Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 20 › Seite 79

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-05-31, Seite 79

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Union 2 · Miſſouriſynode 3

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gewissen Herrn Dr. Vehse mit einem bedeutungsvollen Ausrufungszeichen hin: „Es würden der geistlichen Tyrannen, wie Stephan, noch mehrere kommen!“ (21.)

Dies berichten wir nur hiermit dem Leser als Proben der „Evangelischen“ Liebe, Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit, und fragen, wie nun mit diesen Schmähungen unseres persönlichen Charakters in Einklang zu bringen sei, was Herr N. S. 67 von uns Lutheranern dennoch schreibt: „An ihrer redlichen Gesinnung, nur Christum und seine Ehre zu wollen, zweifeln wir keineswegs;“ — ja, daß er S. 69 die Evangelischen unsere „Brüder“ schilt! — Wir unsererseits können aus diesem Widerspruch keinen andern Schluß ziehen, als diesen: Herr Nollau will beides, er will den Schein behalten, als sei er nicht so lieblos, uns das Christenthum und Gottes Gnade abzusprechen; zugleich aber will er doch uns und besonders seine Leser davon überzeugen, daß der böse Geist uns treibe. Wir wiederholen es, es schmerzt uns tief, daß Herr N. den Kampf auf das Feld der Persönlichkeiten hinüber gespielt hat, da wir doch gegen die Herren Evangelischen nur auf dem Felde der Lehre, zwar oft scheinbar hart, aber doch immer, wie uns dies unsere Leser werden bezeugen müssen, offen und ehrlich gekämpft, das Gericht über die Herzen aber dem Herzenskündiger überlassen haben.

Indem wir eine Vertheidigung unserer selbst in Betreff der oben angeführten uns gemachten Beschuldigungen unterlassen, und das Urtheil Gott und dem unparteiischen Leser anheimstellen, wenden wir uns nun zu einem andern von Hrn. N. angeregten Gegenstand. Hr. N. hat uns nämlich, wie bereits angedeutet worden, auch unsere schweren Versündigungen aufgerückt, die wir uns als Stephanisten oder als Anhänger des berüchtigten Stephan haben zu Schulden kommen lassen.

Wir bezeugen, daß uns eine Erinnerung an das von uns einstmals in zwei Welttheilen gegebene Aergerniß jedesmal sehr heilsam ist, weil sie uns zu einer heilsamen tiefen Demüthigung vor Gott und Menschen dient. Wir bezeugen, daß uns daher unsere bittersten Feinde mehr genutzt haben, als unsere mit der Liebe alles zudeckenden Freunde. Wir bezeugen ferner mit aufrichtigem Herzen, daß wir Hrn. N. nicht etwa darum zürnen, daß er das Andenken an unsere vormaligen Verirrungen zu unserer großen Beschämung vor aller Welt in einer öffentlichen Schrift erneuert. Wir ergreifen vielmehr diese Gelegenheit, aufs Neue es hiermit öffentlich und demüthig zu bekennen, wie schuldbeladen wir uns fühlen. Wir bekennen es, daß wir, als wir noch Anhänger Stephan's waren, ein blindes Vertrauen auf einen armen irrenden Menschen gesetzt, und uns von ihm haben leiten lassen ohne ernstliche Prüfung nach Gottes Wort; wir bekennen es, daß wir die Prediger zu Beherrschern der Gemeinde gemacht, Weltliches und Geistliches vermengt, die Kirche an eine sichtbare Gemeinschaft gebunden, über Deutschland und viele Kinder Gottes darin lieblos gerichtet, vielen Irrenden rücksichtslos Gnadenstand und Seligkeit abgesprochen, uns sectirerisch abgeschlossen, in fanatischer Verblendung unseren Beruf und unser Vaterland noch ohne dringende Noth verlassen und die heiligsten Bande dabei zerrissen, die Symbole unserer Kirche im Munde geführt, aber über die darin enthaltene Lehre nicht mit wahrer Treue gehalten, uns lutherisch genannt, und doch in Vielem ganz unlutherisch gelehrt und gehandelt, kurz, daß wir unter dem Titel des wahren Lutherthums uns haben hinreißen lassen, wohin nur religiöser Irrwahn verleiten kann; daß wir daher auf dem Wege gewesen sind, eine höchst verderbliche Secte zu werden. Wir bekennen aber auch, daß uns alle diese großen und schweren Versündigungen von Herzen leid sind; daß wir uns nicht werth achten, uns Jünger und Diener Christi und Lutherauer zu heißen; ja, wie Luther von der Zeit, da er sich zum Meßpriester weihen ließ, spricht: „Daß uns da die Erde nicht beide verschlang, war unrecht (menschlich geredet) und allzu große Gottes Geduld;“ so müssen auch wir von der Zeit reden, da unter uns der Stephanismus zu seiner höchsten Ausbildung gediehen war; wir müssen uns jetzt auch wundern, daß insonderheit uns Prediger und alle Leiter der Auswanderung nicht das Meer verschlungen hat. Unser Herz will uns brechen, wenn wir bedenken, daß wir Gott schwerlich beleidigt und erzürnt und die Feinde des HErrn lästern gemacht haben; daß vielleicht eine nicht geringe Anzahl Seelen durch uns tödlich geärgert, der ganzen Kirche JEsu Christi ein entsetzlicher Schandfleck angehängt und alle gläubige Kinder Gottes, die uns auf unsern Irrwegen dahingehen sahen, tiefgekränkt und betrübt worden sind. Wir bitten daher nochmals alle, die von uns vormals geärgert wurden, sie wollen uns um Gottes willen unsere schweren Versündigungen vergeben; sie wollen, was wir in Verblendung gethan, nicht dem Worte Gottes, nicht der lutherischen Kirche, nicht dem strengen und steifen Festhalten an der Wahrheit zuschreiben, sondern allein unserer Verkehrtheit und Untreue.

