# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 12 08_S61 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Glauben und das Gewiſſen angehen und die in den Bereich der chriſtlichen Freiheit gehören, z. B. welche gottesdienſtliche Ceremonien man einführen oder abändern oder abthun wolle? mit welchem Jahre die männlichen Confirmirten ſtimmberech⸗ tigte Gemeindeglieder würden? ob man eine höl⸗ zerne oder ſteinerne Kirche baue? ꝛc. Hier aber iſt der Fall ganz anders. Denn Gottes Wort gibt klaren und genugſamen Bericht, wie ein treuer und tüchtiger Diener der Kirche beſchaffen ſein müſſe und wie ein untreuer und untüchtiger Ar⸗ beiter geſinnt und geartet ſei; da hat man alſo nur die Lehre, das Leben und die ganze Amts⸗ führung von beiden z. B. an die betreffenden Stellen in den Briefen St. Pauli an Timotheus und Titus zu halten und damit zu vergleichen, und es ſtehet da keineswegs in der ſogenannten freien Wahl und Willkühr der Gemeinde, z. B. den treuen und tüchtigen Lehrer zu entlaſſen und den beharrlich untreuen zu behalten; und thut ſie etwa das Letzte, ſo geht Gewalt vor Recht. Eine dritte Verkehrtheit in der ſchriftwidrigen Meinung des Herrn Suhr iſt dieſe, daß dieſes Gefallen oder Mißfallen am Prediger all jähr⸗ lich an den Tag gelegt werde. Lehret nemlich z. B. der Mr. N. N. ſchon das erſte und andere Mal bei ſeinem öffentlichen Auftreten falſch oder zeigt er ſich nach einigen Wochen etwa als ein Mann des erlaubten Lebensgenuſſes, d. i. als ein Säufer und Zechbruder, der ſicherer in dieſer oder jener Grocerp, als in ſeiner Studirſtube zu fin⸗ den iſt, ſo müßte ihm billig alsbald auf die ge⸗ hörige Weiſe ernſtliche Vorhaltung gethan wer⸗ den; und wenn er ſolche nicht annimmt oder doch ſich nicht ändert und beſſert auch auf zuletzt in der Gemeindeverſammlung wiederholte Ermah⸗ nung, ſo wäre es ſehr thöricht gehandelt, den Ab⸗ lauf des Jahres abzuwarten, ſondern er muß dann alsbald von der Gemeinde ſeines Amtes entſetzt werden. Denn welch' ein unberechenbarer Schade kann nicht z. B. ſchon durch einen öffentlich gepredigten und ſcheinbar mit der heiligen Schrift geſtützten gefährlichen Irrthum an vielen Seelen angerichtet werden! — Lehret und lebet aber der Diener der Kirche nach Gottes Wort und nimmt er dem gemäß ſeiner Kirchkinder treulich und ernſtlich wahr: ſo iſt auch in dieſem Falle es völlig verkehrt und wider die göttliche Ordnung auch des mittelbaren Be⸗ mfs ſtreitend, daß alljährlich Über ihn abge⸗ ſtimmt werde, ob man ihn behalten wolle oder nichtꝰ Gottes Wort ſagt: „Die Aelteſten, die wohl vorſtehen, halte man zwiefacher Ehre werth, ſon⸗ derlich, die da arbeiten im Wort und in der Lehre.“ Und damit hängt denn wohl ganz natürlich zu⸗ ſammen, daß die Gemeinden nicht das Recht haben, treue und wohlverdiente Prediger willkühr⸗ lich zu entlaſſen. Nach Herrn Suhr aber, dem Miethsprediger in Cincinnati, welcher die zufaͤl⸗ ligen Verhältniſſe des hieſigen bürgerlichen Ge⸗ meinweſens auf die in Gottes Wort gegründeten Verhältniſſe des kirchlichen Gemeinweſens, wider die heilige Schrift, gewaltſam überträgt — nach dieſem Geſellen müſſen ſeine Miethsherren wider 61 jenen Spruch ſagen: „mit nichten! wir ſind die Herren und es ſteht ganz bei uns und hängt lediglich von unſrer Willkühr ab, ob wir den Prediger wieder ein Jahr dingen oder nicht.“ Heißt das aber einen treuen Prediger und Seelſorger zwiefacher Ehre werth halten? Iſt da wohl eine Spur von geſunder Erkenntniß, daß der allmächtige, majeſtätiſche Gott, der alle noch ſo aufgeblaſenen Demokratlein in einem Nu vertil⸗ gen könnte, nur durch das gepredigte Wort und mittelſt des heiligen Predigtamts mit den Men⸗ ſchen, und alſo auch mit ihnen, handelt zu ihrer Seelen Seligkeit? Iſt da wohl etwas Anderes, als Verunehrung dieſes Amtes und der Diener Gottes, die freilich wohl auch der Gemeinde Die⸗ ner ſind, aber um IEſu willen (2 Cor. 4, 5.), nicht um eines rechtlichen Vertrages und um des irdiſchen Lohnes willen. Es wären nun zwar in jenem merkwürdigen Zeugniſſe des Herrn Suhr, darin er die ſchriftge⸗ mäße Ordnung des heiligen Predigtamts in den Koth tritt und ſich auch ſelber aus einem Diener Chriſti zu einem gedungenen Menſchenknechte macht, noch andre Stücke zu rühren; wir laſſen ſie aber fahren, weil ſie mehr loſes Geplauder als zuſammengedrängter Irrthum ſind. Möge der unparteiiſche und wahrheitsliebende Leſer aus der obigen Erörterung über das in Gottes Wort gegründete Verhältniß der Gemeinde zum heiligen