Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 1, Nummer 20 › Seite 78

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1845-05-31, Seite 78

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Union 2 · Luther 1

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den sie auch Pfeifen, Pauken, Lauten und allerlei Saitenspiel haben, auch tanzen und mit kleinen Armbrüsten schießen. Und er zeigte mir dort eine feine Wiese im Garten, zum Tanzen zugerichtet, da hingen eitel güldene Pfeifen, Pauken und feine silberne Armbrüste. Aber es war noch frühe, daß die Kinder noch nicht gessen hatten; darum konnte ich des Tanzens nicht erharren, und sprach zu dem Manne: Ach, lieber Herr, ich will flugs hingehen, und das alles meinem lieben Söhnlein Hänsichen schreiben, daß er ja fleißig bete, und wohl lerne, und fromm sei, auf daß er auch in diesen Garten komme; aber er hat eine Muhme Lehne, die muß er mitbringen. Da sprach der Mann: Es soll ja sein, geh hin, und schreib ihm also.

Darum, liebes Söhnlein Hänsichen, lerne und bete ja getrost, und sage es Lippus und Justen auch, daß sie auch lernen und beten, so werdet ihr mit einander in den Garten kommen. Hiemit bis dem allmächtigen Gott befohlen, und grüße Muhmen Lehnen, und gib ihr einen Kuß von meinetwegen. Anno 1530.

Dein lieber Vater
Martinus Luther.“

So liebreich und freundlich aber Luther mit diesem seinen Hänsichen umging, zumal in seiner zarten Kindheit, so ernstlich richtete Luther nachmals seine Erziehung ein und ließ nichts Böses an ihm ungestraft. Unter andern wird erzählt, als Johannes zwölf Jahre alt gewesen sei und etwas verbrochen habe, habe Luther drei Tage lang nichts von ihm wissen wollen, ob er schon in einem demüthigen Schreiben um Verzeihung gebeten, auch seine Mutter, Dr. Jonas und Dr. Cruziger für ihn eine Fürbitte eingelegt hatten; diesen habe Luther geantwortet, er wolle lieber einen todten, als ungehorsamen Sohn haben; denn ein Bischof müsse nach St. Paulo seinem eigenen Hause wohl vorstehen und gehorsame Kinder haben, wenn er die Gemeine Gottes versorgen wolle. Er setzte hinzu: „Gott hat uns erhoben, und um deswegen müssen wir allen ein gut Exempel geben. Unsere aus der Art geschlagenen Kinder gehen sonst andern zum Aergerniß herum und wollen als böse Buben unsere Freiheiten mißbrauchen.“ (Siehe Luthers Werke. H. XXIV, 157.)

Luther hatte sehr oft eine zahlreiche Tischgesellschaft, dies gab zu manchen nützlichen und fröhlichen Gesprächen und Erzählungen Anlaß, wie man aus den gesammelten Tischreden sehen kann. Luther's Verhalten gegen seine Freunde und Gäste im Kreise seiner Familie und dieser gegen Luther war eben so fern von allem mönchischen Sauersehen, als von jenem wüsten und unordentlichen Wesen der Welt; es zeigte sich vielmehr bei allem das Streben, der Ermahnung St. Pauli zu folgen, Phil. 4, 8: „Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohl lautet, ist etwa eine Tugend, ist etwa ein Lob, dem denket nach!“ Scheinheilige stoßen sich freilich oft an der Derbheit jener Zeit, welche sich alledings besonders in Luthers Tischreden abspiegelt.

Auch am Hauskreuze fehlte es jedoch in Luthers Familie nicht. Außer der Plage, die jeder Christ an jedem Tage hat, kamen auch noch Zeiten besonders schwerer Betrübniß. Luthers treues Eheweib wurde einst todkrank; doch erhörte Gott Luthers Gebet für sie. Zwei seiner geliebten Töchter sah er aber unter vielen Thränen aus diesem Leben scheiden, Elisabeth im ersten, Magdalena im vierzehnten Jahre. Der letztern hat er folgende Grabschrift selbst gesetzt:

Hier schlaf ich, Lenichen, Dr. Luthers Töchterlein,
Ruh mit allen Heiligen in meinem Bettelein.
Die ich in Sünden war geborn,
Hätt ewig müssen sein verlorn;
Aber ich leb nun und habs gut,
HErr Christe, erlöst mit Deinem Blut.

(Fortsetzung folgt.)

Antwort auf die neueste Vertheidigung der Union.

