Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 20 › Seite 77
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-05-31, Seite 77
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription AI-corrected against the scan
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Luther 1
Der Lutheraner.
„Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“
Herausgegeben von C. F. W. Walther.
Jahrgang 1.
St. Louis, Mo., den 31. Mai 1845.
No. 20.
Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft.
(Eingesandt von Pastor Keyl.)
Lebensgeschichte Dr. Luthers.
(Fortsetzung.)
An demselben Tage, an welchem der Bauernaufruhr sein Ende erreichte, den 5. Mai 1525, wurde Luther und die ganze luther. Kirche in tiefe Trauer versetzt durch den Tod des frommen Churfürsten von Sachsen, Friedrich des Weisen, der im Bekenntniß Christi in seinem 63. Jahre selig aus dieser Welt schied, und bei dessen Begräbniß Luther zwei treffliche Leichenpredigten über den tröstlichen Artikel von der Auferstehung des Fleisches über 1 Thess. 4, 13—18. hielt. Die Churwürde bekam nun Johann der Beständige, der sich des Reformationswerkes noch entschiedener und eifriger annahm, und auch Luthern in hohen Ehren hielt.
Luther hatte bis dahin schon manches Treffliche auch über den Ehestand geschrieben, und gezeigt, daß derselbe eine göttliche Ordnung und allen Menschen erlaubt sei, daß hingegen die Klostergelübde, die ihn verbieten, nur menschliche, also kraftlose Fesseln seien; er hatte auch anderen mit Erfolg gerathen, dieselben getrost zu durchbrechen. Nun entschloß er sich schnell, dies selbst zu thun. Er verheirathete sich im Sommer des Jahres 1525 in seinem 42. Lebensjahre mit dem Fräulein Catharina von Boren (sie war 26 Jahre alt), die zwei Jahre zuvor das Kloster verlassen hatte, durch Lesung Lutherischer Schriften von der Rechtmäßigkeit dieses Schrittes überzeugt.
Luther verheirathete sich besonders auf Begehren seines alten frommen Vaters, und um auch mit der That seine Lehre zu bestätigen, da er selbst bei so großem Licht des Evangeliums noch so viel kleinmüthige Herzen fand. Er bezeugt selbst, Gott habe ihn plötzlich, und da er an ganz andere Dinge gedacht, wunderbar in den Ehestand geführt; denn ich fühle, schreibt er, weder fleischliche Liebe noch Brunst, sondern habe einen guten Willen und Gefallen am Ehestande, als an Gottes Geschöpf und Ordnung. Luther sah wohl voraus, daß seine Feinde über seine Verheirathung das Gift ihrer Verläumdung ausschäumen würden, ja es entging ihm nicht, daß selbst seine besten Freunde Anfangs sein Vorhaben mißbilligen würden, aber dennoch, ja der Welt und dem Teufel zum Trotz, führte er aus, was er schon früher bestimmt erklärt hatte: er werde gewiß noch in den Ehestand treten, und sollte er sich auf seinem Sterbebette trauen lassen. Mochten selbst seine Freunde meinen, daß es besser sei, Luther bliebe ehelos, indem sonst den Feinden die beste Gelegenheit zur Verlästerung des Reformationswerks gegeben werde, Luther dachte anders: es war ihm wichtiger, die Schwachgläubigen zu stärken und die christliche Freiheit und die Wahrheit des Evangeliums mit der That zu bestätigen, als die blinden und verstockten heuchlerischen Feinde nicht zu ärgern, nach Gal. 2, 4. 5. Er schreibt: „Ich habe auch eine Nonne genommen zur Ehe, wiewohl ich es hätte mögen gerathen und nicht sonderliche Ursache gehabt, denn daß ich dem Teufel mit seinen Schuppen, den großen Hannsen, Fürsten und Bischöfen, zu Trotz gethan habe, welche schlecht unsinnig wollen werden, daß geistliche Personen sollen frei sein. Und wollte gern noch mehr Aergerniß anrichten, wenn ich nur was mehr wüßte, das Gott gefiele und sie verdrösse. — Daß aber etliche Schwache auch sich daran ärgern, das ist nicht unsere, sondern der Tyrannen Schuld, die dem Evangelio wehren, daß es nicht dahin kommen und die Schwachen unterrichten kann; darum müssen sie dafür antworten. Auch wenn es dahin kommt, daß christliche und göttliche Freiheit will gedämpft oder geschändet werden, ist derselbigen mehr wahrzunehmen, denn der Schwachen. Denn an Gottes Wort liegt mehr, denn an der ganzen Welt.“ (L. Werke. Hall. X, 963—64.)
