Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 7 › Seite 52

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-11-24, Seite 52

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeindeverſammlung 5

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hriſtum nicht verlieren, wenn du auch
Inſt alles, was du haſt, ſollteſt beraubt

erden, ſo biſt du gewißlich verſehen,
nd wirſt den verborgenen Gott verſtehen, ja, du
rſteheſt ihn jetzt ſchon allbereit; wenn du den
zohn erkenneſt und ſeinen Willen, daß er ſich
ir offenbaren und dein HErr und Heiland ſein
olle, ſo biſt du deſſen gewiß, daß Gott auch
ein HErr und dein Vater ſei. Dr. Staupitz
flegte mich mit dieſen Worten zu tröſten und
igte zu mir alſo: Lieber, warum plageſt du dich
lſo mit dieſen Speculationen und hohen Ge⸗
anken? Schaue an die Wunden Chriſti und ſein
zlut, das er für dich vergoſſen hat, daraus
ird die Verſehung hervorſcheinen. Gleichwie
in Eremite oder Einſiedler, in vitis Patrum,
ine Zuhörer vermahnet, daß ſie ſich ſolcher Spe⸗
ulation und hohen Gedanken entſchlagen und
nthalten ſollten, und ſaget alſo: „Wenn du
eheſt, daß irgend einer ſeinen Fuß in Himmel
eſetzt hat, ſo zeuch ihn wiederum zurück.“ Denn
lſo pflegen die Heiligen oder Chriſten, die noch
teulinge ſind, außerhalb Chriſto von Gott zu
edenken, und die ſind es eben, die ſich in Him⸗
nel zu ſteigen unterſtehen und daſelbſt beide Fuße
inzuſetzen, aber ſie werden bald in die Hölle ge⸗
vorfen und verſenket. Darum ſollen ſich die
Bottſeligen dafür hüten, und ſich deſſen allein
efleißigen, daß ſie lernen dem Kindlein und dem
Sohne Gottes, IEſu, anhangen, welcher dein
Bott iſt und um deinetwillen Menſch geworden
ſt; denſelbigen ſollſt du erkennen und hören, darzu
deine Luſt an ihm haben und ihm auch dafür
danken. Wenn du den haſt, ſo haſt du auch den
verborgenen Gott zugleich mit dem geoffenbarten.
(Aus dem großen Commentar zum 1. B. Moſe,
Cap. 26, V. 9.)

(Eingeſandt von Dr. Sihler.)

Merkwürdiges Zeuguiß des Mieths⸗
predigers Hru. W. Suhr in Cincinuati.

Es hat beſagter Herr Suhr neulich in den
„proteſtantiſchen Zeitblättern“n) in Betreff der
lutheriſchen Gemeinde zu Brownstown, Jackſon
County, Ind., und deren Bedienung durch Herrn
Paſtor Sauer zuerſt ſehr leichtfertige Worte ge⸗
redet; denn ohne dieſen ſelber und ſeine Gemeinde
gehört zu haben, hat er ohne Weiteres den Be⸗
ſchuldigungen und Verdächtigungen der Gegner
geglaubt und dieſe ſeine Meinung als geſchicht⸗
liche Wahrheit flugs drucken laſſen.

Damit aber gedenken wir uns gar nicht zu be⸗
faſſen und überlaſſen es Herrn Paſtor Sauer, ſich
durch offene Darlegung des Hergangs der Sache
von dem Unglimpf wider die Lauterkeit ſeiner
Geſinnung ſelber zu reinigen.

Im Zuſammenhange aber mit dieſer Sache

——

*) Dieſe Blätter ſind geſchrieben „zur Belehrung und
Erbauung denkgläubiger Crationaliſtiſcher) Chriſten.“
„Deukgläubige Leute“ ſind aber ſolche, welche nicht, wie die
Bibelgläubigen, die Vernunft unter, ſondern über die
Bibel ſtellen; es ſind dieſe „Denkgläubigen“ aber Leute,
die da denken, daß ſie glauben, und die da glauben, daß ſie
denken.

