Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 8 › Seite 61
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-12-08, Seite 61
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geburt Chriſti 12 · Spaltung 4
Glauben und das Gewiſſen angehen und die in
den Bereich der chriſtlichen Freiheit gehören, z. B.
welche gottesdienſtliche Ceremonien man einführen
oder abändern oder abthun wolle? mit welchem
Jahre die männlichen Confirmirten ſtimmberech⸗
tigte Gemeindeglieder würden? ob man eine höl⸗
zerne oder ſteinerne Kirche baue? ꝛc. Hier aber
iſt der Fall ganz anders. Denn Gottes Wort
gibt klaren und genugſamen Bericht, wie ein treuer
und tüchtiger Diener der Kirche beſchaffen ſein
müſſe und wie ein untreuer und untüchtiger Ar⸗
beiter geſinnt und geartet ſei; da hat man alſo
nur die Lehre, das Leben und die ganze Amts⸗
führung von beiden z. B. an die betreffenden
Stellen in den Briefen St. Pauli an Timotheus
und Titus zu halten und damit zu vergleichen,
und es ſtehet da keineswegs in der ſogenannten
freien Wahl und Willkühr der Gemeinde, z. B.
den treuen und tüchtigen Lehrer zu entlaſſen und
den beharrlich untreuen zu behalten; und thut ſie
etwa das Letzte, ſo geht Gewalt vor Recht.
Eine dritte Verkehrtheit in der ſchriftwidrigen
Meinung des Herrn Suhr iſt dieſe, daß dieſes
Gefallen oder Mißfallen am Prediger all jähr⸗
lich an den Tag gelegt werde. Lehret nemlich
z. B. der Mr. N. N. ſchon das erſte und andere
Mal bei ſeinem öffentlichen Auftreten falſch oder
zeigt er ſich nach einigen Wochen etwa als ein
Mann des erlaubten Lebensgenuſſes, d. i. als ein
Säufer und Zechbruder, der ſicherer in dieſer oder
jener Grocerp, als in ſeiner Studirſtube zu fin⸗
den iſt, ſo müßte ihm billig alsbald auf die ge⸗
hörige Weiſe ernſtliche Vorhaltung gethan wer⸗
den; und wenn er ſolche nicht annimmt oder doch
ſich nicht ändert und beſſert auch auf zuletzt in
der Gemeindeverſammlung wiederholte Ermah⸗
nung, ſo wäre es ſehr thöricht gehandelt, den Ab⸗
lauf des Jahres abzuwarten, ſondern er muß dann
alsbald von der Gemeinde ſeines Amtes entſetzt
werden. Denn welch' ein unberechenbarer Schade
kann nicht z. B. ſchon durch einen öffentlich
gepredigten und ſcheinbar mit der heiligen Schrift
geſtützten gefährlichen Irrthum an vielen Seelen
angerichtet werden! —
Lehret und lebet aber der Diener der Kirche
nach Gottes Wort und nimmt er dem gemäß ſeiner
Kirchkinder treulich und ernſtlich wahr: ſo iſt
auch in dieſem Falle es völlig verkehrt und wider
die göttliche Ordnung auch des mittelbaren Be⸗
mfs ſtreitend, daß alljährlich Über ihn abge⸗
ſtimmt werde, ob man ihn behalten wolle oder
nichtꝰ
Gottes Wort ſagt: „Die Aelteſten, die wohl
vorſtehen, halte man zwiefacher Ehre werth, ſon⸗
derlich, die da arbeiten im Wort und in der Lehre.“
Und damit hängt denn wohl ganz natürlich zu⸗
ſammen, daß die Gemeinden nicht das Recht
haben, treue und wohlverdiente Prediger willkühr⸗
lich zu entlaſſen. Nach Herrn Suhr aber, dem
Miethsprediger in Cincinnati, welcher die zufaͤl⸗
ligen Verhältniſſe des hieſigen bürgerlichen Ge⸗
