Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 7 › Seite 54

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-11-24, Seite 54

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nach liegt es den Zuhörern und Gemeindegliedern
nicht minder ob, mit zu ſorgen und zu wachen,
daß die reine Lehre unter ihnen im Schwange
bleibe; ſie ſind deshalb berechtigt, die Lehre ihres
Paſtors nach dem Richtſcheit des göttlichen Wor—
tes, wie dieſes ſich ſchon in ihrem kleinen luthe—
riſchen Katechismus findet, zu prüfen und vor⸗
nehmlich, ob er das „Wort der Wahrheit“, Geſetz
und Evangelium, recht theile, auch vorhandene
Irrthümer widerlege, herrſchende Sünden ſtrafe,
die Traurigen und Angefochtenen tröſte, mit der
Lehre auch die Ermahnung verbinde, Summa,
ob er das Wort Gottes in heiliger Schrift, das
da „nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Beſſerung
und zur Züchtigung in der Gerechtigkeit“, wohl
zu führen und anzuwenden verſtehe, öͤffentlich und
ſonderlich? Daß dieſes Recht und dieſe Pflicht,
die Lehre ihres Paſtors zu prüfen, die Kirchkinder
und Zuhörer auch haben, geht gleichfalls aus der
heiligen Schrift hewwor; denn der heilige Apoſtel
Paulus ſchreibet an die Theſſalonicher 1 Theſſ.
5, 21.: „Prüfet aber alles (nemlich nach Gottes
klarem Wort, nach dem „Vorbild der heilſamen
Lehre“, dem Katechismus) und das Gute be⸗
haltet.“ Nicht minder ſchreibt er an die Corin⸗
ther 1 Corinth. 10, 15.: „Als mit den Klugen
rede ich, richtet ihr, was ich ſage“; ferner:
1 Cor. 2, 15.: „der Geiſtliche (d. i. der in Gottes
Wort und Wahrheit begründete und erfahrene
Gläubige, Prediger oder nicht) richtet alles
und wird von Niemand gerichtet.“ Desgleichen
befiehlt Johannes 1 Joh. 4, 1., „die Geiſter zu
prüfen, ob ſie aus Gott ſind“; ſo auch erinnert
der HErr Chriſtus Matth. 7, 15.: „Hütet euch
vor den falſchen Propheten“ u. ſ. w.
(Schluß folgt.)

Erwiderung.

In der 12. Nummer des „Miſſionsboten“ (2.
Jahrg.), des Organs der Synode und Miſſions⸗
Geſellſchaft von Michigan, findet ſich ein Brief
von P. Schmidt in Ann Arbor, woraus wir Fol⸗
gendes entnehmen:

„Seit etwa einem halben Jahre bemerkten wir
in den Briefen unſerer Miſſionarien Auch und
Maier eine Richtung und Stimmung ausge⸗
drückt, als könnten ſie nach ihren Gewiſſen und
innern Ueberzeugung nicht mehr länger in un⸗
ſerer Miſſionsgeſellſchaft bleiben, wenn wir uns
nicht ſämmtlich nach Lehre, Bekenntniß und
Praris der altlutheriſchen Kirche oder der luthe⸗
riſchen Synode von Miſſouri anſchließen würden.
Es iſt den Leſern des Miſſionsboten bekannt, wie
bei der Gründung der Indianer⸗Miſſion in Sa⸗
ginaw County im Staate Michigan die Brüder
aus Baiern mit uns Hand an's heilige Werk
gelegt, . . . wie aber im Jahre 1846 eine Tren⸗
nung wegen gewiſſer Verſchiedenheiten in Mei⸗
nungen unweſentlicher Art, beſonders den Cultus
betreffend, eine Trennung entſtanden iſt.“

Weiter unten heißt es: „Wir haben uns in
No. 9 des Miſſionsboten vorigen Jahrgangs
hinſichtlich der Lehre und des Bekenntniſſes der