Keine von den wegen seiner Heirath erschienenen Schand- und Spottschriften würdigte Luther einer ernstlichen Antwort; es war ihm genug, daß er eine gerechte Sache und ein gut Gewissen hatte. Die neueren Gegner Luthers stimmen auch in dieser Sache nur wieder die alten Lieder an oder setzen neue Lügen hinzu, denn diesen Unreinen und Ungläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist beides ihr Sinn und Gewissen. Tit. 1, 15. Am lächerlichsten und spaßhaftesten ist aber das oft wiederholte Vorgeben, Luther habe nur reformirt, um heirathen zu können. Nun fürwahr, dann konnte er noch leichteren Kaufs dazu kommen; er konnte sich alle die Kämpfe, von denen bisher die Rede gewesen ist, ersparen; denn wenn ihm der Pabst schon ein reiches Bisthum und große Summen Geldes anbieten ließ, wenn er nur schweigen wollte, so würde er ihm noch weit eher vergönnt haben, unter dieser Bedingung eine arme Nonne zu heirathen.
Am Schlusse dieses Abschnittes wollen wir noch einen Blick in Luthers Ehe- und Hausstand thun. Er trachtete darin mit allem Fleiß, das zu üben, was er darüber mündlich und schriftlich aus Gottes Wort lehrte, also daß er als ein rechter Bischof seinem Hause wohl vorstand. 1 Tim. 3, 4. Er und sein Weib liebten und ehrten einander herzlich. In dieser Ehe schenkte ihnen Gott sechs Kinder, Johannes, Elisabeth, Magdalena, Martinus, Paulus, Margaretha; also drei Söhne und drei Töchter. Diese Kinder machten dem Vater, bei seiner vielen Mühe und Sorge in Kirchensachen, manche vergnügte Stunde; er liebte sie auf's zärtlichste, zog sie treulich auf in der Zucht und Vermahnung zum HErrn, und betete namentlich täglich mit ihnen die zehn Gebote, den christlichen Glauben und das Vater Unser; aber er scherzte auch oft freundlich mit ihnen und ward mit den Kindern ein Kind. Wir können nicht umhin, als einen Beleg hierzu, hier einen Brief einzuschalten, welchen Luther an sein vierjähriges Söhnchen, Johannes, schrieb. Er lautet wie folgt:
„Gnade und Friede in Christo, mein herzliebes Söhnichen. Ich sehe gerne, daß du wohl lernest, und fleißig betest. Thue also, mein Söhnichen, und fahre fort; wenn ich heim komme, so will ich dir einen schönen Jahrmarkt mitbringen. Ich weiß einen hübschen, lustigen Garten, da gehen viel Kinder innen, haben güldene Röcklein an, und lesen schöne Aepfel unter den Bäumen, und Birnen, Kirschen, Spilling und Pflaumen, singen, springen und sind fröhlich; haben auch schöne kleine Pferdlein mit güldenen Zäumen und silbernen Sätteln. Da fragte ich den Mann, deß der Garten ist: weß die Kinder wären? Da sprach er: Es sind die Kinder, die gerne beten, lernen und fromm sind. Da sprach ich: Lieber Mann, ich habe auch einen Sohn, heißt Hänsichen Luther, möchte er nicht auch in den Garten kommen, daß er auch solche schönen Aepfel und Birnen essen möchte, und solche feine Pferdlein reiten, und mit diesen Kindern spielen? Da sprach der Mann: Wenn er gerne betet, lernet, und fromm ist, so soll er auch in den Garten kommen, Lippus und Jost auch, und wenn sie alle zusammen kommen, so wer-
English translation AI translation
The Lutheraner.
"God's Word and Luther's teaching shall never now nor ever pass away."
Edited by C. F. W. Walther.
Volume 1.
St. Louis, Mo., May 31, 1845.
No. 20.
Terms: The Lutheraner appears once every two weeks, at a subscription price of one dollar and twenty-five cents for out-of-town subscribers, who must pay half of this in advance and bear the postage themselves. — In St. Louis, each single issue is sold for six and a quarter cents.
(Contributed by Pastor Keyl.)
Life Story of Dr. Luther.
(Continued.)
On the same day that the Peasants' War came to its end, the 5th of May 1525, Luther and the whole Lutheran Church were plunged into deep mourning by the death of the pious Elector of Saxony, Frederick the Wise, who departed blessedly from this world in his sixty-third year, confessing Christ, and at whose funeral Luther preached two excellent funeral sermons on the comforting article of the resurrection of the flesh, on 1 Thessalonians 4:13–18. The electoral dignity now passed to John the Steadfast, who took up the work of the Reformation still more resolutely and zealously, and who also held Luther in high honor.