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hat Herr Paſtor Suhr Sätze aufgeſtellt, die klar
beweiſen, daß er durchaus ſchriftwidrige Anſichten
vom heiligen Predigtamte hat und ſich (und na⸗
türlich auch alle andern ſogenannten proteſtan⸗
tiſchen Prediger) nicht als Diener Gottes und des
HErrn IEſu Chriſti, als Mitarbeiter und Mit⸗
helfer des Heiligen Geiſtes, als Hirten und Pfle⸗
ger der durch das Blut JEſu Chriſti theuer er—
kauften Gemeinde Gottes, ſondern als gemiethe⸗
ten und zeitweiſe gedungenen Redner und Knecht
demokratiſcher Haufen anſieht. Dieſe Sätze nun
gedenken wir ein Wenig zu beleuchten und nach
Gottes Wort zu prüfen, nicht um Herrn Suhrs
und ähnlicher Menſchenknechte willen, die gern
vor ihren Miethoͤherren ſchwanzwedeln und deren
fleiſchliche Freiheit noch mehr aufblaſen, um im⸗
mer von Neuem gemiethet zu werden, ſondern um
die Unſern und aufrichtige für göttliche Wahrheit
empfäugliche Seelen etwas näher zu berichten.“
Der Hauptſatz oder vielmehr — da nichts ge⸗
ſetzt iſt — der Hauptwahn des Herrn Suhr iſt
dieſer: „Wie das Volk der amerikaniſchen Frei⸗
ſtaaten keine andere Majeſtät kennt, als ſich
ſelbſt, und ſeinen Präſidenten nur als ſeinen
Diener betrachtet, ſo ſollten doch die religiöſen
Körperſchaften nicht allein wiſſen, ſondern auch
bethätigen, daß ſie als kirchliche Gemeinde
die ſouveraine Gewalt ſind und daß ſie ſich in
dieſer ihrer göttlichen Autorität nicht durch den
behindern laſſen, der der Vollſtrecker ihrer An⸗
ordnungen iſt — den Prediger, Pfarrer oder
Paſtor.“

Der Hauptirrthum des Herrn Suhr hierin,
der uns zunächſt angeht, iſt dieſer, daß er aus der
hieſigen Form und Geſtalt des bürgerlichen Ge⸗
meinweſens einen falſchen Schluß auf die des
kirchlichen Gemeinweſens macht. Er nennt alſo
zuerſt eine ohne Paſtor verſammelte Zahl getauf⸗
ter Chriſten — er müßte denn nach demokratiſcher
Weitherzigkeit auch Juden, Türken und Heiden,
die etwa den Zutritt begehrten, in ſolche Verſamm⸗
lung mit einrechnen — eine „kirchliche Ge⸗
meinde“. Dieß iſt aber ſchnurſtracks wider
Gottes Wort und die Geſchichte.“) Schauen
wir auf das Entſtehen und Beſtehen der erſten
apoſtoliſchen Gemeinde zu Jeruſalem in Ap.
Geſch. 2. und ff. zurück.

War es da wohl möglich, daß vor der Pre⸗
digt der Apoſtel dieſe und jene Juden konnten an
Chriſtum gläubig werden und eine Gemeinde
bilden? Nicht alſo. Nachdem aber z. B. durch
Petri Predigt dieſes geſchah und zuerſt 3000
gläubig geworden waren, finden wir da geſchrie⸗
ben, daß die Chriſten eine Gemeinde waren ohne
die Apoſtel und die ſpäter erwählten Aelteſten, daß
ſie zuſammenkamen, um als „ſouveraine Gewalt“
in ihrer vom Herrn Suhr ihnen zugeeigneten
„göttlichen Autorität“, Verordnungen zu machen

X*) Es verſteht ſich von ſelbſt, daß hiermit nicht irgend
einer größeren oder kleineren Gemeinſchaft von Gläubigen,
wenn dieſelbe zufällig keinen Prediger hat, deswegen der
Charakter der Kirche abgeſprochen werden ſoll; es handelt
ſich vielmehr darum, ob die Zuhörerſchaft im Gegenſatz zu
den Hirten und Lehrern die Kirche, alſo mit Ausſchluß des

Predigtamtes die Inhaberin der Kirchengewalt iſt.
D. Red.

