Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 13 › Seite 98

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1850-02-16, Seite 98

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengehen 6 · Paſtor 5 · Zonntag · Sonntag 1

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fließen und hangen alle andere Gebote und der
ganze Moſes.

„Denn darum, daß er will GOT ſein allein,
und keine andere Götter haben ꝛc., hat er ſo man⸗
cherlei und viel Ceremonien oder Gottesdienſte
geſtellet und, alſo das erſte Gebot durch dieſelbi⸗
gen ausgeleget und, wie es zu halten ſei, gelehret.
Item, darum daß er Eltern gehorſam, keinen
Ehebruch, Mord, Dieberei, falſch Zeugniß leiden
will, hat er die Judicialia oder vom äußerlichen
Regiment geben, damit ſolche Gebote verſtanden
und vollbracht worden.

„Darum iſt das nicht wahr, daß keine Ceremo⸗
nien in den zehn Geboten ſind, oder keine Judi-
cialia, ſie ſind und hangen alle drinnen und ge⸗
hören hinein. Und daß das GOtt anzeigete,
hat er ſelbſt zwo Ceremonien mit ausgedruckten
Worten hineingeſetzt, nemlich, die Bilder und den
Sabbath, und will beweiſen, daß dieſe zwei
Stücke ſein Ceremonien, auch auf ihre Weiſe auf⸗
gehaben im neuen Teſtament. Daß man ſehe,
wie Doctor Carlſtadt in ſeinem Buch vom Sab⸗
bath eben ſo klüglich handelt, als von den Bil—
dern. Denn St. Paulus Coloſſ. 2, 16. 17.
ſpricht frei und helle: „„Laßt euch niemand Ge⸗
wiſſen machen über Speiſe und Trank, oder eines
theils Tagen, nemlich den Feiertagen, Neumon⸗
den oder Sabbather, welches iſt der Schatten von
dem, das zukünftig war.““ Hier hebt St. Pau⸗
lus den Sabbath ja mit Namen auf, und heißt
ihn den vergangenen Schatten, weil der Körper,
welcher Chriſtus ſelbſt iſt, kommen iſt.

„Item, Gal. 4, 10. 11.: „„Ihr haltet Tage,
Monden, Feſte und Jahrzeiten: ich fürchte euer,
daß ich nicht vielleicht umſonſt an euch gearbeitet
habe.““ Hie heißt er verlorne Arbeit, Tage und
Feſte halten, unter welchen der Sabbath auch iſt.
Auch hat ſolches zuvor Eſaias verkündiget.
Eſ. 66, 23.: „„Es wird ein Sabbath am andern
und ein Neumonden am andern ſein““, das iſt,
täglich wirds Sabbath ſein im neuen Teſtament,
kein Unterſcheid der Zeit.

„Und Dank müſſe haben der fromme Paulus
mit Eſaia, daß ſie uns ſo lange zuvor von den
Rottengeiſtern erlöſet haben; wir müßten ſonſt
des Sabbaths Tage ſitzen, und das Haupt in die
Hand faſſen, und der himmliſchen Stimme war⸗
ten, wie ſie gaukeln. Ja wenn Carlſtadt weiter
vom Sabbath würde ſchreiben, müßte der Sonn⸗
tag noch weichen, und der Sabbath, das iſt, der
Sonnabend gefeiert werden: er würde uns wahr⸗
lich allerding zu Jüden machen, daß wir uns
auch beſchneiden müßten ꝛc.

„Denn das iſt wahr, und kann niemand weh⸗
ren, wer ein Geſetz Moſis, als Moſe Geſetz, hält,
oder zu halten nöthig macht, der muß ſie alle hal⸗
ten, als nöthig, wie St. Paulus Gal. 5, 3.
ſchließt, und ſpricht: „„Wer ſich beſchneiden läſ⸗
ſet, der iſt ſchuldig das ganze Geſetz zu halten.““
Alſo auch, wer Bilder bricht, oder Sabbath feiret
(das iſt, wer ſie nöthig zu halten lehret), der muß
ſich auch beſchneiden laſſen, und den ganzen Mo⸗
ſen halten: welches auch wahrlich (wo man die—
ſen Geiſtern Raum ließe) mit der Zeit ſie ge⸗
drungen würden zu thun, zu lehren und zu hal⸗

