# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 05 31_S79 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) gewissen Herrn Dr. Vehse mit einem bedeutungsvollen Ausrufungszeichen hin: „Es würden der geistlichen Tyrannen, wie Stephan, noch mehrere kommen!“ (21.) Dies berichten wir nur hiermit dem Leser als Proben der „Evangelischen“ Liebe, Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit, und fragen, wie nun mit diesen Schmähungen unseres persönlichen Charakters in Einklang zu bringen sei, was Herr N. S. 67 von uns Lutheranern dennoch schreibt: „An ihrer redlichen Gesinnung, nur Christum und seine Ehre zu wollen, zweifeln wir keineswegs;“ — ja, daß er S. 69 die Evangelischen unsere „Brüder“ schilt! — Wir unsererseits können aus diesem Widerspruch keinen andern Schluß ziehen, als diesen: Herr Nollau will beides, er will den Schein behalten, als sei er nicht so lieblos, uns das Christenthum und Gottes Gnade abzusprechen; zugleich aber will er doch uns und besonders seine Leser davon überzeugen, daß der böse Geist uns treibe. Wir wiederholen es, es schmerzt uns tief, daß Herr N. den Kampf auf das Feld der Persönlichkeiten hinüber gespielt hat, da wir doch gegen die Herren Evangelischen nur auf dem Felde der Lehre, zwar oft scheinbar hart, aber doch immer, wie uns dies unsere Leser werden bezeugen müssen, offen und ehrlich gekämpft, das Gericht über die Herzen aber dem Herzenskündiger überlassen haben. Indem wir eine Vertheidigung unserer selbst in Betreff der oben angeführten uns gemachten Beschuldigungen unterlassen, und das Urtheil Gott und dem unparteiischen Leser anheimstellen, wenden wir uns nun zu einem andern von Hrn. N. angeregten Gegenstand. Hr. N. hat uns nämlich, wie bereits angedeutet worden, auch unsere schweren Versündigungen aufgerückt, die wir uns als Stephanisten oder als Anhänger des berüchtigten Stephan haben zu Schulden kommen lassen. Wir bezeugen, daß uns eine Erinnerung an das von uns einstmals in zwei Welttheilen gegebene Aergerniß jedesmal sehr heilsam ist, weil sie uns zu einer heilsamen tiefen Demüthigung vor Gott und Menschen dient. Wir bezeugen, daß uns daher unsere bittersten Feinde mehr genutzt haben, als unsere mit der Liebe alles zudeckenden Freunde. Wir bezeugen ferner mit aufrichtigem Herzen, daß wir Hrn. N. nicht etwa darum zürnen, daß er das Andenken an unsere vormaligen Verirrungen zu unserer großen Beschämung vor aller Welt in einer öffentlichen Schrift erneuert. Wir ergreifen vielmehr diese Gelegenheit, aufs Neue es hiermit öffentlich und demüthig zu bekennen, wie schuldbeladen wir uns fühlen. Wir bekennen es, daß wir, als wir noch Anhänger Stephan's waren, ein blindes Vertrauen auf einen armen irrenden Menschen gesetzt, und uns von ihm haben leiten lassen ohne ernstliche Prüfung nach Gottes Wort; wir bekennen es, daß wir die Prediger zu Beherrschern der Gemeinde gemacht, Weltliches und Geistliches vermengt, die Kirche an eine sichtbare Gemeinschaft gebunden, über Deutschland und viele Kinder Gottes darin lieblos gerichtet, vielen Irrenden rücksichtslos Gnadenstand und Seligkeit abgesprochen, uns sectirerisch abgeschlossen, in fanatischer Verblendung unseren Beruf und unser Vaterland noch ohne dringende Noth verlassen und die heiligsten Bande dabei zerrissen, die Symbole unserer Kirche im Munde geführt, aber über die darin enthaltene Lehre nicht mit wahrer Treue gehalten, uns lutherisch genannt, und doch in Vielem ganz unlutherisch gelehrt und gehandelt, kurz, daß wir unter dem Titel des wahren Lutherthums uns haben hinreißen lassen, wohin nur religiöser Irrwahn verleiten kann; daß wir daher auf dem Wege gewesen sind, eine höchst verderbliche Secte zu werden. Wir bekennen aber auch, daß uns alle diese großen und schweren Versündigungen von Herzen leid sind; daß wir uns nicht werth achten, uns Jünger und Diener Christi und Lutherauer zu heißen; ja, wie Luther von der Zeit, da er sich zum Meßpriester weihen ließ, spricht: „Daß uns da die Erde nicht beide verschlang, war unrecht (menschlich geredet) und allzu große Gottes Geduld;“ so müssen auch wir von der Zeit reden, da unter uns der Stephanismus zu seiner höchsten Ausbildung gediehen war; wir müssen uns jetzt auch wundern, daß insonderheit uns Prediger und alle Leiter der Auswanderung nicht das Meer verschlungen hat. Unser Herz will uns brechen, wenn wir bedenken, daß wir Gott schwerlich beleidigt und erzürnt und die Feinde des HErrn lästern