Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 20 › Seite 80

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-05-31, Seite 80

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehre. — Lehre und Leben 3 · Miſſouriſynode 3

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An mir und meinem Leben
Ist nichts auf dieser Erd':
Was Christus mir gegeben,
Das ist der Liebe werth.

Hierauf wird vielleicht Hr. N. den uns in seiner Schrift gemachten Vorwurf wiederholen: aber ihr hattet ja eure Sünden und Irrthümer noch nicht öffentlich bekannt! (S. 3.) Hierauf müssen wir antworten, daß Hr. N. im Irrthum ist. Wir glauben, daß es wenig Verirrte gibt, die so offen und vollständig ihre Verirrungen vor der ganzen Welt gebeichtet haben, als wir. Mein seliger Bruder hat eine hier gehaltene Bußpredigt, worin unser ganzer Fall treulich und unverholen dargestellt ist, der Oeffentlichkeit übergeben; sie ist nicht nur einzeln gedruckt, sondern auch in Zeitschriften durch ganz Deutschland in einer Zeit verbreitet worden, in welcher Hr. N. gerade in Deutschland war. Past. Keyl hat eine eigne weitläuftige Schrift, in welcher unsere Abirrungen in Lehre und Leben mit den demüthigsten Bekenntnissen dargelegt waren, auf dieselbe doppelte Weise verbreitet. Past. Löber hat eine systematische Darstellung der Irrthümer, in welchen wir vormals gefangen waren, in America und Deutschland circuliren lassen, die von mir und den meisten andern betheiligten Predigern als ihr gemeinsames Bekenntniß unterschrieben ist. Past. Brohm hat dasselbe gethan, indem er eine geschichtliche Darstellung unsres Falles und Auferstehens in die Pittsburger luth. Kirchenzeitung hat einrücken lassen. Im hiesigen „Anzeiger des Westens“ hat insonderheit die hiesige Gemeinde mit mir vor etwas länger als zwei Jahren ein kurzes Bekenntniß ihres vormaligen Abfalls von der lutherischen Kirche vor ihren Mitbürgern abgelegt, und jedermann aufgefordert, sich selbst zu überzeugen, ob wir jetzt dem hohen Ziele redlich nacheifern, das uns in der lutherischen Kirche gesteckt ist. Endlich hat der Herausgeber des „Lutheraners“ ganz besonders mit Hrn. N. selbst über unsern Fall in den demüthigsten Geständnissen privatim gesprochen; Hr. N. hat uns damals selbst getröstet, und uns versichert, von unserer Umkehr in Deutschland Zeugniß gegeben und uns bestens bei allen Christlichgesinnten vertreten zu haben. Hiernach fragen wir unsere Leser, mit welchem Rechte uns Hr. N. jetzt vorwerfen kann, es fehle daran, daß wir unsere Sünden noch nicht öffentlich bekannt hätten, daher wir nicht darauf Anspruch machen dürften, von Christen als solche behandelt zu werden, deren Sünden vergeben und zugedeckt sind durch Christi Blut!

Ja, spricht Hr. Nollau, „es wäre doch heilsamer .., wenn unser Gegner, statt jetzt andere Kirchenparteien zu verketzern und zu befehden, ein demüthiges Bekenntniß der Irrthümer in früherer Zeit in seinem Blatte abgelegt hätte.“ Wir antworten, daß wir allerdings nicht zweifeln, es würde Hrn. N. viel anmuthiger und ergötzlicher gewesen sein, in allen Nummern des Lutheraners Bekenntnisse unserer Sünden zu sehen, als eine Kritik der Statuten des hiesigen evangelischen Vereins; dann hätten wir vielleicht nicht einen so ungnädigen Richter gehabt. Aber erstlich hat unser Blatt nicht den Zweck, von unsern Personen Nachricht zu geben; und sodann fragen wir: Kann ein Mann, der wirklich die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben von Herzen bekennt, verlangen, daß Gefallene nie aufhören sollen, ihre Sünden zu bekennen; ja nichts anders zu thun, als nur immer mit Klagen und Seufzen über ihren Fall vor der Welt und der Christenheit zu erscheinen? Wir antworten: Nein; ein Gerechtfertigter soll zwar seine Sünde nie vergessen, noch weniger wieder zu vertuschen suchen und sein Sündenbekenntniß zurücknehmen, aber er soll auch zur Ehre des Sünder-Freundes endlich laut bekennen: „Mir ist Barmherzigkeit widerfahren;“ und nur Selbstgerechte, die nicht ernstlich glauben, daß es wirklich eine Vergebung in der Christenheit gibt, können sich daran stoßen.