Motto: „Man lasse sie nur getrost und frisch predigen, was sie können, und wider wen sie wollen; denn wie ich gesagt habe, es müssen Secten sein. 1 Cor. 11, 19. und das Wort Gottes muß zu Felde liegen und kämpfen; daher auch die Evangelisten heißen Heerschaaren, Ps. 68, 12., und Christus ein Heerkönig in den Propheten. Ist ihr Geist recht, so wird er sich vor uns nicht fürchten, und wohl bleiben. Ist unser recht, so wird er sich vor ihnen auch nicht, noch vor Jemand fürchten. Man lasse die Geister auf einander platzen und treffen. Werden etliche indeß verführt: wohlan, so gehts nach rechtem Kriegeslauf; wo ein Streit und Schlacht ist, da müssen etliche fallen und verwundet werden; wer aber redlich ficht, wird gekrönet werden.“ Luther, vom Geist der Wiedertäufer.

Vor einigen Tagen ist hier eine, bei Weber & Olshausen gedruckte Broschüre erschienen, unter dem Titel: „Ein Wort für die gute Sache der Union. Vertheidigung gegen die Angriffe des „„Lutheraner"" auf die evangelische Kirche, von E. L. Nollau, evang. Pastor in Gravois bei St. Louis.“*) Es freut uns, dieses Büchlein hiermit anzeigen zu können, denn wir sind der festen Ueberzeugung, daß die gute Sache der Wahrheit nur gewinnen kann, mag man nun für oder wider dieselbe heraustreten, wenn es nur öffentlich geschieht. Auch war es längst unser Wunsch, eigene Zeugnisse der Stimmführer in der hiesigen evangelischen Kirche von dem, was sie eigentlich glauben, in den Händen zu haben und andern in die Hände geben zu können. Unser Wunsch ist erfüllt; wer sich von dem Geiste der neuen ev. Kirche des Westens mit eigenen Augen überzeugen will, der hat nun Gelegenheit dazu.

*) Das Schriftchen ist zu haben bei Franksen & Wesselhöft, St. Louis, Mo.

Die Schrift ist nach Seite 67 hauptsächlich für die Leser des „Lutheraner“ geschrieben und „bezweckt,“ wie Herr Nollau sich ausdrückt, „nichts anderes, als auf die engherzige, unevangelische und bedenkliche Richtung aufmerksam zu machen, welche im „„Lutheraner"" vertreten und verbreitet wird.“ Hiernach müssen wir es für unsere Pflicht ansehen, in unserem Blatte zu antworten, entweder, wenn wir überführt worden sind, öffentlich zu widerrufen, oder, wenn wir falschen Klägern gegenüberstehen, uns zu rechtfertigen. Wir erfüllen diese Pflicht um so lieber, da wir hierbei veranlaßt werden, uns über wichtige Artikel der christlichen Lehre noch deutlicher, als es geschehen, auszusprechen, die reine Lehre noch besser vor Mißverständniß und Verkehrung zu verwahren, und dem wahrheitsliebenden Leser selbst für die Fälle Waffen in die Hände zu geben, wenn der Irrthum im Gewand der Wahrheit am täuschendsten auftritt.

Es thut uns leid, nicht sogleich auf die Hauptsache, nämlich auf die Lehre, eingehen zu können. Hrn. N. hat aber nicht beliebt, allein auf diesem Felde zu kämpfen; er hat uns auch persönlich und zwar so angegriffen, daß er sich dabei bewußt war, die empfindlichsten Stellen zu treffen, und wo er uns gewiß verwunden könne und werde. Das Vertrauen auf „die gute Sache der Union“ scheint den Herrn Verfasser gleich von vorn herein so ganz verlassen zu haben, daß er sich auf keinem anderen Wege einen Sieg jener „guten Sache“ versprechen wollte, als wenn er erst seine Widersprecher durch Erinnerung an ihre vormaligen Vergehungen vor dem Angesichte der Welt schamroth gemacht haben würde.

Herr N. schreibt zwar S. 4: „Fern sei es von uns, das damals gegebene Aergerniß den Betheiligten vorwerfen und ihnen dadurch wehe thun zu wollen,“ was sollen wir aber dazu sagen, wenn es Herr N. nun doch thut? Wir meinen, es wäre ehrlicher gehandelt gewesen, wenn es Herr N. nur gerade heraus gesagt hätte: Ihr seid unsere Feinde, und als Feinde müssen wir euch behandeln. Eine solche Aufrichtigkeit würde uns Zutrauen zu Hrn. N. eingeflößt haben; aber fürwahr, es ist eine nicht leichte, ja nicht zu lösende Aufgabe, den Liebeserklärungen Hrn. Nollau's und seinen Versicherungen, daß er uns mit christlicher Schonung beurtheile, zu glauben, da er in demselben Augenblicke uns gerade so angreift, wie (nun wenigstens) es nur unsere rücksichtslosesten Feinde noch thun. Es thut uns weh, Hrn. N. wider uns, mit solchen Gegnern „im Bunde,“ kämpfen zu sehen.

