Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 15 › Seite 120
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-03-19, Seite 120
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alle Scham vornehmen und thun, was ſie nur
gedenken. Darum haben auch die Heiden die
Trunkenheit billig geſtrafet und verflucht, als die
des Menſchen Natur zuwider iſt, und ſo viel
Schaden thut.
Aber das iſt noch nirgend das Hauptſtück und
fürnehmſte Uebel dieſes Laſters. Die heilige
Schrift lehret uns von ſolchen Sünden, ſo der
Trunkenheit folgen, welche die Heiden nicht haben
können ſehen noch erkennen. Denn alſo prediget
und ſagt der Sohn GOttes, die hohe Majeſtät,
unſer lieber HErr IEſus Chriſtus ſelbſt: „Hütet
euch“, ſpricht er Luc. 21, 34., „daß eure Herzen
nicht beſchweret werden mit Freſſen und Saufen“
u. ſ. w. Und St. Paulus 1 Cor. 6, 10.: „Die
Trunkenbolde werden das Reich GOttes nicht
ererben.“ Item Epheſ. 5, 18.: „Saufet euch
nicht voll Weins, denn es folget ein unordig
Weſen daraus.“ So ſaget Hoſeas ein ſehr har⸗
tes Wort: „Hurerei“, ſpricht er Kap. 4, 11., „und
der Wein ſtehlen das Herz hinweg.“
Dieſe und dergleichen Sprüche ſiehe fleißig an,
nimm ſie wohl zu Herzen, und denke ihnen recht
nach, ſo wirſt du befinden und gewahr werden,
daß die Trunkenheit nicht allein ein häßlich und
ſchändlich Laſier iſt, ſondern auch die größte Ge⸗
fahr und Schaden bringet. Denn ſo ein Arzt die
Leute vor dieſem Laſter ſo fleißig warnet, davon
dehortiret und abhält, darum, daß es das Haupt
beſchweret, den Leib anzündet, und zu vielen un⸗
zähligen Krankheiten Urſach gibt; wie viel größer
und ſchwerer iſt der Schade und Unrath, daß
Trunkenheit nicht allein das Herz beſchweret, ſon⸗
dern auch das Herz ſtiehlet, das iſt, nimmt Got⸗
tesfurcht hinweg, machet die Herzen ſicher, zündet
an die Lüſte, ſo wider GOttes Gebot ſtreben,
nimmt weg GOttes Erkenntniß, machet uns un⸗
geſchickt und unluſtig zum Gebet und GOtt an⸗
zurufen, und daß ich es mit einem Worte ſage:
GOttes Bild und Conterfei, ſo durchs Wort
und durch den Glauben im Herzen angezündet
iſt, und leuchtet, dasſelbige beſchmeißt ſie ganz
und gar, gleich als mit Koth und Unflath be⸗
ſudelt.
Daher kommen und folgen die greulichen,
grauſamen Fälle, deren Erempel man täglich
viel ſiehet und erfähret, daß ihrer viel aus lie⸗
derlichen Urſachen leichtlich umkommen. Viel
fallen unverſehens in große und ſchwere Sünde,
daß ſie auch nicht wiſſen, wie. Denn es iſt
wahr, wie der griechiſche Poet ſagt: Trunkenheit
iſt eine große und gnugſame Urſache zu ſündigen;
denn ſie macht Leib und Seele wehrlos, matt und
krank. Darum überhäufet und überſchüttet die⸗
ſer ſchädliche Feind, ſo allenthalben Fallſtricke le⸗
get, die Trunkenbolde ohne alle Mühe, liederlich,
mit allem Uebel, Jammer und Unglück, wie er
nur ſelbſt will.