Wohl ist es wahr, wir, die wir einstmals selbst in vielen gefährlichen Irrthümern lagen, haben uns herausgenommen, nun Anderer Irrthümer zu strafen: das achtet nun Herr N. für ein Zeichen unserer Unbußfertigkeit und des Mangels an gründlicher Demüthigung unserer Herzen. Hat er aber denn nicht gelesen, was Christus zu Petrus spricht, da er ihm seinen Fall voraussagt: „Wenn du dich dermaleins bekehrest, so stärke deine Brüder?“ Luc. 22, 32. Hat Herr N. nicht gelesen, was David in dem 51. Psalm, wo er seinen Fall bekennt, spricht: „Tröste mich wieder ..., denn ich will die Uebertreter deine Wege lehren, daß sich die Sünder zu dir bekehren?“ Wo bleibt die Lehre von der Rechtfertigung, die Herr N. so festzuhalten sich rühmt, wenn er die, welche gefallen und durch Gottes Gnade wieder aufgestanden sind, darüber straft, daß sie die Wahrheit, zu welcher sie Gott zurückgeführt hat, nach Kräften zu vertheidigen und den entgegenstehenden Irrthum zu bekämpfen suchen? Gehört dies nach Hrn. N's. Heilsordnung nicht zu den Früchten der Buße, besonders wenn man vorher den Irrthum mit verbreiten half? Nach Hrn. N's. Begriffen von christlicher Kirchenzucht scheint dem Gefallenen, auch wenn er Buße thut, nie wieder Sitz und Stimme in der christlichen Gemeinde gestattet werden zu können; er scheint ihn zu einem ewigen Stillschweigen verdammen und ihm nur Sündenbekenntnisse erlauben zu wollen. Wo bleibt aber hier wiederum die Lehre von der Rechtfertigung? Will Herr N. consequent (schlußrichtig) sein, so muß er mit den Ungläubigen darin übereinstimmen, daß sie von keinem Heiligen wissen wollen, von dem zugleich berichtet ist, daß er einmal gefallen war; ja, Herr N. muß nothwendig an der Bekehrung und geschehenen Demüthigung eines David, Petrus, Saulus u. A. irre werden, die auch tief gefallen waren, und doch nach ihrer Buße die Wahrheit wieder fröhlich bekannten und den Irrthum freimüthig straften. O, wohin hat sich doch Herr N. verirrt, als er sich durch unsere Erklärung, daß wir seine ev. Kirche für eine irrige ansehen, beleidigt fühlte! Es ist übrigens aus diesem Allen nicht undeutlich zu ersehen und es wird in der Folge jedem Leser zum klarsten Bewußtsein kommen, daß Herr N. glaubt, unsere Buße müßte darin bestehen, daß wir das steife Festhalten an der luth. Lehre aufgäben. Vor solcher Buße, zu der uns Satan stark versucht hat, hat uns aber Gott in Gnaden bewahrt.

Ehe wir unsere Beantwortung der Angriffe auf unsern persönlichen Charakter schließen, haben wir nur noch etwas zu berichtigen. Hr. Nollau meldet S. 21. dreist: „Die berüchtigte „„Unterwerfungs-Erklärung““ wurde von allen Erwachsenen, Männern und Frauen, unterschrieben.“ Unser Gegner gibt hier einen traurigen Beweis, daß es ihm, um uns und unsere von ihm „achtungswerth“ genannte Gemeinde (S. 5) vor aller Welt zu Schanden zu machen, nicht ernstlich darauf ankam, ob er wirklich nichts als die volle Wahrheit berichte: denn wir können es mit Zeugen beweisen, daß z. B. gerade wir, ich und der zweite an unsrer Gemeinde angestellte Prediger, jene Unterwerfungs-Erklärung nicht unterschrieben haben, und zwar ich aus dem einfachen Grunde, weil ich schon damals für meine Person das volle Zutrauen zu Stephan verloren hatte.

In der nächsten Nummer gedenken wir, so der HErr will, auf das Wichtigste, um was es sich handelt, nämlich auf die zwischen uns streitigen Lehren einzugehen.

(Fortsetzung folgt.)

Luthers Trotz.

