Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 17 › Seite 134

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-04-27, Seite 134

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch. 9197⁷ · Unzucht · Papſttum 140 · Papfttum

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das Gebet in IEſu Namen, die Thrä—
nen. Ein jeder, auch nur verſteckter, verklei⸗
deter Zwang erbittert nur die Gemüther; hier
muß Freiheit herrſchen, die Freiheit, die in
dem weltlichen Reiche blos auf dem Papiere ſteht,
in Chriſti Reiche allein zur That wird. Ein

Chriſtenthum, das durch Polizeidiener oder
Schergen geſchützt oder aufrecht erhalten werden
ſoll, iſt kein Chriſtenthum, ſondern ein Gott
Mäuſim im Heiligthume (Dan. 11, 38. 39.);
wo aber wilde Nacken gebändigt und gebeugt
werden ſollen, da übernimmt der Heilige Geiſt
die Zucht, und das Wort gibt das Fleiſch zum
Verderben, auf daß die Seele gerettet werde zum
Tage Chriſti (1 Cor. 5, 5.). Obenan unter allen
Kirchenwaffen ſteht die heilige, durchdringende,
mächtig waltende Kraft der Wahrheit im
Zeugniſſe; denn was wäre ohne dieſe Wahr⸗
heit unſer Gebet und unſere Bitte anders als ein
Mundeshauch, unſere Thränen anders als die
erheuchelten einer Hure, die für Geld feil iſt?
Da aber kommt nun das Wunderliche, ſcheinbar
Widerſprechende zum Vorſchein, daß gerade das
mitleidsvolle Herz IEſu die Waffen ſcharf und
immer ſchärfer macht. Da hört man, daß ein
Apoſtel, der ſogar für ſeine Brüder dem Fleiſche
nach verbannt zu ſein wünſchte von Chriſto (Röm.
9, 3.), ein Anathema über alle und über ſich ſelbſt
herabruft, wenn ſie oder jemand, und wäre es
auch ein Engel vom Himmel, das Evangelium
anders predigen wollte, als es von Anfang gepre⸗
vigt war (Gal. 1, 8.). Da hört man den von
Liebe glühenden Johannes (ſo hatte der Liebes⸗
zorn, den er hier im Anfange zeigt, ſich bei ihm
verklärt) die Grenzlinien ſo ſcharf ziehen, daß es
bei ihm heißt: „Wer den Sohn Gottes
hat, der hat das Leben; wer den Sohn
Gottes nicht hat, der hat das Leben
nicht (1 Joh. 5, 12.). Daran wird es of⸗
fenbar, welche die Kinder Gottes und
die Kinder des Teufels ſind; wer nicht
recht thut, der iſt nicht von Gott, und
wer nicht ſeinen Bruder lieb hat
(1 Joh. 3, 10.). Ja ſo iſt es, die Waffen des
Zeugniſſes der Wahrheit ſind ſo ſcharf, weil die
Liebe Chriſti und das Mitleid mit den Verirrten
das Herz bewegen, machtvolle Waffen, geſchmie⸗
det aus dem feſteſten Stahl, der nimmer abbiegt,
und noch dazu täglich geſchärft wird am Worte
ſelbſt. Und Niemand kann ſie führen, der nicht
zuvor ſelbſt die Schärfe derſelben empfunden
hat, durch deſſen Seele nicht das Schwert ge⸗
gangen iſt, von welchem der Apoſtel ſchreibet:
Das Wort Gottes iſt lebendig und
kräftig und ſchärfer, denn kein zwei⸗
ſchneidig Schwert, und durchdringet,
bis daß es ſcheidet Seele und Geiſt
und Mark und Bein, und iſt ein Rich⸗
ter der Gedanken und Sinne des Her⸗
zens (Hebr. 4, 12.). Das iſt die rechte Barm⸗
herzigkeit, das rechte Mitleid mit der Seele,
ſowie es hingegen die größte Unbarmherzig—
keit iſt, wenn ein Menſch ſich zum Lehrer auf—
wirft und das Wort verkündiget, von dem er
ſelbſt nicht weiß, ob es gewiß iſt, oder wenn ein