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ten. Aber nun thun ſie von GOttes Gnaden
eben, wie St. Paulus Gal. 6, 12. ſagt: „„Die
euch beſchneiden wollen, halten das Geſetz nicht,
ſondern ſuchen nur einen Ruhm an eurem Leibe.““
Alſo die Bildſtürmer halten ſelbſt das Geſetz nicht.
Denn, ohne daß ſie die andern laſſen alle anſte⸗
hen, ſo thun ſie auch das ſtürmen ohne Geiſt,
gleich als ein Werk, damit ſie Chriſtum, des Ge⸗
ſetzes Erfüllung, verlieren, und ſuchen nur, daß
ſie einen Ruhm an uns erjagen, als hätten ſie
was feines und meiſterliches gelehret. — —

„Möchteſt du hie ſprechen: Du wirſt ja nicht
ſagen, daß das erſte Gebot aufgehaben ſei, man
muß ja einen GOtt haben? Item, man muß
ja nicht Ehebrechen, morden, ſtehlen? ꝛc. Ant⸗
wort, ich habe von Moſe Geſetz geredet, als Moſe
Geſetze. Denn einen GOtt haben, iſt
nicht Moſe Geſetz allein, ſondern auch ein natür⸗
lich Geſetze, wie St. Paulus Röm. 1, 21.
ſpricht, „„daß die Heiden wiſſen von der Gott—
heit, daß ein GOtt ſei““. Das beweiſet auch die
That, daß ſie Götter haben aufgeworfen und
Götzendienſte angerichtet; welches unmöglich ge—
weſen wäre, wo ſie nichts von GOtt wüßten oder
gedächten; ſondern GOtt hats ihnen offenbaret
durch die Werke ꝛc., Röm. 1, 19. Daß nun die
Heiden des rechten GOttes gefehlet haben, und
Götzen anſtatt GOttes angebetet, was iſt das
Wunder? Fehleten doch die Jüden auch, und
beteten Götzen an GOttes ſtatt an, ob ſie wohl
Moſis Geſetz hatten; und fehlen noch jetzt des
HErrn Chriſti, die doch Chriſtus Evangelium
haben.

„Alſo iſt auch das nicht allein Moſis Geſetz:
Du ſollſt nicht morden, ehebrechen, ſtehlen ꝛc.
Sondern auch das „„natürliche Geſetze in jeder⸗
manns Herze geſchrieben““, wie St. Paulus
Röm. 2, 15. lehret. Auch Chriſtus Matth. 7, 12.
ſelbſt faſſet alle Propheten und Geſetze in dieß na⸗
türliche Geſetze: „„Was ihr wollet, daß euch die
Leute thun ſollen, das thut ihr auch ihnen;
denn das iſt das Geſetze und die Propheten.““
Alſo thut auch St. Paulus Röm. 13, 9., da er
alle Gebote Moſis in die Liebe faſſet, welche auch
natürlich das Natur-Geſetze lehret: „„Liebe dei⸗
nen Nächſten als dich ſelbſt““. Sonſt wo es
nicht natürlich im Herzen geſchrieben ſtünde, müßte
man lang Geſetz lehren und predigen, ehe ſichs
das Gewiſſen annähme: es muß es auch bei ſich
ſelbſt alſo finden und fühlen, es würde ſonſt nie⸗
mand kein Gewiſſen machen. Wiewohl der Teu⸗
fel die Herzen ſo verblendet und beſitzet, daß ſie
ſolche Geſetze nicht allezeit fühlen. Darum muß
man ſie ſchreiben und predigen, bis GOtt mit⸗
wirke, und ſie erleuchte, daß ſie es im Herzen
fühlen, wie es im Wort lautet.

