# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 02 16_S103 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſchwand. Später geſtand dann ein Mann, der dem frommen Schultheiß von lange her feind war, daß er an jenem Abend mit einem Beil in jenem Getreidefelde verſteckt geweſen ſei, um den Schultheißen todtzuſchlagen, weil er geglaubt habe, er werde allein nach Hauſe gehen. Es ſeien aber zwei Männer zu ſeiner Rechten und Linken gegangen, die eifrig mit ſprachen und nicht von ihm wichen, bis derſelbe zu ſeinem Hauſe gekommen ſei; daher habe er ſein Vor⸗ haben nicht ausführen können. Und doch, lie⸗ ber Leſer, iſt kein Menſch bei dem Schultheißen geweſen. Wie aber die himmliſchen Heerſchaaren mit Freuden zum Dienſt derer bereit ſind, welche erer⸗ ben ſollen die Seligkeit; ſo müſſen auch die weit geringeren Creaturen auf der Erde und im Waſ⸗ ſer auf den Befehl Gottes ſeinen Kindern Hülfe leiſten. Und derſelbe Gott, der den Raben, die doch ſonſt lieber Alles ſelber verſchlingen, gebot, daß ſie dem Elias Brod und Fleiſch brachten (1 Kön. 17, 4. ff.); derſelbe Gott, der den gro⸗ ßen Fiſch herbeiführte, den Jonas zu verſchlin⸗ gen, und ihm dann gebot, den Propheten unver⸗ ſehrt wieder an's Land zu werfen (Jon. 2, 1. und 11.); derſelbe HErr, der den Fiſchen befahl, das Netz der Jünger, die die ganze Nacht gefiſcht hatten, zu füllen, daß es zerriß (Luc. 5, 4—6.); und der durch einen Fiſch dem Petrus Mittel gab, den Zins zu bezahlen (Matth. 17, 27.): derſelbige kann auch heute noch jedem Geſchöpfe gebieten, daß es dir dienen muß, denn Er iſt ge⸗ ſtern und heute derſelbe in Ewigkeit. Mancher Leſer weiß wohl, wie der fromme Brenz wun⸗ derbarer Weiſe in großer Gefahr durch eine Henne erhalten wurde; und wie einmal das Ka⸗ narienvöglein einer vornehmen Frau davon, und armen Leuten ins Haus fliegen mußte, um dieſen aus großer Noth zu helfen. So gebot der HErr auch einmal einem Fiſche, eine arme Wittwe und ihren Sohn vom Hunger zu erretten. In dem ſchrecklichen Hungerjahre 1771 lebte nemlich zu Coburg eine Wittwe mit ihrem Sohn in großer Dürftigkeit. Sie galt aber früher nicht für arm, und nur die anhaltende Theuerung ſetzte ſie in große Noth und Verlegenheit. Daher dachte Niemand daran, dieſer Wittwe Unterſtützung geben zu ſollen, und ſie ſelbſt ſchämte ſich, ihre Noth nur einem Menſchen zu klagen. Aber ſie kannte den Vater, der im Himmel wohnt, der kei⸗ nes ſeiner Kinder verläßt, der nahe iſt allen denen, die ihn anrufen, die ihn mit Ernſt anrufen, und thut, was die Gottesfürchtigen begehren, und ihnen hilft. Zu dieſem wendete ſie ſich mit ihrem Sohne täglich. Einmal war die Noth ſehr groß geworden; kein Nahrungsmittel im Hauſe, die Stunde des Mittageſſens vorüber, aber keine Speiſe war auf dem Tiſch geweſen. Da ging der Sohn mit kum⸗ mervollem Herzen zur Stadt hinaus, um im Freien, ungeſehen von ſeiner Mutter, damit er ihren Schmerz nicht noch vermehre, ſeinen Schmerz aus⸗ zuweinen, und die Noth, die ſo groß geworden