# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1849 11 24_S52 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) hriſtum nicht verlieren, wenn du auch Inſt alles, was du haſt, ſollteſt beraubt erden, ſo biſt du gewißlich verſehen, nd wirſt den verborgenen Gott verſtehen, ja, du rſteheſt ihn jetzt ſchon allbereit; wenn du den zohn erkenneſt und ſeinen Willen, daß er ſich ir offenbaren und dein HErr und Heiland ſein olle, ſo biſt du deſſen gewiß, daß Gott auch ein HErr und dein Vater ſei. Dr. Staupitz flegte mich mit dieſen Worten zu tröſten und igte zu mir alſo: Lieber, warum plageſt du dich lſo mit dieſen Speculationen und hohen Ge⸗ anken? Schaue an die Wunden Chriſti und ſein zlut, das er für dich vergoſſen hat, daraus ird die Verſehung hervorſcheinen. Gleichwie in Eremite oder Einſiedler, in vitis Patrum, ine Zuhörer vermahnet, daß ſie ſich ſolcher Spe⸗ ulation und hohen Gedanken entſchlagen und nthalten ſollten, und ſaget alſo: „Wenn du eheſt, daß irgend einer ſeinen Fuß in Himmel eſetzt hat, ſo zeuch ihn wiederum zurück.“ Denn lſo pflegen die Heiligen oder Chriſten, die noch teulinge ſind, außerhalb Chriſto von Gott zu edenken, und die ſind es eben, die ſich in Him⸗ nel zu ſteigen unterſtehen und daſelbſt beide Fuße inzuſetzen, aber ſie werden bald in die Hölle ge⸗ vorfen und verſenket. Darum ſollen ſich die Bottſeligen dafür hüten, und ſich deſſen allein efleißigen, daß ſie lernen dem Kindlein und dem Sohne Gottes, IEſu, anhangen, welcher dein Bott iſt und um deinetwillen Menſch geworden ſt; denſelbigen ſollſt du erkennen und hören, darzu deine Luſt an ihm haben und ihm auch dafür danken. Wenn du den haſt, ſo haſt du auch den verborgenen Gott zugleich mit dem geoffenbarten. (Aus dem großen Commentar zum 1. B. Moſe, Cap. 26, V. 9.) (Eingeſandt von Dr. Sihler.) Merkwürdiges Zeuguiß des Mieths⸗ predigers Hru. W. Suhr in Cincinuati. Es hat beſagter Herr Suhr neulich in den „proteſtantiſchen Zeitblättern“n) in Betreff der lutheriſchen Gemeinde zu Brownstown, Jackſon County, Ind., und deren Bedienung durch Herrn Paſtor Sauer zuerſt ſehr leichtfertige Worte ge⸗ redet; denn ohne dieſen ſelber und ſeine Gemeinde gehört zu haben, hat er ohne Weiteres den Be⸗ ſchuldigungen und Verdächtigungen der Gegner geglaubt und dieſe ſeine Meinung als geſchicht⸗ liche Wahrheit flugs drucken laſſen. Damit aber gedenken wir uns gar nicht zu be⸗ faſſen und überlaſſen es Herrn Paſtor Sauer, ſich durch offene Darlegung des Hergangs der Sache von dem Unglimpf wider die Lauterkeit ſeiner Geſinnung ſelber zu reinigen. Im Zuſammenhange aber mit dieſer Sache —— *) Dieſe Blätter ſind geſchrieben „zur Belehrung und Erbauung denkgläubiger Crationaliſtiſcher) Chriſten.“ „Deukgläubige Leute“ ſind aber ſolche, welche nicht, wie die Bibelgläubigen, die Vernunft unter, ſondern über die Bibel ſtellen; es ſind dieſe „Denkgläubigen“ aber Leute, die da denken, daß ſie glauben, und die da glauben, daß ſie denken. 