Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 8 › Seite 59
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-12-08, Seite 59
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Verennmieſchriſten
feſſion ſchwören müſſen.““) Seripta
Wittenberg. publ. in academ. propos. Tom.
VII, p. 443.) So hat denn hiermit Herr Dr.
Sprecher Zeugniß von Freunden und Feinden,
von echten und falſchen Brüdern, daß vor allem
die Augsburgiſche Confeſſion von Anfang an
normatives, verbindendes Anſehen hatte und ha⸗
ben ſollte für alle, welche Lutheraner ſein wollten.
Wir können jedoch dem Herrn Doctor mit noch
mehr dienen. Calvin ſelbſt nämlich hat, wie
er ſelbſt bekennt, die Augsburgiſche Confeſſion
unterſchrieben. Er ſchreibt nemlich in einem
Briefe an M. Schalling, Prediger zu Regens⸗
burg, im Jahre 1557: „Auch verwerfe ich die
Augsburgiſche Confeſſion nicht, welche ich früher
willig und gern unterſchrieben habe.“ (Epist.
et resp. ed. sec. Lausannae. Ep. 236.) Wie
Calvin dazu gekommen ſei, ſagt uns Sal. Cyprian
in ſeinem „Unterricht von kirchlicher Vereini⸗
gung“. Als nemlich Calvin im Jahre 1538
von dem Rath in Genf verjagt wurde, wendete
er ſich nach Straßburg, wo ihm eine theologiſche
Profeſſur und das Paſtorat bei der dort neu ge⸗
ſtifteten franzöſiſchen Kirche anvertraut wurde.
Hier war es, wo er die Augsburger Confeſſion
unterſchreiben mußte. Er ſetzt freilich zu obigem
Geſtändniß hinzu: „wie dieſelbe (Confeſſion) der
Autor ſelbſt ſie ausgelegt hat“, allein dies be⸗
weiſ't nur gegen die Ehrlichkeit ſeines Sinnes,
nicht aber gegen die Thatſache ſelbſt; denn es iſt
nicht nur bekannt, daß im Jahre 1539 Melanch⸗
thon die Confeſſion nicht anders ausgelegt hat,
als wie ſie lautet, es verſteht ſich auch von ſelbſt,
daß von Calvin nicht verlangt wurde, ſich zur
Confeſſion nach dem Sinne irgend eines Privat⸗
mannes, ſondern nach dem Sinne der Kirche, die
die Unterſchrift von ihm begehrte, bekenne.“)
— Ferner wurden im Jahre 1542 von allen
Gliedern des Frankfurter Miniſteriums auf des
Straßburger Bucers Anregung auch noch mehrere
andere Bekenntnißſchriften feierlich unterſchrieben.
Wir finden dies in der ſogenannten „Concordia“
Bucers, welche außer Bucern von den acht
Frankfurtiſchen Predigern unterzeichnet iſt. In
derſelben heißt es § 17: „Und ſoll treulich und
mit chriſtlicher Andacht gelehrt werden, was in
heiliger Schrift ſtehet und in unſerer Augsburgi⸗
ſchen Confeſſion und derſelben Apologia,
ſo denn auch in den Artikeln zu Regensburg,
von unſeren Ständen dem Kaiſer überantwortet,
und letzlich in der Formula Concordiä, zu Wit⸗
tenberg gemacht und aufgerichtet, erkläret wird,
welchem alle vorermeldete Prediger mit Chriſti
Hülfe beſtändiglich und treulich nachkommen
und dabei verharren wollen.“ (Luthers Werke.
Hall. A. XVII, 2623.) Noch liegen uns zwar
*) Es ſcheint, das Wittenberg-College in Springfield
hat ſich nach dem Vorbild der Wittenberg-Univerſität in
den Zeiten Peucers gebildet und daher dieſen Namen
beliebt.