Wenn wir aber dieses Bekenntniß und diese Abbitte hiermit öffentlich wiederholen, so wollen wir damit keinesweges die Barmherzigkeit Gottes verleugnen, die auch uns widerfahren ist. Wir waren nicht in Irrthum verstockte und verhärtete Leute; was wir Aergerliches im Angesichte der ganzen Welt gethan haben, haben wir in Unwissenheit gethan, mit irrendem Gewissen; in der guten obwohl sündlichen Meinung, Gott einen Dienst daran zu thun; in dem furchtbaren Wahne, wir müßten so handeln, um die Wahrheit nicht zu verleugnen und nicht verloren zu gehen. Wir sind den Irrweg nicht gegangen, um etwas Zeitliches zu gewinnen, sondern wären bereit gewesen für das, was wir fälschlich für Gottes Sache hielten, Gut, Ehre, Leib und Leben, und Alles, was dem natürlichen Menschen lieb ist, zu opfern; unser Herz hat dabei ernstlich geseufzt nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Seligkeit. So hat sich denn Gott unser erbarmt, hat uns wunderbar nicht nur über unseren Verführer die Augen gewaltsam geöffnet, sondern auch sein Wort an unserm Herzen also gesegnet, daß wir unsere Sünden und Irrthümer bußfertig erkannt, und bei Dem Gnade gesucht und gefunden haben, der das Verlorne sucht und die Gottlosen gerecht macht. Röm. 4, 5.