Ja, es iſt noch viel ein größer, beſchwerlicher
und erſchrecklicher Uebel übrig, daß, wie St. Pau⸗
lus 1 Cor. 6, 10. ſagt, die Trunkenbolde GOttes
Reich nicht ererben. Derohalben ſollen wir nicht
allein uns vor Trunkenheit hüten, ſie fliehen, ſon⸗
dern ſollen auch, wie Chriſtus vermahnet Luc. 21,
36. Matth. 26, 41. „allezeit und ohne Unterlaß
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wacker ſein und beten, daß wir nicht in Verſuchung
fallen“.
Alſo haſt du, was die heilige Schrift von
Trunkenheit hält, wie und was ſie davon lehret
und prediget. Es iſt aber nütze und gut, daß
man hieneben auch wohl bedenke, was Trunken⸗
heit mehr für Schaden bringet, beide, am Leibe
und Gütern. Dem Leibe bringet ſie viel plötzliche
und tödtliche Krankheiten, machet ihn zu den aller⸗
geringſten und leichteſten Werken, Aemtern und
Dienſten ungeſchickt und untüchtig, überſchüttet
und verderbet das Ingenium und den natürlichen
Verſtand ganz und gar. Und geſchieht, wie der
feine Heide Seneca ſagt, daß die Gebrechen, La⸗
ſter und Untugend, ſo man mit dem Saufen durch
den Wein gefaſſet und eingebildet hat, auch ohne
Wein, das iſt, wenn man ſchon wieder nüchtern
iſt, und nicht getrunken hat, bleiben und währen.
Darum auch Pythagoras recht geſagt hat, daß
Trunkenheit eine ſtete Uebung der Unſinnigkeit
ſei. Denn das widerfähret den Trunkenbolden,
daß ſie ſtets für toll und unſinnig angeſehen und
gehalten werden.
Von Sophocle ſagt man, daß er den Poeten
Aeſchylum um ſeiner ſteten Trunkenheit willen
pflegen zu ſtrafen. Denn ob er gleich gute Verſe
macht, ſind ſie doch, ſprach er, nicht lobenswerth;
denn er thuts unwiſſend. Denn gewiß iſt es,
daß trunkene Leute, wie das Vieh, keinen Ver⸗
ſtand noch Vernunft haben, können ihre Gedan⸗
ken dahin nicht richten, daß ſie große, wichtige
Sachen recht mit Ernſt bedächten. Darum,
wenn ſie etwas Gutes thun und recht ausrichten,
das geſchieht mehr zufällig, ohngefähr und
plumps halben, denn bedächtig, oder aus ſon⸗
derlichem Verſtande und Geſchicklichkeit; ſintemal
deren keines in den Trunkenbolden ſein kann.
Den Gütern aber bringet ſie nicht einen klei⸗
nen Schaden. Denn wie Jeſus Sirach ſagt
Kapitel 19, 1.: „Ein Arbeiter, der ſich gerne voll
ſäuft, der wird nicht reich“, nicht allein darum,
daß er die Unkoſten nicht ertragen kann, ſondern
auch, daß GOtt den ſchändlichen Mißbrauch
einer ſolchen köſtlichen und heilſamen Gabe nicht
leiden kann.
Darum ſind unſere Deutſchen blinde, tolle und
gottloſe Leute, daß ſie zu dieſem ſchädlichen und
ärgerlichen Uebel und Laſter ſo große Luſt und
Liebe haben, und andere darzu locken und reizen,
wie ſie nur können, unangeſehen ihrer Seelen
Seligkeit, und Wohlfahrt des Leibes, Ehren und
Gutes, welche gewiß in der höchſten Gefahr ſtehen ſi
müſſen.