*) In dieſer Weiſe, die Unterſchrift zu leiſten, folgte
Calvin der Prädeſtinatianer Zanchi in Straßburg, wel⸗
cher folgendermaßen unterſchrieb: Er wolle lehren „nach
der wahren und orthodor verſtandenen in der
Augsburgiſchen Confeſſion enthallenen Lehre“. (Carpzovii
Isagog. P. 112.)
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eine ganze Menge Documente vor, welche bezeu⸗
gen, daß ſchon zu Luthers Zeit die lutheriſchen
Prediger auf die damals vorhandenen Symbole
ſich eidlich verpflichtet haben; die angeführten
werden jedoch hinreichen, unſere Behauptung zu
begründen.
Zum Schluß möge noch Luther ſelbſt reden.
Als Kaiſer Karl V. in dem Augsburgiſchen
Reichsabſchied nur denjenigen kirchliche Freiheit
geſtatten wollte, welche gerade damals die Augs⸗
burgiſche Confeſſion unterſchrieben hatten oder
ſogleich unterſchreiben würden, daneben auch auf
ein Coneilium, welches zur Beilegung der Strei⸗
tigkeiten ausgeſchrieben werden ſollte, verwies,
ſchrieb Luther u. a. Folgendes: „Wenn wir
hierzu Ja ſagen wollten, ſo wäre es eben ſo viel,
als wenn wir ſprächen: Chriſtus ſolle nicht le⸗
ben, ſondern wieder gekreuzigt werden. Zudem
müſſen wir bekennen, daß die zu Augsburg ge⸗
predigte und überreichte Lehre das wahre und
lautere Wort Gottes ſei und daß alle, die ſie
glauben und halten, Kinder Gottes und ſelig
werden, ſie mögen gleich jetzo ſchon glauben oder
hernach noch erleuchtet werden, welches Be⸗
kenntniß bis ans Ende der Welt und
an jüngſten Tag dauern ſoll. Denn
es ſtehet geſchrieben: „„Wer gläubet und (Gott)
anrufet, ſoll ſelig werden.“ Und muß man
nicht allein derer, die noch dazu kommen werden,
ſondern auch der chriſtlichen Kirche, die das Wort
predigt, und der Unſern, die ihre Gliever ſind,
wahrnehmen. Denn es ſiehet geſchrieben Gal.
6, 16.: „„So viel nach dieſer Regel einher
gehen““ ꝛc., durch welchen Spruch niemand aus⸗
geſchloſſen wird. Sind dem nach alle, die
nach der Lehre des Bekenntniſſes und
der Apologie glauben und leben,
nach ſolchem Glauben und Lehre
unſere Brüder, und gehet uns ihre Gefahr
ſo ſehr an, als die unſrige. Wir können ſie auch
als Glieder der wahren Kirche nicht verlaſſen, ſie
mögen ſich zu uns fügen, wenn ſie wollen; ſie
mögen es in der Stille oder öffentlich thun; mö⸗
gen unter uns oder in der Fremde leben. Das
Da der HErr
ſpricht: „„Die Pforten der Hölle werden die
Kirche nicht überwältigen““, und doch ſolche
Pforten nicht ruhen, ſo folget nothwendig, daß
die Lehre an keine gewiſſe Zeit, Ort oder Perſon
gebunden ſei, ſondern ſtets währen und bleiben
werde für alle die, welche entweder ſchon gläuben
oder noch künftig gläuben werden.. .. Der Ar⸗
tikel vom Concilio iſt nur inſoweit nothwendig
zu glauben, zu beken nen und zu halten, in ſo fern
es zugibt, daß unſere Lehre, die wir bekennen,
wahr ſei und daß auch kein Engel vom
Himmel ſie richten oder ändern könne,
ſondern ein Engel, der dergleichen
thun wolle, verflucht und verbannet
ſein müſſe.“ (Ebendſ. XVI, 1856 ff.) Hier⸗
nach beurtheile nun der Leſer die Aeußerung
Herrn Prof. Dr. Sprechers: „Bei Lebzeiten Lu⸗
thers wurden die damals exiſtirenden Symbole
der Kirche von ihren Verfaſſern oder andern nicht
als in aller Rückſicht mit verpflichtendem Anſehen
bekleidet oder als für die Nachkommen bindend,
ſondern allein als ihr Glaubensbekenniniß und
als ihr Zeugniß von der Wahrheit betrachtet.