„Wo nun Moſis Geſetz und Naturgeſetz ein
Ding ſind, da bleibet das Geſetze und wird nicht
aufgehaben äußerlich, ohne durch den Glauben
geiſtlich: welches iſt nichts anders denn das Ge—

ſetze erfüllen, Röm. 3, 28. Davon jetzt nicht zu

reden, und anderswo gnug geredt iſt. Darum iſt
Bilderei und Sabbath und alles, was Moſes
mehr und über das natürliche Geſetze hat geſetzet,
weil es natürlich Geſetz nicht hat, frei, ledig und

abe, und iſt allein dem Jüdiſchen Volk inſonder⸗
heit gegeben. Nicht anders, als wenn ein Kay⸗
ſer oder König in ſeinem Lande ſonderliche Geſetze
und Ordnung macht, wie der Sachſenſpiegel in
Sachſen, und doch gleichwohl die gemeinen na⸗
türlichen Geſetze durch alle Lande gehen und blei⸗
ben, als Eltern ehren, nicht morden, nicht ehe⸗
brechen, GOtt dienen ꝛc. Darum laſſe man
Moſe der Jüden Sachſenſpiegel ſein, und uns
Heiden unverworren damit. Gleichwie Frankreich
den Sachſenſpiegel nicht achtet, und doch in dem
natürlichen Geſetze wohl mit ihm ſtimmet ꝛc.

„Warum lehret und hält man denn die zehn
Gebot? Anwort. Darum daß die natürlichen
Geſetze nirgend ſo fein und ordentlich ſind verfaſ⸗
ſet, als im Moſe. Drum nimmt man billig das
Exempel von Moſe. Und ich wollt, daß man
auch etliche mehr in weltlichen Sachen aus Moſe
nähme, als das Geſetz vom Scheidebrief, und
Halljahr, und vom Freijahr, von den Zehenden,
und dergleichen, durch welche Geſetze die Welt
würde baß regieret, denn jetzt mit den Zinſen,
verkaufen und freien. Gleich als wenn ein Land
von des anderen Landen Geſetzen Exempel nimmt;
wie die Römer von den Griechen die zwölf Tafeln
nahmen.

„Daß man aber den Sabbath oder Sonntag
auch feiert, iſt nicht vonnöthen, noch um Moſes
Gebots willen; ſondern daß die Natur auch gibt
und lehret, man müſſe je zuweilen einen Tag
ruhen, daß Menſchen und Vieh ſich erquicken:
welche natürliche Urſach auch Moſe in ſeinem
Sabbath ſetzet, damit er den Sabbath, wie auch
Chriſtus Matth. 12, 1. ff. und Marc. 3, 2. f.
thut, unter den Menſchen ſetzet. Denn wo er
alleine um der Ruhe willen ſoll gehalten werden,
iſts klar, daß wer der Ruhe nicht bedarf, mag den
Sabbath brechen, und auf einen andern Tag da⸗
für ruhen, wie die Natur gibt: auch iſt er darum
zu halten, daß man predige und GOttes Wort
höre.“

2. In Luthers Brief wider die Sabbather vom
Jahre 1538 heißt es § 64 —67 alſo:

„Alſo, das dritte Gebot vom Sabbath, darauf
die Jüden hoch pochen, iſt an ihm ſelbſt ein ge⸗
mein Gebot aller Welt; aber der Schmuck, damit
es Moſes ſchmücket und ſeinem Volk zueignet, iſt
niemands, denn allein den Jüden inſonderheit
aufgelegt; gleichwie im erſten Gebot niemand,
denn allein die Jüden, ſonderlich gläuben und be⸗
kennen ſollen, daß der gemeine GOtt aller Welt
ſie aus Egypten geführet hat. Denn des dritten
Gebots eigentliche Meinung iſt, daß wir des Ta⸗
ges GOttes Wort lehren und hören ſollen, damit
wir beide, den Tag und uns ſelbſt, heiligen.
Wie denn auch allezeit hernach bis auf dieſen
Tag bei den Jüden am Sabbathtage Moſes und
die Propheten geleſen und geprediget ſind. Wo
man aber GOttes Wort prediget, da gibet ſichs

ſelbſt, daß man aus Noth muß zur ſelbigen
Stunde oder Zeit feiren und ſtille ſein, und ohne

alle andere Geſchäfte allein reden und zuhöten,
was GOtt ſagt, und uns lehret oder mit uns
redet.

„Darum liegts auch gar und ganz an dem,

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