52 hat Herr Paſtor Suhr Sätze aufgeſtellt, die klar beweiſen, daß er durchaus ſchriftwidrige Anſichten vom heiligen Predigtamte hat und ſich (und na⸗ türlich auch alle andern ſogenannten proteſtan⸗ tiſchen Prediger) nicht als Diener Gottes und des HErrn IEſu Chriſti, als Mitarbeiter und Mit⸗ helfer des Heiligen Geiſtes, als Hirten und Pfle⸗ ger der durch das Blut JEſu Chriſti theuer er— kauften Gemeinde Gottes, ſondern als gemiethe⸗ ten und zeitweiſe gedungenen Redner und Knecht demokratiſcher Haufen anſieht. Dieſe Sätze nun gedenken wir ein Wenig zu beleuchten und nach Gottes Wort zu prüfen, nicht um Herrn Suhrs und ähnlicher Menſchenknechte willen, die gern vor ihren Miethoͤherren ſchwanzwedeln und deren fleiſchliche Freiheit noch mehr aufblaſen, um im⸗ mer von Neuem gemiethet zu werden, ſondern um die Unſern und aufrichtige für göttliche Wahrheit empfäugliche Seelen etwas näher zu berichten.“ Der Hauptſatz oder vielmehr — da nichts ge⸗ ſetzt iſt — der Hauptwahn des Herrn Suhr iſt dieſer: „Wie das Volk der amerikaniſchen Frei⸗ ſtaaten keine andere Majeſtät kennt, als ſich ſelbſt, und ſeinen Präſidenten nur als ſeinen Diener betrachtet, ſo ſollten doch die religiöſen Körperſchaften nicht allein wiſſen, ſondern auch bethätigen, daß ſie als kirchliche Gemeinde die ſouveraine Gewalt ſind und daß ſie ſich in dieſer ihrer göttlichen Autorität nicht durch den behindern laſſen, der der Vollſtrecker ihrer An⸗ ordnungen iſt — den Prediger, Pfarrer oder Paſtor.“ Der Hauptirrthum des Herrn Suhr hierin, der uns zunächſt angeht, iſt dieſer, daß er aus der hieſigen Form und Geſtalt des bürgerlichen Ge⸗ meinweſens einen falſchen Schluß auf die des kirchlichen Gemeinweſens macht. Er nennt alſo zuerſt eine ohne Paſtor verſammelte Zahl getauf⸗ ter Chriſten — er müßte denn nach demokratiſcher Weitherzigkeit auch Juden, Türken und Heiden, die etwa den Zutritt begehrten, in ſolche Verſamm⸗ lung mit einrechnen — eine „kirchliche Ge⸗ meinde“. Dieß iſt aber ſchnurſtracks wider Gottes Wort und die Geſchichte.“) Schauen wir auf das Entſtehen und Beſtehen der erſten apoſtoliſchen Gemeinde zu Jeruſalem in Ap. Geſch. 2. und ff. zurück. War es da wohl möglich, daß vor der Pre⸗ digt der Apoſtel dieſe und jene Juden konnten an Chriſtum gläubig werden und eine Gemeinde bilden? Nicht alſo. Nachdem aber z. B. durch Petri Predigt dieſes geſchah und zuerſt 3000 gläubig geworden waren, finden wir da geſchrie⸗ ben, daß die Chriſten eine Gemeinde waren ohne die Apoſtel und die ſpäter erwählten Aelteſten, daß ſie zuſammenkamen, um als „ſouveraine Gewalt“ in ihrer vom Herrn Suhr ihnen zugeeigneten „göttlichen Autorität“, Verordnungen zu machen X*) Es verſteht ſich von ſelbſt, daß hiermit nicht irgend einer größeren oder kleineren Gemeinſchaft von Gläubigen, wenn dieſelbe zufällig keinen Prediger hat, deswegen der Charakter der Kirche abgeſprochen werden ſoll; es handelt ſich vielmehr darum, ob die Zuhörerſchaft im Gegenſatz zu den Hirten und Lehrern die Kirche, alſo mit Ausſchluß des Predigtamtes die Inhaberin der Kirchengewalt