Wir wissen, daß unsere Sünden nicht mehr auf uns liegen; wir glauben nicht nur nach dem dritten Artikel eine „Vergebung der Sünden“ im Allgemeinen, sondern sind auch für uns gewiß, daß wir diese Vergebung erlangt haben, daß Christus auch unsere im Stephanismus begangenen Sünden getragen, an seinem Kreuze mit seinem Blute versöhnt und getilgt und nun, da wir uns seiner trösten, in die Tiefe des Meeres geworfen hat. So tief es uns betrübt, daß Hr. Nollau uns unsere Sünden wieder aufgerückt hat, als lägen sie noch auf uns, so macht uns das doch nicht ungewiß, nicht zweifelhaft; wir wissen, JEsus nimmt die Sünder an, auch die größten, auch die tief gefallensten, auch die, durch deren Schuld andere verloren gegangen sind, JEsus nimmt auch uns an und hat uns angenommen, und wird uns nie wieder aus seiner Hand reißen lassen. Mag die Welt uns die Vergebung abschlagen (die Kinder Gottes thun das nicht); wir wollen mit David sagen: „Der HErr hat's ihr geheißen;“ mag unser eigenes Herz uns noch oft verdammen, und der Satan mit allem seinen höllischen Heere uns zurufen: Eure Sünden sind zu groß, als daß sie euch vergeben werden könnten! sie stehen noch immer mit frischer Schrift in dem Schuldbuche Gottes angeschrieben! so wollen und werden wir doch bekennen: „Ist unsere Sünde auch mächtig geworden, so ist doch die Gnade viel mächtiger geworden. Ob sie blutroth ist, so ist sie doch schneeweiß, ob sie gleich ist wie Rosinfarbe, ist sie doch wie Wolle geworden. Denn es ist je gewißlich wahr, und ein theuer werthes Wort, daß Christus JEsus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, unter welchen wir die vornehmsten sind. Aber darum ist uns Barmherzigkeit widerfahren, auf daß an uns vornehmlich JEsus Christus erzeigte alle Geduld, zum Exempel denen, die an ihn glauben sollten.“ Mögen noch so viele scheel sehen, daß Gott so gütig gegen uns ist; mögen sie murren, daß JEsus auch uns Sünder annimmt; wir wollen gern alle Schmach und Schande vor der Welt tragen, die unsere Sünden verschuldet haben, aber das soll uns doch nicht abhalten mit David auszurufen: „Lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat; der dir alle deine Sünde vergibet und heilet alle deine Gebrechen.“

Hab ich was nicht recht gethan,
Ist mir's leid von Herzen;
Dahingegen nehm ich an
Christi Blut und Schmerzen.
Denn das ist die Ranzion
Meiner Missethaten;
Bring ich das vor Gottes Thron,
Ist mir wohl gerathen. —

Der Grnnd, darauf ich gründe,
Ist Christus und sein Blut;
Das machet, daß ich finde
Das ew'ge wahre Gut.

English translation AI translation

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—Dr. Vehse, with a meaningful exclamation mark: "There would yet come more spiritual tyrants like Stephan!" (21.)

We report this to the reader simply as samples of "Evangelical" love, truthfulness, and sincerity, and we ask how these slanders of our personal character are to be reconciled with what Mr. N. nevertheless writes of us Lutherans on p. 67: "We do not doubt in the least the honesty of their intention to seek only Christ and his honor" — indeed, that on p. 69 he calls the Evangelicals our "brothers"! For our part we can draw no other conclusion from this contradiction than this: Mr. Nollau wants it both ways — he wants to keep up the appearance of not being so unloving as to deny us Christianity and God's grace, while at the same time he wishes to convince us, and especially his readers, that an evil spirit drives us. We repeat: it grieves us deeply that Mr. N. has shifted the battle onto the field of personalities, when we, for our part, have fought against our Evangelical friends only on the field of doctrine — often, it is true, apparently harshly, but always, as our readers will have to testify, openly and honestly — leaving the judgment of hearts to the One who knows the heart.

Since we forgo any defense of ourselves regarding the accusations cited above, leaving the judgment to God and to the impartial reader, we now turn to another matter raised by Mr. N. Mr. N. has, namely, as already indicated, also reproached us with the grave sins that we incurred as Stephanites, or adherents of the notorious Stephan.

