# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1850 02 16_S98 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) fließen und hangen alle andere Gebote und der ganze Moſes. „Denn darum, daß er will GOT ſein allein, und keine andere Götter haben ꝛc., hat er ſo man⸗ cherlei und viel Ceremonien oder Gottesdienſte geſtellet und, alſo das erſte Gebot durch dieſelbi⸗ gen ausgeleget und, wie es zu halten ſei, gelehret. Item, darum daß er Eltern gehorſam, keinen Ehebruch, Mord, Dieberei, falſch Zeugniß leiden will, hat er die Judicialia oder vom äußerlichen Regiment geben, damit ſolche Gebote verſtanden und vollbracht worden. „Darum iſt das nicht wahr, daß keine Ceremo⸗ nien in den zehn Geboten ſind, oder keine Judi- cialia, ſie ſind und hangen alle drinnen und ge⸗ hören hinein. Und daß das GOtt anzeigete, hat er ſelbſt zwo Ceremonien mit ausgedruckten Worten hineingeſetzt, nemlich, die Bilder und den Sabbath, und will beweiſen, daß dieſe zwei Stücke ſein Ceremonien, auch auf ihre Weiſe auf⸗ gehaben im neuen Teſtament. Daß man ſehe, wie Doctor Carlſtadt in ſeinem Buch vom Sab⸗ bath eben ſo klüglich handelt, als von den Bil— dern. Denn St. Paulus Coloſſ. 2, 16. 17. ſpricht frei und helle: „„Laßt euch niemand Ge⸗ wiſſen machen über Speiſe und Trank, oder eines theils Tagen, nemlich den Feiertagen, Neumon⸗ den oder Sabbather, welches iſt der Schatten von dem, das zukünftig war.““ Hier hebt St. Pau⸗ lus den Sabbath ja mit Namen auf, und heißt ihn den vergangenen Schatten, weil der Körper, welcher Chriſtus ſelbſt iſt, kommen iſt. „Item, Gal. 4, 10. 11.: „„Ihr haltet Tage, Monden, Feſte und Jahrzeiten: ich fürchte euer, daß ich nicht vielleicht umſonſt an euch gearbeitet habe.““ Hie heißt er verlorne Arbeit, Tage und Feſte halten, unter welchen der Sabbath auch iſt. Auch hat ſolches zuvor Eſaias verkündiget. Eſ. 66, 23.: „„Es wird ein Sabbath am andern und ein Neumonden am andern ſein““, das iſt, täglich wirds Sabbath ſein im neuen Teſtament, kein Unterſcheid der Zeit. „Und Dank müſſe haben der fromme Paulus mit Eſaia, daß ſie uns ſo lange zuvor von den Rottengeiſtern erlöſet haben; wir müßten ſonſt des Sabbaths Tage ſitzen, und das Haupt in die Hand faſſen, und der himmliſchen Stimme war⸗ ten, wie ſie gaukeln. Ja wenn Carlſtadt weiter vom Sabbath würde ſchreiben, müßte der Sonn⸗ tag noch weichen, und der Sabbath, das iſt, der Sonnabend gefeiert werden: er würde uns wahr⸗ lich allerding zu Jüden machen, daß wir uns auch beſchneiden müßten ꝛc. „Denn das iſt wahr, und kann niemand weh⸗ ren, wer ein Geſetz Moſis, als Moſe Geſetz, hält, oder zu halten nöthig macht, der muß ſie alle hal⸗ ten, als nöthig, wie St. Paulus Gal. 5, 3. ſchließt, und ſpricht: „„Wer ſich beſchneiden läſ⸗ ſet, der iſt ſchuldig das ganze Geſetz zu halten.