Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 13 › Seite 103
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-02-16, Seite 103
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Engel · Ervaltung⸗ 4 · Luther 5 · Regierung 11
ſchwand. Später geſtand dann ein Mann, der
dem frommen Schultheiß von lange her feind
war, daß er an jenem Abend mit einem Beil in
jenem Getreidefelde verſteckt geweſen ſei, um den
Schultheißen todtzuſchlagen, weil er geglaubt
habe, er werde allein nach Hauſe gehen. Es
ſeien aber zwei Männer zu ſeiner Rechten und
Linken gegangen, die eifrig mit ſprachen und
nicht von ihm wichen, bis derſelbe zu ſeinem
Hauſe gekommen ſei; daher habe er ſein Vor⸗
haben nicht ausführen können. Und doch, lie⸗
ber Leſer, iſt kein Menſch bei dem Schultheißen
geweſen.
Wie aber die himmliſchen Heerſchaaren mit
Freuden zum Dienſt derer bereit ſind, welche erer⸗
ben ſollen die Seligkeit; ſo müſſen auch die weit
geringeren Creaturen auf der Erde und im Waſ⸗
ſer auf den Befehl Gottes ſeinen Kindern Hülfe
leiſten. Und derſelbe Gott, der den Raben, die
doch ſonſt lieber Alles ſelber verſchlingen, gebot,
daß ſie dem Elias Brod und Fleiſch brachten
(1 Kön. 17, 4. ff.); derſelbe Gott, der den gro⸗
ßen Fiſch herbeiführte, den Jonas zu verſchlin⸗
gen, und ihm dann gebot, den Propheten unver⸗
ſehrt wieder an's Land zu werfen (Jon. 2, 1.
und 11.); derſelbe HErr, der den Fiſchen befahl,
das Netz der Jünger, die die ganze Nacht gefiſcht
hatten, zu füllen, daß es zerriß (Luc. 5, 4—6.);
und der durch einen Fiſch dem Petrus Mittel
gab, den Zins zu bezahlen (Matth. 17, 27.):
derſelbige kann auch heute noch jedem Geſchöpfe
gebieten, daß es dir dienen muß, denn Er iſt ge⸗
ſtern und heute derſelbe in Ewigkeit. Mancher
Leſer weiß wohl, wie der fromme Brenz wun⸗
derbarer Weiſe in großer Gefahr durch eine
Henne erhalten wurde; und wie einmal das Ka⸗
narienvöglein einer vornehmen Frau davon, und
armen Leuten ins Haus fliegen mußte, um dieſen
aus großer Noth zu helfen. So gebot der HErr
auch einmal einem Fiſche, eine arme Wittwe und
ihren Sohn vom Hunger zu erretten.
In dem ſchrecklichen Hungerjahre 1771 lebte
nemlich zu Coburg eine Wittwe mit ihrem
Sohn in großer Dürftigkeit. Sie galt aber früher
nicht für arm, und nur die anhaltende Theuerung
ſetzte ſie in große Noth und Verlegenheit. Daher
dachte Niemand daran, dieſer Wittwe Unterſtützung
geben zu ſollen, und ſie ſelbſt ſchämte ſich, ihre
Noth nur einem Menſchen zu klagen. Aber ſie
kannte den Vater, der im Himmel wohnt, der kei⸗
nes ſeiner Kinder verläßt, der nahe iſt allen denen,
die ihn anrufen, die ihn mit Ernſt anrufen, und
thut, was die Gottesfürchtigen begehren, und
ihnen hilft. Zu dieſem wendete ſie ſich mit ihrem
Sohne täglich.