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lutheriſchen Kirche ausgeſprochen und bezeugen
hier abermals, daß wir durch Gottes Gnade und
Kraft des Heiligen Geiſtes ſtets rein an dem
Worte der heiligen Schrift, wie die lutheriſche
Kirche lehrt, gehalten und uns auch des Bekennt⸗
niſſes unſerer Kirche nie geſchämt haben, aber daß
wir uns unbedingt, wie unſere Miſſionarien und
mehrere Brüder der Miſſouri⸗Synode es wün⸗
ſchen, an genannte Synode anſchließen und ſomit
auch die Praxis und Ceremonien der altluthe⸗
riſchen Kirche, die den meiſten von uns unbekannt
ſind und immerhin als Nebendinge betrachtet
werden müſſen, annehmen ſollten, können wir nie
und nimmermehr thun, und ſomit blieb uns nichts
übrig, als unſere Brüder Auch und Maier mit
der Miſſionsſtation Sibiwaing, wo der HErr
bisher ſein Werk ſichtlich geſegnet, der Miſſouri⸗
Synode zu überlaſſen, was auf dem Wege der
Ordnung geſchehen.“ Hiezu macht ein Unge⸗
nannter u. A. noch folgende Bemerkung: „Wir
ehren die Ueberzeugung eines jeden Menſchen und
ſomit auch die der Miſſionarien Auch und Maier,
allein uns hat der Heilige Geiſt noch nicht darin
überzeugt, daß die Ceremonien der altlutheriſchen
Kirche unſerer Zeit und beſonders der lutheriſchen
Chriſtenheit in Nord-Amerika angemeſſen ſind.
Wir erkennen allerdings einen Mangel auch in
Bezug auf den Cultus an, aber wir glauben
ſicherlich, daß wir zunächſt den Hauptmangel des
wahren chriſtlichen Lebens ins Auge zu faſſen
haben, und wenn dies einmal wieder erwacht iſt,
ſo wird der Geiſt Gottes der künftigen Chriſten⸗
heit die rechte Cultusform, die dem innern Leben
der Kirche entſpricht, ſchon ſchaffen, und dieſe
wird gewiß keiner der jetzt beſtehenden Formen
entſprechen und daher meinen wir, daß es thöricht
iſt, einer aus dem Heidenthum geſammelten chriſt—
lichen Gemeinde irgend eine zuvorbeſtimmte Form
aufzudrängen; denn der Geiſt ſchafft ſich ſelbſt
ſeine Form und die nur iſt eine wahre, die dem
Geiſte entſpricht, der in der Gemeinde waltet,
und dieſe wird auch je nach den verſchiedenen
Verhältniſſen der Länder eine verſchiedene ſein.“
* *
K

Alles hier Geſagte gibt dem Leſer desſelben
keine andere als die Ueberzeugung: wir ſeien we⸗
gen einer gewiſſen Ceremonienſucht von der Miſ—
ſions⸗Geſellſchaft und Synode von Michigan
ausgegangen, weil dieſe ſich unſerem Begehren,
altlutheriſche Ceremonien anzunehmen, nicht fügte.
Denn es iſt hier klar ausgeſprochen, daß die
Synode und Miſſions⸗Geſellſchaft von Michigan
ſtets rein am Worte der heiligen Schrift, wie die
lutheriſche Kirche lehrt, gehalten, ſich auch des
Bekenniniſſes derſelben nie geſchämt habe; folg⸗
lich könnten wir keine andere Urſache zur Tren⸗
nung, als die bereits angegebene, gehabt haben.

