Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 6 › Seite 42

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-11-13, Seite 42

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Beichtanmeldung 3 · Katechismus 10 · Katechismus 12 · Leutheriſce airhe · Paſtor 9 · Katechismus 1

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darnach alſo, daß man überhaupt recht katechis⸗
musartig predige; und da man allezeit ent⸗
weder Geſetz oder Evangelium zu handeln habe,
ſo könne kaum über einen evangeliſchen oder epi⸗
ſtoliſchen Abſchnitt gepredigt werden, ohne daß
man mit dem Inhalte des Katechismus zu—
ſammentreffe. Da ſei es denn nicht uneben, hin
und her in der Predigt Fragen ſich ſelber zu ſtel⸗
len, und dieſe dann, ſei es in eigentlichen Kate⸗
chismusworten oder in weiterer katechismusarti⸗
ger Ausführung zu beantworten, was dem Ver⸗
ſtande der Hörer leichter eingehe, und zugleich er⸗
friſchender und belebender ſei, als bloß lehrhaftige
Darſtellung.

4. Ungemein wichtig aber ſeien ferner eigent⸗
liche Katechismuspredigten in den Wochen—
oder Nachmittags⸗Gottesdienſten am Sonntage.
Da habe man denn Stück für Stück nach einan⸗
der möglichſt einfältig, gründlich, ſcharf und kurz
gefaßt, doch zugleich ſchließlich nicht ohne ſeelſor—
geriſche eindringliche Ermahnung und Anwen⸗
dung auf Herz und Leben ſeinen Kirchkindern
vorzuhalten. Und ſicherlich werde man hiebei
am Beſten verfahren, wenn man die Auslegung
Luthers erklärend verfolge.

5. Sehr paſſend ſei es, wenn man dieſe ſo⸗
eben gehaltene und allezeit kurze Katechismus⸗
Predigt gleich darauf katechiſirend
wiederhole und wo möglich dabei allmählich
auch die Aelteren herzulocke und zum Antworten
gewöhne. Jedenfalls aber ſei es auch ohne vor⸗
her gehaltene Katechismus⸗Predigt von großer
Wichtigkeit,

6. am Sonntag⸗Nachmittag Chriſtenlehre
zu halten, darin man die Schriftworte des Kate⸗
chismus mit der Gemeinde laut aufbete, dar⸗
nach vielleicht ein Hauptſtück mit Erklärung von

»den Schulkindern und Confirmanden aufſagen
laſſe und endlich das einzelne betreffende Lehrſtück
genauer durchkatechiſire, wo möglich mit Jung
und Alt, doch freilich mit beſonderer Rückſicht auf
die Conſirmirten, Coufirmanden und älteren
Schulkinder; eine an dielKatecheſe ſich anlehnende
kurze und väterliche Ermahnung an die Jugend
werde hiebei zum Schluſſe auch nicht am unrech⸗
ten Orte ſein.

7. Man treibe den Katechismus flei—
ßig in der Gemeindeſchule von früh an
mit beſonderer Beachtung und Beherzigung von
Luthers trefflicher Vorrede zu ſeinem kleinen Kate⸗
chismus. Man laſſe alſo die kleinſten Kinder
nur den Text lernen und ſage ihn denen vor, die
noch nicht leſen können; man fordere von den
mittleren Kindern den Tert mit der Erklärung;
man lege den älteren Kindern dieſelbe etwas wei⸗
ter aus und frage ſie ab, zugleich mit den wich⸗
tigſten Beweisſtellen aus Gottes Wort. Man
bete täglich gemeinſchaftlich etwa zum Morgen—
ſegen z. B. den Glauben und das Vater Unſer
mit allen Schulkindern.

8. Nicht minder wichtig ſei es, bei den
Beichtanmeldungen vornehmlich die Beicht⸗
kinder, die man ſelber unterrichtet und confirmirt
hat, jedes Mal ein Stück aus dem Katechismus
nebſt Erklärung zu überhören und daran ſeelſor⸗

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geriſch ſolche Fragen zu knüpfen und ſolche Be⸗
richtung und Ermahnung zu thun, als man
weiß, daß das betreffende Beichtkind nach Ge⸗
müthsart, Erkenntnißſtand und Berufsweiſe ſie
gerade nöthig hat. Desgleichen ſeien Erwachſene,
die etwa z. B. kürzlich aus Deutſchland gekom⸗
men ſind und auch den Text des Katechismus
längſt vergeſſen haben, nicht zum Abendmahle zu⸗
zulaſſen, bis ſie ihn wieder gelernt haben. Und
man mache hierbei väterlich ſolche arme, unwiſ⸗
ſende, kirchlich verwahrloſ'te Leute auf die Wich—
tigkeit des Katechismus und auf die Gefahr auf⸗
merkſam, die nach Herz und Leben hin mit dem
Vergeſſen desſelben verbunden ſei; desgleichen
verhalte man ihnen nicht, daß ein Lutheraner
ohne Katechismus wie ein Kriegsmann ohne Waffe
und den Angriffen der Rotten- und Schwarmgei⸗
ſter völlig bloßgegeben ſei.

Aber auch den Gliedern der Gemeinde, die
an Jahren und Zugehörigkeit zur Gemeinde
älter ſind, ſei es bei ſolcher Gelegenheit hin und
her ins Herz und Gewiſſen zu ſchieben, den Ka⸗
techismus weder äußerlich zu vergeſſen, noch zu
verſäumen, ihn zur fortwährenden Selbſtprü⸗
fung in Hinſicht auf Buße, Glauben, gute
Werke, Geduld in Kreuz und Trübſal und
die Hoffnung des ewigen Lebens ernſtlich zu ge⸗
brauchen.

