# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 11 24_S54 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) nach liegt es den Zuhörern und Gemeindegliedern nicht minder ob, mit zu ſorgen und zu wachen, daß die reine Lehre unter ihnen im Schwange bleibe; ſie ſind deshalb berechtigt, die Lehre ihres Paſtors nach dem Richtſcheit des göttlichen Wor— tes, wie dieſes ſich ſchon in ihrem kleinen luthe— riſchen Katechismus findet, zu prüfen und vor⸗ nehmlich, ob er das „Wort der Wahrheit“, Geſetz und Evangelium, recht theile, auch vorhandene Irrthümer widerlege, herrſchende Sünden ſtrafe, die Traurigen und Angefochtenen tröſte, mit der Lehre auch die Ermahnung verbinde, Summa, ob er das Wort Gottes in heiliger Schrift, das da „nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Beſſerung und zur Züchtigung in der Gerechtigkeit“, wohl zu führen und anzuwenden verſtehe, öͤffentlich und ſonderlich? Daß dieſes Recht und dieſe Pflicht, die Lehre ihres Paſtors zu prüfen, die Kirchkinder und Zuhörer auch haben, geht gleichfalls aus der heiligen Schrift hewwor; denn der heilige Apoſtel Paulus ſchreibet an die Theſſalonicher 1 Theſſ. 5, 21.: „Prüfet aber alles (nemlich nach Gottes klarem Wort, nach dem „Vorbild der heilſamen Lehre“, dem Katechismus) und das Gute be⸗ haltet.“ Nicht minder ſchreibt er an die Corin⸗ ther 1 Corinth. 10, 15.: „Als mit den Klugen rede ich, richtet ihr, was ich ſage“; ferner: 1 Cor. 2, 15.: „der Geiſtliche (d. i. der in Gottes Wort und Wahrheit begründete und erfahrene Gläubige, Prediger oder nicht) richtet alles und wird von Niemand gerichtet.“ Desgleichen befiehlt Johannes 1 Joh. 4, 1., „die Geiſter zu prüfen, ob ſie aus Gott ſind“; ſo auch erinnert der HErr Chriſtus Matth. 7, 15.: „Hütet euch vor den falſchen Propheten“ u. ſ. w. (Schluß folgt.) Erwiderung. In der 12. Nummer des „Miſſionsboten“ (2. Jahrg.), des Organs der Synode und Miſſions⸗ Geſellſchaft von Michigan, findet ſich ein Brief von P. Schmidt in Ann Arbor, woraus wir Fol⸗ gendes entnehmen: „Seit etwa einem halben Jahre bemerkten wir in den Briefen unſerer Miſſionarien Auch und Maier eine Richtung und Stimmung ausge⸗ drückt, als könnten ſie nach ihren Gewiſſen und innern Ueberzeugung nicht mehr länger in un⸗ ſerer Miſſionsgeſellſchaft bleiben, wenn wir uns nicht ſämmtlich nach Lehre, Bekenntniß und Praris der altlutheriſchen Kirche oder der luthe⸗ riſchen Synode von Miſſouri anſchließen würden. Es iſt den Leſern des Miſſionsboten bekannt, wie bei der Gründung der Indianer⸗Miſſion in Sa⸗ ginaw County im Staate Michigan die Brüder aus Baiern mit uns Hand an's heilige Werk gelegt, . . . wie aber im Jahre 1846 eine Tren⸗ nung wegen gewiſſer Verſchiedenheiten in Mei⸗ nungen unweſentlicher Art, beſonders den Cultus betreffend, eine Trennung entſtanden iſt.