und Beſchlüſſe zu faſſen für die Regierung der
Gemeinde, die ſie darnach erſt den abweſenden
Apoſteln und Aelteſten, ihren „Dienern“, als
„Vollſtreckern“ ihres Raths und Willens über⸗
geben hätten? Von ſolcher Cincinnatiſchen Kir⸗
chenordnung oder vielmehr Unordnung wird hof⸗
fentlich Niemand eine Spur in der Apoſtel⸗
geſchichte finden. Vielmehr, wo von Gemeinde⸗
verſammlungen irgend etwas berichtet wird, da
ſehen wir die Apoſtel und Aelteſten auch mit da⸗
bei, und zwar nicht als müßige Zuſchauer, ſon⸗
dern vielmehr als die Seele des Ganzen, als die,
welche bei obſchwebenden Streitfragen oder
ſchwierigen Verhältniſſen durch die Erleuchtung
vom Heiligen Geiſte Gottes Wahrheit und Willen
erkannten, denſelben den Gläubigen vortrugen
und mit⸗ ihnen gemeinſam die Ausführung be⸗
ſchloſſen.

Aber nicht nur zu Jeruſalem, ſondern auch
anderwärts fand das ähnliche Verhältniß Statt;
nirgends, wo durch die Predigt z. B. des Apo⸗
ſtels Paulus Leute gläubig wurden und dieſe
dann, nach Gottes Ordnung in 1 Tim. 3., einen
gläubigen und lehrtüchtigen Mann beriefen, der
darnach von dem Apoſtel, als ordentlich berufen,
beſtätigt und in ſein Amt eingewieſen wurde —
nirgends finden wir hier, daß die Hörerſchaft
ohne Zuziehung und Mitwirkung des Lehramts,
ſonderlich in Sachen des Kirchenregiments einen
Beſchluß gefaßt; denn eben dann entſtand ja erſt
eine chriſtliche Gemeinde, wenn die einzelnen
Leute, die durch die apoſtoliſche Predigt an den
HErrn Chriſtum gläubig und dadurch geiſtlich
und innerlich eins wurden, das Predigtamt unter
ſich aufrichteten und dadurch eine auch ſichtbar
und äußerlich hervortretende Verſammlung wur⸗
den, in der das Wort Gottes rein und lauter
verkündet und die heiligen Sacramente nach deoͤ
HErrn Chriſti Einſetzung verwaltet wurden.

Das demgemäße ordentliche Zuſammentreten
des Lehramts und der Hörerſchaft bildet alſo die
Gemeinde oder Kirche; und weder iſt z. B. der
Pabſt mit ſeiner Kleriſei ohne die Hörerſchaft die
Kirche oder Gemeinde, noch iſt irgendwo die
Verſammlung predigerloſer Chriſten oder einer
Hörerſchaft, mit Ausſchluß des Predigers, eine
Gemeinde; und ſo thöricht es von dem Pabſie
und ſeiner Kleriſei oder von den verſammelten
Biſchöfen der Kirche Englands iſt, ſich und ihren
Beſchlüſſen, ohne Mitwirkung und Zuziehung
der Hörerſchaft, ein urſprüngliches Recht und
„göttliche Autorität“ anzumaßen, eben ſo thöricht
iſt es von der Hörerſchaft amerikaniſcher nicht⸗
katholiſcher Gemeinden, wenn ſie ohne das Mit⸗
wirken und Mitbeſchließen des Lehramts dasſelbe
thut. Das Wort Gottes aber kümmert ſich in
ſeiner Gemeinde⸗bildenden Kraft und Ordnung,
in der es zwiſchen dieſen beiden Abirrungen hin⸗
durchſchreitet, weder um die papiſtiſche und bi⸗
ſchöfliche Prieſterherrſchaft und die Fürſtpabſterei
Deutſchlands, noch um die demokratiſche Volls⸗
herrſchaft Amerikas. „Laſſet alles ehrlich und
ordentlich zugehen“ — dieſes iſt die allgemeine
Wahrung der heiligen Schrift wider jegliches
Uebergreifen; daͤm es wäre eben ſo ſehr ein Ver⸗

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