Einmal war die Noth ſehr groß geworden;
kein Nahrungsmittel im Hauſe, die Stunde des
Mittageſſens vorüber, aber keine Speiſe war auf
dem Tiſch geweſen. Da ging der Sohn mit kum⸗
mervollem Herzen zur Stadt hinaus, um im Freien,
ungeſehen von ſeiner Mutter, damit er ihren
Schmerz nicht noch vermehre, ſeinen Schmerz aus⸗
zuweinen, und die Noth, die ſo groß geworden
war, dem Vaterherzen Gottes zu klagen. Und
wie er ſo an den Ufern des Itzfluſſes wandelte
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und betete, da hörte er mehrere Male im Waſſer
einen Fiſch in die Höhe ſchnalzen, und ſiehe da,
plötzlich über die Ufer herüber — ans Land. Da
lag ein mehrpfündiger Hecht vor ſeinen Füßen,
den er ſchnell ergriff, in ſein Sacktuch wickelte,
und der Mutter dankend und frohlockend heim⸗
brachte. Ein wenig Salz fand ſich noch vor, und
ſo ward durch dieſen Fiſch für mehrere Tage der
Hunger geſtillt, bis Gott weitere Hülfe ſandte.
Darum, lieber Menſch, mache dir keinen Kum⸗
mer, wenn du einmal keine Hülfe ſieheſt; der liebe
Gott hat Mittel und Wege genug. Halte dich
nur zu ihm von ganzem Herzen und hoffe auf ihn
und freue dich, daß er die Seinen ſo hoch achtet,
daß alle Creaturen ihnen dienen müſſen. Mache
dir keine Sorge, aber ſprich von Herzen:
So zieh' mich denn hinein in deinen Willen,
Und trag' und heg' und führ' dein armes Kind,
Dein inn'res Zeugniß ſoll den Zweifel ſtillen,
Dein Geiſt die Furcht und Lüſte überwind'.
Du biſt mein Alles, denn dein Sohn iſt mein;
Dein Geiſt reg' ſich ganz kräftiglich in mir.
Ich brenne nun nach dir in Liebsbegier,
Wie oft erquickt mich deiner Klarheit Schein!
Drum muß die Creatur mir immer dienen,
Kein Engel ſchämt nun der Gemeinſchaft ſich;
Die Geiſter, die vor dir vollendet grünen,
Sind meine Brüder und erwarten mich.
Wit oft erquicket meinen Geiſt ein Herz,
Das dich und mich und alle Chriſten liebt!
Iſt's möglich, daß mich etwas noch betrübt?
Komm', Freudenquell, weich' ewig, aller Schmerz!
—.
*
Dr. Mörlin's*) Urtheil von Luthers Heftigkeit
und Schärfe.
Laß dich nicht irren, daß viel irren, daß viel
ſchreien, er ſei allzu geſchwinde, hitzig und heiß
geweſen, ein zürniger, haſtiger, zänkiſcher Kopf.
Solche Schuld geben ihm gewißlich die am aller⸗
meiſten, welchen es um Religionsſachen kein rech⸗
ter Ernſt iſt, ſondern darinnen temporiſiren, und
handeln, nachdem es die Zeit, Perſonen und an⸗
dere ihre Gelegenheit gibt. Luthero iſt Gottes
Wort, der Kirchen Sache, Heil und Seligkeit ein
gottſeliger eifriger Ernſt geweſen; dieſelbigen hat
er von ganzem Herzen für ſein Leib und Seel mit
allen Treuen gemeinet, darum brennet er (wie es
zwar Paulus von ihm ſelber auch rühmet), wo
man ihm an die hohen Sachen gegriffen hat, und
iſt wahrhaftig beides an ihm erfahren und wahr
worden, das der Prophet Eſajas ſagt Cap. 49.:
„Er hat meinen Mund gemacht wie ein ſcharfes
Schwert“ (das ſoll kein Fuchs ſchwanz ſein), „mit
dem Schatten ſeiner Hand hat er mich bedecket.“
Darum iſt's Gottes Werk geweſen, in welchem er
auch hindurch geriſſen, in freudiger fröhlicher Be⸗
ſtändigkeit, der theure Mann Gottes, darüber
andere getaumelt und jämmerlich bei ihrer gedich⸗
ten Mäßigkeit gefallen, Gott erbarms! (De lec-
tione script. Luth.)