“ Weiter unten heißt es: „Wir haben uns in No. 9 des Miſſionsboten vorigen Jahrgangs hinſichtlich der Lehre und des Bekenntniſſes der 5⁴ lutheriſchen Kirche ausgeſprochen und bezeugen hier abermals, daß wir durch Gottes Gnade und Kraft des Heiligen Geiſtes ſtets rein an dem Worte der heiligen Schrift, wie die lutheriſche Kirche lehrt, gehalten und uns auch des Bekennt⸗ niſſes unſerer Kirche nie geſchämt haben, aber daß wir uns unbedingt, wie unſere Miſſionarien und mehrere Brüder der Miſſouri⸗Synode es wün⸗ ſchen, an genannte Synode anſchließen und ſomit auch die Praxis und Ceremonien der altluthe⸗ riſchen Kirche, die den meiſten von uns unbekannt ſind und immerhin als Nebendinge betrachtet werden müſſen, annehmen ſollten, können wir nie und nimmermehr thun, und ſomit blieb uns nichts übrig, als unſere Brüder Auch und Maier mit der Miſſionsſtation Sibiwaing, wo der HErr bisher ſein Werk ſichtlich geſegnet, der Miſſouri⸗ Synode zu überlaſſen, was auf dem Wege der Ordnung geſchehen.“ Hiezu macht ein Unge⸗ nannter u. A. noch folgende Bemerkung: „Wir ehren die Ueberzeugung eines jeden Menſchen und ſomit auch die der Miſſionarien Auch und Maier, allein uns hat der Heilige Geiſt noch nicht darin überzeugt, daß die Ceremonien der altlutheriſchen Kirche unſerer Zeit und beſonders der lutheriſchen Chriſtenheit in Nord-Amerika angemeſſen ſind. Wir erkennen allerdings einen Mangel auch in Bezug auf den Cultus an, aber wir glauben ſicherlich, daß wir zunächſt den Hauptmangel des wahren chriſtlichen Lebens ins Auge zu faſſen haben, und wenn dies einmal wieder erwacht iſt, ſo wird der Geiſt Gottes der künftigen Chriſten⸗ heit die rechte Cultusform, die dem innern Leben der Kirche entſpricht, ſchon ſchaffen, und dieſe wird gewiß keiner der jetzt beſtehenden Formen entſprechen und daher meinen wir, daß es thöricht iſt, einer aus dem Heidenthum geſammelten chriſt— lichen Gemeinde irgend eine zuvorbeſtimmte Form aufzudrängen; denn der Geiſt ſchafft ſich ſelbſt ſeine Form und die nur iſt eine wahre, die dem Geiſte entſpricht, der in der Gemeinde waltet, und dieſe wird auch je nach den verſchiedenen Verhältniſſen der Länder eine verſchiedene ſein.“ * * K Alles hier Geſagte gibt dem Leſer desſelben keine andere als die Ueberzeugung: wir ſeien we⸗ gen einer gewiſſen Ceremonienſucht von der Miſ— ſions⸗Geſellſchaft und Synode von Michigan ausgegangen, weil dieſe ſich unſerem Begehren, altlutheriſche Ceremonien anzunehmen, nicht fügte. Denn es iſt hier klar ausgeſprochen, daß die Synode und Miſſions⸗Geſellſchaft von Michigan ſtets rein am Worte der heiligen Schrift, wie die lutheriſche Kirche lehrt, gehalten, ſich auch des Bekenniniſſes derſelben nie geſchämt habe; folg⸗ lich könnten wir keine andere Urſache zur Tren⸗ nung, als die bereits angegebene, gehabt haben. Abgeſehen nun davon, daß Herr P. Schmidt im Eingange in Bezug auf die Zeit wohl hätte der Wahrheit gemäß dieſelbe um das Dreifache verlängern müſſen, — ſo können wir wiederum der Wahrheit gemäß nicht anders, als hier öffent⸗ lich bekennen: daß wir nie, weder direct noch indirect, eine ſolche Bedingung geſtellt haben, als könnten wir nur dann mit gutem Ge⸗ wiſſen bei der