# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 04 27_S134 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) das Gebet in IEſu Namen, die Thrä— nen. Ein jeder, auch nur verſteckter, verklei⸗ deter Zwang erbittert nur die Gemüther; hier muß Freiheit herrſchen, die Freiheit, die in dem weltlichen Reiche blos auf dem Papiere ſteht, in Chriſti Reiche allein zur That wird. Ein Chriſtenthum, das durch Polizeidiener oder Schergen geſchützt oder aufrecht erhalten werden ſoll, iſt kein Chriſtenthum, ſondern ein Gott Mäuſim im Heiligthume (Dan. 11, 38. 39.); wo aber wilde Nacken gebändigt und gebeugt werden ſollen, da übernimmt der Heilige Geiſt die Zucht, und das Wort gibt das Fleiſch zum Verderben, auf daß die Seele gerettet werde zum Tage Chriſti (1 Cor. 5, 5.). Obenan unter allen Kirchenwaffen ſteht die heilige, durchdringende, mächtig waltende Kraft der Wahrheit im Zeugniſſe; denn was wäre ohne dieſe Wahr⸗ heit unſer Gebet und unſere Bitte anders als ein Mundeshauch, unſere Thränen anders als die erheuchelten einer Hure, die für Geld feil iſt? Da aber kommt nun das Wunderliche, ſcheinbar Widerſprechende zum Vorſchein, daß gerade das mitleidsvolle Herz IEſu die Waffen ſcharf und immer ſchärfer macht. Da hört man, daß ein Apoſtel, der ſogar für ſeine Brüder dem Fleiſche nach verbannt zu ſein wünſchte von Chriſto (Röm. 9, 3.), ein Anathema über alle und über ſich ſelbſt herabruft, wenn ſie oder jemand, und wäre es auch ein Engel vom Himmel, das Evangelium anders predigen wollte, als es von Anfang gepre⸗ vigt war (Gal. 1, 8.). Da hört man den von Liebe glühenden Johannes (ſo hatte der Liebes⸗ zorn, den er hier im Anfange zeigt, ſich bei ihm verklärt) die Grenzlinien ſo ſcharf ziehen, daß es bei ihm heißt: „Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht (1 Joh. 5, 12.). Daran wird es of⸗ fenbar, welche die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels ſind; wer nicht recht thut, der iſt nicht von Gott, und wer nicht ſeinen Bruder lieb hat (1 Joh. 3, 10.). Ja ſo iſt es, die Waffen des Zeugniſſes der Wahrheit ſind ſo ſcharf, weil die Liebe Chriſti und das Mitleid mit den Verirrten das Herz bewegen, machtvolle Waffen, geſchmie⸗ det aus dem feſteſten Stahl, der nimmer abbiegt, und noch dazu täglich geſchärft wird am Worte ſelbſt. Und Niemand kann ſie führen, der nicht zuvor ſelbſt die Schärfe derſelben empfunden hat, durch deſſen Seele nicht das Schwert ge⸗ gangen iſt, von welchem der Apoſtel ſchreibet: Das Wort Gottes iſt lebendig und kräftig und ſchärfer, denn kein zwei⸗ ſchneidig Schwert, und durchdringet, bis daß es ſcheidet Seele und Geiſt und Mark und Bein, und iſt ein Rich⸗ ter der Gedanken und Sinne des Her⸗ zens (Hebr. 4, 12.). Das iſt die rechte Barm⸗ herzigkeit, das rechte Mitleid mit der Seele, ſowie es hingegen die größte Unbarmherzig— keit iſt, wenn ein Menſch ſich zum Lehrer auf— wirft und das Wort verkündiget, von