We testify that a remembrance of the offense we once gave in two parts of the world is each time very salutary for us, because it serves to bring us to a wholesome, deep humbling before God and men. We testify that our bitterest enemies have therefore benefited us more than our friends who cover everything over with love. We further testify with a sincere heart that we do not bear Mr. N. any grudge for having renewed, in a public writing, to our great shame before the whole world, the memory of our former aberrations. Rather, we seize this occasion to confess anew, here publicly and humbly, how burdened with guilt we feel. We confess that, when we were still followers of Stephan, we placed a blind trust in a poor, erring man, and let ourselves be led by him without earnest examination according to God's Word; we confess that we made the preachers rulers over the congregation, mixed together the worldly and the spiritual, bound the Church to a visible fellowship, judged without love, concerning Germany and the many children of God there, ruthlessly denied many who were in error the state of grace and salvation, shut ourselves off in a sectarian manner, in fanatical delusion abandoned our calling and our fatherland without urgent necessity, and in doing so tore apart the most sacred bonds; we carried the symbols of our Church on our lips, but did not hold fast with true fidelity to the doctrine contained in them; we called ourselves Lutheran, and yet in many things taught and acted in a wholly un-Lutheran way — in short, that under the title of true Lutheranism we allowed ourselves to be carried away to wherever religious delusion alone can lead; and that we were therefore on the way to becoming a most pernicious sect. But we also confess that all these great and grievous sins are heartily grievous to us; that we do not consider ourselves worthy to be called disciples and servants of Christ and Lutherans; indeed, just as Luther speaks of the time when he had himself ordained a mass-priest: "That the earth did not then swallow us both was wrong (humanly speaking) and too great a patience of God" — so must we also speak of the time when Stephanism attained its fullest development among us; we too must now marvel that especially we preachers and all the leaders of the emigration were not swallowed up by the sea. Our heart is ready to break when we consider that we have surely offended and angered God, and caused the enemies of the Lord to blaspheme; that perhaps no small number of souls were mortally offended through us, that a dreadful stain of disgrace was attached to the whole Church of Jesus Christ, and that all believing children of God who saw us going along on our wrong paths were deeply hurt and grieved. We therefore ask once more all who were formerly offended by us, that for God's sake they forgive us our grievous sins; and that they not ascribe what we did in blindness to the Word of God, nor to the Lutheran Church, nor to a strict and rigid adherence to the truth, but solely to our own perversity and unfaithfulness.

But when we hereby publicly repeat this confession and this plea for forgiveness, we by no means wish thereby to deny the mercy of God that has also been shown to us. We were not people hardened and stubborn in error; whatever offense we gave in the sight of the whole world, we did in ignorance, with an erring conscience; with the good, though sinful, intention of thereby doing God a service; in the dreadful delusion that we had to act so in order not to deny the truth and not to be lost. We did not walk the path of error in order to gain anything temporal, but would have been ready to sacrifice, for what we falsely held to be God's cause, goods, honor, body and life, and everything dear to the natural man; our hearts, in doing so, earnestly sighed after truth, righteousness, and salvation. So then God had mercy on us; he wonderfully opened our eyes by force, not only concerning our seducer, but also so blessed his Word upon our hearts that we came, in penitence, to recognize our sins and errors, and sought and found grace with Him who seeks the lost and justifies the ungodly (Romans 4:5). We know that our sins no longer lie upon us; we believe not merely, according to the Third Article, in a "forgiveness of sins" in general, but are also certain for ourselves that we have obtained this forgiveness — that Christ has also borne the sins we committed in Stephanism, has reconciled and blotted them out with his blood upon his cross, and now, since we take comfort in him, has cast them into the depths of the sea. However deeply it grieves us that Mr. Nollau has brought up our sins again, as though they still lay upon us, this nonetheless does not make us uncertain or doubtful; we know that Jesus receives sinners — even the greatest, even the most deeply fallen, even those through whose guilt others have been lost. Jesus receives us too, and has received us, and will never again let us be torn from his hand. Let the world refuse us forgiveness (the children of God do not do so); we will say with David: "The Lord has commanded it for her." Let our own heart still often condemn us, and Satan, with all his hellish host, cry out to us: Your sins are too great to be forgiven you! they still stand written with fresh ink in the account-book of God! — yet we will and do confess: "Though our sin has become mighty, grace has become far mightier still. Though it is blood-red, it is nevertheless snow-white; though it is like the color of crimson, it has nevertheless become like wool. For it is surely and certainly true, and a precious, worthy word, that Christ Jesus came into the world to save sinners, of whom we are the foremost. But for this reason mercy was shown to us, that in us above all Jesus Christ might display all patience, as an example to those who would come to believe in him." Let ever so many look askance that God is so kind toward us; let them murmur that Jesus receives even us sinners; we will gladly bear before the world all the reproach and shame that our sins have brought upon us, but that shall not keep us from crying out with David: "Bless the Lord, O my soul, and forget not all his benefits; who forgiveth all thine iniquities, who healeth all thy diseases."

Have I done anything amiss,
It grieves me from my heart;
Yet in its place I take instead
Christ's blood and Christ's own suffering.
For that is the ransom
For all my wrongdoing;
If I bring this before God's throne,
All is well with me. —

The ground on which I build
Is Christ and his own blood;
That is what lets me find
The everlasting, true good.