Sie wurden daher für ſolche Bekenntniſſe ange⸗
ſehen, welche noch Abänderungen und Ver⸗
beſſerungen zulaſſen.“ Wir geſtehen, wir ſchä⸗
men uns, daß es in der ſogenannten amerikaniſch⸗
lutheriſchen Kirche dahin gekommen iſt, daß ſelbſt
ihre Profeſſoren und Doctoren der Theologie ſo
ungeſcheut allen Zeugniſſen der Geſchichte oͤffent⸗
lich Trotz bieten dürfen.
(Schluß folgt.)
Etwas Gutes aus dem „Apologeten“.
In der 566. Nummer dieſes Blattes finden
wir folgende liebliche Erzählung, die wir den
Leſern des „Lutheraner“ mit wahrer Freude mit⸗
theilen:
„Ein Methodiſtenprediger in Irland hatte
eine beſondere Gabe, bußfertigen Seelen die Na⸗
tur des rechtfertigenden Glaubens deutlich zu
machen. Eine ſehr gebildete Frau am Betaltar
war nahe an der Verzweiflung. Nachdem man
eine Zeitlang mit ihr gebetet hatte, ſagte er zu
ihr: „„Steh auf, Schweſter, und ſetze dich vor
mich hin, ich habe dir einige Fragen vorzulegen.
Glaubſt du an die Bibel?““ — Ja. — „„Kannſt
du mir ſagen, wer die Welt erſchaffen hat?““
Die Frau war faſt beleidigt, ſchwieg eine Weile
und ſagte dann, Gott. „„Wie weißt du es
denn? Warſt du dabei, als er die Welt ſchuf?““
— Nein, aber das Wort Gottes ſagt ſo. —
„„So, ſo, alſo du glaubſt dem, was die Bibel
ſagt?““ — Freilich. — „„Wir wollen ſehen.
Dies iſt mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlge⸗
fallen habe, Den ſollt ihr hören. Wer hat dies
geſagt?““ — Der Vater. — „„Nun, willſt du
thun, was der Vater ſagt? Er befiehlt dir, Sei⸗
nen Sohn zu hören. Und was ſagt der Sohn?
Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinaus⸗
ſtoßen. Kommt zu mir, ſo werdet ihr Ruhe fin⸗
den für eure Seelen: Tochter, deine Sün⸗
den, welche viele ſind, ſind dir alle
vergeben. Sagte er nicht alles das auch zu
dir? Aber du glaubſt ihm nicht, ich ſage dir, du
glaubſt noch nicht, was die Bibel ſagt.““ Die
Frau erkannte in dieſem Augenblick die Sünde
ihres Unglaubens, und faßte ſogleich ein Ver⸗
trauen in die Macht, Liebe und Treue des Hei⸗
lands, ſie fand einen gegenwärtigen Heiland.“
Wenn wir ſolche Erzählungen in dem „Apo⸗
logeten“ leſen, ſo wiſſen wir in der That nicht,
wie chriſtlich geſinnte Methodiſten die lutheriſche
Lehre von der heiligen Abſolution als unbibliſch
und gefährlich verwerfen können; denn was hat
jener irländiſche Methodiſt anderes gethan, als
die Angefochtene abſolvirt? Wollten doch wahr⸗
heitsſuchende und -liebende Methodiſten unſere
Lehre von der Abſolution näher kennen zu lernen
ſich die Mühe geben, ſo würden ſie finden, die⸗
ſelbe iſt einfach dieſe: Die Gnadenbotſchaft des
Evangeliums, welche Gott der ganzen Welt
verkündigen läßt, iſt auch an jeden einzelnen
Sünder gerichtet und ſoll auch jedem einzelnen
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