Summa, meine Lehre ist das Hauptstück, darauf ich trotze, nicht allein wider Fürsten und Könige, sondern auch wider alle Teufel, und habe sonst zwar nichts mehr, das mein Herz erhält, stärkt, fröhlich und je länger je mehr trotziger macht. Das andere Stück, mein Leben und persönlich Wesen, weiß ich zu guter Maßen selbst wohl, daß es sündlich und keines Trotzens ist: ich bin ein armer Sünder, und lasse meine Feinde eitel Heilige und Engel sein. Wohl ihnen, so sie es können erhalten. Nicht daß ich vor der Welt und den Unchristen solches sein will, sondern vor Gott und seinen lieben Christen. Vor der Welt will ich auch fromm sein, und bins, so sehr, daß sie nicht werth sollen sein, mir die Schuhriemen aufzulösen; sie sollen mir auch mit der Wahrheit nicht beibringen, daß ich vor der Welt jemand zu nahe lebe oder thue, wie ich wohl will ihnen beibringen. Kurz, ich bin niemand zu demüthig und niemand zu hochmüthig, gleich wie St. Paulus sagt: „Ich kann hoffärtig sein und kann auch demüthig sein, ich kann mangeln und kann auch genug haben.“ Phil. 2, 3. Meiner Lehre halben bin ich dem Teufel, Kaiser, König, Fürsten und aller Welt viel, viel, viel zu stolz, steif und hoffärtig; aber meines Lebens halben bin ich auch einem jeglichen Kinde demüthig und unterworfen. Wer das nicht gewußt hat, der höre es jetzt. Luther in: Antwort auf des Königs in England Lästerschrift. Werke. Hall. XIX. 510. 11.

Der „Lutheraner“ ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber), ferner bei Hrn. Quast (Olive-Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber.

Gedruckt bei Weber und Olshausen.

English translation AI translation

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In me and in my life
There is nothing on this earth of worth:
What Christ has given me,
That alone is worthy of love.

To this, perhaps, Mr. N. will repeat the reproach he made against us in his pamphlet: but you had not yet publicly confessed your sins and errors! (p. 3.) To this we must answer that Mr. N. is mistaken. We believe that there are few who have gone astray who have confessed their aberrations so openly and so completely before the whole world as we have. My late brother gave to the public a penitential sermon preached here, in which our entire fall was faithfully and unreservedly set forth; it was not only printed separately, but was also circulated in periodicals throughout all of Germany, at a time when Mr. N. himself was in Germany. Pastor Keyl has, in the same twofold manner, circulated his own extensive tract, in which our deviations in doctrine and life were set forth with the most humble confessions. Pastor Löber had a systematic account of the errors in which we were formerly entangled circulated in America and in Germany, an account signed by me and by most of the other pastors involved as our common confession. Pastor Brohm did the same, in that he had a historical account of our fall and our recovery inserted into the Pittsburgh Lutheran Church paper. In the local "Anzeiger des Westens," the congregation here, together with me, made public, somewhat more than two years ago, a brief confession before their fellow citizens of their former defection from the Lutheran Church, and called upon everyone to satisfy himself whether we now honestly strive after the high goal set for us in the Lutheran Church. Finally, the editor of the Lutheraner has, quite particularly, spoken privately with Mr. N. himself about our fall, in the most humble avowals; Mr. N. himself comforted us at that time, and assured us that he had testified to our turning back while in Germany, and that he had represented us as best he could to all who were Christian-minded. In view of this we ask our readers with what right Mr. N. can now reproach us that we have not yet publicly confessed our sins, and that we therefore have no claim to be treated by Christians as those whose sins are forgiven and covered by the blood of Christ!

Indeed, says Mr. Nollau, "it would surely have been more wholesome … if our opponent, instead of now branding and making war upon other church parties, had rendered a humble confession in his paper of the errors of an earlier time." We answer that we certainly do not doubt that it would have been far more agreeable and delightful to Mr. N. to see confessions of our sins in every issue of the Lutheraner, rather than a critique of the statutes of the local Evangelical Association; then perhaps we would not have had so ungracious a judge. But in the first place, it is not the purpose of our paper

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to give notice of our own persons; and further, we ask: can a man who truly confesses from his heart the doctrine of the justification of the sinner by faith demand that the fallen should never cease confessing their sins — indeed, that they should do nothing else but forever appear before the world and before Christendom with laments and sighs over their fall? We answer: No. One who is justified should indeed never forget his sin, and still less should he seek to cover it over again or retract his confession of sin; but he should also, to the honor of the Friend of sinners, at last openly confess: "Mercy has been shown to me" — and only the self-righteous, who do not truly believe that there really is forgiveness in Christendom, can take offense at this.

