Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 6 › Seite 47
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-11-13, Seite 47
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Teufel 5
*
zween Zeugen, die niemand ſtrafen kann, nemlich
Gottes Gebot und unſer Gewiſſen. Hier iſt mir
nicht möglich, Nein zu ſagen. Soll ich denn Ja
ſagen, als ich thun muß, ſo bin ich des Todes
und des Teufels; aber da leugt er, wenn er
darüber mich treibt, ich ſoll verzwei—
feln, wie Cain ſprach: Meine Sünden ſind
größer, denn Gottes Gnade. 1 Moſ. 4, 13.
Und hier iſt denn Zeit und Noth Rettens und
Helfens oben vom Himmel herab, daß entweder
ein Bruder bei dir ſei mit einem äußerlichen Wort
Gottes oder der Heilige Geiſt ſelbſt im Herzen mit
Erinnerung ſolcher äußerlichen Worte, und ſpreche:
Du haſt bekannt und nicht geleugnet, der Teufel
hat das Jawort gewonnen, daß du geſündigt und
billig verdammt ſeiſt, wie Judas; aber nun wende
dich herum zu Chriſto, wie St. Petrus, und ſiehe,
was er für dich gethan hat; Chriſtus hat ſolch
dein Jawort durch ſein Blut wiederum verdammt
und zunicht gemacht und ſoll dir nicht ſchaden.
Außer Chriſto hätte er wohl Recht zu dir, aber
weil du in Chriſto biſt und ihn anrufeſt, ſo iſt
ſolch dein Jawort wiederum zu Nein worden, und
kannſt trotzen und rühmen wider den Teufel: Bin
ich denn ja ein Sünder, ſo bin ich doch ja kein
Sünder. Ein Sünder bin ich in mir ſelbſt
außer Chriſto, kein Sünder bin ich in Chriſto
außer mir ſelbſt; denn er hat meine Sünde ver⸗
tilgt durch ſein heiliges Blut, da zweifle ich nicht
an, darauf habe ich Taufe und Abſolution und
Sacrament, als gewiſſe Siegel und Briefe.“
(Werke. Hall. A. XIX. 1498. 99.)
———
Evangeliſch⸗lutheriſches Miſſionslied.“)
Mel.: Nun ruhen alle Wälder.
1. O JEſu, Freund der Sünder,
Du mächt'ger Ueberwinder
Von Hölle, Welt und Tod,
Wir preiſen Deine Liebe,
Die Dich, aus freiem Triebe,
Gezoͤgen in die tiefſte Noth.
.Und daß Du auch uns Armen
Dein ewiges Erbarmen
So freundlich kund gethan;
Daß Deine Gnad' und Wahrheit.
Uns ſcheint in voller Klarheit:
Nimm unſer ſchwaches Loblied an!
Doch, ach! ſo viele Seelen
Sich noch in Sünden quälen,
Von Finſterniß umhüllt.
Sie gehn auf wüſten Wegen
Der Ewigkeit entgegen,
Das Herz von Furcht und Angſt erfüllt.
O IeEſu, großer Retter,
Laß alle falſchen Götter
„Doch gänzlich untergehn!
Laß Deine Kirche ſiegen
Und Satan unterliegen:
Erhör', erhöre uuſer Flehn!
.Erwecke, HErr, uns Laue
Recht aus dem Schlaf, und baue
Dein Zion wieder auf!
O rüſte Deine Glieder
Zum Glaubenskampfe wieder,
Und ſtärke uns zum Siegeslauf!
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*
*) Den jetzt in Elſaß verbreiteten und Nr. 4 des „Luthe⸗
raner“ angezeigten lutheriſchen Tractaten eninommen.
D. Red.
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6. O, öffne das Verſtändniß
Vom herrlichen Bekenntniß,
Das unſre Kirche ziert,
Damit wir auch die Heiden
Zur vollen Wahrheit leiten,
Dir ſie zum vollen Heile führt.
—
—
Gib treue Glaubenszeugen,
Die nichts von dem verſchweigen,
Was Sünder ſelig macht —
Die Deine Rechte lehren
Und allem Irrthum wehren,
Auf Deine Ehre nur bedacht.
Du ewiger Verſöhner,
Laß ſchön und immer ſchöner
Dein Werk von Statten gehn;
Zerbrich die Sündenbande,
Und laß doch alle Lande
Dein Licht und Deine Freiheit ſehn!
F. Weyermüller.
*
(Aus dem Novemberheft des „deuiſchen Kirchenfreundes“.)
Lutheriſche Kirche.
Ein neues Zeichen von der merklichen Verän⸗
derung, welche im engliſchen Theil der lutheriſchen
Kirche ſeit einiger Zeit vorgeht, iſt die Erklärung
der neulichen Synode von New York, daß der
„Lutheran Observer“ dem Geiſte und Charakter
der lutheriſchen Kirche, die er vertheidigen und
würdig vertreten ſollte, widerſpreche, und die Er⸗
nennung einer Committee, welche bei der Buch⸗
compagnie in Baltimore eine radicale Verände⸗
rung in der Redaction auswirken und im Falle
des Mißlingens bei der nächſten Generalſynode
auf die Gründung eines neuen Kirchenblattes
antragen ſolle. Der pfiffige Herausgeber wird
ſich natürlich hüten, dieſe Nachricht ſeinen Leſern
mitzutheilen, doch verdanken wir ſie der zuverläſ⸗
ſigen mündlichen Mittheilung eines Gliedes jener
Synode. So wird unſerem Freunde in Baltimore
Ein Grablied nach dem andern geſungen und
zwar zum Theil von ſeinen eigenen ehemaligen
Anhängern, ſo daß wir gerne uns den Gefühlen
des Mitleids hingeben würden, wenn der alte
Mann nicht noch immer ſo voll von unwürdigen
Kniffen wäre. Sobald er dieſe ablegt, verſprechen
wir ihm, das Alte zu vergeben und zu vergeſſen.