Das Vorurtheil und die ſeichte irrige Meinung,
als ſei der Katechismus nur für die Jugend zum
Schul⸗ und Confirmations-Unterricht nütze, habe
man hier und ſonſt, öffentlich und ſonderlich mit
allem Fleiß zu bekämpfen.

9. Aber auch außerhalb der Beichtanmeldung,
bei ſonſtiger Uebung der Privatſeelſorge,
ſei es am Orte, einen zweckdienlichen und ſachge—
mäßen Gebrauch vom Katechismus zu machen,
und ſo z. B. das dritte Gebot als ſolches
einem lauen Beſucher des öffentlichen Gottesdien⸗
ſtes, das fünfte einem Zornigen und Unverſöhn⸗
lichen, das ſiebente einem Geizigen, einem unge⸗
rechten Vervortheiler und Geldmacher zu ſchärfen,
einem Angefochtenen den zweiten Artikel vorzu⸗
halten u. ſ. f. und hiebei immer Bezug zu nehmen
auf den Katechismus als Ganzes.

10. Es gehöre aber auch hieher, theils durch
öffentliche Lehre, theils durch beſondere Ermah⸗
nung der Einzelnen, es allmählich wieder dahin
zu bringen, daß die Haus väter daheim
mit den Ihren den Katechismus treiben, als zu
welchem Zwecke er ja auch eigentlich abgefaßt iſt.
So z. B. ſei es lieblich und löblich, wenn der
Hausvater etwa nach dem Abendeſſen ein Haupt⸗
ſtück vornehme, es von ſeinen Kindern und ſon⸗
ſtigen Angehörigen (die es gern und ohne Zwang
thäten) nach einander aufſagen laſſe und je nach
Nothdurft und beſonderen Vorkommenheiten im
Hausweſen und Familienleben dieſe und jene
heilſame Bemerkung und Ermahnung dabei
thue u. ſ. f.

11. Endlich erſchien es der Conferenz auch nicht
für unwichtig und unweſentlich, wenn vielleicht
im „Lutheraner“, oder in einer beſonderen
Flugſchrift, aus der Zeit der Reformation und
dem 17. Jahrhundert Geſchichten und Thatſachen

geſammelt und zuſammengeſtellt würden, die es
darthun, wie damals von den Vätern der kleine
Katechismus Lutheri geehrt, geliebt, getrieben und
angewendet worden ſei.

Wenn nun — ſo war und iſt die Meinung der
Conferenz — auf die eben erwähnten Punkte und
andere, die ſie dermalen noch nicht erkenne, von
allen Paſtoren in unſerer Synode recht geachtet
und dieſelben, nach Maßgabe ihrer dermaligen
Gemeinde⸗Verhältniſſe, in That und Uebung ge⸗
ſetzt würden und der getreue Gott ſeinen Segen,
wie kindlich zu glauben, dazu gäbe: ſo wäne
billig zu hoffen, daß auch hiedurch im Laufe der

geſunde kirchliche Geſtalt bekämen. Dann würde
durch ſolche Mitwirkung des theuerwerthen Ka⸗
techismus, kraft des göttlichen Wortes, das in
ihm iſt, und der dieſem Worte gemäßen Aus⸗
legung, immer mehr in unſeren Heerden dahin
fallen:

1. jene grobe Unwiſſenheit, an der theilweiſe
häufig rationaliſtiſche Prediger in Deutſch⸗
land oder leichtfertige hier zu Lande ſchuld
ſind;

jene eille Halb- und Falſchwiſſerei, die hin
und her Manche aus den oft ziemlich vor⸗
nehmen Bibelſtunden und der ſonſtigen pie⸗
tiſtiſch⸗methodiſtiſchen Seelenpflege der unir⸗
ten Kirche Deutſchlands mit herüber⸗
bringen — einer Kirche, die in ihrem
krankhaften Gefühlschriſtenthum bekanntlich

herabſieht;
theils jenes offenbare Heuchel- und Maul⸗
chriſtenthum, das in ſeinem Werk und

Wandel das Bekenniniß des Mundes ver⸗

leugnet; theils jenes ungeſunde, unſichere

Chriſtenthum, das, meiſt eine Frucht

unioniſtiſcher Arbeit, nach ſeiner pietiſti⸗

ſchen Unart mit einem Bein im Geſetz
und mit dem andern im Evangelio ſieht,

Beides noch nicht gründlich innerlich erfah⸗

ren hat, und wo der feine geiſtliche Hoch⸗

muth und die verkappte Eigenliebe ſo gern
noch das meuſchliche Werkzeug in die gött⸗
liche Sache des HErrn hineinmengt.

Dagegen ſteht unſere Hoffnung feſt, daß unter

dem gnädigen Beiſtande und Segen Gottes je
län ger je mehr in unſren Gemeinden auch durch
jene Handhabung des kleinen lutheriſchen Kate⸗
chismus erzielt werde:

1. eine feſte gewiſſe Erkenntniß der göttlichen
Wahrheit zur Seligkeit und vomehmlich 1
eben des „Vorbilds der heilſamen Lehre“,
das unſer Katechismus enthält, alſo daß .
ſolche Erkenner ſich nicht mehr wägen und
wiegen laſſen von allerlei Wind der Lehrt
durch Schalkheit der Menſchen und Täu⸗
ſcherei;

fordert der Hoffnung, die in ihnen iſt, und
das mit Sanftmüthigkeit und Furcht, ſei
dieſe Verantwortung nun ein grades Bezeu⸗

Zeit unſre lieben Gemeinden mehr und mehr eine

ziemlich geringſchätzig auf den Katechismus

eine genugſame Fertigkeit und Bereitſchaft
zur Verantwortung Jedermann, der Grund 1

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