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ſolcher nicht fragt nach der rechten Seelenſpeiſe,
dem Worte des Lebens, wenn es ihm ein Gerin⸗
ges dünkt, ob er auch den Glauben der Gemeine
in ihrem Grunde und Weſen antaſte, als ob er
der Herr darüber wäre. Wo aber die Wahrheits⸗
waffe in ihrer Schärfe recht gebraucht wird, da
kann das mitleidsvolle Herz IEſu in ſeinen Jün⸗
gern bei ihrer Bitte, ihrem Gebete, ihren Thränen
ſich nicht verbergen. Ihre Bitte wird wie eine
Bitte Chriſti ſelbſt, ihr Gebet in ſeinem Namen
ein erhörliches, ihre gottſeligen Thränen ein Lie⸗
besfeuer, welches das wilde Feuer der Herzen
dämpft. Wo alles dieſes nichts verfängt, da
zeigt uns der HErr, was wir thun ſollen. Er
ging von einem Markte Samariens in den an⸗
dern, ſowie er ſeinen Jüngern, als er ſie aus⸗
ſandte, befohlen hatte: „Wo euch Jem and
nicht annehmen, noch eure Rede hören
wird, ſo gehet heraus von demſelbigen
Hauſe oder Stadt und ſchüttelt den
Staub von euren Füßen.“ (Matth. 10,
14.) Die Wahrheit weicht lieber, als daß ſie je
ihre Waffen vertauſche; ſie ſind ihr von Gott in
die Hand gelegt. — Dr. A. G. Rudelbach. Kir⸗
chenſpiegel, S. 432 ff.

4*
*

Die ſämmtlichen Urmelodien zu dem „Kirchen⸗
geſangbuch für evang.⸗lutheriſche Gemeinden
ungeänderter Augsburgiſcher Confeſſion“.
Geſammelt von F. Hoddick, Organiſt.

Vor einigen Tagen iſt uns ein alſo betiteltes
Melodienbüchlein zu dem von der hieſigen Ge⸗
meinde herausgegebenen Geſangbuch durch die
Güte des Herrn Verlegers Koch & Co. (New
Nork, William Straße Nr. 160) zugekommen.
Dasſelbe enthält alle zu unſerm Geſangbuch nö⸗
thige, wenn auch nicht ſämmtliche Grund⸗-Melo⸗
dien, mit Ausnahme von folgenden fünf Geſän⸗
gen in Proſa: Nr. 7. Kyrie. 96. Alſo heilig.
133. Komm, Heiliger Geiſt, erfüll'. 147. Jeſaja,
dem Propheten. 368. Litanei; welche fehlenden
wohl in den meiſten Gemeinden nicht vermißt
werden. Das Ganze umfaßt 141 Grundmelo⸗
dien, darunter ſich ohngefähr 28 als Zugabe be⸗
finden, welche zu Liedern gehören, die unſer Ge⸗
ſangbuch nicht enthält, unter andern die Melodie
zu dem herrlichen Liede: Jeruſalem, du hoch⸗
gebante Stadt. Die Noten ſind im Violinſchlüſſel
gegeben. Zur Bequemlichkeit iſt ein Regiſter
vorgeſetzt, welches zu jeder Nummer des Liedes
im Geſangbuch die Nummer der Melodie im
Büchlein angibt. Die Ausſtattung, Druck, Pa⸗
pier, Einband ꝛc. iſt vortrefflich und der Preis ſo
niedrig, als er nur ſein kann (184 Cts., 3 12
St. P1.20, à 100 St. 58 00). Zu haben iſt
das Büchlein außer in der oben bezeichneten Ver⸗
lagshandlung in allen deutſchen Buchhandlungen
in den Vereinigten Staaten. Wir zweifeln nicht,
daß hiermit dem Bedürfniß vieler Gemeinden,
welche unſer Geſangbuch eingeführt haben, ent⸗
ſprochen und abgeholfen iſt, und daß viele die
Arbeit Herrn Hoddick's mit Dank gebrauchen
werden; wir fürchten jedoch, daß der Abſatz des
Werkleins geringer ſein dürfte, als er unter an⸗