war, dem Vaterherzen Gottes zu klagen. Und wie er ſo an den Ufern des Itzfluſſes wandelte 10³ und betete, da hörte er mehrere Male im Waſſer einen Fiſch in die Höhe ſchnalzen, und ſiehe da, plötzlich über die Ufer herüber — ans Land. Da lag ein mehrpfündiger Hecht vor ſeinen Füßen, den er ſchnell ergriff, in ſein Sacktuch wickelte, und der Mutter dankend und frohlockend heim⸗ brachte. Ein wenig Salz fand ſich noch vor, und ſo ward durch dieſen Fiſch für mehrere Tage der Hunger geſtillt, bis Gott weitere Hülfe ſandte. Darum, lieber Menſch, mache dir keinen Kum⸗ mer, wenn du einmal keine Hülfe ſieheſt; der liebe Gott hat Mittel und Wege genug. Halte dich nur zu ihm von ganzem Herzen und hoffe auf ihn und freue dich, daß er die Seinen ſo hoch achtet, daß alle Creaturen ihnen dienen müſſen. Mache dir keine Sorge, aber ſprich von Herzen: So zieh' mich denn hinein in deinen Willen, Und trag' und heg' und führ' dein armes Kind, Dein inn'res Zeugniß ſoll den Zweifel ſtillen, Dein Geiſt die Furcht und Lüſte überwind'. Du biſt mein Alles, denn dein Sohn iſt mein; Dein Geiſt reg' ſich ganz kräftiglich in mir. Ich brenne nun nach dir in Liebsbegier, Wie oft erquickt mich deiner Klarheit Schein! Drum muß die Creatur mir immer dienen, Kein Engel ſchämt nun der Gemeinſchaft ſich; Die Geiſter, die vor dir vollendet grünen, Sind meine Brüder und erwarten mich. Wit oft erquicket meinen Geiſt ein Herz, Das dich und mich und alle Chriſten liebt! Iſt's möglich, daß mich etwas noch betrübt? Komm', Freudenquell, weich' ewig, aller Schmerz! —. * Dr. Mörlin's*) Urtheil von Luthers Heftigkeit und Schärfe. Laß dich nicht irren, daß viel irren, daß viel ſchreien, er ſei allzu geſchwinde, hitzig und heiß geweſen, ein zürniger, haſtiger, zänkiſcher Kopf. Solche Schuld geben ihm gewißlich die am aller⸗ meiſten, welchen es um Religionsſachen kein rech⸗ ter Ernſt iſt, ſondern darinnen temporiſiren, und handeln, nachdem es die Zeit, Perſonen und an⸗ dere ihre Gelegenheit gibt. Luthero iſt Gottes Wort, der Kirchen Sache, Heil und Seligkeit ein gottſeliger eifriger Ernſt geweſen; dieſelbigen hat er von ganzem Herzen für ſein Leib und Seel mit allen Treuen gemeinet, darum brennet er (wie es zwar Paulus von ihm ſelber auch rühmet), wo man ihm an die hohen Sachen gegriffen hat, und iſt wahrhaftig beides an ihm erfahren und wahr worden, das der Prophet Eſajas ſagt Cap. 49.: „Er hat meinen Mund gemacht wie ein ſcharfes Schwert“ (das ſoll kein Fuchs ſchwanz ſein), „mit dem Schatten ſeiner Hand hat er mich bedecket.