It is indeed true that we, who ourselves once lay in many dangerous errors, have taken it upon ourselves now to rebuke the errors of others: this Mr. N. now regards as a sign of our impenitence and of a lack of thorough humbling of our hearts. But has he then not read what Christ says to Peter, when he foretells his fall: "When thou art converted, strengthen thy brethren" (Luke 22:32)? Has Mr. N. not read what David says in Psalm 51, where he confesses his fall: "Restore unto me the joy [of thy salvation] …, for I will teach transgressors thy ways, and sinners shall be converted unto thee"? What becomes of the doctrine of justification, which Mr. N. boasts of holding so firmly, when he rebukes those who have fallen and, by God's grace, risen again, for seeking, to the best of their ability, to defend the truth to which God has brought them back, and to combat the error opposed to it? Does this not belong, according to Mr. N.'s own order of salvation, among the fruits of repentance — especially when one formerly helped to spread that very error?

According to Mr. N.'s notion of Christian church discipline, it seems that the fallen, even when he repents, can never again be granted seat and vote in the Christian congregation; he seems to wish to condemn him to eternal silence, and to allow him nothing but confessions of sin. But where, once again, is the doctrine of justification here? If Mr. N. wishes to be consistent (logically coherent), he must agree with the unbelievers in refusing to acknowledge any saint of whom it is also reported that he once fell; indeed, Mr. N. must necessarily be troubled by the conversion and the humbling that took place in a David, a Peter, a Saul, and others, who also had fallen deeply, and who nevertheless, after their repentance, joyfully confessed the truth again and freely rebuked error. Oh, how far astray Mr. N. has gone, in feeling himself insulted by our declaration that we regard his Evangelical Church as one in error! It is, moreover, not unclear from all this — and it will become perfectly plain to every reader as we proceed — that Mr. N. believes our repentance would have to consist in our giving up our rigid adherence to Lutheran doctrine. But God has, in his grace, preserved us from such a repentance, to which Satan has strongly tempted us.

Before we conclude our answer to the attacks upon our personal character, we have only one further thing to correct. Mr. Nollau boldly states on p. 21: "The notorious 'Declaration of Submission' was signed by all the adults, men and women alike." Our opponent here gives sad proof that, in his eagerness to bring us and our congregation — which he himself calls "estimable" (p. 5) — to shame before the whole world, he was not seriously concerned with whether he was reporting nothing but the full truth: for we can prove with witnesses that, for example, we ourselves — I, and the second pastor employed at our congregation — did not sign that Declaration of Submission; and I, for my part, did not do so for the simple reason that I myself had already at that time lost full confidence in Stephan.

In the next issue we intend, God willing, to take up the most important matter at hand, namely the doctrines in dispute between us.

(To be continued.)

Luther's Defiance.

In sum, my doctrine is the chief article on which I take my stand in defiance, not only against princes and kings, but also against all devils; and indeed I have nothing else left that sustains my heart, strengthens it, makes it glad, and makes it, the longer the more, defiant. As for the other matter — my life and personal conduct — I know well enough myself that it is sinful and affords no ground for defiance: I am a poor sinner, and I let my enemies be nothing but saints and angels. Good for them, if they can keep it up. Not that I wish to be such before the world and the unbelievers, but before God and his dear Christians. Before the world, too, I wish to be godly, and am so, to such a degree that they are not worthy to untie my shoelaces; nor shall they be able to show me, with any truth, that I have lived or acted too closely against anyone before the world — though I could well show them such things about themselves. In short, I am too humble for no one, and too proud for no one, just as St. Paul says: "I know both how to be abased, and I know how to abound." Philippians 2:3 [sic]. For the sake of my doctrine, I am, toward the devil, the emperor, king, princes, and all the world, far, far, far too proud, stiff, and haughty; but for the sake of my life, I am humble and subject even to every child. Whoever did not know this, let him hear it now. Luther, in: Answer to the Slanderous Writing of the King of England. Works, Halle edition, XIX, 510–11.

The Lutheraner may always be obtained at the residence of the carrier, Mr. Gräber (South Fifth Street, opposite the oil mill), also from Mr. Quast (Olive Street, between Second and Third, below the theater), and from the editor.

Printed by Weber and Olshausen.