““ Alſo auch, wer Bilder bricht, oder Sabbath feiret (das iſt, wer ſie nöthig zu halten lehret), der muß ſich auch beſchneiden laſſen, und den ganzen Mo⸗ ſen halten: welches auch wahrlich (wo man die— ſen Geiſtern Raum ließe) mit der Zeit ſie ge⸗ drungen würden zu thun, zu lehren und zu hal⸗ 9 ten. Aber nun thun ſie von GOttes Gnaden eben, wie St. Paulus Gal. 6, 12. ſagt: „„Die euch beſchneiden wollen, halten das Geſetz nicht, ſondern ſuchen nur einen Ruhm an eurem Leibe.““ Alſo die Bildſtürmer halten ſelbſt das Geſetz nicht. Denn, ohne daß ſie die andern laſſen alle anſte⸗ hen, ſo thun ſie auch das ſtürmen ohne Geiſt, gleich als ein Werk, damit ſie Chriſtum, des Ge⸗ ſetzes Erfüllung, verlieren, und ſuchen nur, daß ſie einen Ruhm an uns erjagen, als hätten ſie was feines und meiſterliches gelehret. — — „Möchteſt du hie ſprechen: Du wirſt ja nicht ſagen, daß das erſte Gebot aufgehaben ſei, man muß ja einen GOtt haben? Item, man muß ja nicht Ehebrechen, morden, ſtehlen? ꝛc. Ant⸗ wort, ich habe von Moſe Geſetz geredet, als Moſe Geſetze. Denn einen GOtt haben, iſt nicht Moſe Geſetz allein, ſondern auch ein natür⸗ lich Geſetze, wie St. Paulus Röm. 1, 21. ſpricht, „„daß die Heiden wiſſen von der Gott— heit, daß ein GOtt ſei““. Das beweiſet auch die That, daß ſie Götter haben aufgeworfen und Götzendienſte angerichtet; welches unmöglich ge— weſen wäre, wo ſie nichts von GOtt wüßten oder gedächten; ſondern GOtt hats ihnen offenbaret durch die Werke ꝛc., Röm. 1, 19. Daß nun die Heiden des rechten GOttes gefehlet haben, und Götzen anſtatt GOttes angebetet, was iſt das Wunder? Fehleten doch die Jüden auch, und beteten Götzen an GOttes ſtatt an, ob ſie wohl Moſis Geſetz hatten; und fehlen noch jetzt des HErrn Chriſti, die doch Chriſtus Evangelium haben. „Alſo iſt auch das nicht allein Moſis Geſetz: Du ſollſt nicht morden, ehebrechen, ſtehlen ꝛc. Sondern auch das „„natürliche Geſetze in jeder⸗ manns Herze geſchrieben““, wie St. Paulus Röm. 2, 15. lehret. Auch Chriſtus Matth. 7, 12. ſelbſt faſſet alle Propheten und Geſetze in dieß na⸗ türliche Geſetze: „„Was ihr wollet, daß euch die Leute thun ſollen, das thut ihr auch ihnen; denn das iſt das Geſetze und die Propheten.““ Alſo thut auch St. Paulus Röm. 13, 9., da er alle Gebote Moſis in die Liebe faſſet, welche auch natürlich das Natur-Geſetze lehret: „„Liebe dei⸗ nen Nächſten als dich ſelbſt““. Sonſt wo es nicht natürlich im Herzen geſchrieben ſtünde, müßte man lang Geſetz lehren und predigen, ehe ſichs das Gewiſſen annähme: es muß es auch bei ſich ſelbſt alſo finden und fühlen, es würde ſonſt nie⸗ mand kein Gewiſſen machen. Wiewohl der Teu⸗ fel die Herzen ſo verblendet und beſitzet, daß ſie ſolche Geſetze nicht allezeit fühlen. Darum muß man ſie ſchreiben und predigen, bis GOtt mit⸗ wirke, und ſie erleuchte, daß ſie es im Herzen fühlen, wie es im Wort lautet. „Wo nun Moſis Geſetz und Naturgeſetz ein Ding ſind, da bleibet das Geſetze und wird nicht aufgehaben äußerlich, ohne durch den Glauben geiſtlich: welches iſt nichts anders denn das Ge— ſetze erfüllen, Röm. 3, 28. Davon jetzt nicht zu reden, und anderswo gnug geredt iſt. Darum iſt Bilderei und Sabbath und alles, was Moſes