ein ausgezeichneter Lenker des päbſtlichen Stuhles! Joh. Gerhard. loc. th. tom. V. pag. 998. Beſtrafte Treulofigkeit. Der Pabſt Eugen ius und der Cardinal Julia⸗ nus bewogen den König Wladislaus von Ungarn, daß er den mit dem Türkiſchen Könige Amurad II. geſchloſſenen zehnjährigen Waffenſtillſtand aufhob, indem er denſeiben mit Krieg überzog und ſo ſein gegebenes Verſprechen brach. Als man von bei⸗ den Seiten handgemein geworden war und mit furchtbarer Erbitterung gekämpft wurde, begann die Türkiſche Schlachtlinie zu weichen und ſich zur Flucht zu wenden. Indem Amurad, faſt außer ſich vor Verzweiflung, dieſes erblickte, ſchrie er das Bild des gekreuzigten IEſu im Heere der Chriſten mit laͤuter Stimme an: „Gekreuzigter, wenn Du Gott biſt, ſo räche die Treuloſigkeit Deines Volkes, welches den in Deinem Namen geſchworenen Eid ſo ſchändlich bricht.“ Bald darauf wandte ſich das Glück, das Heer der Chriſten wurde nieder⸗ gehauen, der König ſelbſt in der Schlacht vom 7