gemacht haben; daß vielleicht eine nicht geringe Anzahl Seelen durch uns tödlich geärgert, der ganzen Kirche JEsu Christi ein entsetzlicher Schandfleck angehängt und alle gläubige Kinder Gottes, die uns auf unsern Irrwegen dahingehen sahen, tiefgekränkt und betrübt worden sind. Wir bitten daher nochmals alle, die von uns vormals geärgert wurden, sie wollen uns um Gottes willen unsere schweren Versündigungen vergeben; sie wollen, was wir in Verblendung gethan, nicht dem Worte Gottes, nicht der lutherischen Kirche, nicht dem strengen und steifen Festhalten an der Wahrheit zuschreiben, sondern allein unserer Verkehrtheit und Untreue. Wenn wir aber dieses Bekenntniß und diese Abbitte hiermit öffentlich wiederholen, so wollen wir damit keinesweges die Barmherzigkeit Gottes verleugnen, die auch uns widerfahren ist. Wir waren nicht in Irrthum verstockte und verhärtete Leute; was wir Aergerliches im Angesichte der ganzen Welt gethan haben, haben wir in Unwissenheit gethan, mit irrendem Gewissen; in der guten obwohl sündlichen Meinung, Gott einen Dienst daran zu thun; in dem furchtbaren Wahne, wir müßten so handeln, um die Wahrheit nicht zu verleugnen und nicht verloren zu gehen. Wir sind den Irrweg nicht gegangen, um etwas Zeitliches zu gewinnen, sondern wären bereit gewesen für das, was wir fälschlich für Gottes Sache hielten, Gut, Ehre, Leib und Leben, und Alles, was dem natürlichen Menschen lieb ist, zu opfern; unser Herz hat dabei ernstlich geseufzt nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Seligkeit. So hat sich denn Gott unser erbarmt, hat uns wunderbar nicht nur über unseren Verführer die Augen gewaltsam geöffnet, sondern auch sein Wort an unserm Herzen also gesegnet, daß wir unsere Sünden und Irrthümer bußfertig erkannt, und bei Dem Gnade gesucht und gefunden haben, der das Verlorne sucht und die Gottlosen gerecht macht. Röm. 4, 5. Wir wissen, daß unsere Sünden nicht mehr auf uns liegen; wir glauben nicht nur nach dem dritten Artikel eine „Vergebung der Sünden“ im Allgemeinen, sondern sind auch für uns gewiß, daß wir diese Vergebung erlangt haben, daß Christus auch unsere im Stephanismus begangenen Sünden getragen, an seinem Kreuze mit seinem Blute versöhnt und getilgt und nun, da wir uns seiner trösten, in die Tiefe des Meeres geworfen hat. So tief es uns betrübt, daß Hr. Nollau uns unsere Sünden wieder aufgerückt hat, als lägen sie noch auf uns, so macht uns das doch nicht ungewiß, nicht zweifelhaft; wir wissen, JEsus nimmt die Sünder an, auch die größten, auch die tief gefallensten, auch die, durch deren Schuld andere verloren gegangen sind, JEsus nimmt auch uns an und hat uns angenommen, und wird uns nie wieder aus seiner Hand reißen lassen. Mag die Welt uns die Vergebung abschlagen (die Kinder Gottes thun das nicht); wir wollen mit David sagen: „Der HErr hat's ihr geheißen;“ mag unser eigenes Herz uns noch oft verdammen, und der Satan mit allem seinen höllischen Heere uns zurufen: Eure Sünden sind zu groß, als daß sie euch vergeben werden könnten! sie stehen noch immer mit frischer Schrift in dem Schuldbuche Gottes angeschrieben! so wollen und werden wir doch bekennen: „Ist unsere Sünde auch mächtig geworden, so ist doch die Gnade viel mächtiger geworden. Ob sie blutroth ist, so ist sie doch schneeweiß, ob sie gleich ist wie Rosinfarbe, ist sie doch wie Wolle geworden. Denn es ist je gewißlich wahr, und ein theuer werthes Wort, daß Christus JEsus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, unter welchen wir die vornehmsten sind. Aber darum ist uns Barmherzigkeit widerfahren, auf daß an uns vornehmlich JEsus Christus erzeigte alle Geduld, zum Exempel denen, die an ihn glauben sollten.“ Mögen noch so viele scheel sehen, daß Gott so gütig gegen uns ist; mögen sie murren, daß JEsus auch uns Sünder annimmt; wir wollen gern alle Schmach und Schande vor der Welt tragen, die unsere Sünden verschuldet haben, aber das soll uns doch nicht abhalten mit David auszurufen: „Lobe den HErrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes gethan hat; der dir alle deine Sünde vergibet und heilet alle deine Gebrechen.“ Hab ich was nicht recht gethan, Ist mir's leid von Herzen; Dahingegen nehm ich an Christi Blut und Schmerzen. Denn das ist die Ranzion Meiner Missethaten; Bring ich das vor Gottes Thron, Ist mir wohl gerathen. — Der Grnnd, darauf ich gründe, Ist Christus und sein Blut; Das machet, daß ich finde Das ew'ge wahre Gut.