Herr N. wirft uns unter Anderm vor, wir seien „in pharisäischem Selbstruhme sich vollkommen dünkende Lutheraner“ (Seite 28); wir gäben böswillige Erklärungen“ (daselbst); wir wollten lieber die Reformirten darben lassen, als auch ihrer uns annehmen“ (S. 2); wir hätten ein „weites Gewissen“ (41); wir beobachteten ein „unredliches Verfahren“ (43); wir seien „unduldsam, feindeten die Evangelischen an und verketzerten sie“ (49); wir „glaubten der echte Stamm und Kern der luth. Kirche in America zu sein“ (70); wir hätten unsere Kritik nur „angeblich aus Liebe zur Wahrheit“ geschrieben (64); wir behaupteten: „wir allein hätten die Wahrheit“ (70); wir brächten hie und da einige zum Austritt aus der Evang. Kirche, allein darum: „weil es viel leichter sei, auf das Sein in der wahren Kirche zu pochen, der reinen Lehre sich zu rühmen und Andersdenkende lieblos zu verketzern, als sich rechtschaffen und gründlich zu bekehren“ (65). Endlich weist Herr N. auf die vor ungefähr fünf Jahren ausgegangene Prophezeiung eines

English translation AI translation

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—have pipes, drums, lutes, and all kinds of string music, and shall dance too, and shoot with little crossbows. And he showed me there a fine meadow in the garden, laid out for dancing, hung about with nothing but golden pipes and drums and fine silver crossbows. But it was still early, so that the children had not yet eaten; therefore I could not wait for the dancing, and I said to the man: Ah, dear sir, I will go at once and write all this to my dear little son Hans, that he may pray diligently, and study well, and be pious, so that he too may come into this garden; but he has an aunt Lena, whom he must bring with him. Then the man said: So be it; go, and write to him accordingly.

Therefore, dear little son Hans, learn and pray with confidence, and tell Lippus and Jost also to learn and pray, so that you may all come into the garden together. Herewith I commend you to Almighty God, and greet Aunt Lena, and give her a kiss from me. In the year 1530.

Your loving father,
Martin Luther."

But however lovingly and kindly Luther dealt with this little Hans of his, especially in his tender childhood, just as earnestly did Luther afterward direct his upbringing, and let nothing wicked in him go unpunished. Among other things it is told that when Johannes was twelve years old and had done something wrong, Luther would have nothing to do with him for three whole days, even though he had already begged forgiveness in a humble letter, and although his mother, Dr. Jonas, and Dr. Cruciger had interceded for him; to these Luther answered that he would rather have a dead son than a disobedient one, for a bishop, according to St. Paul, must rule well over his own house and have obedient children, if he is to care for the congregation of God. He added: "God has raised us up, and for that reason we must give everyone a good example. Our children, if they turn out badly, go about as a scandal to others, and want, like wicked boys, to abuse our freedoms." (See Luther's Works, Halle edition, XXIV, 157.)

Luther very often kept a large table-company, which gave occasion for many useful and cheerful conversations and stories, as may be seen from the collected Table Talk. Luther's conduct toward his friends and guests within the circle of his family, and theirs toward him, was as far removed from all monkish sourness as it was from the wild and disorderly manner of the world; rather, in everything there showed itself the striving to follow St. Paul's admonition, Philippians 4:8: "Whatsoever things are true, whatsoever things are honest, whatsoever things are just, whatsoever things are pure, whatsoever things are lovely, whatsoever things are of good report, if there be any virtue, and if there be any praise, think on these things." Hypocrites, of course, often take offense at the bluntness of that age, which is indeed reflected in particular in Luther's Table Talk.

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Nor was the household cross lacking in Luther's family. Besides the affliction that every Christian has every day, there also came times of especially heavy sorrow. Luther's faithful wife once became deathly ill; but God heard Luther's prayer for her. Yet two of his beloved daughters he saw depart from this life amid many tears — Elisabeth in her first year, Magdalena in her fourteenth. For the latter he himself composed the following epitaph:

Here I sleep, little Lena, Dr. Luther's dear daughter,
Rest with all the saints in my little bed.
I who was born in sin
Would have had to be lost forever;
But now I live, and all is well with me,
Lord Christ, redeemed by Thy blood.