Predigtamte und umgekehrt, einige Belehrung gefunden haben; und möge er daraus ſchließlich erkennen, wie die heilige Schrift, auf welcher das Amt und ſeine Ordnung ſtehet, zwi⸗ ſchen beiden Klippen ſicher hindurchleitet, nemlich zwiſchen der Thorheit der Römiſchen und Biſchöf⸗ lichen, daß aus göttlichem Rechte allein dem Pabſte oder den Biſchöfen das Kirchenregiment zuſtehe, und andrerſeits dem Wahne der monarchi⸗ ſchen oder republikaniſchen Schwärmer, daß dieſe Regierung allein dem weltlichen Fürſten oder der Maſſe des Volkes gebühre. — —. Ein Zeugniß Luthers wider das Anrichten von Spaltungen in der Kirche. Es iſt vas allergrößte und ſchädlichſte Aerger⸗ niß der Kirchen, Zwieſpalt und Trennung der Lehre anrichten; welches auch der Teufel zum höchſten treibet, und kommt gemeiniglich von etlichen hoffärtigen, eigenſinnigen und ehrſüch⸗ tigen Köpfen, die da wollen etwas ſonderliches ſein, um ihre Ehre und Ruhm ſtreiten; können es mit niemand gleich halten, meinen, es wäre ihre Schande, wenn ſie nicht ſollten gelehrter und größers Geiſtes (den ſie doch gar nicht haben) gerühmet werden, denn andere; niemand die Ehre gönnen, ob ſie gleich ſehen, daß er größere Gaben hat. Item, aus Neid, Zorn, Haß oder Rachgier wider andere, ſuchen Rotterei zu machen, und die Leute an ſich zu hängen. Darum hat der heilige Apoſtel die Epheſer ernſtlich vermahnet zu den nö⸗ thigen Werken der Liebe, daß ſie Demuth, Geduld ꝛc. gegen einander üben, und einer den andern vertragen könne ꝛc. Es iſt klar und offenbar genug aus der Erfah⸗ — rung, was für Schaden und Verderben in der Kirchen bringet die Aergerniß der Trennung und Zwietracht der Lehre: denn zu dem, daß viel Leute verführet werden, und der Haufe flugs zufället, wo er höret etwas neues von den hoffärtigen, dürſtigen Geiſtern, mit großem Schein und treff⸗ lichen Worten fürgegeben; ſo folget auch daraus, daß viel der Schwachen und ſonſt gutherziger Leute fallen in Zweifel, wiſſen nicht, bei welchem ſie bleiben ſollen; aus welchem denn weiter kommt, daß die Lehre von vielen verachtet und verläſtert wird, die da Urſach ſuchen derſelben zu widerſpre⸗ chen. Item, daß viel gar ruchlos und epicuriſch werden, und alle Religion, und was man ſagt von Gottes Wort, für gar nichts achten. Item, auch die da Chriſten heißen, in ſolchem Gezänk wider einander verbittert werden, ſich ſelbſt beißen und freſſen mit Haß, Neid, und andern Laſtern, darüber beide, die Liebe erkaltet, und der Glaube ver⸗ löͤſchet. Solcher Zerrüttung in der Kirchen, und alles Verderbens der Seelen, ſo darob geſchieht, ſind ſchuldig ſolche eigenſinnige, rottiſche Köpfe, ſo da nicht bei der einträchtigen Lehre blelben, noch die Einigkeit des Geiſtes halten, ſondern um ihres eigenen Dünkels, Ehre und Rachgier willen etwas neues ſuchen und anrichten; und alſo gar viel ſchrecklichere und unerträglichere Verdammniß auf ſich laden, denn andere. Darum ſollen Chriſten hie ſich hüten, daß ſie nicht auch Urſach geben zu Trennung oder Zwieſpalt, und mit allem Fleiß und Sorgen (wie hie St. Paulus vermahnet) über der Einigkeit helfen halten. Denn es gehet auch nicht ſo leicht zu, daß man ſie erhalte, es fallen auch unter den Chriſten für viel und man⸗ cherlei Urſachen, die ſie leichtlich zu Widerwillen, Zorn und Haß bewegen; ſo ſuchet der Teufel auch Urſachen, ſchüret und bläſet zu, wo er kann; darum müſſen ſie zuſehen, daß ſie nicht Raum geben ſolcher Reizung, ſo der Teufel oder ihr eigen Fleiſch in ihnen treibet; ſondern dagegen ſtreiten, und alles thun und leiden, was ſie ſollen, es be⸗ treffe Ehre, Gut, Leib oder Leben, damit ſie, ſo viel an ihnen iſt, die Einigkeit der Lehre, Glau⸗ bens und Geiſtes nicht trennen laſſen. — Siehe: Luthers Werke, Hall. Ausgabe, Tom. XII. Seite 1178—80. ö * * The Evangelical Review. Edited by Wm. M. Reynolds, Prof. in Pennsylvanian College. Von dieſer bereits früher angezeigten engliſchen Vierteljahrsſchrift, dem Organe derjenigen eng⸗ liſchen Lutheraner, welche eine Reparation der amerikaniſch⸗lutheriſchen Kirche für nöthig erach⸗ ten und anſtreben, ſind bereits zwei Quartalhefte erſchienen. Vielleicht dürfte es manchem Leſer nicht unlieb ſein, eine Ueberſicht des Inhalts dieſer Nummern zu erhalten. Die erſte enthält folgende Artikel: 1. Introduction — the objects and position of the Ev. Review. 2. Theo- logical education in the Luth. Church in the U. S. 3. The Gospel in the Old Testament, translated from the German of Dr. Umbreit. 4. Stier's discourses of the Lord Jesus.