# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 03 19_S120 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) alle Scham vornehmen und thun, was ſie nur gedenken. Darum haben auch die Heiden die Trunkenheit billig geſtrafet und verflucht, als die des Menſchen Natur zuwider iſt, und ſo viel Schaden thut. Aber das iſt noch nirgend das Hauptſtück und fürnehmſte Uebel dieſes Laſters. Die heilige Schrift lehret uns von ſolchen Sünden, ſo der Trunkenheit folgen, welche die Heiden nicht haben können ſehen noch erkennen. Denn alſo prediget und ſagt der Sohn GOttes, die hohe Majeſtät, unſer lieber HErr IEſus Chriſtus ſelbſt: „Hütet euch“, ſpricht er Luc. 21, 34., „daß eure Herzen nicht beſchweret werden mit Freſſen und Saufen“ u. ſ. w. Und St. Paulus 1 Cor. 6, 10.: „Die Trunkenbolde werden das Reich GOttes nicht ererben.“ Item Epheſ. 5, 18.: „Saufet euch nicht voll Weins, denn es folget ein unordig Weſen daraus.“ So ſaget Hoſeas ein ſehr har⸗ tes Wort: „Hurerei“, ſpricht er Kap. 4, 11., „und der Wein ſtehlen das Herz hinweg.“ Dieſe und dergleichen Sprüche ſiehe fleißig an, nimm ſie wohl zu Herzen, und denke ihnen recht nach, ſo wirſt du befinden und gewahr werden, daß die Trunkenheit nicht allein ein häßlich und ſchändlich Laſier iſt, ſondern auch die größte Ge⸗ fahr und Schaden bringet. Denn ſo ein Arzt die Leute vor dieſem Laſter ſo fleißig warnet, davon dehortiret und abhält, darum, daß es das Haupt beſchweret, den Leib anzündet, und zu vielen un⸗ zähligen Krankheiten Urſach gibt; wie viel größer und ſchwerer iſt der Schade und Unrath, daß Trunkenheit nicht allein das Herz beſchweret, ſon⸗ dern auch das Herz ſtiehlet, das iſt, nimmt Got⸗ tesfurcht hinweg, machet die Herzen ſicher, zündet an die Lüſte, ſo wider GOttes Gebot ſtreben, nimmt weg GOttes Erkenntniß, machet uns un⸗ geſchickt und unluſtig zum Gebet und GOtt an⸗ zurufen, und daß ich es mit einem Worte ſage: GOttes Bild und Conterfei, ſo durchs Wort und durch den Glauben im Herzen angezündet iſt, und leuchtet, dasſelbige beſchmeißt ſie ganz und gar, gleich als mit Koth und Unflath be⸗ ſudelt. Daher kommen und folgen die greulichen, grauſamen Fälle, deren Erempel man täglich viel ſiehet und erfähret, daß ihrer viel aus lie⸗ derlichen Urſachen leichtlich umkommen. Viel fallen unverſehens in große und ſchwere Sünde, daß ſie auch nicht wiſſen, wie. Denn es iſt wahr, wie der griechiſche Poet ſagt: Trunkenheit iſt eine große und gnugſame Urſache zu ſündigen; denn ſie macht Leib und Seele wehrlos, matt und krank. Darum überhäufet und überſchüttet die⸗ ſer ſchädliche Feind, ſo allenthalben Fallſtricke le⸗ get, die Trunkenbolde ohne alle Mühe, liederlich, mit allem Uebel, Jammer und Unglück, wie er nur ſelbſt will. Ja, es iſt noch viel ein größer, beſchwerlicher und erſchrecklicher Uebel übrig, daß, wie St. Pau⸗ lus 1 Cor. 6, 10. ſagt, die Trunkenbolde GOttes Reich nicht ererben. Derohalben ſollen wir nicht allein uns vor Trunkenheit hüten, ſie fliehen, ſon⸗ dern ſollen auch, wie Chriſtus vermahnet Luc. 21, 36. Matth. 26, 41. „allezeit und ohne Unterlaß 119 wacker ſein und beten, daß wir nicht in Verſuchung fallen“. Alſo haſt du, was die heilige Schrift von Trunkenheit hält, wie und was ſie davon lehret und prediget. Es iſt aber nütze und gut, daß man hieneben auch wohl bedenke, was Trunken⸗ heit mehr für Schaden bringet, beide, am Leibe und Gütern. Dem Leibe bringet ſie viel plötzliche und tödtliche Krankheiten, machet ihn zu den aller⸗ geringſten und leichteſten Werken, Aemtern und Dienſten ungeſchickt und untüchtig, überſchüttet und verderbet das Ingenium und den natürlichen Verſtand ganz und gar. Und geſchieht, wie der feine Heide Seneca ſagt, daß die Gebrechen, La⸗ ſter und Untugend, ſo man mit dem Saufen durch den Wein gefaſſet und eingebildet hat, auch ohne Wein, das iſt, wenn man ſchon wieder nüchtern iſt, und nicht getrunken hat, bleiben und währen. Darum auch Pythagoras recht geſagt hat, daß Trunkenheit eine ſtete Uebung der Unſinnigkeit ſei. Denn das widerfähret den Trunkenbolden, daß ſie ſtets für toll und unſinnig angeſehen und gehalten werden. Von Sophocle ſagt man, daß er den Poeten Aeſchylum um ſeiner ſteten Trunkenheit willen pflegen zu ſtrafen. Denn ob er gleich gute Verſe macht, ſind ſie doch, ſprach er, nicht lobenswerth; denn