Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 6, Nummer 6 › Seite 43
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1849-11-13, Seite 43
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Katechismus 9 · Leutheriſce airhe · Miſſion 29
gen der Wahrheit oder eine Widerlegung
des Irrthums;
eine entſchiedene Feſtigkeit, das edle Kleinod
der reinen Lehre auch zu bewahren und zu
bleiben in dem, was ihnen vertraut iſt, ver⸗
bunden mit einem redlichen Haß und Ab⸗
ſcheu wider alle ſchriftwidrige und men⸗
ſchelnde Kirchenmengerei und Unioniſterei
der Gegenwart und Zukunft;
ein ſtiller, feſter, gottſeliger Wandel vor und
in dem HErrn, beſtehend in einer einfältigen
Bethätigung des Glaubens durch die Liebe,
einer geſunden Erzeigung von allerlei Frucht
des Geiſtes und ſonderlich in einer gotter⸗
gebenen Gelaſſenheit und Geduld in allerlei
Kreuz und Trübſal — Summa: ein recht⸗
ſchaffenes Weſen in Chriſto IEſu und nicht
bloß das Bekenntniß, ſondern auch die Nach⸗
folge des HErrn Chriſti.
Und ob zwar, nach Gottes Wort und dem Laufe
der Geſchichte, nicht gedenkbar ſei, daß dieſes
mannhafte, lebendige, ehrliche Bibelchriſtenthum
im Herzen, Verſtand und Willen alle unſre Kirch⸗
kinder ergreifen und in ihnen wohnen und walten
werde; vielmehr, ob zwar ſehr zu beſorgen ſei, daß
vielleicht der größte Theil todte Maulchriſten
oder krankhafte Gefühlschriſten bleiben, ja dane⸗
ben vielleicht auch bei uns der offenbare Abfall
vom Chriſtenthum hereinbrechen und der Unglaube
zunehmen werde, ſo werde es doch hoffentlich
nirgends, wo auf obgemeldete Weiſe auch der
kleine lutheriſche Katechismus getrieben wird, an
einem Kern lebendiger Bibelchriſten und geſunder
Kirchkinder fehlen.
(Jortſetzung folgt.)
(Eingeſandt.)
Heidenmiſſion.
Gewiß werden die Leſer des Lutheraner mit
Freuden die, Nr. 26. des öten Jahrganges ge⸗
machte Mittheilung begrüßt haben, daß die Sta⸗
tionen Frankenmut und Bethanien von ihren
Gründern unſerer Synode übergeben ſind und
daß auch die Station Siboying dazu gekommen
iſt. In der That eine erfreuliche Nachricht, welche
uns zu herzlichem Danke gegen den gnädigen Gott
erwecken muß. Unſere Synode beſitzt jetzt unter
den Indianern Michigans drei Stationen, auf
denen die Miſſionare den Heiden das Wort Got⸗
tes verkündigen, und durch deren Dienſt bereits
eine kleine Anzahl von Indianern bekehrt und
getauft iſt. Möge der HErr auch ferner den Dienſt
derſelben ſegnen und täglich hinzuthun, die da
ſelig werden, zu der Gemeinde.
Es iſt nun jedenfalls die nächſte Pflicht und
Aufgabe unſerer Synode, jenen Stationen eine
teue und weiſe Pflegerin zu ſein. Damit iſt aber
keinesweges die Nothwendigkeit geſetzt, daß wir
Oregon ganz aus den Augen verlieren; vielmehr
müſſen wir auch fernerhin unſer Augenmerk auf
den Weſten unſers Landes gerichtet halten, wohin
uns noch immer ſo viele Fingerzeige weiſen, da⸗
mit wir bereit ſind, wenn der HErr uns Bahn
dahin macht und uns dort eine Thür öffnet, ſei⸗
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nem Rufe Folge zu leiſten. Dieſe Rückſicht darf
uns aber durchaus nicht hindern, den Stationen
in Michigan unſeren herzlichſten Liebeseifer zuzu⸗
wenden. Indem Gott uns dieſelben übergibt,
gebietet er uns zugleich, Alles zu thun, was in
unſeren Kräften ſteht, um das Gedeihen derſelben
zu befördern. Und wir dürfen ja auch nur dann
hoffen, daß Gott uns würdigen wird, in anderen
und weiteren Kreiſen zur Ausbreitung ſeines
Reiches beizutragen, wenn wir uns auf dem uns
jetzt angewieſenen Gebiete nicht bloß im Großen,
ſondern auch im Kleinen als treu bewährt haben.