Miſſions⸗Geſellſchaft von Michigan bleiben, wenn ſich dieſelbe nach Lehre, Bekenntniß und Praxis der altlutheriſchen Kircht oder der lutheriſchen Synode von Miſ⸗ ſouri anſchlöſſe. Wir wiſſen nichts von einer altlutheriſchen Kirche, erkennen auch weder eine alt⸗ noch neulutheriſche, ſondern allein eine lutheriſche Kirche, wie ſie in ihren Symbolen, in Lehre, Bekenntniß und Praxis Jedermann vor das Angeſicht tritt, an. Hat man aber Luſt, die Synode von Miſſouri (zu welcher auch wir uns mit Freuden zählen), die treu an den Bekenntniſſen ihrer Vi⸗ ter, nicht eben inſofern, ſondern weil ſie mit Gottes heiligem Wort vollkom⸗ men übereinſtimmen, feſthält und dieſelben gegen alle Angriffe nicht durch Vernunftſchlüſſe, ſondern aus Gottes Wort vertheidigt, mit dem Namen altlutheriſch zu belegen: ſo thue man immerhin, was man nicht laſſen kann, beweiſe aber derſelben zuerſt, daß ſie von den Symbolen der lutheriſchen Kirche abgefallen ſei, ehe man ihr dieſen Namen mit Recht beilegt. Wir haben es jedoch keinen Hehl, daß wir unſere Geſellſchaft wiederholt baten, ſie möchte doch der falſchen Union unſerer Tage (welcher auch wir noch vor wenig Jahren von Herzen ergeben waren, aber durch Gottes Gnade davon befreit wurden), ihrer Bekenntnißlauheit und antilutheriſchen Praxis Abſchied geben und zu dem Bekenntniß, der Lehre und der Praxis der lutheriſchen Kirche, laut der Symbole derſelben, zurückkehren. Wir bekennen es auch frei, daß es allerdings gegen unſere Gn⸗ wiſſen geht, wenn eine lutheriſche Synode und Geſellſchaft (2) ihre Miſſionare bei ihrer Ordi⸗ nation auf ſämmtliche Symbole unſerer Kirche verpflichtet, ohne ihnen das Studium derſelben zur Pflicht gemacht zu haben; daß dieſes Ver⸗ fahren auch nur ſo lange mit unſern Gewiſſen vereinbar war, als wir dieſelben nicht kannten. Wir müſſen es- auch bekennen, daß es mit unſern Gewiſſen nicht länger harmoniren wollte, eine Conſtitution unterſchrieben zu haben, worin ſich jedes Glied der Synode verpflichtete, die Augsburger Confeſſion als Bekenntniß, Lehrnom und Norm der Praxis feſtzuhalten, ſowie den Unterricht der Jugend, beſonders der Confirman⸗ den, auf die treueſte Weiſe zu handhaben: wenn nun, dieſer Verpflichtung ungeachtet, die Augs⸗ burgiſche Confeſſion in ihrem 14. Artikel that⸗ ſächlich verworfen, und letzterer ſo betrieben wird, daß man Kinder, die vielleicht kaum leſen konn⸗ ten, mit acht Tagen Confirmations-Unterricht confirmirte und zum heiligen Abendmahl zuließ; ja, wenn es ſogar, während Einer von uns in Ann Arbor ſich aufhielt, geſchah, daß Kinder mit zwei, höchſtens drei Tagen Unterricht confirmint wurden, denen, wie Herr P. Schmidt bei ſeiner Zurückkunft ſelbſt ſagte, der mit dem Unterricht derſelben Beauftragte meiſt lauter rationaliſtiſche Grundſätze beigebracht hatte, wie z. B.,der HErr IEſus ſei ein Märtyrer ſeiner Lehre geworden“ u. ſ. w. — Auch iſt es gegen unſere Gewiſſen und unſere Ueberzeugung, wenn man an gedach⸗ tem Ort Katholiken, Methodiſten und Reformirte