mehr und über das natürliche Geſetze hat geſetzet, weil es natürlich Geſetz nicht hat, frei, ledig und abe, und iſt allein dem Jüdiſchen Volk inſonder⸗ heit gegeben. Nicht anders, als wenn ein Kay⸗ ſer oder König in ſeinem Lande ſonderliche Geſetze und Ordnung macht, wie der Sachſenſpiegel in Sachſen, und doch gleichwohl die gemeinen na⸗ türlichen Geſetze durch alle Lande gehen und blei⸗ ben, als Eltern ehren, nicht morden, nicht ehe⸗ brechen, GOtt dienen ꝛc. Darum laſſe man Moſe der Jüden Sachſenſpiegel ſein, und uns Heiden unverworren damit. Gleichwie Frankreich den Sachſenſpiegel nicht achtet, und doch in dem natürlichen Geſetze wohl mit ihm ſtimmet ꝛc. „Warum lehret und hält man denn die zehn Gebot? Anwort. Darum daß die natürlichen Geſetze nirgend ſo fein und ordentlich ſind verfaſ⸗ ſet, als im Moſe. Drum nimmt man billig das Exempel von Moſe. Und ich wollt, daß man auch etliche mehr in weltlichen Sachen aus Moſe nähme, als das Geſetz vom Scheidebrief, und Halljahr, und vom Freijahr, von den Zehenden, und dergleichen, durch welche Geſetze die Welt würde baß regieret, denn jetzt mit den Zinſen, verkaufen und freien. Gleich als wenn ein Land von des anderen Landen Geſetzen Exempel nimmt; wie die Römer von den Griechen die zwölf Tafeln nahmen. „Daß man aber den Sabbath oder Sonntag auch feiert, iſt nicht vonnöthen, noch um Moſes Gebots willen; ſondern daß die Natur auch gibt und lehret, man müſſe je zuweilen einen Tag ruhen, daß Menſchen und Vieh ſich erquicken: welche natürliche Urſach auch Moſe in ſeinem Sabbath ſetzet, damit er den Sabbath, wie auch Chriſtus Matth. 12, 1. ff. und Marc. 3, 2. f. thut, unter den Menſchen ſetzet. Denn wo er alleine um der Ruhe willen ſoll gehalten werden, iſts klar, daß wer der Ruhe nicht bedarf, mag den Sabbath brechen, und auf einen andern Tag da⸗ für ruhen, wie die Natur gibt: auch iſt er darum zu halten, daß man predige und GOttes Wort höre.“ 2. In Luthers Brief wider die Sabbather vom Jahre 1538 heißt es § 64 —67 alſo: „Alſo, das dritte Gebot vom Sabbath, darauf die Jüden hoch pochen, iſt an ihm ſelbſt ein ge⸗ mein Gebot aller Welt; aber der Schmuck, damit es Moſes ſchmücket und ſeinem Volk zueignet, iſt niemands, denn allein den Jüden inſonderheit aufgelegt; gleichwie im erſten Gebot niemand, denn allein die Jüden, ſonderlich gläuben und be⸗ kennen ſollen, daß der gemeine GOtt aller Welt ſie aus Egypten geführet hat. Denn des dritten Gebots eigentliche Meinung iſt, daß wir des Ta⸗ ges GOttes Wort lehren und hören ſollen, damit wir beide, den Tag und uns ſelbſt, heiligen. Wie denn auch allezeit hernach bis auf dieſen Tag bei den Jüden am Sabbathtage Moſes und die Propheten geleſen und geprediget ſind. Wo man aber GOttes Wort prediget, da gibet ſichs ſelbſt, daß man aus Noth muß zur ſelbigen Stunde oder Zeit feiren und ſtille ſein, und ohne alle andere Geſchäfte allein reden und zuhöten, was GOtt ſagt, und uns lehret oder mit uns redet. „Darum liegts auch gar und ganz an dem,