Wenn wir aber auf die großen Schwierigkeiten
ſehen, mit welchen die Miſſion unter den India⸗
nern zu kämpfen hat, ſo müſſen wir geſtehen, daß
außer dem Gedeihen, welches Gott gibt, nur ein
feuriger Eifer und eine unermüdliche Geduld im
Stande ſind, dieſelben zu überwinden. Die In⸗
dianer ſind kein civiliſirtes Voll, ſondern ſtehen
auf der unterſten Stufe der Geſittung, wenn man
bei ihnen überhaupt von Geſittung reden darf.
Sie haben größtentheils keine feſten Wohnplätze,
ſondern ziehen unſtät umher, bald hie, bald da
ihre Hütten aufſchlagend, je nachdem es die Jagd
oder die Fiſcherei, wovon ſie leben, erfordert. Ihre
Sprache iſt ſo ſchwer, daß die Erlernung derſelben
nur bei den größten Opfern von Zeit und Mühe
möglich iſt, weßhalb die Miſſionare noch genöthigt
ſind, Dolmetſcher in ihre Dienſte zu nehmen, die
aber nicht immer ein ſicheres Mittel der Mitthei⸗
lung ſind. Von den Weißen haben ſie ſeit langen
Jahren alle Arten von Unterdrückung und Betrü⸗
gerei zu leiden gehabt; von ihnen ſind ſie aus
ihrem Vaterlande vertrieben, von ihnen werden ſie
vielleicht bald wieder weiter nach dem Weſten ge⸗
drängt. Von ihnen ſind ſie zu den Laſtern der
gebildeten Völker verführt; durch ihre Schuld iſt
es geſchehen, daß auch der letzte Reſt von äußerlich
ehrbarer Zucht und Sitte, der ſich noch bei ihnen
fand, nun entſchwunden iſt. Von ihnen lernten
ſie die chriſtliche Religion meiſt allein in ihrer
Entartung und Mißgeſtalt kennen, ſo daß ſie jetzt
auch gegen die reine Lehre des Evangeliums ein⸗
genommen und verbittert ſind. Dabei hängen ſie
an ihrem heidniſchen Aberglauben mit ſo furcht—
barer Zähigkeit, daß ſie mit demſelben völlig zu⸗
ſammengewachſen ſcheinen, zum deutlichen Beweis,
daß es der Teufel iſt, der ſie mit ſeinen Stricken
ſo feſt gefangen und gebunden hält.
So hat der ſtarke Gewappnete nach allen Sei⸗
ten hin gewallige Bollwerke aufgeworfen, um ſei⸗
nen Palaſt zu bewahren; aber unſer Troſt iſt der,
daß es heißt: „Dazu iſt erſchienen der Sohn
Gottes, daß er die Werke des Teufels zerſtöre“,
1 Joh. 3, 8. Der Sohn Gottes hat auch für
die Heiden ſein Blut vergoſſen zur Vergebung der
Sünden, denn „derſelbige iſt die Verſöhnung für
unſere Sünden; nicht allein aber für die unſere,
ſondern auch für der ganzen Welt“, 1 Joh. 2, 2.