meinweſens auf die in Gottes Wort gegründeten
Verhältniſſe des kirchlichen Gemeinweſens, wider
die heilige Schrift, gewaltſam überträgt — nach
dieſem Geſellen müſſen ſeine Miethsherren wider
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jenen Spruch ſagen: „mit nichten! wir ſind die
Herren und es ſteht ganz bei uns und hängt
lediglich von unſrer Willkühr ab, ob wir den
Prediger wieder ein Jahr dingen oder nicht.“
Heißt das aber einen treuen Prediger und
Seelſorger zwiefacher Ehre werth halten? Iſt da
wohl eine Spur von geſunder Erkenntniß, daß der
allmächtige, majeſtätiſche Gott, der alle noch ſo
aufgeblaſenen Demokratlein in einem Nu vertil⸗
gen könnte, nur durch das gepredigte Wort und
mittelſt des heiligen Predigtamts mit den Men⸗
ſchen, und alſo auch mit ihnen, handelt zu ihrer
Seelen Seligkeit? Iſt da wohl etwas Anderes,
als Verunehrung dieſes Amtes und der Diener
Gottes, die freilich wohl auch der Gemeinde Die⸗
ner ſind, aber um IEſu willen (2 Cor. 4, 5.),
nicht um eines rechtlichen Vertrages und um des
irdiſchen Lohnes willen.
Es wären nun zwar in jenem merkwürdigen
Zeugniſſe des Herrn Suhr, darin er die ſchriftge⸗
mäße Ordnung des heiligen Predigtamts in den
Koth tritt und ſich auch ſelber aus einem Diener
Chriſti zu einem gedungenen Menſchenknechte
macht, noch andre Stücke zu rühren; wir laſſen
ſie aber fahren, weil ſie mehr loſes Geplauder als
zuſammengedrängter Irrthum ſind.
Möge der unparteiiſche und wahrheitsliebende
Leſer aus der obigen Erörterung über das in
Gottes Wort gegründete Verhältniß der Gemeinde
zum heiligen Predigtamte und umgekehrt, einige
Belehrung gefunden haben; und möge er daraus
ſchließlich erkennen, wie die heilige Schrift, auf
welcher das Amt und ſeine Ordnung ſtehet, zwi⸗
ſchen beiden Klippen ſicher hindurchleitet, nemlich
zwiſchen der Thorheit der Römiſchen und Biſchöf⸗
lichen, daß aus göttlichem Rechte allein dem
Pabſte oder den Biſchöfen das Kirchenregiment
zuſtehe, und andrerſeits dem Wahne der monarchi⸗
ſchen oder republikaniſchen Schwärmer, daß dieſe
Regierung allein dem weltlichen Fürſten oder der
Maſſe des Volkes gebühre. —
—.
Ein Zeugniß Luthers wider das Anrichten
von Spaltungen in der Kirche.
Es iſt vas allergrößte und ſchädlichſte Aerger⸗
niß der Kirchen, Zwieſpalt und Trennung der
Lehre anrichten; welches auch der Teufel zum
höchſten treibet, und kommt gemeiniglich von
etlichen hoffärtigen, eigenſinnigen und ehrſüch⸗
tigen Köpfen, die da wollen etwas ſonderliches
ſein, um ihre Ehre und Ruhm ſtreiten; können
es mit niemand gleich halten, meinen, es wäre
ihre Schande, wenn ſie nicht ſollten gelehrter und
größers Geiſtes (den ſie doch gar nicht haben)
gerühmet werden, denn andere; niemand die Ehre
gönnen, ob ſie gleich ſehen, daß er größere Gaben
hat. Item, aus Neid, Zorn, Haß oder Rachgier
wider andere, ſuchen Rotterei zu machen, und die
Leute an ſich zu hängen. Darum hat der heilige
Apoſtel die Epheſer ernſtlich vermahnet zu den nö⸗
thigen Werken der Liebe, daß ſie Demuth, Geduld
ꝛc. gegen einander üben, und einer den andern
vertragen könne ꝛc.