Luther had already, up to that time, written many excellent things about the estate of marriage, and had shown that it is a divine ordinance permitted to all men, whereas the monastic vows that forbid it are merely human and thus powerless fetters; he had also successfully advised others to break through them with a good conscience. Now he resolved to do this himself, and quickly. In the summer of the year 1525, in his forty-second year, he married the maiden Catharina von Bora (she was twenty-six years old), who two years before had left the convent, having been persuaded by the reading of Luther's writings of the lawfulness of this step.
Luther married in particular at the request of his aged, godly father, and in order to confirm his teaching by deed as well, since he himself found so many faint-hearted souls even amid so great a light of the Gospel. He himself testifies that God led him suddenly and wonderfully into the married state, when he was thinking of quite other things; for, he writes, I feel neither carnal love nor passion, but have a good will toward and delight in the married state, as being God's creature and ordinance. Luther clearly foresaw that his enemies would froth up the poison of their slander over his marriage; indeed, he was well aware that even his best friends would at first disapprove of his plan. Nevertheless, in defiance of the world and the devil, he carried out what he had already declared with firm resolve earlier: that he would surely yet enter the married state, even if he had to be wed on his deathbed. Even though his own friends may have thought it better for Luther to remain unmarried, since otherwise the enemies would be given the best occasion to slander the work of the Reformation, Luther thought otherwise: it was more important to him to strengthen those of weak faith and to confirm by deed the Christian liberty and the truth of the Gospel, than to avoid provoking the blind and hardened, hypocritical enemies, according to Galatians 2:4–5. He writes: "I have also taken a nun in marriage, although I might have refrained and had no special reason to do it, except that I have done it in defiance of the devil and his scaly minions — the great fellows, princes and bishops — who become quite senseless with rage that persons in holy orders should be free. And I would gladly cause still more annoyance, if only I knew of something more that would please God and vex them. — But that some weak souls also take offense at this is not our fault, but the fault of the tyrants who prevent the Gospel from reaching that point and instructing the weak; therefore they must answer for it. Also, when it comes to the point that Christian and divine liberty is to be suppressed or violated, it is that liberty which must be regarded more than the weak. For more depends upon God's Word than upon the whole world." (Luther's Works, Halle edition, X, 963–64.)
Not one of the slanderous and mocking pamphlets that appeared on account of his marriage did Luther consider worthy of a serious answer; it was enough for him that he had a just cause and a good conscience. Luther's more recent opponents likewise only strike up the same old songs on this matter, or else add new lies to them, for to these unclean and unbelieving people nothing is pure, but both their mind and conscience are unclean (Titus 1:15). The most ridiculous and laughable thing, however, is the often-repeated claim that Luther reformed only so that he might be able to marry. Now indeed, if that had been his aim, he could have come to it by a far easier path; he could have spared himself all the struggles that have been spoken of so far, for when the Pope had already offered him a rich bishopric and great sums of money, if only he would keep silent, the Pope would have far more readily allowed him, on that condition, to marry a poor nun.
At the close of this section we wish to take one more look into Luther's marriage and household. In it he strove with all diligence to practice what he taught about it, both by word and in writing, from God's Word, so that as a true bishop he ruled well over his own house (1 Timothy 3:4). He and his wife loved and honored one another heartily. In this marriage God gave them six children — Johannes, Elisabeth, Magdalena, Martinus, Paulus, and Margaretha — three sons and three daughters. Amid his many labors and cares in church affairs, these children gave their father many a happy hour; he loved them most tenderly, raised them faithfully in the discipline and admonition of the Lord, and prayed daily with them, in particular, the Ten Commandments, the Christian Creed, and the Lord's Prayer; but he also often joked with them in a friendly way and became a child among the children. As evidence of this, we cannot help but insert here a letter that Luther wrote to his four-year-old little son, Johannes. It reads as follows:
"Grace and peace in Christ, my heartily beloved little son. I am glad to see that you study well and pray diligently. Continue to do so, my little son, and keep on; when I come home, I will bring you a fine fair. I know of a lovely, delightful garden, where many children go about wearing little golden coats, and gather beautiful apples under the trees, and pears, cherries, plums both yellow and blue; they sing, and jump, and are merry; they also have fine little horses with golden bridles and silver saddles. So I asked the man to whom the garden belongs, whose children these were. And he said: These are the children who love to pray, to learn, and to be pious. Then I said: Dear sir, I too have a son, named little Hans Luther; might he not also come into the garden, so that he too might eat such fine apples and pears, and ride such fine little horses, and play with these children? Then the man said: If he loves to pray and to learn, and is pious, then he too shall come into the garden, and Lippus and Jost as well; and when they all come together, they shall—