“ Darum iſt's Gottes Werk geweſen, in welchem er auch hindurch geriſſen, in freudiger fröhlicher Be⸗ ſtändigkeit, der theure Mann Gottes, darüber andere getaumelt und jämmerlich bei ihrer gedich⸗ ten Mäßigkeit gefallen, Gott erbarms! (De lec- tione script. Luth.) * Wenn Gott den Gottloſen und Ungerechten nicht zürnt, ſo liebt er auch die Frommen und Gerechten nicht; denn in Dingen, die einan⸗ *) Dieſer Mörlin iſt 1514 zu Wittenberg geboren, hat unter Luther, Melanchthon und Bugenhagen daſelbſt ſtudirt und iſt nach Bekleidung verſchiedener Aemter endlich als Biſchof zu Samland 1571 geſtorben. der entgegengeſetzt ſind, muß man entweder auf die eine oder andere Seite, oder auf keine von beiden geneigt werden. Lactantius (de ira Dei 5, 9.). Kirchliche Nachrichten. Schon in der 9. Nummer des laufenden Jahr⸗ ganges haben wir unſern Leſern die Kunde ge⸗ bracht, daß P. Schieferdecker von den Ge⸗ meinden Altenburg, Dresden und Seelitz in Perry County, Mo., zum Nachfolger unſeres ſeligen Löber berufen worden ſei und dieſen Ruf auch im Einverſtändniß mit ſeinen bisherigen Gemeinden angenommen habe. In einem Pri⸗ vatbriefe vom 24. Januar ertheilt uns nun ge⸗ nannter lieber Amtsbruder die Nachricht, daß er ſein Amt in Altenburg bereits angetreten habe. Laſſen wir ihn darüber ſelbſt reden. Er ſchreibt: „Montag Nachmittag den 31. December v. J. kam ich in Altenburg an. So wenig meine An⸗ kunft zu ſolcher Jahreszeit erwartet worden war, deſto mehr erweckte ſie Freude, und zwar große, herzliche Freude, ſo daß ich vor den Beweiſen der Liebe und des Zutrauens, die ich erfuhr, mich herzlich ſchämte. Das Pfarrhaus war ſchon lange mit einer Ehrenpforte, Guirlanden und Kränzen von Lebensbäumen und Cedern ge⸗ ſchmückt geweſen. Ich konnte alſo das neue Jahr inmitten meiner neuen Gemeinde anfangen; darum konnte ich auch nicht umhin, ſogleich den Nachmittag eine Anſprache an die Gemeinde zu thun aus 1 Petr. 1, 24. 25.: „Wie können wir hoffen, daß der gnädige Gott zum neuen Jahre auch neuen Segen zu der Predigt ſeines heiligen Wortes geben werde? Antwort: 1. wenn wir in demüthiger Erkenntniß unſeres Nichts allein auf ſeine Gnade bauen, und 2. wenn wir bei ſeinem reinen, ungefälſchten Worte bleiben.“ Auf das Feſt Epiphanias that ich meine Antrittspredigt über das Feſtevangelium: Die gnadenvolle Ab⸗ ſicht Gottes, eine jegliche Seele zur Erkenntniß und zum Glauben an ſeinen lieben Sohn zu bringen; 1. daß ſich dieſe gnadenvolle Abſicht in der Einſetzung des Predigtamtes offenbaret, und 2. daß wir daher auch nach dieſer Abſicht Gottes das heilige Predigtamt gebrauchen ſollen.“ Mein lieber Herr Schwiegervater, P. Gruber, hielt die Einführungsrede vor der Predigt.“ Möge Gott unſerem lieben Bruder Gnade ſchenken, das von unſerem ſeligen Löber begonnene wichtige Werk wohl fortzuführen zu Gottes Ehre und ſeiner Ge⸗ meinde Erbauung. Als vor etwas mehr als zwei Jahren P. Keyl einen Ruf von Milwaukee, Wis., erhielt und in Folge deſſen ſeine kleine Gemeinde Frohna, Perry Co., Mo., verließ, da ſchloß ſich die Letztere an die Gemeinde Altenburg an, jedoch ſchon damals mit dem Wunſche, ſeiner Zeit wieder einen eigenen Pfarrer ſich zu berufen, theils um die Weide mit Gottes Wort reichlicher zu genießen, theils um die Schule für ihre Kinder in ihrer Mitte zu haben. Nachdem daher der ſelige Löber durch den Tod von Altenburg abberufen worden war, ſo machte nun die Gemeinde Frohna ernſtlich