Es iſt klar und offenbar genug aus der Erfah⸗
—
rung, was für Schaden und Verderben in der
Kirchen bringet die Aergerniß der Trennung und
Zwietracht der Lehre: denn zu dem, daß viel Leute
verführet werden, und der Haufe flugs zufället,
wo er höret etwas neues von den hoffärtigen,
dürſtigen Geiſtern, mit großem Schein und treff⸗
lichen Worten fürgegeben; ſo folget auch daraus,
daß viel der Schwachen und ſonſt gutherziger
Leute fallen in Zweifel, wiſſen nicht, bei welchem
ſie bleiben ſollen; aus welchem denn weiter kommt,
daß die Lehre von vielen verachtet und verläſtert
wird, die da Urſach ſuchen derſelben zu widerſpre⸗
chen. Item, daß viel gar ruchlos und epicuriſch
werden, und alle Religion, und was man ſagt von
Gottes Wort, für gar nichts achten. Item, auch
die da Chriſten heißen, in ſolchem Gezänk wider
einander verbittert werden, ſich ſelbſt beißen und
freſſen mit Haß, Neid, und andern Laſtern, darüber
beide, die Liebe erkaltet, und der Glaube ver⸗
löͤſchet.
Solcher Zerrüttung in der Kirchen, und alles
Verderbens der Seelen, ſo darob geſchieht, ſind
ſchuldig ſolche eigenſinnige, rottiſche Köpfe, ſo da
nicht bei der einträchtigen Lehre blelben, noch die
Einigkeit des Geiſtes halten, ſondern um ihres
eigenen Dünkels, Ehre und Rachgier willen etwas
neues ſuchen und anrichten; und alſo gar viel
ſchrecklichere und unerträglichere Verdammniß auf
ſich laden, denn andere. Darum ſollen Chriſten
hie ſich hüten, daß ſie nicht auch Urſach geben zu
Trennung oder Zwieſpalt, und mit allem Fleiß
und Sorgen (wie hie St. Paulus vermahnet)
über der Einigkeit helfen halten. Denn es gehet
auch nicht ſo leicht zu, daß man ſie erhalte, es
fallen auch unter den Chriſten für viel und man⸗
cherlei Urſachen, die ſie leichtlich zu Widerwillen,
Zorn und Haß bewegen; ſo ſuchet der Teufel auch
Urſachen, ſchüret und bläſet zu, wo er kann;
darum müſſen ſie zuſehen, daß ſie nicht Raum
geben ſolcher Reizung, ſo der Teufel oder ihr eigen
Fleiſch in ihnen treibet; ſondern dagegen ſtreiten,
und alles thun und leiden, was ſie ſollen, es be⸗
treffe Ehre, Gut, Leib oder Leben, damit ſie, ſo
viel an ihnen iſt, die Einigkeit der Lehre, Glau⸗
bens und Geiſtes nicht trennen laſſen. — Siehe:
Luthers Werke, Hall. Ausgabe, Tom. XII.
Seite 1178—80. ö
*
*
The Evangelical Review.
Edited by Wm. M. Reynolds, Prof. in Pennsylvanian
College.
Von dieſer bereits früher angezeigten engliſchen
Vierteljahrsſchrift, dem Organe derjenigen eng⸗
liſchen Lutheraner, welche eine Reparation der
amerikaniſch⸗lutheriſchen Kirche für nöthig erach⸗
ten und anſtreben, ſind bereits zwei Quartalhefte
erſchienen. Vielleicht dürfte es manchem Leſer
nicht unlieb ſein, eine Ueberſicht des Inhalts
dieſer Nummern zu erhalten. Die erſte enthält
folgende Artikel: 1. Introduction — the objects
and position of the Ev. Review. 2. Theo-
logical education in the Luth. Church in the
U. S. 3. The Gospel in the Old Testament,
translated from the German of Dr. Umbreit.
4. Stier's discourses of the Lord Jesus.
English translation
Not yet translated.