Aber fromme, rechtſchaffene Chriſten und got⸗
tesfürchtige Herzen haben dieſe Sprüche der
Schrift ſtets vor Augen und im Herzen: und
weil ſie vom Propheten. hören, daß die Trunken⸗
bolde mit Mißwachs der Früchte und mit Theu⸗
rung geſtrafet werden, brauchen ſie GOttes
Gaben mit Dankſagung, mäßig und nüchtern;
nicht zur Uebermaß, zu ſchlemmen und dämmen,
oder zum Gepränge; ſondern zu des Leibes
Nothdurft. Alſo werden ſie nicht allein den gro⸗
ßen, greulichen Strafen entfliehen, ſondern auch
gewiſſe Belohnung für ihre Frömmigkeit und
Gottſeligkeit empfahen, ſich über GOttes Segen
freuen, und darüber fröhlich ſein. Die andern
aber, die ſolche ernſte Predigt des HErrn Chriſti,
der Propheten und Apoſtel in Wind ſchlagen
und verachten, ſind gute Geſellen, und han⸗
gen dieſem Laſter an, die ſoll Niemand für
rechte, ſondern für gefärbte und Maulchriſten
halten.
An das Wahl⸗Callegium der Synode von
Miſſouri, Ohio u. a. Staaten.
Zufolge der Aufforderung, welche der derzeitige
Präſes unſerer Synode, Hr. Paſtor Walther, im
„Lutheraner“ Jahrgang 6, No. 6, an das betref⸗
fende Wahl⸗Collegium richtete, ſind mehrere
Stimmen eingegangen, nach welchen als Candi⸗
daten für die vacante Profeſſur an dem Seminar
zu Fort Wayne aufgeſtellt ſind: 1) Hr. Paſtor
Biewend; 2) Hr. Paſtor Brohm und 3) Hr.
Paſtor Crämer.
Diejenigen Glieder des Wahl⸗ Collegiums,
welche noch nicht geſtimmt haben, werden von
dem Unterzeichneten hiemit aufgefordert, ihre
Stimmen bis zum 15. Mai d. J. an ihn einzu⸗
ſenden. Zugleich erſucht er diejenigen Gemein⸗
den, welche von ihrem Rechte, eine Perſon als
Candidaten für die genannte Profeſſur vorzuſchla⸗
gen oder wider die eine und andere der aufge⸗
ſtellten Perſonen zu proteſtiren (ſiehe Synodal⸗
bericht von 1848, S. 16, § 10) Gebrauch
machen wollen, ſolches ebenfalls bis zum
15. Mai zu thun. Einſendungen in Beziehung
auf die Wahl, welche von einem ſpäteren Datum,
als dem 15. Mai 1850, gemacht werden, bleiben
unberückſichtigt.
Alle auf die Wahl bezügliche Briefe bitte ich
mir unter der Adreſſe des Hrn. Paſtor C. F. W.
Walther, St. Louis, Mo., zuzuſenden.
C. J. H. Fick,
prot. Secretär des Wahl⸗Collegiums.
*
Jüngſt gefaßte Beſchlüſſe der lutheriſchen un⸗
ter Haͤrleß gehaltenen Conferenz zu Leihzig.
Dieſe Beſchlüſſe waren, wie wir aus einem
Wechſelblatte erfahren, folgende:
10 Die Conferenz erklärt ſich dahin, daß dit
Uebereinſtimmung im Bekenntniſſe der weſent⸗
liche Grund der Kirche ſei. Gleichheit der kirch⸗
lichen Inſtitutionen und Verfaſſungen dagegen
ſieht ſie zwar als wünſchenswerthe Frucht, aber
nicht als Bedingung kirchlicher Gemeinſchaft an,
vorausgeſetzt, daß eine Verfaſſung die Geltung
und Handhabung des Bekenntniſſes nicht un⸗
möglich mache.
2) Die Nothwendigkeit, aus einer bisher be⸗
ſtehenden Landes kirche zu ſcheiden, tritt erſt dann
ein, wenn von Seiten des Kirchenregimentes
Acte der Geſetzgebung geſchehen, durch welche
das Bekenntniß alterirt wird, und zu deren Auf⸗
hebung alle geſetzlichen Schritte vergeblich ver⸗
ſucht ſind.
3) Die Conferenz betrachtet das, was innert
Miſſion genannt wird, als chriſtlichen Liebes⸗
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