iſt. D. Red. und Beſchlüſſe zu faſſen für die Regierung der Gemeinde, die ſie darnach erſt den abweſenden Apoſteln und Aelteſten, ihren „Dienern“, als „Vollſtreckern“ ihres Raths und Willens über⸗ geben hätten? Von ſolcher Cincinnatiſchen Kir⸗ chenordnung oder vielmehr Unordnung wird hof⸗ fentlich Niemand eine Spur in der Apoſtel⸗ geſchichte finden. Vielmehr, wo von Gemeinde⸗ verſammlungen irgend etwas berichtet wird, da ſehen wir die Apoſtel und Aelteſten auch mit da⸗ bei, und zwar nicht als müßige Zuſchauer, ſon⸗ dern vielmehr als die Seele des Ganzen, als die, welche bei obſchwebenden Streitfragen oder ſchwierigen Verhältniſſen durch die Erleuchtung vom Heiligen Geiſte Gottes Wahrheit und Willen erkannten, denſelben den Gläubigen vortrugen und mit⸗ ihnen gemeinſam die Ausführung be⸗ ſchloſſen. Aber nicht nur zu Jeruſalem, ſondern auch anderwärts fand das ähnliche Verhältniß Statt; nirgends, wo durch die Predigt z. B. des Apo⸗ ſtels Paulus Leute gläubig wurden und dieſe dann, nach Gottes Ordnung in 1 Tim. 3., einen gläubigen und lehrtüchtigen Mann beriefen, der darnach von dem Apoſtel, als ordentlich berufen, beſtätigt und in ſein Amt eingewieſen wurde — nirgends finden wir hier, daß die Hörerſchaft ohne Zuziehung und Mitwirkung des Lehramts, ſonderlich in Sachen des Kirchenregiments einen Beſchluß gefaßt; denn eben dann entſtand ja erſt eine chriſtliche Gemeinde, wenn die einzelnen Leute, die durch die apoſtoliſche Predigt an den HErrn Chriſtum gläubig und dadurch geiſtlich und innerlich eins wurden, das Predigtamt unter ſich aufrichteten und dadurch eine auch ſichtbar und äußerlich hervortretende Verſammlung wur⸗ den, in der das Wort Gottes rein und lauter verkündet und die heiligen Sacramente nach deoͤ HErrn Chriſti Einſetzung verwaltet wurden. Das demgemäße ordentliche Zuſammentreten des Lehramts und der Hörerſchaft bildet alſo die Gemeinde oder Kirche; und weder iſt z. B. der Pabſt mit ſeiner Kleriſei ohne die Hörerſchaft die Kirche oder Gemeinde, noch iſt irgendwo die Verſammlung predigerloſer Chriſten oder einer Hörerſchaft, mit Ausſchluß des Predigers, eine Gemeinde; und ſo thöricht es von dem Pabſie und ſeiner Kleriſei oder von den verſammelten Biſchöfen der Kirche Englands iſt, ſich und ihren Beſchlüſſen, ohne Mitwirkung und Zuziehung der Hörerſchaft, ein urſprüngliches Recht und „göttliche Autorität“ anzumaßen, eben ſo thöricht iſt es von der Hörerſchaft amerikaniſcher nicht⸗ katholiſcher Gemeinden, wenn ſie ohne das Mit⸗ wirken und Mitbeſchließen des Lehramts dasſelbe thut. Das Wort Gottes aber kümmert ſich in ſeiner Gemeinde⸗bildenden Kraft und Ordnung, in der es zwiſchen dieſen beiden Abirrungen hin⸗ durchſchreitet, weder um die papiſtiſche und bi⸗ ſchöfliche Prieſterherrſchaft und die Fürſtpabſterei Deutſchlands, noch um die demokratiſche Volls⸗ herrſchaft Amerikas. „Laſſet alles ehrlich und ordentlich zugehen“ — dieſes iſt die allgemeine Wahrung der heiligen Schrift wider jegliches Uebergreifen; daͤm es wäre eben ſo ſehr ein Ver⸗