Und er will auch, daß ſie ſelig werden ſollen;
denn „Gott will, daß allen Menſchen geholfen
werde und zur Erkenntniß der Wahrheit kommen“,
1 Tim. 2, 4. Dazu hat er ſeiner Kirche das
Evangelium gegeben, und ihr geboten, dasſelbe
allen Völkern zu predigen: „denn es iſt eine Kraft
Gottes, die da ſelig macht alle, die daran glau⸗
ben“, Röm. 1, 16. Der Glaube an das Evan⸗
gelium iſt demnach für alle Menſchen der einzige
Weg zur Seligkeit: „wer da glaubet und getauft
wird, der wird ſelig werden, wer aber nicht glau⸗
bet, der wird verdammet werden“, Marc. 16, 16.
Darum iſt es Alles Lüge und Irrthum, was die
Schwärmer von einer Seligkeit der Heiden ſagen,
welche dieſelben ohne die Predigt des Evange⸗
liums, ohne den Gebrauch der von Gott verord⸗
neten Saeramente und ohne den Glauben an den
HErrn IEſum erlangen ſollen. Auch iſt es klar,
wie mit dieſem Irrthum unmöglich ein wahrer
Miſſionseifer beſtehen kann. Denn wenn die
Heiden, wie die Schwärmer träumen, ohne den
Gebrauch der Gnadenmittel ſelig werden, warum
ſie denn noch mit dieſen Dingen beläſtigen?
Es wird aber um unſern Miſſionseifer immer
etwas Kränkliches und Kümmerliches ſein und
bleiben, ſo lange wir uns zu demſelben nicht durch
Gottes Wort und Befehl reizen laſſen, ſondern
denſelben durch andere Gründe hervorrufen oder
auf etwas in uns Liegendes ſtützen wollen. Man
hat dieſes nicht ſelten verſucht; man hat den leib⸗
lichen und geiſtlichen Jammerſtand der Heiden,
der ja allerdings ſchrecklich genug iſt, ſo ergreifend
und ſo rührend zu ſchildern gewußt, daß dadurch
die Herzen vieler Chriſten zum Mitleiden und zu
lebendiger Theilnahme an der Miſſionsſache be⸗
wegt wurden. Oder man ſuchte ſich und Andern
durch die Ausſicht auf den Erfolg zum Miſſions⸗
eifer anzuregen, indem man ſich vorhielt, wie die
Heiden durch die Einführung des Chriſtenthums
in jeder Beziehung zu einem glücklicheren Daſein
gelangen würden. Allein wenn auch alles dieſes
in guter Meinung geſchah und ſeinen großen
Nutzen haben mag, ſo wird doch ein Chriſt ſich
damit nicht begnügen können. Er wird fragen:
was ſagt Gottes Wort darüber? Gebietet mir
Gott, daß ich mich der Miſſionsſache annehmen
ſoll und in welcher Weiſe? Und wenn er ſich
dann durch die hellen, klaren Sprüche der heiligen
Schrift überzeugt hat, daß ihm Gott in ſeinem
Worte allerdings ernſtlich gebietet, zur Ausbrei⸗
tung ſeines Reiches auf Erden mitzuwirken, ſo
wird ihm die Miſſionsangelegenheit zu einer hei⸗
ligen und theuren Gewiſſensſache, der er bis zum
letzten. Athemzuge ſeine herzlichſte Theilnahme
widmet.
Einen klaren, deutlichen Befehl Chriſti, daß wir
die Miſſionsſache eifrig fördern ſollen, haben wir
in allen den Stellen, in welchen er ſeiner Kirche
gebietet, ſein Wort der Welt zu verkündigen:
„Lehret alle Völker“, Matth. 28, 19. „Prediget
das Evangelium aller Creatur“, Marc. 16, 15.
Demnach iſt die Theilnahme an der Miſſion nicht
etwas, das wir nach Belieben thun oder laſſen
können. Sondern indem der HErr ſeiner ganzen
Kirche dieſen Befehl gibt, ſo verpflichtet er damit
auch jedes einzelne Glied derſelben, nach ſeinen
Gaben und Kräften treulich dazu beizutragen
daß das Wort Gottes allen Völkern gepredigt
werde. Vor allen Dingen will nun der HErr,
daß wir fleißig für die Miſſion beten. Darum
ſchreibt er uns ſelbſt im heiligen Vaterunſer drei
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