dern Umſtänden ſein würde. In den Gemeinden
nemlich, in welchen unſer Geſangbuch gebraucht
wird, und zwar gerade in den an Gliedern zahl⸗
reichſten, verſchafft ſich der Choralgeſang in ſeinen
urſprünglichen Tönen und Rhythmen immer mehr
Eingang; und wir ſind feſt überzeugt: gibt Gott
ferner Gnade, daß der alte lutheriſche Glaube
mehr und mehr in unſern Gemeinden erwacht, ſo
werden dieſe Gemeinden auch mehr und mehr der
mit der Glaubenserſterbung in die Kirche ein⸗
gedrungenen und mit dem Rationalismus in der⸗
ſelben herrſchend gewordenen neuen ſchleppenden,

leeren, todten Singweiſe herzlich müde werden

und den alten urſprünglichen, in ausdrucksvollem
Takte daher ſchreitenden, glaubenslebendigen Kir⸗
chengeſang des 16. und 17. Jahrhunderts mit
ſeinen eigenthümlichen kirchlichen Tonarten an⸗
nehmen. Wir hoffen dies um ſo zuverſichtlicher,
da Hr. Dr. Layriz bei Beſorgung einer neuen
Auflage ſeines vortrefflichen Choralbuchs auch
unſer Geſangbuch berückſichtigt hat, ſo daß nun
unſeren Gemeinden Gelegenheit gegeben iſt, un⸗
ſert alten lutheriſchen Kernlieder auch nach ihrer
urſprünglichen Melodie und Harmonie ſingen zu
lernen und die Kraft unſeres lutheriſchen Kirchen⸗
geſanges zu erfahren, wie ſie ſich einſt zur Zeit
der Reformation geäußert hat. Es iſt uns leider
nur der erſte Band des Layriz'ſchen Werkes bis
jetzt zugekommen. Der Titel desſelben iſt fol⸗
gender: „Kern des deutſchen Kirchengeſanges,
zweite, umgearbeitete und ſehr vermehrte Auflage,
als Verſuch zur Herſtellung eines nach Ton,
Rhythmus und Harmonie rectificirten Choral⸗
buchs, zum Gebrauch ev.⸗lutheriſcher Gemeinden
deutſcher Zunge, herausgegeben von Dr. Friedrich
Layriz. Erſte Abtheilung, 130 der zumeiſt zum
Kirchengebrauch geeigneten Choräle enthaltend.
Nördlingen, in der C. H. Beckſchen Buchhand⸗
lung. 1849.“ Mit der zweiten Abtheilung um⸗
faßt dieſes Werk ohngefähr 330 Choräle. — So
herzlich wir wünſchen, daß die höchſt dankens⸗
werthe Mühe Herrn Hoddicks ihre Entſchädigung
finden möge, ſo hoffen wir doch, daß das liebe
Büchlein keine zweite Auflage erleben möge und
daß, wenn Herr Hoddick ſich dazu verſtehen ſollte,
eine Melodienſammlung nach Layriz zu veran⸗
ſtalten, dieſe nicht nur eben ſo ſchnell verkauft,
ſondern auch für die Zukunft das Normalbuch
unſeres amerikaniſch⸗lutheriſchen Kirchengeſangs
werden werde.

(Eingeſandt.)

Spuren, daß das Evangelium ſchon in den Zei⸗
ten der Apoſtel in Amerika gepredigt ſei.

Es iſt zu bemerken, daß Johannes Goropius
in Origines, Marinus Siculus J1. 15. Hist.
Hisp., ſowie auch Neander in Cosmogr., pag.7

Ssqq. aus Plato im Timäus, Strabo, Plinius

u. ſ. w. nachweiſen, Amerika ſei den Alten nicht
fremd geweſen, ſondern ganz bekannt unter dem
Namen Atlantis, und nachdem es lange verbor⸗
gen geblieben, ſei es zu unſerer Zeit wieder ent⸗
deckt; die Schifffahrt aber nach dem neuen Welt⸗
theile ſei von den Alten unterlaſſen, theils auf

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