(To be continued.)

Reply to the Latest Defense of the Union.

Motto: "Let them preach boldly and freely whatever they can, and against whomever they wish; for, as I have said, there must be factions (1 Corinthians 11:19), and the Word of God must lie encamped in the field and do battle; that is why the evangelists are called hosts (Psalm 68:12), and Christ a captain of hosts in the prophets. If their spirit is right, it will not fear us, and will hold its ground well. If ours is right, it will not fear them, nor anyone else, either. Let the spirits clash and collide with one another. If some are led astray in the meantime — well, that is the ordinary course of war; where there is strife and battle, some must fall and be wounded; but whoever fights honestly will be crowned."

Luther, on the spirit of the Anabaptists.

A few days ago a pamphlet appeared here, printed by Weber & Olshausen, under the title: "A Word for the Good Cause of the Union. A Defense against the Attacks of the 'Lutheraner' upon the Evangelical Church, by E. L. Nollau, Evangelical Pastor in Gravois near St. Louis."* We are glad to be able to announce this little book, for we are firmly convinced that the good cause of the truth can only gain, whether one comes forward for it or against it, so long as it is done publicly. It has also long been our wish to have in hand, and to be able to place in others' hands, the spokesmen of the local Evangelical Church's own testimonies as to what they actually believe. Our wish has now been fulfilled; whoever wishes to convince himself with his own eyes of the spirit of the new Evangelical Church of the West now has the opportunity to do so.

* The pamphlet may be obtained from Franksen & Wesselhöft, St. Louis, Mo.

According to page 67, the pamphlet is written chiefly for the readers of the Lutheraner, and, as Mr. Nollau puts it, is intended "for nothing else than to call attention to the narrow-minded, unevangelical, and questionable tendency that is represented and disseminated in the 'Lutheraner.'" In view of this we must regard it as our duty to reply in our paper — either, if we have been shown to be in error, to retract publicly, or, if we are faced with false accusers, to justify ourselves. We fulfill this duty all the more gladly since it gives us occasion to express ourselves yet more clearly than we have done on important articles of Christian doctrine, to guard the pure doctrine still better against misunderstanding and distortion, and to put weapons into the hands of the truth-loving reader himself, for those cases in which error appears most deceptively in the guise of truth.

We are sorry that we cannot at once take up the main matter, namely the doctrine. But Mr. N. has not seen fit to fight on that field alone; he has also attacked us personally, and indeed in such a way that he was clearly aware he was striking at our most sensitive points, where he could and would be sure to wound us. Confidence in "the good cause of the Union" seems to have so completely deserted the author from the very outset that he could promise himself a victory for that "good cause" by no other means than first putting his opponents to shame before the eyes of the world by reminding them of their former transgressions.

Mr. N. indeed writes on p. 4: "Far be it from us to reproach those involved for the offense given at that time, or to wish to hurt them by it" — but what are we to say when Mr. N. now does exactly that? We think it would have been more honest of Mr. N. simply to say outright: You are our enemies, and as enemies we must treat you. Such candor would have inspired us with confidence in Mr. N.; but truly, it is no easy task — indeed an insoluble one — to believe Mr. Nollau's declarations of love and his assurances that he judges us with Christian forbearance, when in that very same breath he attacks us in just the way that (now, at least) only our most ruthless enemies still do. It grieves us to see Mr. N. fighting against us in league with such adversaries.

Mr. N. accuses us, among other things, of being "Lutherans who imagine themselves perfect in Pharisaic self-praise" (p. 28); of giving "malicious explanations" (ibid.); of preferring to let the Reformed go hungry rather than take them in as well (p. 2); of having a "broad conscience" (41); of practicing "dishonest procedure" (43); of being "intolerant, of treating the Evangelicals with hostility and branding them as heretics" (49); of "believing ourselves to be the true stock and core of the Lutheran Church in America" (70); of having written our criticism only "allegedly out of love for the truth" (64); of asserting that "we alone have the truth" (70); of causing some here and there to leave the Evangelical Church, solely because "it is much easier to insist on being in the true church, to boast of pure doctrine, and to brand those who think differently as heretics without love, than to convert oneself honestly and thoroughly" (65). Finally, Mr. N. points, with a meaningful exclamation mark, to the prophecy issued about five years ago by a certain