*
Wenn Gott den Gottloſen und Ungerechten
nicht zürnt, ſo liebt er auch die Frommen
und Gerechten nicht; denn in Dingen, die einan⸗
*) Dieſer Mörlin iſt 1514 zu Wittenberg geboren, hat
unter Luther, Melanchthon und Bugenhagen daſelbſt ſtudirt
und iſt nach Bekleidung verſchiedener Aemter endlich als
Biſchof zu Samland 1571 geſtorben.
der entgegengeſetzt ſind, muß man entweder auf
die eine oder andere Seite, oder auf keine von
beiden geneigt werden.
Lactantius (de ira Dei 5, 9.).
Kirchliche Nachrichten.
Schon in der 9. Nummer des laufenden Jahr⸗
ganges haben wir unſern Leſern die Kunde ge⸗
bracht, daß P. Schieferdecker von den Ge⸗
meinden Altenburg, Dresden und Seelitz in
Perry County, Mo., zum Nachfolger unſeres
ſeligen Löber berufen worden ſei und dieſen Ruf
auch im Einverſtändniß mit ſeinen bisherigen
Gemeinden angenommen habe. In einem Pri⸗
vatbriefe vom 24. Januar ertheilt uns nun ge⸗
nannter lieber Amtsbruder die Nachricht, daß er
ſein Amt in Altenburg bereits angetreten habe.
Laſſen wir ihn darüber ſelbſt reden. Er ſchreibt:
„Montag Nachmittag den 31. December v. J.
kam ich in Altenburg an. So wenig meine An⸗
kunft zu ſolcher Jahreszeit erwartet worden war,
deſto mehr erweckte ſie Freude, und zwar große,
herzliche Freude, ſo daß ich vor den Beweiſen der
Liebe und des Zutrauens, die ich erfuhr, mich
herzlich ſchämte. Das Pfarrhaus war ſchon
lange mit einer Ehrenpforte, Guirlanden und
Kränzen von Lebensbäumen und Cedern ge⸗
ſchmückt geweſen. Ich konnte alſo das neue
Jahr inmitten meiner neuen Gemeinde anfangen;
darum konnte ich auch nicht umhin, ſogleich den
Nachmittag eine Anſprache an die Gemeinde zu
thun aus 1 Petr. 1, 24. 25.: „Wie können wir
hoffen, daß der gnädige Gott zum neuen Jahre
auch neuen Segen zu der Predigt ſeines heiligen
Wortes geben werde? Antwort: 1. wenn wir in
demüthiger Erkenntniß unſeres Nichts allein auf
ſeine Gnade bauen, und 2. wenn wir bei ſeinem
reinen, ungefälſchten Worte bleiben.“ Auf das
Feſt Epiphanias that ich meine Antrittspredigt
über das Feſtevangelium: Die gnadenvolle Ab⸗
ſicht Gottes, eine jegliche Seele zur Erkenntniß
und zum Glauben an ſeinen lieben Sohn zu
bringen; 1. daß ſich dieſe gnadenvolle Abſicht in
der Einſetzung des Predigtamtes offenbaret, und
2. daß wir daher auch nach dieſer Abſicht Gottes
das heilige Predigtamt gebrauchen ſollen.“ Mein
lieber Herr Schwiegervater, P. Gruber, hielt die
Einführungsrede vor der Predigt.“ Möge Gott
unſerem lieben Bruder Gnade ſchenken, das von
unſerem ſeligen Löber begonnene wichtige Werk
wohl fortzuführen zu Gottes Ehre und ſeiner Ge⸗
meinde Erbauung.
Als vor etwas mehr als zwei Jahren P. Keyl
einen Ruf von Milwaukee, Wis., erhielt und in
Folge deſſen ſeine kleine Gemeinde Frohna, Perry
Co., Mo., verließ, da ſchloß ſich die Letztere an
die Gemeinde Altenburg an, jedoch ſchon damals
mit dem Wunſche, ſeiner Zeit wieder einen eigenen
Pfarrer ſich zu berufen, theils um die Weide mit
Gottes Wort reichlicher zu genießen, theils um
die Schule für ihre Kinder in ihrer Mitte zu
haben. Nachdem daher der ſelige Löber durch
den Tod von Altenburg abberufen worden war,
ſo machte nun die Gemeinde Frohna ernſtlich
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