dem er ſelbſt nicht weiß, ob es gewiß iſt, oder wenn ein 133³3 ſolcher nicht fragt nach der rechten Seelenſpeiſe, dem Worte des Lebens, wenn es ihm ein Gerin⸗ ges dünkt, ob er auch den Glauben der Gemeine in ihrem Grunde und Weſen antaſte, als ob er der Herr darüber wäre. Wo aber die Wahrheits⸗ waffe in ihrer Schärfe recht gebraucht wird, da kann das mitleidsvolle Herz IEſu in ſeinen Jün⸗ gern bei ihrer Bitte, ihrem Gebete, ihren Thränen ſich nicht verbergen. Ihre Bitte wird wie eine Bitte Chriſti ſelbſt, ihr Gebet in ſeinem Namen ein erhörliches, ihre gottſeligen Thränen ein Lie⸗ besfeuer, welches das wilde Feuer der Herzen dämpft. Wo alles dieſes nichts verfängt, da zeigt uns der HErr, was wir thun ſollen. Er ging von einem Markte Samariens in den an⸗ dern, ſowie er ſeinen Jüngern, als er ſie aus⸗ ſandte, befohlen hatte: „Wo euch Jem and nicht annehmen, noch eure Rede hören wird, ſo gehet heraus von demſelbigen Hauſe oder Stadt und ſchüttelt den Staub von euren Füßen.“ (Matth. 10, 14.) Die Wahrheit weicht lieber, als daß ſie je ihre Waffen vertauſche; ſie ſind ihr von Gott in die Hand gelegt. — Dr. A. G. Rudelbach. Kir⸗ chenſpiegel, S. 432 ff. 4* * Die ſämmtlichen Urmelodien zu dem „Kirchen⸗ geſangbuch für evang.⸗lutheriſche Gemeinden ungeänderter Augsburgiſcher Confeſſion“. Geſammelt von F. Hoddick, Organiſt. Vor einigen Tagen iſt uns ein alſo betiteltes Melodienbüchlein zu dem von der hieſigen Ge⸗ meinde herausgegebenen Geſangbuch durch die Güte des Herrn Verlegers Koch & Co. (New Nork, William Straße Nr. 160) zugekommen. Dasſelbe enthält alle zu unſerm Geſangbuch nö⸗ thige, wenn auch nicht ſämmtliche Grund⸗-Melo⸗ dien, mit Ausnahme von folgenden fünf Geſän⸗ gen in Proſa: Nr. 7. Kyrie. 96. Alſo heilig. 133. Komm, Heiliger Geiſt, erfüll'. 147. Jeſaja, dem Propheten. 368. Litanei; welche fehlenden wohl in den meiſten Gemeinden nicht vermißt werden. Das Ganze umfaßt 141 Grundmelo⸗ dien, darunter ſich ohngefähr 28 als Zugabe be⸗ finden, welche zu Liedern gehören, die unſer Ge⸗ ſangbuch nicht enthält, unter andern die Melodie zu dem herrlichen Liede: Jeruſalem, du hoch⸗ gebante Stadt. Die Noten ſind im Violinſchlüſſel gegeben. Zur Bequemlichkeit iſt ein Regiſter vorgeſetzt, welches zu jeder Nummer des Liedes im Geſangbuch die Nummer der Melodie im Büchlein angibt. Die Ausſtattung, Druck, Pa⸗ pier, Einband ꝛc. iſt vortrefflich und der Preis ſo niedrig, als er nur ſein kann (184 Cts., 3 12 St. P1.20, à 100 St. 58 00). Zu haben iſt das Büchlein außer in der oben bezeichneten Ver⸗ lagshandlung in allen deutſchen Buchhandlungen in den Vereinigten Staaten. Wir zweifeln nicht, daß hiermit dem Bedürfniß vieler Gemeinden, welche unſer Geſangbuch eingeführt haben, ent⸗ ſprochen und abgeholfen iſt, und daß viele die Arbeit Herrn Hoddick's mit Dank gebrauchen werden; wir fürchten jedoch, daß der Abſatz des Werkleins geringer ſein dürfte, als er