Grundſteinlegung.
Der achte Tag dieſes Monats war für die Ge⸗
meinde zu St. Louis ein Tag wahrhaft feſtlicher
Freude, und indem wir davon hierdurch eine öf⸗
fentliche Mittheilung machen, hoffen wir damit
den lieben Leſern des „Lutheraner“ einen Mit⸗
und Nachgenuß unſerer Freude zu bereiten.
Wie aus vorletzter Nummer zu erſehen, hat
unſere Synode eine Commiſſion niedergeſetzt zum
Bau eines College⸗ und Predigerſeminar⸗Gebäu⸗
des in der unmittelbaren Nähe unſerer Stadt auf
einem Grundſtück von zwei Acker Landes, welches
die hieſige Gemeinde zu dieſen Zwecke der Synode
zum Geſchenke gemacht hatte. So hat denn die
Commiſſion einen Plan zur Aufführung eines
entſprechenden Gebäudes entworfen, zunächſt aber
allein mit dem Aufbau eines (des rechten) Flü⸗
gels in Gottes Namen anzufaugen beſchloſſen,
die Fortführung und Vollendung des Werkes
durch Errichtung auch des Mittel- oder Haupt⸗
gebäudes mit ſeinem zweiten Flügel ſpäteren Zei⸗
ten überlaſſend. Nachdem nun bereits rüſtig zum
Werk geſchritten worden war, wurde beſchloſſen,
eine feierliche Grundſteinlegung ſtattfinden zu laſ⸗
ſen, und der oben bezeichnete Tag hierzu beſtimmt.
Das heiterſte Wetter begünſtigte die Feier. Nicht
nur Glieder der hieſigen Gemeinde jedes Alters
ſtrömten in ganzen Schaaren herbei, ſelbſt eine
bedeutende Anzahl anderer Bewohner unſerer
Stadt und mehrere theure Amtsbrüder aus der
Umgegend ſchloſſen mit ſichtlicher Freude dem
bunten Zug von Fußgängern, Reitern und zu
Waͤgen Fahrenden nach dem Bauplatze ſich an.
Hier angekommen, ſchloß die Verſammlung um
die noch wie Ruinen zum Theil aus der Erde ſich
erhebenden Anfänge des Baues einen Kreis. Ein
von dem Muſikchor unſerer Gemeinde ausgeführ⸗
tes Adagio eröffnete die Feier, und nachdem hierauf
von allen Anweſenden das Lutherlied: „Ein feſte
Burg iſt unſer Gott“, unter Inſtrumentalbeglei⸗
tung abgeſungen worden war, redete Schreiber
dieſes die Gegenwärtigen an, wobei er zu zeigen
verſuchte, wie die Kirche ſich immer als eine
Freundin und Pflegerin der Kunſt und Wiſſen⸗
ſchaft erwieſen habe und ihrer Natur und Beſtim⸗
mung nach immer erweiſen müſſe. Hieran ſchloß
ſich ein für dieſe Gelegenheit eigens gedichteter
und von den beiden Singvereinen der Gemeinde
gemeinſchaftlich vorgetragener Chorgeſang, worauf
Paſtor Bünger das Weihgebet ſprach, nach
deſſen Beendigung er die auf die Gründung und
Geſchichte der Anſtalt Bezug habenden, in ein
kupfernes wohlverlöthetes Käſtchen eingeſchloſſe⸗
nen, theils geſchriebenen theils gedruckten Urkun—
den, nachdem er dieſelben namentlich aufgeführt,
in den zu dieſem Zweck ausgehöhlten Grundſtein
vor Aller Augen einfügte und letzteren mit drei
kräftigen Hammerſchlägen und mit feierlich erho⸗
bener Stimme im Namen des dreieinigen hochge⸗
lobten Gottes mit einem entſprechenden Wunſch
auf ſeinen Platz brachte. Nach Vollziehung die⸗
ſes Aktes ertönte noch einmal ein Chorgeſang,
den 46ſten Pſalm enthaltend, auf welchen zum
guten Schluſſe das bekannte „Nun danket alle
Gott“ von der ganzen Verſammlung geſungen
und von Paſtor Bünger das Gebet des HErrn
geſprochen wurde. Mit fröhlichen Mienen zer⸗
ſtreute ſich hierauf die Menge und ein Jeder eilte
nun, da bereits die Sonne ſich neigte, von
dannen.
Möge denn der HErr, der zum fröhlichen An⸗
fang Gnade geſchenkt, nun auch, denn das iſt das
Nächſtnothwendige, Herzen erwecken, welche ihre
milden Hände aufthun, damit das in dieſer guten
Hoffnung begonnene Werk auch bald zum guten
Ende gebracht werde.
An das Wahlcollegium der Synode von
Miſſouri, Ohio und andern Stnaten.
Da es dem einigen, unſichtbaren Oberhaupte
der Kirche gefallen hat, unſeren theuren Bruder,
weiland Herrn Auguſt Wolter, geweſenen
treuverdienten Paſtor und Profeſſor an dem Se⸗
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