er thuts unwiſſend. Denn gewiß iſt es, daß trunkene Leute, wie das Vieh, keinen Ver⸗ ſtand noch Vernunft haben, können ihre Gedan⸗ ken dahin nicht richten, daß ſie große, wichtige Sachen recht mit Ernſt bedächten. Darum, wenn ſie etwas Gutes thun und recht ausrichten, das geſchieht mehr zufällig, ohngefähr und plumps halben, denn bedächtig, oder aus ſon⸗ derlichem Verſtande und Geſchicklichkeit; ſintemal deren keines in den Trunkenbolden ſein kann. Den Gütern aber bringet ſie nicht einen klei⸗ nen Schaden. Denn wie Jeſus Sirach ſagt Kapitel 19, 1.: „Ein Arbeiter, der ſich gerne voll ſäuft, der wird nicht reich“, nicht allein darum, daß er die Unkoſten nicht ertragen kann, ſondern auch, daß GOtt den ſchändlichen Mißbrauch einer ſolchen köſtlichen und heilſamen Gabe nicht leiden kann. Darum ſind unſere Deutſchen blinde, tolle und gottloſe Leute, daß ſie zu dieſem ſchädlichen und ärgerlichen Uebel und Laſter ſo große Luſt und Liebe haben, und andere darzu locken und reizen, wie ſie nur können, unangeſehen ihrer Seelen Seligkeit, und Wohlfahrt des Leibes, Ehren und Gutes, welche gewiß in der höchſten Gefahr ſtehen ſi müſſen. Aber fromme, rechtſchaffene Chriſten und got⸗ tesfürchtige Herzen haben dieſe Sprüche der Schrift ſtets vor Augen und im Herzen: und weil ſie vom Propheten. hören, daß die Trunken⸗ bolde mit Mißwachs der Früchte und mit Theu⸗ rung geſtrafet werden, brauchen ſie GOttes Gaben mit Dankſagung, mäßig und nüchtern; nicht zur Uebermaß, zu ſchlemmen und dämmen, oder zum Gepränge; ſondern zu des Leibes Nothdurft. Alſo werden ſie nicht allein den gro⸗ ßen, greulichen Strafen entfliehen, ſondern auch gewiſſe Belohnung für ihre Frömmigkeit und Gottſeligkeit empfahen, ſich über GOttes Segen freuen, und darüber fröhlich ſein. Die andern aber, die ſolche ernſte Predigt des HErrn Chriſti, der Propheten und Apoſtel in Wind ſchlagen und verachten, ſind gute Geſellen, und han⸗ gen dieſem Laſter an, die ſoll Niemand für rechte, ſondern für gefärbte und Maulchriſten halten. An das Wahl⸗Callegium der Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten. Zufolge der Aufforderung, welche der derzeitige Präſes unſerer Synode, Hr. Paſtor Walther, im „Lutheraner“ Jahrgang 6, No. 6, an das betref⸗ fende Wahl⸗Collegium richtete, ſind mehrere Stimmen eingegangen, nach welchen als Candi⸗ daten für die vacante Profeſſur an dem Seminar zu Fort Wayne aufgeſtellt ſind: 1) Hr. Paſtor Biewend; 2) Hr. Paſtor Brohm und 3) Hr. Paſtor Crämer. Diejenigen Glieder des Wahl⸗ Collegiums, welche noch nicht geſtimmt haben, werden von dem Unterzeichneten hiemit aufgefordert, ihre Stimmen bis zum 15. Mai d. J. an ihn einzu⸗ ſenden. Zugleich erſucht er diejenigen Gemein⸗ den, welche von ihrem Rechte, eine Perſon als Candidaten für die genannte Profeſſur vorzuſchla⸗ gen oder wider die eine und andere der aufge⸗ ſtellten Perſonen zu proteſtiren (ſiehe Synodal⸗ bericht von 1848, S. 16, § 10) Gebrauch machen wollen, ſolches ebenfalls bis zum 15. Mai zu thun. Einſendungen in Beziehung auf die Wahl, welche von einem ſpäteren Datum, als dem 15. Mai 1850, gemacht werden, bleiben unberückſichtigt. Alle auf die Wahl bezügliche Briefe bitte ich mir unter der Adreſſe des Hrn. Paſtor C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., zuzuſenden. C. J. H. Fick, prot. Secretär des Wahl⸗Collegiums. * Jüngſt gefaßte Beſchlüſſe der lutheriſchen un⸗ ter Haͤrleß gehaltenen Conferenz zu Leihzig. Dieſe Beſchlüſſe waren, wie wir aus einem Wechſelblatte erfahren, folgende: 10 Die Conferenz erklärt ſich dahin, daß dit Uebereinſtimmung im Bekenntniſſe der weſent⸗ liche Grund der Kirche ſei. Gleichheit der kirch⸗ lichen Inſtitutionen und Verfaſſungen dagegen ſieht ſie zwar als wünſchenswerthe Frucht, aber nicht als Bedingung kirchlicher Gemeinſchaft an, vorausgeſetzt, daß eine Verfaſſung die Geltung und Handhabung des Bekenntniſſes nicht un⸗ möglich mache. 2) Die Nothwendigkeit, aus einer bisher be⸗ ſtehenden Landes kirche zu ſcheiden, tritt erſt dann ein, wenn von Seiten des Kirchenregimentes Acte der Geſetzgebung geſchehen, durch welche das Bekenntniß alterirt wird, und zu deren Auf⸗ hebung alle geſetzlichen Schritte vergeblich ver⸗ ſucht ſind. 3) Die Conferenz betrachtet das, was innert Miſſion genannt wird, als chriſtlichen Liebes⸗