unter an⸗ dern Umſtänden ſein würde. In den Gemeinden nemlich, in welchen unſer Geſangbuch gebraucht wird, und zwar gerade in den an Gliedern zahl⸗ reichſten, verſchafft ſich der Choralgeſang in ſeinen urſprünglichen Tönen und Rhythmen immer mehr Eingang; und wir ſind feſt überzeugt: gibt Gott ferner Gnade, daß der alte lutheriſche Glaube mehr und mehr in unſern Gemeinden erwacht, ſo werden dieſe Gemeinden auch mehr und mehr der mit der Glaubenserſterbung in die Kirche ein⸗ gedrungenen und mit dem Rationalismus in der⸗ ſelben herrſchend gewordenen neuen ſchleppenden, leeren, todten Singweiſe herzlich müde werden und den alten urſprünglichen, in ausdrucksvollem Takte daher ſchreitenden, glaubenslebendigen Kir⸗ chengeſang des 16. und 17. Jahrhunderts mit ſeinen eigenthümlichen kirchlichen Tonarten an⸗ nehmen. Wir hoffen dies um ſo zuverſichtlicher, da Hr. Dr. Layriz bei Beſorgung einer neuen Auflage ſeines vortrefflichen Choralbuchs auch unſer Geſangbuch berückſichtigt hat, ſo daß nun unſeren Gemeinden Gelegenheit gegeben iſt, un⸗ ſert alten lutheriſchen Kernlieder auch nach ihrer urſprünglichen Melodie und Harmonie ſingen zu lernen und die Kraft unſeres lutheriſchen Kirchen⸗ geſanges zu erfahren, wie ſie ſich einſt zur Zeit der Reformation geäußert hat. Es iſt uns leider nur der erſte Band des Layriz'ſchen Werkes bis jetzt zugekommen. Der Titel desſelben iſt fol⸗ gender: „Kern des deutſchen Kirchengeſanges, zweite, umgearbeitete und ſehr vermehrte Auflage, als Verſuch zur Herſtellung eines nach Ton, Rhythmus und Harmonie rectificirten Choral⸗ buchs, zum Gebrauch ev.⸗lutheriſcher Gemeinden deutſcher Zunge, herausgegeben von Dr. Friedrich Layriz. Erſte Abtheilung, 130 der zumeiſt zum Kirchengebrauch geeigneten Choräle enthaltend. Nördlingen, in der C. H. Beckſchen Buchhand⸗ lung. 1849.“ Mit der zweiten Abtheilung um⸗ faßt dieſes Werk ohngefähr 330 Choräle. — So herzlich wir wünſchen, daß die höchſt dankens⸗ werthe Mühe Herrn Hoddicks ihre Entſchädigung finden möge, ſo hoffen wir doch, daß das liebe Büchlein keine zweite Auflage erleben möge und daß, wenn Herr Hoddick ſich dazu verſtehen ſollte, eine Melodienſammlung nach Layriz zu veran⸗ ſtalten, dieſe nicht nur eben ſo ſchnell verkauft, ſondern auch für die Zukunft das Normalbuch unſeres amerikaniſch⸗lutheriſchen Kirchengeſangs werden werde. (Eingeſandt.) Spuren, daß das Evangelium ſchon in den Zei⸗ ten der Apoſtel in Amerika gepredigt ſei. Es iſt zu bemerken, daß Johannes Goropius in Origines, Marinus Siculus J1. 15. Hist. Hisp., ſowie auch Neander in Cosmogr., pag.7 Ssqq. aus Plato im Timäus, Strabo, Plinius u. ſ. w. nachweiſen, Amerika ſei den Alten nicht fremd geweſen, ſondern ganz bekannt unter dem Namen Atlantis, und nachdem es lange verbor⸗ gen geblieben, ſei es zu unſerer Zeit wieder ent⸗ deckt; die Schifffahrt aber nach dem neuen Welt⸗ theile ſei von den Alten unterlaſſen, theils auf