Abgeſehen nun davon, daß Herr P. Schmidt
im Eingange in Bezug auf die Zeit wohl hätte
der Wahrheit gemäß dieſelbe um das Dreifache
verlängern müſſen, — ſo können wir wiederum
der Wahrheit gemäß nicht anders, als hier öffent⸗
lich bekennen: daß wir nie, weder direct noch
indirect, eine ſolche Bedingung geſtellt
haben, als könnten wir nur dann mit gutem Ge⸗

wiſſen bei der Miſſions⸗Geſellſchaft von Michigan
bleiben, wenn ſich dieſelbe nach Lehre, Bekenntniß
und Praxis der altlutheriſchen Kircht
oder der lutheriſchen Synode von Miſ⸗
ſouri anſchlöſſe. Wir wiſſen nichts von einer
altlutheriſchen Kirche, erkennen auch weder eine
alt⸗ noch neulutheriſche, ſondern allein eine
lutheriſche Kirche, wie ſie in ihren
Symbolen, in Lehre, Bekenntniß und
Praxis Jedermann vor das Angeſicht
tritt, an. Hat man aber Luſt, die Synode von
Miſſouri (zu welcher auch wir uns mit Freuden
zählen), die treu an den Bekenntniſſen ihrer Vi⸗
ter, nicht eben inſofern, ſondern weil ſie
mit Gottes heiligem Wort vollkom⸗
men übereinſtimmen, feſthält und dieſelben
gegen alle Angriffe nicht durch Vernunftſchlüſſe,
ſondern aus Gottes Wort vertheidigt, mit dem
Namen altlutheriſch zu belegen: ſo thue man
immerhin, was man nicht laſſen kann, beweiſe
aber derſelben zuerſt, daß ſie von den Symbolen
der lutheriſchen Kirche abgefallen ſei, ehe man ihr
dieſen Namen mit Recht beilegt. Wir haben es
jedoch keinen Hehl, daß wir unſere Geſellſchaft
wiederholt baten, ſie möchte doch der falſchen
Union unſerer Tage (welcher auch wir noch vor
wenig Jahren von Herzen ergeben waren, aber
durch Gottes Gnade davon befreit wurden), ihrer
Bekenntnißlauheit und antilutheriſchen Praxis
Abſchied geben und zu dem Bekenntniß, der Lehre
und der Praxis der lutheriſchen Kirche, laut der
Symbole derſelben, zurückkehren. Wir bekennen

es auch frei, daß es allerdings gegen unſere Gn⸗
wiſſen geht, wenn eine lutheriſche Synode und
Geſellſchaft (2) ihre Miſſionare bei ihrer Ordi⸗
nation auf ſämmtliche Symbole unſerer Kirche
verpflichtet, ohne ihnen das Studium derſelben
zur Pflicht gemacht zu haben; daß dieſes Ver⸗
fahren auch nur ſo lange mit unſern Gewiſſen
vereinbar war, als wir dieſelben nicht kannten.
Wir müſſen es- auch bekennen, daß es mit
unſern Gewiſſen nicht länger harmoniren wollte,
eine Conſtitution unterſchrieben zu haben, worin
ſich jedes Glied der Synode verpflichtete, die
Augsburger Confeſſion als Bekenntniß, Lehrnom
und Norm der Praxis feſtzuhalten, ſowie den
Unterricht der Jugend, beſonders der Confirman⸗
den, auf die treueſte Weiſe zu handhaben: wenn
nun, dieſer Verpflichtung ungeachtet, die Augs⸗
burgiſche Confeſſion in ihrem 14. Artikel that⸗
ſächlich verworfen, und letzterer ſo betrieben wird,
daß man Kinder, die vielleicht kaum leſen konn⸗
ten, mit acht Tagen Confirmations-Unterricht
confirmirte und zum heiligen Abendmahl zuließ;
ja, wenn es ſogar, während Einer von uns in
Ann Arbor ſich aufhielt, geſchah, daß Kinder mit
zwei, höchſtens drei Tagen Unterricht confirmint
wurden, denen, wie Herr P. Schmidt bei ſeiner
Zurückkunft ſelbſt ſagte, der mit dem Unterricht
derſelben Beauftragte meiſt lauter rationaliſtiſche
Grundſätze beigebracht hatte, wie z. B.,der HErr
IEſus ſei ein Märtyrer ſeiner Lehre geworden“
u. ſ. w. — Auch iſt es gegen unſere Gewiſſen
und unſere Ueberzeugung, wenn man an gedach⸗
tem Ort Katholiken, Methodiſten und Reformirte

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